Der Nobelpreis für Wirtschaft im Jahr 2012 wurde an Lloyd Shapley und Alvin E. Roth verge-ben für ihre Arbeiten über die Theorie von stabilen Allokationen und der Beschaffenheit von Märkten. Shapley entwickelte die theoretische Grundlage für stabile Zuordnungen auf Mat-ching-Märkten, während Roth die Theorien Shapleys weiterentwickelte und für einige Märk-te praktisch umsetzte. Beispielsweise wurde ein Mechanismus entwickelte, welcher mensch-liche Organe bestmöglich von Spender auf Empfänger zuordnet. Grundlegend für die Arbei-ten der beiden Nobelpreisträger war die kooperative Spieltheorie.
Ein großer Markt auf dem diese Arbeiten angewandt werden ist der Gesundheitsmarkt. Die-ser unterliegt in Deutschland sowie international großen Herausforderungen und Verände-rungen. Auch die Bundesregierung hat sich in ihrem Sondergutachten 2012 des Sachver-ständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen mit diesen Verän-derungen befasst. Ein Bestandteil dieses Marktes ist der Arbeitsmarkt für Ärzte, die gerade ihr Studium beendet haben. Auf einigen großen internationalen Einstiegsmärkten für Ärzte wird seit geraumer Zeit ein von Lloyd Shapley und David Gale entwickelter Algorithmus zur Zuordnung von Absolventen auf Arbeitsstellen angewandt. Es besteht grundsätzlich die Ge-fahr eines Marktversagens auf Matching Märkten. Marktversagen war auch der Grund, wes-halb auf vielen Einstiegsmärkten für Ärzte Algorithmen zur Zuordnung eingeführt wurden. Kapitel 2 erläutert die Voraussetzungen warum auf Matching Märkten Algorithmen ange-wendet werden und zeigt die Unterschiede zu Märkten mit Preismechanismen auf.
Auf dem amerikanischen Markt wird das National Resident Matching Program (NRMP) seit über 60 Jahren verwendet. Durch die Arbeiten von Alvin E. Roth wurde gezeigt, dass jenes unter den Voraussetzungen für stabile Zuordnungen, die Lloyd Shapley formulierte, funktio-niert. In den 90er Jahren wurde aufgrund von Misstrauen der Absolventen und der Pro-gramme das NRMP in seine jetzige Form abgeändert. Auch auf dem britischen Markt gibt es verschiedene Algorithmen, die stabile Zuordnungen generieren. Die betreffenden Algorith-men werden in Kapitel 3 dargestellt.
Auf dem deutschen Markt existiert ein solcher Algorithmus nicht und anstelle eines solchen kommt das übliche Bewerbungsverfahren zur Anwendung. Ob ein Algorithmus auch in Deutschland eingeführt werden könnte wird in Kapitel 4 erörtert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Matching Märkte und Märkte mit Preismechanismus
3. Algorithmen auf Ärzte-Märkten
3.1. Anwendung auf das amerikanische NRMP
3.2. Neukonzeption des DA-Algorithmus
3.3. Algorithmen auf dem britischen Ärztemarkt
4. Anwendungsmöglichkeiten auf den deutschen Markt
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und die praktische Anwendung von Matching-Algorithmen auf Arbeitsmärkten für Ärzte, um die Effizienz der Stellenallokation zu bewerten und deren Übertragbarkeit auf den deutschen Markt zu analysieren.
- Grundlagen von Matching-Märkten und Abgrenzung zum Preismechanismus
- Struktur und Funktionsweise des National Resident Matching Program (NRMP) in den USA
- Herausforderungen durch komplexe Anforderungen wie Ehepaare und strategisches Verhalten
- Analyse historischer Algorithmen auf dem britischen Ärztemarkt
- Diskussion über die Einführung zentraler Matching-Systeme in Deutschland
Auszug aus dem Buch
3.2. Neukonzeption des DA-Algorithmus
Basierend auf dem DA-Algorithmus für einfache Märkte, wurde der Algorithmus modifiziert, um den komplexen Anforderungen des NRMP gerecht zu werden. Um einen funktionieren den Algorithmus zu konzipieren, mussten einige Annahmen bezüglich der Abfolge der Angebote getroffen werden. Es kann gezeigt werden, dass die Reihenfolge der Angebote keine Auswirkungen in einfachen Märkten hat. Allerdings könnte sie einen Effekt haben, wenn man die komplexen Voraussetzungen des NRMP betrachtet.
Das Ziel des neuen Algorithmus bestand darin eine stabile Zuordnung zu generieren, indem ein Set A(k) bestehend aus Programmen und Bewerbern und einer vorläufigen Zuordnung M(k) zusammengestellt wird, sodass keine Instabilitäten im Set A(k) auftreten und kein Programm oder Bewerber zu jemandem zugeordnet wird, der nicht im Set A(k) inkludiert ist. Wenn im Set A(k) alle Programme und Bewerber einbezogen sind ist die Zuordnung stabil. In einem Algorithmus indem die Bewerber als Antragsteller fungieren, besteht das anfängliche Set A(0) aus allen angebotenen Positionen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die spieltheoretischen Grundlagen stabiler Allokationen ein und benennt die Relevanz der Thematik für den Gesundheitsmarkt sowie die Zielsetzung der Arbeit.
2. Matching Märkte und Märkte mit Preismechanismus: Dieses Kapitel erläutert die Funktionsweise von Märkten ohne Preismechanismus und begründet die Notwendigkeit algorithmischer Ansätze bei Marktversagen.
3. Algorithmen auf Ärzte-Märkten: Dieser Abschnitt analysiert das NRMP in den USA, die Weiterentwicklung des DA-Algorithmus sowie die verschiedenen historischen Ansätze auf dem britischen Markt.
4. Anwendungsmöglichkeiten auf den deutschen Markt: Das Kapitel diskutiert, ob eine Einführung zentraler Zuordnungsmechanismen das aktuelle Bewerbungsverfahren in Deutschland wohlfahrtssteigernd ergänzen könnte.
5. Fazit: Das Fazit fasst die theoretischen Erkenntnisse zusammen und schlussfolgert, dass zentrale Algorithmen eine stabile und effiziente Allokation fördern können.
Schlüsselwörter
Matching-Märkte, Marktversagen, DA-Algorithmus, NRMP, Stabile Allokation, Kooperative Spieltheorie, Ärzte-Markt, Wohlfahrt, Arbeitsmarkt, Strategisches Verhalten, Dezentrale Märkte, Bewerbungsverfahren, Institutionelles Design, USA, Großbritannien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Theorie stabiler Allokationen und deren Anwendung durch Algorithmen auf dem Arbeitsmarkt für Mediziner.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit behandelt Matching-Märkte, das NRMP in den USA, historische britische Algorithmen und die potenzielle Anwendung in Deutschland.
Welches ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, wie durch algorithmische Zuordnung Marktversagen verhindert und eine stabile, wohlfahrtssteigernde Allokation erreicht werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich auf die kooperative Spieltheorie sowie die Analyse ökonomischer Designs und bestehender Matching-Modelle.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Funktionsweise des DA-Algorithmus, die Anpassung an komplexe Marktbedingungen wie Ehepaare und den Vergleich zwischen amerikanischen und britischen Systemen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Stabile Zuordnung, Marktversagen, DA-Algorithmus, NRMP und Matching-Märkte.
Wie gehen die Algorithmen mit der Problematik von Ehepaaren um?
Bei Paaren wird der Algorithmus durch Programmstapel erweitert, die sicherstellen, dass die Präferenzen beider Ehepartner bei der Zuordnung berücksichtigt werden, ohne die Stabilität zu gefährden.
Könnte ein solcher Algorithmus problemlos in Deutschland eingeführt werden?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass es keine regulatorischen Hindernisse gibt, jedoch kulturelle Akzeptanzbarrieren bei Arbeitgebern und Bewerbern überwunden werden müssten.
- Quote paper
- David Bienias (Author), 2013, Märkte für Ärzte - Theorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269490