Die Auswirkungen der US-Außenpolitik auf die politische und wirtschaftliche Konstitution Kubas am Beispiel des Platt-Amendments von 1901


Hausarbeit, 2006
17 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Kubapolitik der USA im 19. Jahrhundert als Bedingung für das Entstehen des Platt-Amendments

Die Entstehung des Platt-Amendments, sein Inhalt und die Reaktionen darauf

Auswirkungen des Platt-Amendments auf die Politik und Wirtschaft in Kuba

Schluss

Literatur

Einleitung

Das gesamte Neunzehnte Jahrhundert war geprägt von der Entwicklung der europäischen und nordamerikanischen Nationen hin zu Industriestaaten, denen es nach Rohstoffquellen und Absatzmärkte für ihre Produkte verlangte. Für die europäische Staatenwelt führte dieser Drang zum kolonialen Imperialismus, während sich die USA dem Aufbau von Protektoraten verpflichteten. Die vorliegende Arbeit soll am Beispiel des Platt-Amendments der kubanischen Verfassung von 1901 zeigen, in welchem Maße der Aufbau des Protektoratssystems durch die USA in der karibischen Region die Konstitutionalität und das politische sowie wirtschaftliche System der dortigen Nationen beeinflusste.

Ziel ist es nicht, allgemeinverbindliche Aussagen zu treffen, die für alle karibischen und mittelamerikanischen Staaten Geltung besitzen, sondern es sollen nur die Veränderungsprozesse und die dafür notwendigen Begründungszusammenhänge für das gewählte Beispiel Kuba Anfang des 20. Jahrhundert unter dem Aspekt des Platt-Amendments beleuchtet werden. Schlussfolgernd daraus werden auch Vergleichsaspekte zu anderen Staaten nicht Teil dieser Arbeit sein.

Besonderes Gewicht lege ich, wie auch der Gliederung zu entnehmen ist, erstens auf die Kubapolitik der USA im gesamten 19. Jahrhundert. Hier soll geklärt werden, warum die Vereinigten Staaten ein besonderes Interesse an Kuba haben und wieso ihre direkte Einflussnahme erst 1898 erfolgte. Diese Klärung erachte ich als besonders wichtig für das Verständnis der Thematik, auf welcher das Platt-Amendment beruht.

Zweitens wird auf den speziellen Entstehungshintergrund, den Inhalt des Amendements und auch auf die Reaktionen der Bevölkerung und des Verfassungskonventes eingegangen. Dieses Kapitel bildet das Kernstück der Arbeit, indem versucht wird nahe zu bringen, warum ausgerechnet dieses Amendement entstehen musste und was sein Inhalt schon über die Einflussmöglichkeiten in das politische System in Kuba aussagt. Des Weiteren wird der Blick auf die Reaktionen der kubanischen Öffentlichkeit gelenkt, des eigentlichen Souveräns des Staates, die hier Politik durch Stellungnahme betreibt.

Abschließend sollen im dritten Kapitel kurz die Veränderungsprozesse, die sich aufgrund der Bestimmungen des Platt-Amendments ergeben, dargelegt werden. Es wird unterschieden zwischen dem konstitutionell-politischen Bereich und den für Kuba äußerst relevanten Bereich der Wirtschaft.

Entgegen meiner Anfangsvermutung ist in der US-amerikanischen Literatur, auf der diese Arbeit zum Teil begründet, großer Wert auf die Objektivität gelegt wurden, wobei ich insbesondere die Werke von Louis A. Pérez hervorheben möchte.

Anzumerken sei letztlich, dass die Begrifflichkeiten „amerikanisch“, „nordamerikanisch“ in den meisten Fällen von mir als adjektivisierte Synonyme für die Vereinigten Staaten von Amerika gebraucht werden. Es ist ersichtlich, wo dies der Fall ist.

Die Kubapolitik der USA im 19. Jahrhundert als Bedingung für das Entstehen des Platt-Amendments

Die Außenpolitik der USA im gesamten 19. Jahrhundert war stark expansionistisch geprägt. Mit dem Erwerb riesiger Landflächen westlich des Mississippi von Frankreich im Rahmen des Louisiana-Purchase von 1803 und dem Adams-Onís-Vertrag von 1819 mit Spanien, welcher die Abtretung Floridas an die USA vorsah, war die Expansionsrichtung nach Westen, die in dem so genannten „manifest destiny“, die von Gott gewollte Besiedlung des Nordamerikanischen Westens, ihren Höhepunkt fand, vorprogrammiert. Nach der Expansion nach Süden durch die Inbesitznahme Floridas, welche ein Sprungbrett in den karibischen Raum eröffnete, erschien es als logische, historische Konsequenz, dass die USA Ansprüche auf diese Region, vor allem auf das wegen seiner Zucker- und Tabakpflanzungen bedeutende Kuba und Puerto Rico, die sogar in Sichtweite Floridas lagen, anmelden würde.[1]

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dominierte unter den in der amerikanischen Politik in der Mehrheit stehenden Befürwortern einer Einverleibung Kubas die Auffassung, die Insel solange in spanischem Kolonialbesitz zu belassen und aktiv dafür Sorge zu tragen, wie es den Interessen der USA dient. Die Ursachen dafür waren vor allem die Angst, dass mit einer anderen Kolonialmacht, insbesondere Großbritanniens, das vorherrschende Sklavenhalterregime der Spanischen Kolonialherren ein Ende haben könnte. Die Sorge in den US-amerikanischen Südstaaten war groß vor einer freien mehrheitlich aus ehemaligen Sklaven bestehenden kubanischen Bevölkerung, die auch einen Ansporn zur Rebellion der eigenen Sklaven sein könnte. Des Weiteren wollten die amerikanischen Politiker Großbritannien nicht die Vorherrschaft im karibischen Raum überlassen, was mit der Übernahme Kubas möglich gewesen wäre.[2]

Diese Status-quo-Taktik in Bezug auf die Spanische Kolonialmacht in Kuba im Zeitraum von 1820 -1850 wird als „Reife-Frucht-Theorie“ bezeichnet, die laut dem amerikanischen Außenminister in dieser Zeit besagt, dass es den Interessen der Vereinigten Staaten besser dient, wenn Kuba ein Teil des schwachen spanischen Empires bis zu dem Zeitpunkt bleibt, wo es auf natürliche Weise den USA in den Schoß fällt wie eine reife Frucht.[3]

Die Sorge, dass eine zweite Kolonialmacht Besitz von Kuba ergreifen, bzw. die Insel zu einem Staat von befreiten Sklaven avancieren könnte, ließ den amerikanische Präsidenten James Knox Polk im Jahre 1848 den Versuch unternehmen, Kuba für eine Summe von 100 Millionen US-Dollar von Spanien zu kaufen. Dies scheiterte an der Nichtbereitschaft Spaniens. Sechs Jahre später wiederholte sein Amtsnachfolger Franklin Pierce den Versuch, wobei die Summe um 30 Millionen US-Dollar aufgestockt wurde, mit demselben negativen Ausgang. Auch wenn die USA zu diesem Zeitpunkt, nach ihrer Meinung bereit gewesen wäre die Frucht zu ernten, so sprach die außenpolitische Lage gegen dieses Unterfangen.[4]

Neben dem Engagement von Seiten der US-Regierung gab es auch von ihr missbilligte private, von US-amerikanischen Geschäftsleuten, die ihren Einfluss auf die kubanische Zuckerindustrie erweitern wollten, unterstützte militärische Unternehmungen. Zu nennen ist Narciso Lopez, der aus den USA Waffen und Geld bekam und in einer Art Guerilla-Krieg zwischen 1894 und 1851 die Spanier zu vertreiben versuchte, wobei er nach drei Unternehmungen versagte und von den Spaniern exekutiert wurde.[5]

Die Optionen von Seiten der USA, sich Besitz an Kuba zu verschaffen, waren damit erschöpft. Weder ist Spanien auf die finanziellen Angebote von Seitens der US-Regierung eingegangen, noch führten private Unternehmungen zum Erfolg. Was blieb, war eine militärisch getragene Annexion der Insel, die aber zu diesem Zeitpunkt, aufgrund fehlender Ressourcen und innenpolitischer Probleme in Zusammenhang mit der Sklavenfrage im Süden, nicht möglich gewesen wäre.[6]

Der Amerikanische Bürgerkrieg von 1861-1865, der in seinem Endjahr zur Sklavenbefreiung führte, band nicht nur in dieser Zeit die militärischen Kapazitäten der Vereinigten Staaten, sondern auch in den folgenden Jahren, als die Truppen für die Besetzung der unterlegenen Südstaaten gebraucht wurden, um die Basis für ihre schrittweise Wiedereingliederung in die Union zu schaffen. Zudem veranlasste die Sklavenbefreiung die kubanischen Zuckerindustriellen dazu, sich von den Vereinigten Staaten, denen sie bis zu diesem Zeitpunkt freundlich und einer Angliederung offen gegenüberstanden, abzuwenden, da sie das neue sklavenfreie Agrarsystem in den USA mit ihrem Sklavenhaltenden System für unvereinbar hielten. Sie sammelten sich in der so genannten Reformistenpartei und versuchten ihre Lage innerhalb des spanischen Kolonialismus in Verhandlungen mit den Kolonialherren zu verbessern. Jedoch führten die Differenzen zwischen den Reformern und den Kolonialherren, die nicht geneigt waren einschneidende Zugeständnisse zu machen zum Ausbruch des Zehnjährigen Krieges zwischen beiden Fraktionen, der zwar mit einem Sieg der Spanier und der Festigung ihrer Macht endete, aber den kubanischen, anti-spanischen Nationalismus stärkte und die Gründung von pro-Unabhängigkeitsparteien bewirkte, welche entscheidenden Einfluss auf die folgenden Entwicklungen haben.[7]

[...]


[1] Niess, Frank, Der Koloss im Norden – Geschichte der Lateinamerikapolitik der USA, Köln, 1984, S. 87.

[2] Ebd. S. 88-89.

[3] Vgl. Dent, David, The Legacy of the Monroe Doctrine – A Reference Guide to US-Involvement in Latin America and the Carribean, Westport (CT, USA), 1999, S. 115.

[4] Oestindie, Gert J., Die Karibik 1820-1900, in: Buve, Raymond T / Fisher, John R. (Hg.), Handbuch der Geschichte Lateinamerikas Band 2 Lateinamerika von 1760 bis 1900, Stuttgart, 1992, S. 752.

[5] Vgl. a.a.O., Dent, S. 117.

[6] Vgl. a.a.O., Niess, S. 91.

[7] Vgl. a.a.O., Oestindie, S. 752-754.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Auswirkungen der US-Außenpolitik auf die politische und wirtschaftliche Konstitution Kubas am Beispiel des Platt-Amendments von 1901
Hochschule
Universität Erfurt  (Philosophische Fakultät - Historisches Seminar)
Veranstaltung
Verfassungskulturen des 18. bis 20. Jahrhunderts
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
17
Katalognummer
V268835
ISBN (eBook)
9783656597247
ISBN (Buch)
9783656597209
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
USA, Kuba, Vereinigte Staaten, Imperialismus, Verfassungsgeschichte, Kolonalismus
Arbeit zitieren
B.A. Erik Weihmann (Autor), 2006, Die Auswirkungen der US-Außenpolitik auf die politische und wirtschaftliche Konstitution Kubas am Beispiel des Platt-Amendments von 1901, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268835

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