„Das Konzept Stadtguerilla“ als sozi-politische Agitation. Eine Diskursanalyse nach Andreas Gardt

Die Sprache des Terrors


Hausarbeit, 2008
13 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Diskursanalyse als Methode nach Andreas Gardt
2.1. „I. Konkrete Antworten auf konkrete Fragen“
2.2. „II. Metropole Bundesrepublik“
2.3. „III. Studentenrevolte“
2.4. „IV. Primat der Praxis“
2.5. „V. Stadtguerilla“
2.6. „VI. Legalität und Illegalität“

3. Auswertung und Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Über dreißig Jahre ist es nun her, dass die linksextreme terroristische Vereinigung „Rote Armee Fraktion“, kurz RAF, die damals noch zweigeteilte Bundesrepublik in Angst und Schrecken versetzte. Brandstiftungen, Entführungen und Mord waren für die meist mittelständischen jungen Männer und Frauen probate Mittel, um sich mit dem sie umgebenden Staat und seinen Machthabern auseinanderzusetzen.

Doch auch auf intellektueller Ebene gelang es der RAF, ihre Ziele unmissverständlich zu äußern. Vor allem die ehemalige Journalistin und studierte Soziologin und Germanistin Ulrike Marie Meinhof tat sich mit ihrer schriftlichen Agitation hervor und vermochte es dadurch, auch am nicht ganz so extremen, aber dennoch linken Rand, Sympathisanten für die eigene Sache zu gewinnen.

Wie sie den Spagat zwischen linker Kampfpropaganda und intellektueller Argumentation fertig brachte, soll im hier vorliegenden Text anhand einer Diskursanalyse ihres im April 1971 erschienenen Gründungsmanifests „Das Konzept Stadtguerilla“ belegt werden. Als Analysemethode soll die im Anschluss näher erklärte Methode nach Andreas Gardt benutzt werden, welche sich derzeit noch im Druck befindet.

2. Die Diskursanalyse als Methode nach Andreas Gardt

Neben der Theorie des Diskurses beschäftigt sich Andreas Gardt in seinem Werk „Diskursanalyse - Aktueller theoretischer und methodische Möglichkeiten“ auch mit einer selbst entwickelten Methode der Analyse von Texten und Textkorpora. Es handelt sich hierbei um ein Verfahren, welches einen zu bearbeitenden Text Schritt für Schritt untersucht. Dies beginnt zunächst mit der Einteilung der zu behandelnden Textebenen in eine „Ebene der Sprachstruktur und der des Satzes“. Auf dieser Ebene werden rein sprachliche Phänomene, wie zum Beispiel Schlagwörter, Rhetorik, Syntax, Kollektivsymbole und Zitate, betrachtet und ausgewertet.

Auf der zweiten Ebene, welche als „transphrastische Ebene“ bezeichnet wird, untersucht man den Text bezüglich des Textaufbaus, der Kohärenz, des Layouts, der Sprechakte etc.

Das Ziel dieser Vorgehensweise ist „nicht nur Beschreibung sondern Aufdeckung der semantischen Voraussetzungen, Implikationen und Möglichkeitsbedingungen“ mit „aufklärerischer Intention“. (Gardt, Diskursanalyse) Es soll also vom Einzelnen ein Verständnis für das Ganze geschaffen werden.

Zur Analyse des Textes soll nun die Sprachstrukturebene und die transphrastische Ebene anhand der einzelnen Kapitel des Textes betrachtet werden.

2.1. „I. Konkrete Antworten auf konkrete Fragen“

Über die äußere Form und das Layout lässt sich wenig sagen. Es gibt keine besonderen Merkmale im Bezug auf Textausrichtung oder Farbdesign.

Der Text beginnt mit einem Zitat Mao Tse Tungs, in dem er erklärt, dass es gut sei, wenn der Feind gegen einen mobil macht, da dies ja demonstriere, dass man selbst mit der Durchsetzung seiner eigenen Ziele auf dem richtigen Weg sei und eine „klare Trennungslinie“ gezogen hat.

Nun beginnt Ulrike Meinhof ihre Argumentation im Bezug auf die Richtigstellung einiger von ihr als falsch erachteten Äußerungen, die Gegenüber der „Baader-Meinhof- Bande“, wie die RAF auch genannt wurde, getroffen wurden.

Hier ist die Wortwahl auffällig. Zunächst lassen sich in diesem Abschnitt vorkommende Begriffe wie „Genossen“ oder „Kapitalistenknecht“ ganz klar dem linken Lager zuordnen. Dies gilt auch für Begriffe wie „antiimperialistischer Kampf“ oder die immer wiederkehrende Bezeichnung von Polizisten als „Bullen“. Nicht einmal werden Polizisten tatsächlich als solche bezeichnet.

Andere Wörter und Äußerungen lassen jedoch intellektuelle Vorbildung erkennen, wenn zum Beispiel argumentiert wird, dass psychische Mechanismen bereits bei Autoren wie Horkheimer/Adornos beziehungsweise Reich behandelt wurden. Ebenso wird sich des Lateinischen bedient: „contradictio in adjecto - ein Widerspruch, der nicht geht.“, heißt es im Bezug auf einen „revolutionäre[n] Zwangscharakter“. Fernab von dieser Art sprachlicher Äußerung erscheinen dem Leser zwischendurch etwa ebenso häufig auftretende umgangssprachliche Begriffe wie

„zusammengeschludert“ oder „das alles ist nur Dreck“, wenn es um die journalistische Arbeit der öffentlichen Medien geht. Äußerst harsch geht Meinhof mit ihrem ehemaligen Arbeitgeber und Ehemann Klaus Rainer Röhl um. Sie bezeichnet ihn als linke Hand Eduard Zimmermanns, der mit ihm zusammen die Popularität dieser

„Wichsvorlage“ vorantreibe. Neben dem mehr als umgangssprachlichen Vokabular finden hier auch mehrere Präsuppositionen gleichzeitig statt. Zunächst wird Röhl nicht namentlich genannt, sondern es ist nur vom Herausgeber der linken Zeitschrift „konkret“ die Rede, was voraussetzt, dass der Leser weiß, was „konkret“ ist und auch weiß, wer dort die Chefredakteure und Herausgeber sind. Die nächste Präsupposition folgt mit der namentlichen Nennung Eduard Zimmermanns. Der Leser muss hier wissen, dass Eduard Zimmermann damals Fernsehmoderator der Sendung „Aktenzeichen XY“ war und ebenso muss ihm das Konzept der Sendung bekannt sein, welches Verbrechen der Öffentlichkeit publik machte, in der Hoffnung, Hinweise aus der Bevölkerung zu erhalten. Viele Menschen, besonders links-politische, sahen in dieser Sendung den westlichen Einstieg in ein Überwachungssystem, welches gerne mit dem der Staatssicherheit in der ehemaligen DDR verglichen wurde.

Der Text enthält eine große Zahl von textexternen Kohärenzen, welche sich hauptanteilig auf Ereignisse aus dem unmittelbaren Umfeld der Roten Armee Fraktion beziehen; wie zum Beispiel die Befreiung Andreas Baaders, Banküberfälle oder aufgedeckte Aufenthaltsorte.

Gegen Ende dieses Textteils erfolgt noch mal ein Zitat. „Wenn ihr allerdings wissen wollt, was die Kommunisten denken, dann seht auf ihre Hände und nicht auf ihren Mund.“ So wird Lenin zitiert und noch mal nachdrücklich deutlich gemacht, dass die Zeit der rein sprachlichen Auseinandersetzung nun vorbei ist und mehr Taten folgen werden.

Die Textintention ist klar appellativ mit perlokutionärem Sprechakt. Man will dem Staat und dem System drohen, andererseits aber auch gleich gesinnte Leser überzeugen, sich der eigenen Sache anzuschließen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
„Das Konzept Stadtguerilla“ als sozi-politische Agitation. Eine Diskursanalyse nach Andreas Gardt
Untertitel
Die Sprache des Terrors
Hochschule
Universität des Saarlandes
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
13
Katalognummer
V268277
ISBN (eBook)
9783656586036
ISBN (Buch)
9783656585978
Dateigröße
564 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
konzept, stadtguerilla, agitation, eine, diskursanalyse, andreas, gardt, sprache, terrors
Arbeit zitieren
Florian Biehl (Autor), 2008, „Das Konzept Stadtguerilla“ als sozi-politische Agitation. Eine Diskursanalyse nach Andreas Gardt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268277

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