Goethes Zeichenunterricht in Rom


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung
1.1 Goethes zeichnerische Ausbildung vor der Italienreise

2. Goethes Zeichenunterricht in Rom als selbstauferlegtes "Curriculum" des Lernens, Sehens und Fertigens
2.1 Goethes Zeichenlehrer: Jacob Philipp Hackert
2.2 Schulung des künstlerischen Auges und Geistes
2.3 Der praktische Zeichenunterricht von Goethe

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis
4.1 Primärliteratur
4.2 Sekundärliteratur

Einleitung:

„Ich bin im Land der Künste, laßt uns das Fach durcharbeiten, damit wir für unser übriges Leben Ruh‘ und Freude haben und an was anders gehen können.“[1]

So schreibt Goethe am 20. Juli 1787 zu Beginn seines zweiten römischen Aufenthaltes in seinem Werke der „Italienischen Reise“. Bei der „Italienischen Reise“, handelt es sich um ein Reisetagebuch, dass Goethe während seines zweijährigen Aufenthaltes in Italien verfasste. Veröffentlicht wurde das Werk, erst dreißig Jahre später.

„Früh drei Uhr stahl ich mich aus Karlsbad, weil man mich sonst nicht fortgelassen hätte.“[2]

Am 3. September verlässt Goethe Karlsbad in Richtung Italien. Es ist, wie aus dem Zitat hervorgeht, eine heimliche Abreise. Er will sich vermehrt seinen dichterischen Werken widmen, wofür er sich eine Auszeit aus dem Staatsdienst, den er am Hof des Herzog Carl August von Sachsen-Weimar, bekleidet, nehmen möchte[3]. Er bezeichnet seinen Wunsch Italien zu bereisen, als „eine Art Krankheit, von der mich nur der Anblick und die Gegenwart heilen konnte“[4].

Wie schon das Zitat am Anfang zeigt, will sich Goethe besonders dem Fach der Künste widmen. Auf dieses Thema richtet sich auch die folgende Hausarbeit. Es soll untersucht werden, inwiefern der zweite römische Aufenthalt Goethe als bildender Künstler verändert und wie sich sein selbst auferlegter Zeichenunterricht gestaltet.

Die These ist, dass der zweite römische Aufenthalt für Goethe eine Art Neuanfang als bildender Künstler darstellt und dieses durch die für ihn fremden Eindrücke Roms verstärkt wird.

Hierfür bezieht sich die Hausarbeit auf die Korrespondenz vom Juni 1787 bis einschließlich Oktober 1787 aus dem „Zweite[n] Römische[n] Aufenthalt“ der „Italienischen Reise“. Das Werk der „Italienischen Reise“, soll dazu im Kontext der künstlerischen Weiterentwicklung Goethes betrachtet werden.

Ausgangspunkt der Betrachtung soll Hermann Mildenbergers Essay „Goethe als Zeichner“ sein, um genauer herauszuarbeiten, wie sich die Entwicklung als Zeichner in der Zeit des „Zweite[n] Römische[n] Aufenthalt“ darstellt.

1.1 Goethes zeichnerische Ausbildung vor der Italienreise:

Goethe beginnt seine zeichnerische Ausbildung nicht erst in Italien. Schon in seinem Elternhaus erhält er Zeichen- und Kalligrafieunterricht[5]. Goethes Vater beschäftigte zu diesem Zweck als privaten Zeichenlehrer Johann Michael Eben[6].

Der frühe Zeichenunterricht Goethes gestaltet sich in der Art, dass

„die üblichen Standardwerke, nach denen systematisch geübt wurde, aus einfachen Linien und Formen Gesichter zu bilden, schematische Körperteile und schließlich ganze Figuren oder anspruchslose Naturmotive, aus denen dann Landschaften zu kombinieren waren“[7]

gezeichnet wurden. Dieses lässt Goethe wenig Raum für eigene Gestaltungen oder Zeichnungen von der Natur.

Später während seines Studiums in Leipzig beschäftigt Goethe sich auch weiterhin mit dem Zeichnen. Auch hier hatte er wieder Privatunterricht. Sein Lehrer war dabei Adam Friedrich Oeser, der damalige Direktor der Kunstakademie in Leipzig[8].

Das Zeichnen bleibt für Goethe auch in seinem weiteren Leben eine wichtige Beschäftigung. Seinen Schwerpunkt setzt Goethe dabei vor allem auf die Landschaftsmalerei[9]. Eine intensivere Beschäftigung mit anderen Gattungen der Malerei wird Goethe während seiner italienischen Reise beginnen.

Um unerkannt zu bleiben, reist Goethe unter einem Pseudonym nach Italien. Er wählt den Namen „pittore Filippo Miller“[10] (Maler Filipp Müller), was eines seiner Anliegen deutlich werden lässt. Er will sich einem vertieften Kunststudium zu wenden, denn wie Hermann Mildenberger ausführt „galt zu seiner [Goethes] Zeit ein Studium in Italien als Voraussetzung für eine erstklassige künstlerische Ausbildung“[11].

2. Goethes Zeichenunterricht in Rom als selbstauferlegtes "Curriculum" des Lernens, Sehens und Fertigens:

2.1 Goethes Zeichenlehrer: Jacob Philipp Hackert:

Goethes Aufenthalte in Rom waren bestimmt durch das Zusammenkommen mit Künstlern, die ihm helfen sein „Talentchen zuzustutzen und zu erweitern“[12]. Zu ihnen zählten unter anderem Johannes Heinrich Wilhelm Tischbein und Angelika Kauffmann. Aber einem kam eine besondere Rolle in Goethes Beschreibung seines Zeichenunterrichtes zu, nämlich die eines Lehrers. Es handelt sich um Jacob Philipp Hackert, den Goethe in Neapel 1787 kennenlernte.

Jacob Philipp Hackert ist ein wichtiger deutscher Landschaftsmaler, der 1737 in Prenzlau geboren wurde. Er war Hofmaler von König Ferdinand von Neapel und Sizilien. Dort unterrichtete Hacker sowohl die Königskinder als auch Hofdamen[13]. Außerdem war bekannt von Hacker, dass er „seine Gäste regelmäßig zum gemeinsamen Zeichnen in einer Art Sommerkurs versammelte und betreute“[14]. In Hackert hat Goethe somit einen erfahrenen Lehrer gefunden.

Im Jahre 1811, schreibt Goethe die Biografie von Jacob Philipp Hackert nieder in „Jacob Hackert. Autobiographische Skizze meist nach dessen eigenen Aufsätzen entworfen von Goethe“ . Es lässt sich daraus schließen, dass Goethe Hackert eine besondere Wertschätzung entgegen bringt, da er die Biografie sogar noch vierundzwanzig Jahre nach ihrem Zusammentreffen verfasste.

Diese Wertschätzung für Hackert erkennt man auch, in Goethes „Zweite[m] Römische[n] Aufenthalt“ aus der „Italienischen Reise“, an der Art wie Goethe Hackert beschreibt: „Ich war mit Herrn Hackert draußen, der eine unglaubliche Meisterschaft hat, die Natur abzuschreiben und der Zeichnung gleich eine Gestalt zu geben.“[15] Nur schon durch den Begriff der „Meisterschaft“[16] zeichnet Goethe Hackert in besonderem Maße aus. Der Begriff steht im Kontrast zu Goethes „Talentchen“[17]. Er will von Hackert lernen und von ihm unterrichtet werden.

[...]


[1] Johann Wolfgang Goethe: Italienische Reise, Hamburger Ausgabe , 11. Auflage, München; Deutscher Taschenbuch Verlag 2007, S. 369

[2] Johann Wolfgang Goethe: Italienische Reise, S. 9

[3] Roberto Zapperi: Das Inkognito, München; C.H. Beck’sche Verlag 1999, S. 29

[4] Johann Wolfgang Goethe: Italienische Reise, S. 125

[5] Hermann Mildenberger: Goethe als Zeichner, In: Goethe Handbuch, Supplemente Band 3; Hg. v. Andreas Beyer, Ernst Osterkamp; Stuttgart, Weimar; J.B. Metzler Verlag 2011, S. 28

[6] Petra Maisak: Der Zeichner Goethe oder die „Practische Liebhaberey in den Künsten“, In: Goethe und die Kunst; Hg. v. Sabine Schulze; Stuttgart; Gerd Hatje Verlag 1994, S. 107

[7] Petra Maisak: Der Zeichner Goethe oder die „Practische Liebhaberey in den Künsten“, S. 107

[8] Mildenberger: Goethe als Zeichner, S. 29

[9] Mildenberger: Goethe als Zeichner, S. 32

[10] Mildenberger: Goethe als Zeichner, S. 36

[11] Hermann Mildenberger: Goethe als Zeichner, S. 36

[12] Johann Wolfgang Goethe: Italienische Reise, S. 372

[13] Thomas Weidner: Jakob Philipp Hackert, In: Goethe Handbuch, Supplemente Band 3; Hg. v. Andreas Beyer, Ernst Osterkamp; Stuttgart, Weimar; J.B. Metzler Verlag 2011, S. 489

[14] Thomas Weidner: Jakob Philipp Hackert, S. 489

[15] Johann Wolfgang Goethe: Italienische Reise, S. 351

[16] Johann Wolfgang Goethe: Italienische Reise, S. 351

[17] Johann Wolfgang Goethe: Italienische Reise, S. 372

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Goethes Zeichenunterricht in Rom
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Institut für neuere deutsche und europäische Literatur)
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
18
Katalognummer
V268252
ISBN (eBook)
9783656584698
ISBN (Buch)
9783656584643
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
goethes, zeichenunterricht
Arbeit zitieren
Sandra Offermanns (Autor), 2012, Goethes Zeichenunterricht in Rom, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268252

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