Bedeutende Lössprofile und paläolithische Fundplätze der Wachau (Österreich)


Hausarbeit, 2011

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Kulturgeschichtliche Einordnung des Paläolithikums

3 Quartärgeologische Grundlagen
3.1 Eigenschaften und Bildung von Löss
3.2 Betrachtung von Lössprofilen als archäologische Archive
3.3 Lössverbreitung und Paläosol-Sequenzen in Niederösterreich

4 Bedeutende Lössprofile und paläolithische Fundplätze der Wachau
4.1 Räumliche Einordnung der Wachau
4.2 Verlauf des Paläolithikums in Niederösterreich
4.3 Stratigraphische Beschreibung bedeutender Lössprofile
4.3.1 Willendorf II
4.3.2 Krems-Hundssteig
4.3.3 Krems-Wachtberg
4.3.4 Stratzing

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Die Wachau [͙΁ ist ein herausragendes Beispiel einer von Bergen umgebenen Flusslandschaft, in der sich materielle Zeugnisse ihrer langen historischen Entwicklung in erstaunlich hohem usmaß erhalten haben“ lässt die UNESCO (2000) als Begründung zur Erklärung der Wachau zum Weltkulturerbe im Jahr 2000 verlauten. Subsummiert werden unter besagte materielle Zeugnisse auch gut erhaltene prähistorische Funde in Lössablagerungen mit denen sich die vorliegende Arbeit beschäftigt. Bereits im Jahr 1883 wurden in Willendorf in der Wachau erstmalig Knochen und Feuersteinsplitter gefunden. In den Jahren 1907 bis 1908 fanden anlässlich des Baus der Donauuferbahn wissenschaftliche Grabungen statt, in deren Verlauf man auf Überreste einer steinzeitlichen Siedlung stieß, die nicht nur reich an Werkzeugfunden war, sondern auch die beiden bekannten Frauenstatuetten „Venus von Willendorf“ und „Venus II“ beherbergte (Lechner 1970:623). Aktuell findet durch neue geophysikalische und -chemische Methoden eine Aufarbeitung dieser Lössprofile statt, mit deren Hilfe man sich erhofft, die archäologisch-historischen Erkenntnisse durch naturwissenschaftliche Untersuchungs- ergebnisse zu untermauern und somit die Ur- und Frühgeschichtsforschung voranzutreiben.

Den Einstieg in das Thema stellt eine heranführende Abhandlung des Paläolithikums in Mitteleuropa dar. Darauf aufbauend wird im nächsten Kapitel auf die Eigenschaften und die Entstehung von Löss, sowie die Funktion von Lössprofilen als geoarchäologische Archive eingegangen. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf die Lössverbreitung und charakteristische Löss-Paläosol-Sequenzen in Niederösterreich gelegt. Im Hauptteil der Arbeit erfolgt eine knappe räumliche Einordnung der Wachau sowie eine Beschreibung des Verlaufs des Paläolithikums in Niederösterreich. Das Kernstück der Arbeit bildet die nachfolgende stratigraphische Beschreibung von bedeutenden Lössprofilen der Wachau, die durch diverse paläolithische Funde internationale Bekanntheit erlangten und zu besseren Kenntnissen der landschafts- und kulturgenetischen Entwicklung dieser Region beitrugen. Abschließend wird vor dem Hintergrund des gegenwärtigen Standes der interdisziplinären Forschung ein Fazit gezogen. Das Ziel der Arbeit ist die Schaffung einer Übersicht über grundlegende klimatologische, quartärgeologische und kulturelle Faktoren im Sinne einer geoarchäologischen Rekonstruktion des Vordringens des anatomisch modernen Menschen in Mitteleuropa.

2 Kulturgeschichtliche Einordnung des Paläolithikums

Das Paläolithikum bezeichnet den ältesten Abschnitt in der Vorgeschichte, d.h. der Zeit bis zum Auftreten erster Schriftzeugnisse, als Werkzeuge aus Steinen, Holz und Knochen hergestellt wurden. Es beginnt mit dem Homo habilis und dem Homo rudolfensis vor rund 2,5 Mio. Jahren BP in Afrika und endet mit der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren BP (Prähistorische Archäologie 2011). Gliedern lässt sich das Paläolithikum auf Grundlage von WerkzeugIndustrien und zugehörigen charakteristischen Leitformen der Werkzeuge in die Stufen Alt-, Mittel- und Jungpaläolithikum (Klostermann 1999:197).

Gegliedert wird das Altpaläolithikum in die drei Industrien Oldowan (2,5 - 1,0 Mio. Jahre BP), Developed Oldowan, eine Weiterentwicklung des Oldowan, und Acheuléen (1,5 - 0,25 Mio. Jahre BP) (Klostermann 1999:197). Die Anwesenheit des Menschen in Mitteleuropa nordwärts der Alpen ist dabei seit etwa 600.000 Jahren eindeutig belegt (Gaudzinski-Windheuser et al. 2009:65). Zur Trennung des Homo neanderthalensis vom Homo sapiens, der sich in Afrika entwickelte, kommt es vor etwa 250.000 Jahren BP (Gaudzinski-Windheuser et al. 2009:65). Das Mittelpaläolithikum gliedert sich in das Moustérien (250.000 - 40.000 Jahre BP), eine vom Homo neanderthalensis getragene Nachfolgeindustrie des Acheuléen, und in das Micoquien (130.000 - 70.000 Jahre BP), das kennzeichnend für asymmetrische Faustkeile ist (Klostermann 1999:201).

Aufgrund verschiedener Werkzeugtechnologien erfolgte ebenfalls eine differenzierte Untergliederung des Jungpaläolithikums in das Aurignacien, das Gravettien, das Solutréen und das Magdalénien (Klostermann 1999:201). Kennzeichnend für das Jungpaläolithikum ist die Herstellung von Klingen aus Feuerstein (Klostermann 1999:201), sowie die erstmalige Bearbeitung von Knochen und Elfenbein (Klostermann 1999:203). Mit dem Aurignacien, das auf 40.000 - 30.000 Jahre BP datiert wird, wird das Auftreten des Homo sapiens in Europa bei gleichzeitigem Verschwinden der letzten Homo neanderthalensis in Verbindung gebracht (Jöris et al. 2009a:73). Das Gravettien lässt sich in einem Zeitraum von 28.000 - 22.000 Jahren BP ansiedeln, fällt somit ins Weichsel-Hochglazial und ist durch das Auftreten von rückengestumpften Klingen und Gravettespitzen definiert (Jöris et al. 2009b:77).

3 Quartärgeologische Grundlagen

3.1 Eigenschaften und Bildung von Löss

Löss ist der Begriff für ein äolisch verlagertes Lockersediment, das überwiegend in den Kaltzeiten des Quartärs ausgeblasen und wieder abgelagert wurde (Schreiner 1997:93). Das Korngrößenmaximum liegt in der Regel zwischen 20 und 63 µm. Der Rest setzt sich aus Ton mit einem Anteil von unter 20 % und Sand mit einem Anteil von unter 10 % zusammen (Catt 1992:54). Lössablagerungen haben dabei mit zunehmender Entfernung vom Herkunftsgebiet einen höheren Anteil feineren Materials (Schreiner 1997:93). Mineralogisch besteht Löss zu einem Anteil von um die 60 % aus Quarzkörnern und zu 10 - 20 % aus Karbonat. Andere Minerale wie Feldspäte, Tonminerale und Glimmer kommen nur in relativ geringen Anteilen vor (Anderson et al. 2007:88). Löss erscheint im Profil in der Regel ungeschichtet und texturlos, kann jedoch auch in Folge von Verschlämmung bei der Ablagerung in niederschlagsreicheren Gebieten eine leichte Schichtung aufweisen (Schreiner 1997:94). Die Standfestigkeit von Löss, die die Stabilität von bis zu 20 m hohen Profilen gewährleistet, lässt sich auf die eckige Form der Quarzkörner und die dazwischenliegenden Tonbrücken zurückführen (Schreiner 1997:94).

In Mitteleuropa wurde Löss während des Quartärs unter periglazialen Bedingungen gebildet (Frechen et al. 2003:1836). Die Gletscherschmelzwässer führten große Mengen an zerriebenem Material mit sich, das hauptsächlich auf Schluff bestand und mit dem Trockenfallen der Schotter- und Sanderflächen ausgeweht werden konnte (Schreiner 1997:95). In der weitestgehend vegetationsfreien Frostschuttzone konnte ebenfalls Material durch Frostsprengung bereitgestellt und ausgeweht werden (Schreiner 1997:95). Die vorherrschenden Westwinde und die glazial bedingten Fallwinde transportierten das ausgewehte Material bis es im Lee von Hügeln bzw. in nicht vegetationsfreien Gebieten akkumuliert wurde (Schreiner 1997:94).

Nach Pye (1995) gibt es somit vier grundlegende Voraussetzungen, die notwendig für die Bildung von Löss sind: ein Herkunftsgebiet, ausreichend starke Winde zum Transport der Körner, ein geeignetes Akkumulationsgebiet sowie ausreichend Zeit mit gleichbleibenden Umweltbedingungen (Frechen et al. 2003:1836).

3.2 Betrachtung von Lössprofilen als archäologische Archive

Jungpleistozäne Löss-Paläosol-Sequenzen stellen hochauflösende terrestrische Archive dar, durch deren Untersuchung und richtige Deutung wichtige Fragen der klimatischen und chronologischen Gliederung des Pleistozäns beantworten werden können (Frechen et al. 2003:1836). Die Ablagerungen beinhalten zahlreiche Proxies und liefern dadurch Hinweise auf wesentliche Veränderungen der klimatischen Umweltbedingungen der letzten 130.000 Jahre (Frechen et al. 2003:1836). Vor allem durch Verbesserungen bei den Methoden der Lumineszenzdatierung gelang eine zuverlässigere zeitbasierte Rekonstruktion der vergangenen Klima- und Umweltbedingungen (Frechen et al. 2003:1835). Es muss jedoch angemerkt werden, dass sich eine Korrelation der Archive untereinander und mit anderen Archiven aufgrund der Lückenhaftigkeit der terrestrischen Sedimente und der räumlichen Trennung der Archive oft als schwierig gestaltet (Frechen et al. 2003:1837).

Unter Paläosolen sind Böden zu verstehen, die sich in der Vergangenheit gebildet haben und anschließend von jüngerem Sediment, wie z.B. Löss, überdeckt wurden (Anderson et al. 2007:34). Als Folge der bodenbildenden Prozesse kommt es zur Ausbildung von charakteristischen Horizonten, durch deren Untersuchung eine Rekonstruktion der bodenbildenden Faktoren möglich ist (Anderson et al. 2007:35). So kann z.B. darauf geschlossen werden, wie das Klima, die Vegetation und das Relief zur Zeit der Bodenbildung ausgesehen haben mögen und über was für einem Zeitraum diese Faktoren auf den Boden eingewirkt haben (Anderson et al. 2007:35). Zum Beispiel kann über die Bodenfarbe auf Reduktions- (grau) und Oxidationsvorgänge (rötlich) und somit auf den Grad der Feuchtigkeit geschlossen werden (Anderson et al. 2007:35). Ausgewaschene Horizonte mit einem geringen pH-Wert und einer Stoffverlagerung aus dem Ober- in den Unterboden sprechen für hohe Niederschlagsmengen, wohingegen höhere pH-Werte und karbonathaltige A-Horizonte auf trockenere Bedingungen hinweisen (Anderson et al. 2007:35). Als weitere Proxies, aus denen sich Informationen ableiten lassen, seien palynologische und malakologische Analysen, sowie Funde von Knochen, bearbeiteten Steinwerkzeugen und vulkanischen Tuffen genannt (Schreiner 1997:96). Die schnelle Bedeckung durch den angewehten Löss bewirkte dabei eine sehr gute Konservierung der Funde, sodass vereinzelt sogar gut erhaltene kalzifizierte Hölzer geborgen werden können (Neugebauer-Maresch 2000:31).

3.3 Lössverbreitung und Paläosol-Sequenzen in Niederösterreich

Löss ist ein auf der Erde weit verbreitetes Sediment und bedeckt Schätzungen zufolge etwa 10 % der Landoberfläche (Schreiner 1997:94). Wie dem rot schraffierten Bereich in Abb. 1 zu entnehmen ist, zieht sich ein nördlicher Lössgürtel durch Europa, der von Nordfrankreich über Belgien am Nordrand des deutschen Mittelgebirges über Südpolen in die Ukraine verläuft (Schreiner 1997:94). Ein südlicher Lössgürtel geht von der Oberrheinebene aus und verläuft entlang der Donau über Niederösterreich, Mähren, Ungarn und Rumänien bis zum Schwarzen Meer, wo er sich mit dem nördlichen Lössgürtel vereinigt (Schreiner 1997:94).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Lössverbreitung in Europa (verändert nach Diercke 2008)

In Niederösterreich stellte die Donau die Hauptquelle für die Entstehung von Löss dar (Anderson et al. 2007:88). Die Lösse gelten dabei als außerordentlich karbonathaltig, weil die Nebenflüsse der Donau aus den östlichen Alpen kalkalpines Material transportieren (Guenther 1961:36). Die jungpleistozänen Löss-Sequenzen lassen sich durch mehrere charakteristische Bodenbildungsphasen, die regional verfolgt werden können, gliedern (Brandtner 1954:49). Die älteste wird als Kremser Bodenbildung bezeichnet und beschreibt eine fossile Braunerde mit intensiver Verlehmung und rotbrauner Färbung, weshalb davon ausgegangen wird, dass sie sich im Eem-Interglazial unter Wald gebildet hat (Brandtner 1954:49). Die nächstjüngere Bodenbildungsphase stellt den Fellabrunner Bodenbildungskomplex dar, der aus einer schwach entwickelten Braunerde unter einer Schwarzerde besteht und in sich noch mehrfach durch Lössakkumulationen getrennt ist. Zugeordnet wird diese Sequenz dem ersten Interstadial des Würm-Glazials (Brandtner 1954:49). Der jüngste Paläosol, als Paudorfer Bodenbildung bezeichnet, stellt einen schwach ausgeprägten Steppenboden dar und kann dem Interstadial Würm II/III zugeordnet werden (Brandtner 1954:49).

[...]

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Details

Titel
Bedeutende Lössprofile und paläolithische Fundplätze der Wachau (Österreich)
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Regionalseminar
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
22
Katalognummer
V269561
ISBN (eBook)
9783656606956
ISBN (Buch)
9783656606857
Dateigröße
1134 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Löss, Paläoboden, Paläolithikum, Wachau, Willendorf II, Krems-Hundssteig, Krems-Wachtberg, Stratzing, Österreich, Archäologie, Paläosol
Arbeit zitieren
Dimitri Falk (Autor:in), 2011, Bedeutende Lössprofile und paläolithische Fundplätze der Wachau (Österreich), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269561

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