Energiepflanzen als gefragte Produkte auf dem Weltmarkt

Brasilien als Bioethanol-Produzent


Hausarbeit, 2010

17 Seiten, Note: 1,00


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Energiepflanzen als Teil der regenerativen Energien

3 Die Weltmarktsituation für Biokraftstoffe
3.1 Ursachen für den Biokraftstoffboom
3.2 Auswirkungen des Biokraftstoffbooms
3.2.1 sozioökonomisch
3.2.2 ökologisch

4 Brasilien als Bioethanol-Produzent

5 Bewertung des Status quo und zukünftige Aussichten

6 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

1973 wurde in Deutschland als direkte Reaktion auf die Ölkrise das Sonntagsfahrverbot verhängt - Deutschland stand zumindest auf den Straßen still. Auch wenn die autofreien Sonntage mehr moralischen als energiewirtschaftlichen Charakter hatten, kommt die energiepolitische Debatte seitdem nicht mehr zum Erliegen (Kohl 2007:4). Zudem wird seit mehr als 80 Jahren über die baldige Erschöpfung der Erdöllagerstätten der Erde diskutiert, was fatale Konsequenzen für Wirtschaft und Gesellschaft jener Staaten hätte, die in einem hohen Maß von fossilen Energieträgern abhängig sind. Auch wenn nicht mit einer kurz- bis mittelfristigen Erschöpfung der Ölquellen zu rechnen ist, wird vermutet, dass der Zeitpunkt der maximalen Erdölförderung bereits erreicht oder sogar bereits überschritten ist (Bitzer 2006:22). Dies würde bewirken, dass der Bedarf an Erdöl nicht nicht mehr durch das Angebot gedeckt werden kann, was zumindest das Ende der Verfügbarkeit billigen Erdöls darstellen würde. Aus diesen Gründen wird seitdem nach alternativen Energiequellen gesucht, um die Versorgung mit Strom, Wärme und Treibstoffen sicherzustellen. Der Fokus fällt dabei besonders auf die regenerativen Energien, von denen eine unerschöpfbare Energieversorgung erhofft wird. Die Förderung der erneuerbaren Energien hat in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen und findet sich mittlerweile sowohl in den nationalen, als auch internationalen Gesetzen wieder (Reinhardt/Gärtner 2005:400).

Den Einstieg in das Thema stellt eine Übersicht über die verschiedenen Energieträger der Biomasse, unter anderem die Energiepflanzen, im Kontext anderer regenerativer Energien dar. Anschließend wird die jüngste Entwicklung des Weltmarktes für Biokraftstoffe, einem wichtigen Erzeugnis aus Energiepflanzen, näher beleuchtet. Basierend auf diesen Ausführungen wird nach Ursachen für diesen Trend gesucht, wobei ebenfalls die sozioökonomischen und ökologischen Auswirkungen für die betroffenen Länder vorgestellt werden. Darauf aufbauend wird näher auf Brasilien als Fallbeispiel für zuvor genannte Ursachen und entsprechende Auswirkungen eingegangen. Schließlich wird die gegenwärtige Situation im Sinne der Nachhaltigkeit kritisch bewertet, wobei ein Schwerpunkt auf mögliche zukünftige Aussichten gelegt wird.

Ziel der Arbeit ist es, einen Einblick in die Ursachen und Auswirkungen des wachsenden Weltmarktes für Energiepflanzen, insbesondere für Biokraftstoffe, zu gewinnen, um diese anschließend im Sinne der nachhaltigen Entwicklung zu hinterfragen.

2 Energiepflanzen als Teil der regenerativen Energien

Das Spektrum regenerativer Energien umfasst Windenergie, Photovoltaik, Wasserkraft, Solarthermie, Geothermie und Biomasse (Meurer 2000:16). Unter Biomasse werden sämtliche Stoffe organischer Herkunft zusammengefasst, die durch Photosynthese gebildet werden (Brücher 2009:208). Dabei entstehen energiereiche organische Kohlenstoffverbindungen, indem unter Einfluss der Sonnenstrahlung das sich in der Atmosphäre befindliche CO2 gebunden wird (Brücher 2009:208). Im Gegensatz zu den anderen regenerativen Energien stellt Biomasse einen speicherbaren Energieträger dar, sodass z.B. anfallende Lücken in der Stromerzeugung durch Wind- und Sonnenenergie gefüllt werden und sich die erneuerbaren Energien dadurch ergänzen können (Brücher 2009:208). Jedoch ist Biomasse die flächenintensivste der erneuerbaren Energien, d.h. sie hat den „mit Abstand höchsten Flächenbedarf pro gewinnbare Energieeinheit“ (Brücher 2009:211). Im Gegensatz zu anderen regenerativen Energien, die primär zur Wärme- und Stromerzeugung genutzt werden, nimmt Biomasse eine wichtige Rolle bei der Erzeugung von Kraftstoffen ein (Dahmen et al. 2008:61). Die Energiegewinnung durch Biomasse ist bei nachhaltiger Bewirtschaftung kohlendioxid- neutral, da bei der Verbrennung nur soviel CO2 freigesetzt wird, wie beim Wachstum der Pflanzen gespeichert wurde (Quaschning 2008:287).

Biomasse lässt sich in zwei Segmente unterteilen und umfasst sowohl ‚Rückstände und organische Abfälle‘, wie Überreste aus land- und forstwirtschaftlicher Produktion, Rest- und Altholz aus dem industriellen Sektor, organische Haus- und Industrieabfälle, als auch ‚Energiepflanzen‘ (Meurer 2000:16). Energiepflanzen sind Pflanzen, die ausschließlich für die energetische Nutzung und nicht für den Verzehr gedacht sind (FNR o.J.). Sie lassen sich des weiteren in Getreideganzpflanzen, Grasarten mit großer Biomasse und schnell wachsende Baumarten untergliedern (Meurer 2000:17). Während Weiden, Erlen und Pappeln zu Holzpellets verarbeitet und zur Wärmeenergiegewinnung genutzt werden, können aus kohlenhydrat- und ölhaltigen Pflanzen Biokraftstoffe wie Pflanzenöle, Biodiesel und Bioethanol gewonnen werden (Nentwig 2005:215). Am einfachsten herzustellen ist das Pflanzenöl, das aus ölhaltigen Pflanzen wie Raps, Soja, Ölpalmen, Sonnenblumen und Purgiernuss durch Pressung bzw. Extraktion in Ölmühlen gewonnen werden kann. Dieses Öl kann entweder direkt als Biokraftstoff verwendet werden oder in einer Umesterungsanlage zu Biodiesel verarbeitet werden (Quaschning 2008:278), der den am meisten getankten Biokraftstoff in der EU darstellt. Bioethanol hingegen wird weltweit am meisten verwendet und kann durch alkoholische Gärung und anschließende Destillation aus zucker- und stärkehaltigen Pflanzen wie Zuckerrohr, Zuckerrüben, Kartoffeln und Getreide, vor allem Mais, gewonnen werden (Brand 2006:24-25).

3 Die Weltmarktsituation für Biokraftstoffe

An den flüssigen Treibstoffen hat Bioethanol weltweit ca. 90% Anteil, die restlichen 10% entfallen auf Biodiesel (Brücher 2009:215). Aufgrund von wirtschaftlichen, politischen und klimatischen Entscheidungen haben sich verschiedene Kerne bezüglich der Erzeugungs- und Konsumgebiete einzelner Biotreibstoffe entwickelt. So findet fast drei Viertel der weltweiten Biodieselproduktion in der EU statt, während in den USA Bioethanol aus Mais und in Brasilien Bioethanol aus Zuckerrohr dominiert. Brasilien und die USA haben einen Anteil von je rund 45% an der weltweiten Produktion, die EU nur 2,6% (Brücher 2009:215). Wie aus Abb. 1 ersichtlich ist, hat sich allein in den Jahren 2000 bis 2005 die weltweite Produktion von Bioethanol mehr als verdoppelt und betrug im Jahr 2005 knapp 40 Mrd. Liter, was vor allem auf den rasanten Anstieg der Produktion in den USA zurückzuführen ist. Die Produktion von Biodiesel hat sich nahezu vervierfacht und belief sich auf etwa 5 Mrd. Liter im Jahr 2005. Prognosen zufolge könnte 2025 der Anteil der Biotreibstoffe am weltweiten Treibstoffverbrauch von aktuell 1,5% auf 10% steigen (Gerling/Gans 2008:58). Die Nachfrage nach geeigneten landwirtschaftlichen Produkten für die Energieerzeugung explodiert, sodass dem entstehenden Bioenergie- Weltmarkt ein Volumen in einer Größenordnung vorausgesagt wird, welches die gegenwärtigen Umsätze des globalen Agrarmarktes deutlich übertrifft (Gerling/Gans 2008:59).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Biokraftstoffproduktion in Mrd. Litern von 1975-2005 (Gerling/Gans 2008:58)

3.1 Ursachen für den Biokraftstoffboom

Der Grund für den immensen Aufschwung regenerativer Energieträger liegt vor allem in energiepolitischen Entscheidungen. Industrieländer sind stärker denn je auf wirtschaftliches Wachstum fixiert und von der Verfügbarkeit billiger Energie abhängig (Bitzer 2006:22). Vor dem Hintergrund wachsender Weltbevölkerung und somit steigendem Energiebedarf und der Angst vor versiegenden Ölquellen sollen Kraftstoffe aus Biomasse ein zunehmend größerer Ersatz für Importe fossiler Energieträger werden (Brücher 2009:207). Durch die Förderung von Biokraftstoffen wird sich nicht nur eine größere politische Unabhängigkeit von erdölexportierenden Staaten, sondern auch die Ersparnis von Devisen bzw. sogar Gewinne durch Exporte erhofft (Brücher 2009:207). Zudem stellt der Anbau von Energiepflanzen eine willkommene Gelegenheit dar, um der Landwirtschaft neue Zukunftschancen zu verschaffen und somit zur Entwicklung armer Agrarländer beizutragen. Steigende Erdölpreise, technologischer Fortschritt und somit zunehmend effizientere Herstellungsverfahren sowie staatliche Förderprogramme machen die Biokraftstoffe auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig (Gerling/Gans 2008:58). In den zurückliegenden Jahren wurden in Deutschland politische Rahmenbedingungen geschaffen, die den „erneuerbaren Energien trotz ihrer vergleichsweise noch hohen Energiebereitstellungskosten die Chance geben, sich im Markt zu etablieren“ (Kohl 2007:5). Ein deutlicher Ausbau der Nutzung regenerativer Energieträger wurde für den Strombereich durch das Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) und für den Kraftstoffbereich durch eine Befreiung von der Mineralölsteuer sowie durch das Biokraftstoffquotengesetz bewirkt (Hansen 2009:15). Aufgrund von Steuerausfällen durch die steuerliche Begünstigung von Biokraftstoffen soll jedoch bis zum Jahr 2012 eine Angleichung der Steuersätze für Biotreibstoffe und konventionelle Treibstoffe stattfinden (Quaschning 2008:287). Um den Markt für Biotreibstoffe jedoch nicht zum Erliegen zu bringen, sind in Deutschland seit 2007 durch Einführung des Biokraftstoffquotengesetzes alle Unternehmen, die Kraftstoffe vertreiben, verpflichtet einen gesetzlich bestimmten Mindestanteil von Biokraftstoffen zu konventionellen Treibstoffen beizumischen (BMU 2007:32). Für das Jahr 2010 gilt eine Quote von 6,75%, die im Laufe der nächsten Jahre noch weiter gesteigert werden soll (BMU 2007:32). Durch begrenzte Anbaupotentiale ist Deutschland in einem hohen Maße von importierten Energieträgern abhängig (Hake/Eich 2002:22).

Schließlich sorgte auch die aktuelle Diskussion über die Reduzierung von CO2-Emissionen dafür, dass Biokraftstoffe weiter in den Vordergrund gerieten, denn sie weisen im Vergleich zur Verbrennung von Erdöl eine weitaus klimafreundlichere CO2-Bilanz vor. Ergebnis dieser Ursachen ist ein „globaler, durch immer opulentere nationale Steuervergünstigungs- und Subventionsprogramme aufgeheizter Biokraftstoffboom“ (Gerling/Gans 2008:58-59).

[...]

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Details

Titel
Energiepflanzen als gefragte Produkte auf dem Weltmarkt
Untertitel
Brasilien als Bioethanol-Produzent
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Grundseminar Wirtschaftsgeographie
Note
1,00
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V269566
ISBN (eBook)
9783656607106
ISBN (Buch)
9783656607045
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Biokraftstoffe, Bioenergie, Bioethanol, regenerative Energien
Arbeit zitieren
Dimitri Falk (Autor), 2010, Energiepflanzen als gefragte Produkte auf dem Weltmarkt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269566

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