„Die Wachau […] ist ein herausragendes Beispiel einer von Bergen umgebenen Flusslandschaft, in der sich materielle Zeugnisse ihrer langen historischen Entwicklung in erstaunlich hohem Ausmaß erhalten haben“ lässt die UNESCO als Begründung zur Erklärung der Wachau zum Weltkulturerbe im Jahr 2000 verlauten. Subsummiert werden unter besagte materielle Zeugnisse auch gut erhaltene prähistorische Funde in Lössablagerungen mit denen sich die vorliegende Arbeit beschäftigt. Bereits im Jahr 1883 wurden in Willendorf in der Wachau erstmalig Knochen und Feuersteinsplitter gefunden. In den Jahren 1907 bis 1908 fanden anlässlich des Baus der Donauuferbahn wissenschaftliche Grabungen statt, in deren Verlauf man auf Überreste einer steinzeitlichen Siedlung stieß, die nicht nur reich an Werkzeugfunden war, sondern auch die beiden bekannten Frauenstatuetten „Venus von Willendorf“ und „Venus II“ beherbergte. Aktuell findet durch neue geophysikalische und -chemische Methoden eine Aufarbeitung dieser Lössprofile statt, mit deren Hilfe man sich erhofft, die archäologisch-historischen Erkenntnisse durch naturwissenschaftliche Untersuchungsergebnisse zu untermauern und somit die Ur- und Frühgeschichtsforschung voranzutreiben.
Den Einstieg in das Thema stellt eine heranführende Abhandlung des Paläolithikums in Mitteleuropa dar. Darauf aufbauend wird im nächsten Kapitel auf die Eigenschaften und die Entstehung von Löss, sowie die Funktion von Lössprofilen als geoarchäologische Archive eingegangen. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf die Lössverbreitung und charakteristische Löss-Paläosol-Sequenzen in Niederösterreich gelegt. Im Hauptteil der Arbeit erfolgt eine knappe räumliche Einordnung der Wachau sowie eine Beschreibung des Verlaufs des Paläolithikums in Niederösterreich. Das Kernstück der Arbeit bildet die nachfolgende stratigraphische Beschreibung von bedeutenden Lössprofilen der Wachau, die durch diverse paläolithische Funde internationale Bekanntheit erlangten und zu besseren Kenntnissen der landschafts- und kulturgenetischen Entwicklung dieser Region beitrugen. Abschließend wird vor dem Hintergrund des gegenwärtigen Standes der interdisziplinären Forschung ein Fazit gezogen. Das Ziel der Arbeit ist die Schaffung einer Übersicht über grundlegende klimatologische, quartärgeologische und kulturelle Faktoren im Sinne einer geoarchäologischen Rekonstruktion des Vordringens des anatomisch modernen Menschen in Mitteleuropa.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Kulturgeschichtliche Einordnung des Paläolithikums
3 Quartärgeologische Grundlagen
3.1 Eigenschaften und Bildung von Löss
3.2 Betrachtung von Lössprofilen als archäologische Archive
3.3 Lössverbreitung und Paläosol-Sequenzen in Niederösterreich
4 Bedeutende Lössprofile und paläolithische Fundplätze der Wachau
4.1 Räumliche Einordnung der Wachau
4.2 Verlauf des Paläolithikums in Niederösterreich
4.3 Stratigraphische Beschreibung bedeutender Lössprofile
4.3.1 Willendorf II
4.3.2 Krems-Hundssteig
4.3.3 Krems-Wachtberg
4.3.4 Stratzing
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Lössprofilen als geoarchäologische Archive in der Wachau (Österreich) und analysiert deren Rolle bei der Rekonstruktion der Besiedlungsgeschichte durch den anatomisch modernen Menschen im Mittel- und Jungpaläolithikum.
- Grundlagen der Lössbildung und quartärgeologische Zusammenhänge
- Die Funktion von Lössprofilen als Archive für klimatische und kulturelle Veränderungen
- Detaillierte stratigraphische Analyse bedeutender Fundplätze (Willendorf II, Krems-Hundssteig, Krems-Wachtberg, Stratzing)
- Interdisziplinäre Verbindung von naturwissenschaftlichen Methoden und archäologischer Forschung
Auszug aus dem Buch
4.3.1 Willendorf II
Die Grabungsstelle Willendorf II liegt am westlichen Donauufer bei Willendorf in der Wachau und bildet zusammen mit den Grabungsstellen Willendorf I, I/nord und III bis VII den sogenannten Willendorfer Grabungskomplex (Teschler-Nicola/Trinkaus 2001:452). Willendorf II ist dabei aufgrund zahlreicher spektakulärer Funde, wie Steinartefakte, Faunenüberreste und auch Kunstobjekte, von besonderem Interesse für die Erforschung des Paläolithikums (Teschler-Nicola/Trinkaus 2001:452). Das ca. 20 m mächtige Profil befindet sich über einer würmeiszeitlichen Niederterrasse der Donau, wobei in den oberen 10 m des Profils neun archäologische Fundhorizonte eingeschlossen sind (Haesaerts/Teyssandier 2003:133). Eine Reihe von 14C-Datierungen des oberen Profils (vgl. Abb. 3) ergab eine chronologische Spannweite von 41.700 – 22.180 Jahren BP, weshalb die Fundhorizonte dem Aurignacien und dem Gravettien zugeordnet werden (Haesaerts/Teyssandier 2003:135).
Der sedimentologische Aufbau des Profils wird durch Löss gebildet und kann in sieben stratigraphische Einheiten (SE A bis G) differenziert werden (Haesaerts/Teyssandier 2003:135). Die untere Hälfte des Profils, die bei der aktuellen Ausgrabung nicht erreicht wurde, setzt sich aus zwei Generationen von blass-gelbem Löss (SE E und G) zusammen, die durch einen rotbraun gefärbten Paläosol (SE F) getrennt sind (Brandtner 1959 zit. in Haesaerts/Teyssandier 2003:135). Die stratigraphische Einheit D hat eine Mächtigkeit von 2,5 bis 3,0 m und besteht aus relativ heterogenem, ocker-gelblichem Lehm, in dessen oberem Teil (SE D1) zahlreiche verstreute Holzkohlen zu finden sind, die auf 41.700 – 39.500 Jahren BP datiert wurden (Nigst et al. 2008:41).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Bedeutung der Wachau als UNESCO-Welterbe und stellt die wissenschaftliche Relevanz der archäologischen Funde in den Lössablagerungen für die Ur- und Frühgeschichtsforschung heraus.
2 Kulturgeschichtliche Einordnung des Paläolithikums: Dieses Kapitel bietet einen Überblick über die chronologische Gliederung des Paläolithikums sowie die technologische Entwicklung von Werkzeugindustrien in Afrika und Mitteleuropa.
3 Quartärgeologische Grundlagen: Hier werden die Entstehungsprozesse von Löss, dessen mineralogische Eigenschaften sowie die methodische Nutzung von Paläosol-Sequenzen als geologische Zeitarchive behandelt.
4 Bedeutende Lössprofile und paläolithische Fundplätze der Wachau: Der Hauptteil beschreibt die räumliche Lage der Wachau und liefert eine detaillierte stratigraphische Untersuchung der Fundstellen Willendorf II, Krems-Hundssteig, Krems-Wachtberg und Stratzing.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie durch die interdisziplinäre Verknüpfung von Geowissenschaften und Archäologie ein präziseres Bild der Migration des modernen Menschen im mittleren Donauraum erstellt werden kann.
Schlüsselwörter
Löss, Paläolithikum, Wachau, Willendorf II, Krems-Hundssteig, Krems-Wachtberg, Stratzing, Stratigraphie, Paläosol, Geoarchäologie, Gravettien, Aurignacien, Quartär, Sedimentologie, 14C-Datierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Hausarbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der geologischen und archäologischen Bedeutung von Lössprofilen in der Wachau als Archive für die Besiedlungsgeschichte des Menschen während der letzten Eiszeit.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die Quartärgeologie, die Entstehung von Löss und Böden sowie die archäologische Einordnung steinzeitlicher Kulturen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine Übersicht über grundlegende klimatologische und kulturelle Faktoren, um das Vordringen des anatomisch modernen Menschen nach Mitteleuropa geoarchäologisch zu rekonstruieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Es wird eine Literaturanalyse durchgeführt, die stratigraphische Beschreibungen, radiometrische Datierungen (14C) sowie pollenanalytische und geologische Befunde integriert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die spezifischen stratigraphischen Merkmale und Fundhorizont-Analysen der bedeutenden Wachauer Fundplätze wie Willendorf II und Krems-Wachtberg.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Lössakkumulation, paläolithische Fundstellen, stratigraphische Horizonte und die geoarchäologische Rekonstruktion definiert.
Warum ist das Profil Willendorf II für die Forschung so bedeutsam?
Es beherbergt spektakuläre Funde wie die „Venus von Willendorf“ und weist aufgrund seiner Mächtigkeit und Funddichte eine exzellente chronologische Dokumentation des Aurignaciens und Gravettiens auf.
Was zeigen die neuen Forschungsergebnisse zu Krems-Hundssteig?
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Standort entgegen früherer Annahmen wiederholt durch Jäger und Sammler genutzt wurde und verschiedene Kulturschichten bei der Lössgewinnung vermengt wurden.
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- Dimitri Falk (Author), 2011, Bedeutende Lössprofile und paläolithische Fundplätze der Wachau (Österreich), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269561