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Wirtschaftsprüfer im Interessenskonflikt. Vereinbarkeit von Abschlussprüfung und Beratungstätigkeit vor dem Hintergrund des Unabhängigkeitsgrundsatzes

Title: Wirtschaftsprüfer im Interessenskonflikt. Vereinbarkeit von Abschlussprüfung und Beratungstätigkeit vor dem Hintergrund des Unabhängigkeitsgrundsatzes

Bachelor Thesis , 2013 , 66 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Michael Fisch (Author)

Business economics - Accounting and Taxes
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Summary Excerpt Details

Jährliche Umsatzwachstumsraten von ca. 52 % (1999 bis 2001), Steigerung des Börsenwertes von 50 Mrd. (1996) auf 80 Mrd. US-Dollar (2001), Auszeichnung zum innovativsten Unternehmen der USA durch das renommierte Wirtschaftsmagazin „Fortune“ - lange Zeit galt der Energiekonzern Enron als eines der lukrativsten Unternehmen der Welt. Nur wenige Monate später löste der rapide Zusammenbruch Enrons einen der größten Bilanzskandale der Geschichte aus, der sich bis heute nachhaltig negativ auf das Berufsbild des Wirtschaftsprüfers in der öffentlichen Wahrnehmung auswirkt. Dies ist vor allem auf das Fehlverhalten des bei Enron bestellten Wirtschaftsprüfers zurückzuführen. Arthur Andersen übersah nicht nur Unzulänglichkeiten in der Berichterstattung, sondern regte auch aktiv zur Bilanzmanipulation an. Die Tatsache, dass Arthur Andersen im Jahre 2000 bei Enron über die Prüfungsleistungen in Höhe von 25 Mio. US-Dollar hinaus auch sonstige Dienstleistungen in erheblichem Umfang (27 Mio. US-Dollar) erbrachte, führte die Notwendigkeit einer Stärkung der Unabhängigkeit des Wirtschaftsprüfers in das Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit.
[...]
Dabei repräsentiert der Fall Enron/Arthur Andersen keinen Einzelfall, sondern eher den öffentlichkeitswirksamen Höhepunkt zahlreicher Unternehmenszusammenbrüche sowohl auf nationaler (Philipp Holzmann, Flow Tex) als auch auf internationaler (Worldcom, Parmalat) Ebene um die Jahrtausendwende. Dementsprechend sahen sich Gesetzgeber und Standsetter weltweit gezwungen, restriktive Maßnahmen zur Stärkung der Unabhängigkeit des Wirtschaftsprüfers zu erlassen. [...]

Trotz der Vielzahl an Maßnahmen trat die Diskussion um die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers im Zuge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise wieder verstärkt in den Vordergrund. Nachdem anfänglich primär Kreditinstitute, Aufsichtsbehörden und Ratingagenturen in der Kritik standen, rückten in der Folgezeit auch Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in den Fokus der Regulierungsabsichten. Mit der Veröffentlichung eines Grünbuches zur Reformierung der Abschlussprüfung hat die Europäische Kommission einen neuen Vorstoß unternommen, die Unabhängigkeit des Wirtschaftsprüfers durch verschiedene Maßnahmen zu stärken. Vor dem Hintergrund steigender Beratungsumsätze zielen die Regulierungsabsichten besonders auf eine strikte Behandlung von Nichtprüfungsleistungen ab. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

1.2 Zielsetzung und Gang der Arbeit

2. Berufsbild des Wirtschaftsprüfers

2.1 Rolle des Wirtschaftsprüfers

2.2 Grundlagen der Abschlussprüfung

2.3 Grundlagen der Beratungstätigkeit in der Wirtschaftsprüfung

3. Grundsatz der Unabhängigkeit

3.1 Erklärungsansätze für Anreize zur Unabhängigkeitsaufgabe

3.1.1 Theoretische Modelle

3.1.2 Unabhängigkeitsgefährdende Sachverhalte

3.2 Maßnahmen zur Wahrung der Unabhängigkeit

3.3 Vor- und Nachteile der Verbindung von Beratung und Prüfung

4. Normativer Rahmen zur Wahrung der Unabhängigkeit

4.1 Normen zur Stärkung der Unabhängigkeit des Wirtschaftsprüfers

4.1.1 Berufs- und handelsrechtliche Normen

4.1.2 Bestimmungen der EU

4.1.3 Code of Ethics der IFAC

4.1.4 Sarbanes-Oxley Act of 2002

4.2 Kompatibilität von Prüfung und ausgewählten Beratungsleistungen

4.3 Reformbestrebungen der EU infolge der Finanzkrise

5. Vereinbarkeit von Abschlussprüfung und Beratungstätigkeit in der Prüfungspraxis

5.1 Quantitative Studien zur Entwicklung der Beratungstätigkeit in der Wirtschaftsprüfung

5.2 Qualitative Studien zur Vereinbarkeit von Beratung und Prüfung

5.2.1 Surrogate zur Messung der Unabhängigkeitsbeeinträchtigung

5.2.2 Studien zur Auswirkung der parallelen Beratung auf die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers

6. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Vereinbarkeit von Abschlussprüfung und Beratungstätigkeit durch Wirtschaftsprüfer vor dem Hintergrund des Unabhängigkeitsgrundsatzes. Dabei wird analysiert, inwieweit regulatorische Maßnahmen und die parallele Ausübung beider Tätigkeiten die Unabhängigkeit des Prüfers beeinflussen und ob ein Verbot von Nichtprüfungsleistungen gerechtfertigt ist.

  • Grundlagen des Berufsbilds des Wirtschaftsprüfers und die Rolle der Abschlussprüfung.
  • Theoretische und praxisbezogene Gefährdungen der Unabhängigkeit (z.B. Prinzipal-Agenten-Theorie).
  • Analyse des normativen Rahmens und regulatorischer Bestimmungen (EU, SOA, IFAC).
  • Auswertung quantitativer und qualitativer Studien zur Vereinbarkeit von Beratung und Prüfung.

Auszug aus dem Buch

3.1.2 Unabhängigkeitsgefährdende Sachverhalte

Nachdem im vorangegangen Kapitel die Ursachen für die Aufgabe der Unabhängigkeit modelltheoretisch erläutert wurden, sollen im Folgenden unabhängigkeitsgefährdende Sachverhalte aus der Prüfungspraxis dargestellt werden. Eine Möglichkeit der Kategorisierung dieser Tatbestände ist die Einteilung in personelle Verflechtungen, finanzielle Interessen, persönliche Beziehungen und die Verbindung von Beratung und Prüfung.

Personelle Verflechtungen liegen vor, wenn der Abschlussprüfer als Funktionsträger bei dem zu prüfenden Unternehmen agiert. Dabei kann er als gesetzlicher Vertreter (in der Geschäftsführung oder im Vorstand), Mitglied des Aufsichtsrats oder Angestellter des Unternehmens tätig sein. Eine Gefährdung der Unabhängigkeit liegt in diesem Kontext insbesondere vor, wenn der Abschlussprüfer direkt (Tätigkeit im Rechnungswesen) oder indirekt (Führungsposition mit Weisungsbefugnis gegenüber dem Rechnungswesen) an der Erstellung des Jahresabschlusses beteiligt ist.

Finanzielle Interessen könnte der Abschlussprüfer bei einer Kapitalbeteiligung an dem zu prüfenden Unternehmen verfolgen. Bei finanziellen Schwierigkeiten des zu prüfenden Unternehmens könnte er z.B. als gleichzeitiger Eigenkapitalgeber versuchen, die im Jahresabschluss dargestellte Geschäftslage zu seinen Gunsten zu fingieren und damit den Gläubigern Schaden zufügen. Ferner können finanzielle Interessen auch auf der Prüfungstätigkeit beruhen, wenn der Abschlussprüfer bei hoher Umsatzabhängigkeit darauf angewiesen ist, die bestehende Geschäftsbeziehung auch in Zukunft fortzuführen. In beiden Fällen, Kapitalbeteiligung und Umsatzabhängigkeit, könnte folglich die Unabhängigkeit des Prüfers beeinträchtigt sein.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Problematik der Unabhängigkeit des Wirtschaftsprüfers im Kontext von Bilanzskandalen dar und definiert das Ziel, die Vereinbarkeit von Abschlussprüfung und Beratung zu untersuchen.

2. Berufsbild des Wirtschaftsprüfers: Dieses Kapitel skizziert die Rolle des Wirtschaftsprüfers als Intermediär und beschreibt die Grundlagen der Abschlussprüfung sowie der zunehmend an Bedeutung gewinnenden Beratungstätigkeit.

3. Grundsatz der Unabhängigkeit: Hier werden theoretische Erklärungsansätze für Anreize zur Unabhängigkeitsaufgabe vorgestellt, Maßnahmen zu ihrer Wahrung diskutiert sowie die Vor- und Nachteile der Verbindung von Beratung und Prüfung analysiert.

4. Normativer Rahmen zur Wahrung der Unabhängigkeit: Das Kapitel bietet einen Überblick über nationale und internationale Regelungen (HGB, WPO, EU-Richtlinien, SOX, IFAC-Code) und analysiert deren Kompatibilität mit der Beratungsleistung.

5. Vereinbarkeit von Abschlussprüfung und Beratungstätigkeit in der Prüfungspraxis: Dieser Hauptteil analysiert durch quantitative Daten und qualitative Studien, ob eine parallele Beratung die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers signifikant beeinträchtigt.

6. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und kritisiert die Reformpläne der EU, da empirisch keine zwingende Beeinträchtigung der Unabhängigkeit durch Beratung nachgewiesen werden konnte.

Schlüsselwörter

Wirtschaftsprüfer, Abschlussprüfung, Unabhängigkeit, Beratungstätigkeit, Interessenskonflikt, Unabhängigkeitsgrundsatz, Bilanzskandal, Prüfungshonorare, Bilanzpolitik, Sarbanes-Oxley Act, EU-Regulierung, Wissensspillover, Transparenzbericht, Prüfungspraxis, Prüfungsqualität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit im Kern?

Die Arbeit analysiert, ob Wirtschaftsprüfer aufgrund ihrer Beratungstätigkeit für ihre Prüfungsmandanten in einen Interessenskonflikt geraten und ob dadurch die Unabhängigkeit der Abschlussprüfung gefährdet ist.

Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?

Zentrale Felder sind die Rolle des Wirtschaftsprüfers, die theoretischen Ursachen für eine Unabhängigkeitsgefährdung, der bestehende rechtliche Rahmen in Deutschland und international sowie eine empirische Untersuchung der Vereinbarkeit von Beratung und Prüfung.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, anhand theoretischer Grundlagen und empirischer Studien zu ermitteln, ob eine strikte Trennung von Beratungs- und Prüfungsleistungen notwendig ist, oder ob die aktuelle Gesetzgebung bereits ausreicht.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?

Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse theoretischer Modelle und rechtlicher Normen sowie eine quantitative Auswertung von Transparenzberichten führender Prüfungsgesellschaften zur Analyse der Honorarstrukturen.

Was ist der inhaltliche Schwerpunkt im Hauptteil?

Der Schwerpunkt liegt auf der Analyse der Unabhängigkeitssurrogate (wie diskretionäre Accruals) und der Auswertung von Studien, die untersuchen, ob Beratungsumsätze tatsächlich zu einer messbaren Beeinträchtigung der Prüfungsqualität führen.

Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?

Wirtschaftsprüfer, Unabhängigkeit, Abschlussprüfung, Beratungstätigkeit, Interessenskonflikt, Bilanzpolitik und EU-Regulierung.

Wie bewertet der Autor die Reformvorschläge der EU?

Der Autor steht den weitreichenden Reformplänen, insbesondere einem generellen Beratungsverbot, kritisch gegenüber, da empirische Studien die Beeinträchtigung der Unabhängigkeit durch Beratung nicht eindeutig nachweisen können.

Was besagt das "Allweiler-Urteil" des BGH in diesem Kontext?

Das Urteil stellt fest, dass die Verbindung von Beratung und Prüfung zulässig bleibt, solange die Beratung nur Empfehlungen gibt und die Entscheidungskompetenz beim Mandanten verbleibt.

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Details

Title
Wirtschaftsprüfer im Interessenskonflikt. Vereinbarkeit von Abschlussprüfung und Beratungstätigkeit vor dem Hintergrund des Unabhängigkeitsgrundsatzes
College
University of Applied Sciences Trier
Grade
1,3
Author
Michael Fisch (Author)
Publication Year
2013
Pages
66
Catalog Number
V268800
ISBN (eBook)
9783656628903
ISBN (Book)
9783656628897
Language
German
Tags
Wirtschaftsprüfung Unabhängigkeit Vereinbarkeit von Abschlussprüfung und Beratung Abschlussprüfung Beratung Reformierung der Abschlussprüfung Grünbuch der EU Nichtprüfungsleistungen Verordnung zur Erhöhung der Qualität von Abschlussprüfungen Externe Rotation Joint Audits Transparenzbericht Code of Ethics Sarbanes-Oxley Act of 2002 Trennung von Prüfung und Beratung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Michael Fisch (Author), 2013, Wirtschaftsprüfer im Interessenskonflikt. Vereinbarkeit von Abschlussprüfung und Beratungstätigkeit vor dem Hintergrund des Unabhängigkeitsgrundsatzes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268800
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