Ziel der Arbeit ist es, nach einem kurzen Exkurs zur Entwicklung der beiden Disziplinen, das Verhältnis zwischen Journalismus und PR zu untersuchen und dabei
vor allem auf die Frage einzugehen, ob Journalismus und PR sich mehr und mehr vermischen. Im Rahmen dieser Fragestellung werden sowohl die berufsspezifischen
Kodizes als auch deren Umsetzung vorgestellt und dabei besonders auf die Unterschiede zu den Positionen des Netzwerks Recherche verwiesen. Zudem werden
empirische Ergebnisse thematisiert und deren Relevanz im Hinblick auf die weitere Entwicklung von Journalismus und PR beurteilt. Am Ende werden die
Arbeitsergebnisse zusammengefasst und kurze Ausblicke auf das zukünftige Verhältnis von Journalismus und PR gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Hinführung zum Thema nach Schmidt/Zurstiege
2.1 Entwicklung und Kernaufgaben des Journalismus
2.2 Entwicklung und Kernaufgaben der PR
3. Verhältnis von Journalismus und PR in Theorie und Praxis
3.1 Kodizes von Journalismus und PR
3.2 Empirische Forschungen – PR auf dem Vormarsch?
3.3 Journalismus und PR in der Praxis – Vermischung von „getrennten Welten“?
4. Fazit
5. Literatur- und Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen Journalismus und Public Relations (PR). Das primäre Ziel ist es, unter Berücksichtigung der theoretischen Entwicklung beider Disziplinen zu analysieren, ob und inwieweit sich Journalismus und PR zunehmend vermischen und welche Rolle dabei berufsständische Kodizes sowie ökonomische Rahmenbedingungen spielen.
- Analyse der berufsspezifischen Kodizes (Pressekodex vs. DRPR-Richtlinien)
- Untersuchung des Einflusses von PR auf journalistische Arbeitsprozesse
- Evaluation empirischer Studien zum PR-Anteil in Medienbeiträgen
- Diskussion der ökonomischen Einflussfaktoren und „Kopplungsgeschäfte“
- Betrachtung der Vermischung von Journalismus und PR in der universitären Lehre
Auszug aus dem Buch
3.1 Kodizes von Journalismus und PR
Bei Kodizes handelt es sich, allgemein formuliert, um eine Sammlung von Regeln und Normen, an denen sich eine bestimmte Gruppe orientiert. Im Fall von Journalisten ist dies der Pressekodex des Deutschen Presserates, welcher in seiner Präambel in 16 Kapiteln „Richtlinien für die publizistische Arbeit“ empfiehlt. Da der Pressekodex einen umfangreichen Katalog an Anweisungen darstellt, der neben Hinweisen zur journalistischen Arbeit auch viele juristische Details umfasst, werden im Folgenden nur diejenigen Kapitel explizit aufgegriffen, die unmittelbar das Verhältnis von Journalismus und PR tangieren, da alles andere den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.
Unter Ziffer 1 finden sich beispielsweise generelle Regeln, wie die Wahrung der Menschenwürde oder die wahrhafte Unterrichtung der Öffentlichkeit, die zum Teil auch im Grundgesetz verankert sind. In verschiedenen Unterpunkten wird dann die generelle Norm durch Beispiele aus der Praxis konkretisiert. Ziffer 1 wird unter anderem durch die gerade für das Verhältnis von Journalismus und PR interessante Richtlinie „1.3 – Pressemitteilungen“ ergänzt. Diese lautet wie folgt: „Pressemitteilungen müssen als solche gekennzeichnet werden, wenn sie ohne Bearbeitung durch die Redaktion veröffentlicht werden.“ Die bloße Publikation von PR-Inhalten ist nach dieser Richtlinie also, sofern die Quelle ausdrücklich genannt ist, nicht verboten. Trotzdem sollte der Journalist jede eingehende Pressemitteilung durch eine intensive Recherche auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüfen, bevor er sie veröffentlicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Anhand aktueller Fallbeispiele wird die zunehmende Einflussnahme von PR auf journalistische Redaktionen illustriert und die Problemstellung der Arbeit hergeleitet.
2. Theoretische Hinführung zum Thema nach Schmidt/Zurstiege: Es werden die historischen Entwicklungslinien und Kernaufgaben von Journalismus und PR analysiert, um das Verständnis für beide Funktionssysteme zu schärfen.
3. Verhältnis von Journalismus und PR in Theorie und Praxis: Dieses Kapitel untersucht die ethischen Leitlinien, analysiert den zunehmenden Einfluss von PR durch empirische Studien und diskutiert die faktische Vermischung der beiden Disziplinen.
4. Fazit: Die Ergebnisse werden zusammengefasst, wobei das fehlende Sanktionspotenzial ethischer Kodizes sowie die ökonomischen Zwänge als Haupttreiber für die Vermischung von Journalismus und PR identifiziert werden.
5. Literatur- und Quellenverzeichnis: Hier werden sämtliche verwendeten Quellen, wissenschaftliche Literatur sowie Internetquellen systematisch aufgeführt.
Schlüsselwörter
Journalismus, Public Relations, PR, Pressekodex, Medienarbeit, Kodizes, Öffentlichkeitsarbeit, Kopplungsgeschäfte, Medienethik, Journalistische Unabhängigkeit, Kommunikation, Redaktion, Empirische Forschung, PR-Journalismus, Medienkrise
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem spannungsgeladenen Verhältnis zwischen Journalismus und PR und untersucht, wie diese beiden unterschiedlichen Funktionssysteme in der heutigen Medienlandschaft interagieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die ethischen Kodizes von Journalisten und PR-Fachleuten, der wachsende Einfluss der PR auf redaktionelle Inhalte sowie ökonomische Einflüsse auf die journalistische Unabhängigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu analysieren, ob und wie eine Vermischung von Journalismus und PR stattfindet und inwieweit professionelle Standards dieser Entwicklung entgegenwirken können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung empirischer Studien zur quantitativen und qualitativen Untersuchung von PR-Einflüssen in den Medien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen erläutert, dann die Kodizes kritisch hinterfragt und schließlich anhand empirischer Daten sowie Beispiele aus der Praxis die Vermischung beider Welten aufgezeigt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Medienethik, Pressekodex, PR-Journalismus, Kopplungsgeschäfte und journalistische Autonomie.
Warum gelten die aktuellen Kodizes als unzureichend?
Der Autor argumentiert, dass den Kodizes das notwendige Sanktionspotenzial fehlt, um bei Verstößen effektiv einzugreifen, zudem sind viele Bestimmungen zu schwammig formuliert.
Inwiefern spielt die ökonomische Situation eine Rolle?
Die ökonomische Krise in vielen Redaktionen führt zu Personalabbau und Zeitmangel, was Journalisten dazu verleitet, PR-Inhalte ungeprüft zu übernehmen, um den steigenden Arbeitsdruck zu bewältigen.
Gibt es auch eine Vermischung in der Ausbildung?
Ja, der Autor stellt fest, dass bereits in der universitären Ausbildung und an Journalistenschulen eine klare begriffliche und inhaltliche Abgrenzung zugunsten einer Vermischung der Disziplinen aufgeweicht wird.
Welches Fazit zieht der Autor zur Zukunft des Verhältnisses?
Der Autor fordert eine drastische Zurückdrängung des PR-Einflusses und betont, dass für die Glaubwürdigkeit des Journalismus eine striktere Unabhängigkeit und klarere professionelle Rahmenbedingungen unerlässlich sind.
- Citation du texte
- Lars Urhahn (Auteur), 2012, Journalismus und Public Relations, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268110