Jugendprotestkleidung: Halbstarke, Existenzialisten, Teddyboys, Rocker, Gammler, Hippies

Mode und Design der 1950er und 1960er Jahre


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013
26 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition des Begriffs Jugend(sub)kultur

3. Jugendkulturen der 50er Jahre
3.1. Das Phänomen der Halbstarken
3.1.1. Kleidverhalten der Halbstarken
3.2. Das Phänomen der Teddyboys
3.3. Das Phänomen der Existenzialisten
3.3.1. Kleidverhalten der Existenzialisten

4. Jugendkulturen der 60er Jahre
4.1. Das Phänomen der Rocker
4.1.1. Kleidverhalten der Rocker
4.2. Das Phänomen der Hippies
4.2.1 Kleidverhalten der Hippies
4.3. Das Phänomen der Gammler
4.3.1. Kleidverhalten der Gammler

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

- Bildverzeichnis

Einleitung

Widerstand, Protest, Abgrenzung, Anderssein, ein neues Lebensgefühl- all das sind Aktionen, die mittels Kleidung und Auftreten zum Ausdruck gebracht werden können. In der folgenden Hausarbeit sollen die Funktionen der sogenannten „Jugendprotestkleidung“ näher beleuchtet, und damit die Intentionen ihrer Träger offenbart werden. Dabei konzentriere ich mich auf die Jugend(sub)kulturen der 50er und 60er Jahre: Halbstarke, Teddy-Boys, Existenzialisten, Rocker, Hippies und Gammler. Für mich war es besonders interessant zu sehen, was die einzelnen Gruppierungen der Jugendlichen ausmacht und wie sie ihrem Kleidverhalten gewisse Protestnoten verleihen. Wogegen oder gegen wen richtet sich ihr Protest? Sind politische oder gesellschaftskritische Motive vorzufinden? Und ferner, gibt es Kleidungsstücke, die starken Einfluss auf die Mode allgemein haben?

Zu Beginn der Arbeit wird die jugendsoziologische Literatur nach notwendigen Begriffserklärungen und relevanten Ansätzen zum Thema Jugendkultur und Jugendsubkultur untersucht. Hier soll auch der Frage nachgegangen werden, welche Definitionen auf "Jugendkultur“ bzw. "Jugendsubkultur" angewandt werden. Im Hauptteil der Untersuchung wird hinterfragt, welche Gruppen und Stilrichtungen der Jugendkulturen in den fünfziger und sechziger Jahren auftraten. Dabei werden zunächst die Phänomene der Halbstarken, Teddy-Boys und Existenzialisten sowie deren Kleidverhalten beschrieben. Dadurch soll man sich mit den jeweiligen Jugendsubkulturen vertraut machen und ein größeres Verständnis erlangen. Besonderes Augenmerk wird dabei auf den Protestcharakter der Subkulturen und ihrer Kleidung gelegt. Nach diesem Muster wird bei den Jugendsubkulturen der Rocker, Hippies und Gammler verfahren.

Um den Rahmen der Hausarbeit nicht zu sprengen, wird bei den einzelnen Gruppierungen von Jugendlichen nur das Wesentliche dargestellt und mithilfe von Literatur belegt. Zum Schluss werden die zentralen Erkenntnisse dieser Arbeit zusammengefasst und reflektierend dargestellt.

Definition des Begriffs Jugend(sub)kultur

Bevor eine gezielte Auseinandersetzung mit jugendkulturellem Handeln und Ausdrucksformen bestimmten Jugendsubkulturen stattfinden kann, muss der Begriff der Jugendsubkultur geklärt werden.

Nach Schwendter (1978) ist eine Subkultur „ein Teil einer konkreten Gesellschaft, der sich in seinen Institutionen, Bräuchen, Normen und Werten etc. in einem wesentlichen Ausmaß von jenen der jeweiligen Gesamtgesellschaft unterscheidet“[1]. Jugendsubkulturen sind also Szenen, in denen Jugendliche kollektiv einem gemeinsam geteilten Lebensgefühl Ausdruck geben wollen- meist durch einen gemeinsamen Musikstil und eine modisch-ästhetische Selbstdarstellung. Die Vorstellung von eigenständigen Jugendkulturen bzw. Jugendsubkulturen entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als ein Teil der Jugendlichen begann, sich bewusst von der Erwachsenengesellschaft abzugrenzen und sich in eigenen Gruppen zusammenzuschließen. Auch die Erfindung des „Teen-agers“ in den fünfziger Jahren trug zu der Vorstellung bei, dass Jugendliche eigene, in Konflikt zur Erwachsenengesellschaft stehende kulturelle Räume bilden würden. Die Form, in der jugendtypische Konflikte und Differenzen ausgetragen werden, ist zeittypisch sehr unterschiedlich und von einem komplexen System von Einflussfaktoren abhängig.

Wegen der stark differenzierten gesellschaftlichen Struktur spricht man heute meist von „Jugendkulturen“ im Plural- auch der früher gebräuchliche Begriff „Jugendsubkultur“ gilt nicht mehr als zeitgemäß, weil sich wegen der Ausdifferenzierung und Vielfältigkeit kultureller Stile und Lebensweisen nicht mehr einem eindeutig beschreibbaren Mainstream eine kollektiv geteilte „Sub“–Kultur gegenüberstellen lässt. Im Folgenden werden die Jugendkulturen der 50er und 60er Jahre näher beschrieben und ihr Ausdruck des Protests, vor allem durch die Kleidung, untersucht.

3 Halbstarke

3.1 Das Phänomen der Halbstarken

"Der Halbstarke ... steht am liebsten müßig am Markte, und er ist der geschworene Feind der Ordnung, er hasst die Regelmäßigkeit, ebenso alles Schöne und ganz besonders die Arbeit. Er hat keinen Sinn für das Lebenswerte: Heim, Familie, Freundschaft, Vorwärtsstreben, Begeisterung, und ist völlig apathisch gegen ideale Güter, Kunst, Wissenschaft, Religion. Alles Schöne und Geordnete ärgert ihn, es löst in ihm Freude am Zerstören aus ..."[2]

Unter anderem solcherlei Attribute wurden einer bestimmten jugendlichen Gruppierung der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts zugeschrieben. Die Rede ist hier von den „Halbstarken“, welche als die erste amerikanische Jugendkultur in der deutschen Nachkriegsgeschichte gelten und in den Jahren 1955-58 eine heftige Diskussion in der bundesdeutschen Öffentlichkeit erregten. Die vorwiegend männlichen Mitglieder der Halbstarken waren zum weitaus überwiegenden Teil jugendliche Arbeiter und Lehrlinge und in der Regel zwischen 15 und 20 Jahre alt.[3] Ihren Anteil schätze man auf circa 5-10 % der Gesamtjugend. „All diese Burschen fühlten sich »verraten und verkauft«, so daß sie notfalls auch mit der Faust ihren Unmut gegen die nun etablierte Gesellschaft, gegen überspannte Vornehmheit und Obrigkeitsglauben abreagierten.“[4] Sie akzeptieren das vernunftgeprägte Erwerbs-und Familienleben der Elterngeneration nicht mehr und lehnen das Wohlstands-und Anstandsdenken, die Banalität und Langweile der kleinbürgerlichen Welt ab. Die Halbstarken wurden als eine randalierende Jugend angesehen, die aufgrund von autoritätsverachtendem Verhalten sowie einer charakteristischen Art der Selbstdarstellung in puncto Kleidung, Haartracht und Körperhaltung die allgemein akzeptierten Vorstellungen von Anstand, Ordnung und Wohlverhalten verletzten.[5] Ihr subkultureller Stil war maßgeblich geprägt durch Filmgrößen wie Marlon Brando und James Dean, aber auch durch Rock-`n`-Roll-Musiker wie Elvis Presley und Bill Haley. Mit der Zigarette im Mund, der exzentrischen Kleidung und dem laut knatternden Moped entsetzten sie die braven Bundesbürger. Die halbstarken Jugendlichen trafen sich an Straßenecken, Parks oder auf öffentlichen Plätzen, was den Erwachsenen ebenfalls missfiel. Der Protest der Halbstarken war nicht politisch motiviert, sondern richtete sich gegen die strenge und trostlose Gesellschaft allgemein:

„Die auf Eindeutigkeit, Direktheit und Unmittelbarkeit sowie auf tatsächliche Militanz und potenziell reale Gewaltanwendung zielenden, zumeist spontanen und expressiven Aktivitäten der Halbstarken waren ein diffuser alltagsorientierter, provokanter Protest, der sich insbesondere gegen die allzu verkrusteten, repressiven und autoritären Ordnungs- und Moralvorstellungen der Erwachsenenwelt richtet“[6]

Die Halbstarken waren zwar keineswegs repräsentativ für ihre Altersgruppe, demonstrierten jedoch einen Ausbruchsversuch aus der Normalität gesellschaftlich angepassten Jugendverhaltens.

3.2 Kleidverhalten der Halbstarken

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Abb. 1: Halbstarke in Berlin-Kreuzberg (1956)- Will McBride URL http://germanhistorydocs.ghi-dc.org/images/30003012-p1.jpg 07.06.2012)

[...]


[1] Schwendter 1978 S.12 zitiert in Bucher, Willi/ Pohl, Klaus (Hrsg.): Schock und Schöpfung Jugendästhetik im 20.Jh, 1986, S.43.

[2] Schultz, Clemens: Die Halbstarken. Leipzig 1912. Hier zitiert nach Lindner 1996, S. 27f.

[3] Vgl. Willi/ Pohl, Klaus (Hrsg.): Schock und Schöpfung Jugendästhetik im 20.Jh, 1986; S. 269.

[4] Loschek, Ingrid: Mode im 20. Jahrhundert S.223-234.

[5] Vgl. Kurme, Sebastian; Halbstarke: Jugendprotest in den 1950er Jahren in Deutschland und den USA; S.11.

[6] Vgl. Mann, Karin: Jugendmode und Jugendkörper; S. 114; Zitiert nach Wensierski in Ferchhoff 1998, S. 224.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Jugendprotestkleidung: Halbstarke, Existenzialisten, Teddyboys, Rocker, Gammler, Hippies
Untertitel
Mode und Design der 1950er und 1960er Jahre
Hochschule
Universität Paderborn
Veranstaltung
Vom New Look zum Hippie Look: Mode und Design der 1950er und 1960er Jahre
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
26
Katalognummer
V268938
ISBN (eBook)
9783656599227
ISBN (Buch)
9783656599210
Dateigröße
1556 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
jugendprotestkleidung, halbstarke, existenzialisten, teddyboys, rocker, gammler, hippies, mode, design, jahre
Arbeit zitieren
Kristina Ko (Autor), 2013, Jugendprotestkleidung: Halbstarke, Existenzialisten, Teddyboys, Rocker, Gammler, Hippies, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268938

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