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Das Verhalten Angehöriger der Nationalen Volksarmee (NVA) im Spiegel des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS)

Nonkonformität, Verweigerung, Protest und Widerstand in den Streitkräften der DDR

Title: Das Verhalten Angehöriger der Nationalen Volksarmee (NVA) im Spiegel des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS)

Thesis (M.A.) , 2013 , 92 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Michael Breska (Author)

History of Germany - Modern History
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Summary Excerpt Details

Am 2. Oktober 1991 hörten zwei bis dato eng miteinander verbundene Institutionen auf zu
existieren. Dabei handelte es sich zum Einen um die Nationale Volksarmee (NVA) und zum
Anderen um das Ministerium für Staatssicherheit (MfS), dessen Aufgabe unter Anderem darin
bestand, die NVA und ihre Angehörigen zu überwachen. Dabei ging es nicht nur um die Abwehr
von Spionagetätigkeiten anderer Geheimdienste, sondern auch um die Überprüfung der Soldaten
hinsichtlich ihrer politischen Zuverlässigkeit. Zur Erfüllung dieser Aufgabe bediente sich die
Hauptabteilung I (HA-I), die zum Ende der 80er Jahre mit ca. 2.000 hauptamtlichen Mitarbeitern zu den personell stärksten Abteilungen des MfS zählte, beispielsweise eines dichten Netzes an inoffiziellen Mitarbeitern (IM). Das Absicherungsverhältnis, die so genannte IM-Dichte, lag im
Idealfall bei ca. 1:20. Auf 20 Soldaten kam demnach ein IM. In strategisch wichtigen Einheiten, wie zum Beispiel im Funk- und Chiffrierdienst, sowie bei den Grenztruppen, war das Absicherungsverhältnis weitaus höher. Die Gründe dafür sind beispielsweise in der Tatsache zu suchen, dass das Chiffrierwesen im Blickfeld ausländischer Geheimdienste lag oder dass sich ein Soldat, der in grenzsichernden Einheiten diente, in prädestinierter Position für eine Fahnenflucht befand.
Die Staatssicherheit misstraute ihrer Natur nach Allem und Jedem. Jede kleinste Normabweichung war operativ bedeutsam und konnte als Widerstand gewertet werden. Dabei ist zu beachten, dass der
Widerstandsbegriff der Staatssicherheit ein Anderer war, als der, welcher in der vorliegenden Arbeit
verwandt werden wird. Die Quellenlage deutet darauf hin, dass aus Sicht des MfS alles als
Widerstand gelten konnte, frei nach dem Prinzip »wer nicht für Uns ist, ist gegen Uns«. So finden sich im Archiv der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes (BStU) tausende Akten über operative Personenkontrollen, in denen die betroffenen Soldaten beispielsweise auf geheimdienstliche Tätigkeiten überprüft wurden, weil sie oder ihre Ehefrauen Kontakt zu Verwandten in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) hatten, denn gemäß der Geheimhaltungsvorschriften der NVA war es den Soldaten untersagt, Westkontakte zu unterhalten. Ob ein solches Verhalten aus der Sicht des Historikers als Widerstand verstanden werden kann, wird – unter anderem- Gegenstand dieser Arbeit sein.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Allgemeines

1.2 Widerstand oder widerständisches Verhalten? Eine Begriffsdefinition

1.3 Quellenlage

2 Nonkonformität und Widerstand in den Streitkräften und bei den Bausoldaten

2.1 Formen nonkonformen Verhaltens

2.2 Formen der Verweigerung

2.2.1 Arbeits-, Befehls- und Gelöbnisverweigerungen bei den Bausoldaten

2.2.2 Befehlsverweigerungen in den Teilstreitkräften

2.3 Formen des Protests

2.3.1 Entpflichtungsgesuche von Berufssoldaten und Austritte aus der SED

2.3.2 Eingaben als Form des Protests

2.3.3 Mündlich- und schriftlich-negative Äußerungen

2.3.4 Unterschiede bei der Äußerung von Protest

2.4 Formen des Widerstands

2.4.1 Fahnenflucht

2.4.2 Die Totalverweigerung als Form des Widerstands

2.5 Die „EK-Bewegung“: ein Sonderfall im Rahmen dieser Untersuchung

2.5.1 Entstehung und Auswirkungen der „EK-Bewegung“

2.5.2 Einordnung der „EK-Bewegung“ im Zuge dieser Untersuchung

3 Resümee

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht nonkonformes und widerständiges Verhalten von Angehörigen der Nationalen Volksarmee (NVA) im Spiegel der Berichterstattung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), um zu klären, inwieweit das Peukert’sche Widerstandsmodell auf den militärischen Kontext der DDR übertragbar ist.

  • Analyse von Handlungsformen wie Verweigerung, Protest und Widerstand in der NVA.
  • Untersuchung der spezifischen Situation von Bausoldaten im Vergleich zu regulären Einheiten.
  • Evaluation der Aktenlage des MfS zur Interpretation von Soldatennormabweichungen.
  • Diskussion der „EK-Bewegung“ als soldatische Subkultur und deren Einordnung in das Modell der totalen Institution.

Auszug aus dem Buch

2.1 Formen nonkonformen Verhaltens

Genau wie das „Dritte Reich“ war auch die DDR und damit ihre Armee im Inneren kein einheitlicher machtpolitischer Block. Selbst in der NVA gab es innere Widersprüche, welche die Armeeangehörigen oftmals zwangen, sich mit der Frage zu beschäftigen, ob sie den Anordnungen ihres Dienstherren Folge leisten sollten oder nicht. So standen viele Soldaten vor der Frage, ob sie ihre engsten Verwandten dazu zwingen sollten, Kontakte zur Westverwandtschaft abzubrechen. Die Geheimhaltungsvorschriften der NVA schrieben dies eindeutig vor. Sollte hier nicht doch das Prinzip „Blut ist dicker als Wasser“ gelten? Andere Fragen waren im Dienstalltag ebenso von unerheblicher Relevanz, so zum Beispiel, ob der Kamerad, den man gerade beim Hören des RIAS erwischt hatte, gemeldet werden sollte oder nicht. Dies waren Fragen, die im Alltagsleben der NVA-Angehörigen eine Rolle gespielt haben. Im Zusammenhang mit diesen alltäglichen inneren Konflikten soll im folgenden Kapitel der Versuch einer Einordnung der Handlungen der Betroffenen, wie sie in den genannten Unterlagen vorfindbar sind, in das Peukert’sche System versucht werden.

Am häufigsten sind in den untersuchten Akten der BStU Vorkommnisse erwähnt, die gemäß Peukert’schen Definition als Ausdruck nonkonformen Verhaltens zu werten sind. Wie eingangs bereits erwähnt wurde, geht Peukert davon aus, dass nonkonformes Verhalten in der Regel im privaten Wirkungsraum angesiedelt sei und es sich um einzelne Normverletzungen handele, nicht den Staat als Ganzes, als das herrschende Regime und seine Politik, in Frage stellen würden. Wo aber hört der staatsbezogene Wirkungsraum auf und wo beginnt der Private? Es ist im Allgemeinen sinnvoll, den Begriff des Wirkungsraumes nicht von einer Örtlichkeit abhängig zu machen. Vielmehr ist davon auszugehen, dass der private Wirkungsraum auf die Privatangelegenheiten des Soldaten bezogen werden kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Thema ein, definiert den Untersuchungsgegenstand und erörtert die Quellenlage sowie die methodische Herangehensweise anhand des Peukert’schen Modells.

2 Nonkonformität und Widerstand in den Streitkräften und bei den Bausoldaten: Dieser Hauptteil analysiert verschiedene Formen von Regelverstößen, Protesten und Widerstandshandlungen innerhalb der NVA und beleuchtet die Rolle der Bausoldaten sowie die „EK-Bewegung“.

3 Resümee: Hier werden die Ergebnisse zusammengefasst und die Schwierigkeiten diskutiert, soldatisches Handeln in der NVA eindeutig als Widerstand im Sinne des Peukert’schen Modells zu kategorisieren.

Schlüsselwörter

NVA, Ministerium für Staatssicherheit, Bausoldaten, Nonkonformität, Widerstand, DDR-Diktatur, Detlev Peukert, Totalverweigerung, Fahnenflucht, Eingaben, EK-Bewegung, totale Institution, militärischer Drill, politische Motivation, SED-Regime.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie innerhalb der Nationalen Volksarmee (NVA) von der offiziellen Norm abweichendes Verhalten von Soldaten durch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) wahrgenommen und dokumentiert wurde.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen die Analyse von Formen der Nonkonformität, die Verweigerung von Befehlen und Gelöbnissen, Protestformen wie Eingaben sowie die Untersuchung von Fahnenflucht und der sogenannten „EK-Bewegung“.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu prüfen, inwieweit das von Detlev Peukert entwickelte Widerstandsmodell für die NS-Zeit auf die Bedingungen der DDR und die spezifische Struktur der NVA übertragen werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historische Quellenanalyse, die auf den Akten des Zentralarchivs der BStU basiert und diese qualitativ interpretiert, um soldatische Verhaltensweisen einzuordnen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Kategorien von Regelverstößen und untersucht diese auf ihre politische Relevanz hin, wobei besonders auf den Unterschied zwischen privaten Konflikten und politisch motiviertem Widerstand eingegangen wird.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen NVA, Bausoldaten, MfS, Nonkonformität, Widerstand, totale Institution und EK-Bewegung.

Welche Rolle spielten die Bausoldaten bei Protesten?

Bausoldaten bildeten eine besondere Gruppe, die aufgrund ihrer christlichen oder pazifistischen Prägung häufiger in Konflikt mit dem SED-Regime geriet und durch gezielte Verweigerungshandlungen auffiel.

Wie ist die „EK-Bewegung“ einzuordnen?

Die „EK-Bewegung“ (Entlassungskandidaten) wird als soldatische Subkultur analysiert, die innerhalb der NVA-Kasernen informelle Machtstrukturen bildete und oft mit Gewalt gegen jüngere Jahrgänge einherging.

Ist jede Verweigerung als politischer Widerstand zu werten?

Nein, der Autor betont, dass zwischen individuellen Konflikten, alltäglicher Nonkonformität und bewusstem, regimekritischem Widerstand strikt unterschieden werden muss, was anhand der Aktenlage oft schwierig ist.

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Details

Title
Das Verhalten Angehöriger der Nationalen Volksarmee (NVA) im Spiegel des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS)
Subtitle
Nonkonformität, Verweigerung, Protest und Widerstand in den Streitkräften der DDR
College
University of Potsdam  (Historisches Institut)
Grade
2,0
Author
Michael Breska (Author)
Publication Year
2013
Pages
92
Catalog Number
V268408
ISBN (eBook)
9783656585589
ISBN (Book)
9783656585626
Language
German
Tags
verhalten angehöriger nationalen volksarmee spiegel ministeriums staatssicherheit nonkonformität verweigerung protest widerstand streitkräften NVA Stasi Peukert Bausoldat Grenztruppen Mauer Grenze Waffendienstverweigerer Wehrdienst EK-Bewegung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Michael Breska (Author), 2013, Das Verhalten Angehöriger der Nationalen Volksarmee (NVA) im Spiegel des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268408
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