Theodore Roosevelts "The Strenuous Life"

American Masculinity im Rahmen von Imperialismus und Frontier-Gedanken


Essay, 2009

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Zeitlicher Rahmen und Einführung

Die Wende zum 20. Jahrhundert war – wie für alle Staaten der Westlichen Hemisphäre – eine Zeit der tiefgreifenden Transformationen im sozialen, kulturellen und politischem Bereich. Die Spezifika für die USA bestanden einerseits in der zum Ende geführten Erschließung des nordamerikanischen Kontinents, verbunden mit der letztlichen Subordination der Native Americans unter das Primat der Ansprüche und Politiken der weißen Gesellschaft. Weiterhin war die Zeit nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg geprägt von Hochindustrialisierung, dem Entstehen eines Oligopols von Großunternehmen in der Stahl, Kohle, und Eisenbahnindustrie, während auf der Arbeitnehmerseite sich der Organisierungsgrad erhöhte und Gewerkschaften immer größere Erfolge verbuchen konnten. Vor allem die Begrenzung der täglichen/wöchentlichen Gesamtarbeitszeit bildetet die Basis für die Herausbildung einer Freizeit- und Konsumgesellschaft, die nicht wie in früherer Zeit ausschließlich in der Familie oder im Kreise der Gemeinde am kirchlichen Sonntag verbracht wurde, sondern von nun an immer mehr in neuen Lokalisationen wie Kneipen, Tanzhallen, Filmtheatern oder Freizeitparks.

Die Spannungen in der Arbeiterschaft und zwischen Arbeitern und Arbeitgebern nahmen als Folge der Massenmigrationsbewegungen, bei denen zwischen 1880-1920 circa 25 Millionen, zum Großteil aus Ost- und Südeuropa und Ostasien, ein neues Heim in den Vereinigten Staaten fanden, massiv zu. Erstens sah man die neuen Einwanderer als Bedrohung für den etablierten Arbeitsmarkt, da sie für weniger Lohn Beschäftigungen okkupierten als die bereits ansässigen Amerikaner. Hinzu mischte sich ein rassistischer Unterton in die Kritik, geübt durch die sogenannten Natives an den größtenteils katholisch- bzw. jüdisch-gläubigen Immigranten, welche sich auch in spürbarer manifester Gewalt manifestierten. Das Eindringen von Frauen in den ökonomischen Sektor als Beschäftige in Textilindustrie, als Sekretärinnen oder in den sozialen Diensten, wie auch ihr Engagement in der politischen Arena über Suffrage und Temperance Movement; also der de-facto Aufhebung der Trennung von privater und öffentlicher Sphäre, provozierte in Zusammenwirken mit den anderen genannten Faktoren geradezu eine Neudefinition der American Masculinity, die sich als Selbstertüchtigung (Strenuous Life) und Bewähren an der (alten bzw. neuen) Frontier konstituieren sollte.

Eben dieses Verhältnis zwischen Masculinity – Frontier-Gedanke – Imperialismus soll im vorliegenden Essay perspektivisch anhand von Theodore Roosevelts[1] Alltagsideologie des Strenuous Life analysiert werden. Dazu wird zu allererst ein kurzen biographischer Abriss von TRs Leben bis zum Ende seiner Präsidentschaft 1908 als Einordungsrahmen gegeben, bevor dann das Strenuous Life-Konzept explizit an seiner gleichnamigen Reden- und Aufsatzsammlung von 1900 erläutert werden wird. Der konkludierende Abschnitt wird Strenuous Life dann in den größeren Bezugsrahmen von Frontier-These und ihrer neuen Applikation des US-Imperialismus einbetten.

Theodore Roosevelt – Abriss eines Lebens

Theodore Roosevelt wurde am 27. Oktober 1858 als zweites von vier Kindern eines wohlhabenden und angesehenen Kaufmannsfamilie in der Stadt New York geboren. TR litt in seiner Kindheit an Asthma und war im ständig kränklichen, einige Male im lebensgefährlichen Zustand. Der daraus folgende Privatunterricht zu Hause, die Einschränkung seines Soziallebens und sein situativer Glaube schwächlich zu sein prägten sein Leben nachhaltig.[2]

Er begann mit Bodybuilding und Boxen, was seinen Gesundheitszustand erheblich verbesserte, worauf er anschließend ein Studium in Jura an der Harvard University aufnehmen konnte, was er jedoch abbrach, als er 1881 für die Republikaner in das Staatsparlament von New York gewählt wurde. Ein Jahr zuvor heiratete er die in Boston kennengelernte Alice Hathaway, die aber bereits im Februar 1884 im Kindbett verstarb.[3] Erschüttert zog sich Roosevelt auf eine Ranch im mittleren Westen zurück, auf der er einige seiner bedeutendsten Schriften verfasste, darunter auch The Winning of the West, wo er das einfache und heile Leben an der Besiedlungsgrenze beschreibt und den Verlust der Frontier als Wegfall einer spezifischen amerikanischen Selbsterfahrung bedauert.[4] 1888 heiratete er dann seine alte Jugendfreundin Edith Kermit Carow, mit der er dann noch fünf weitere Kinder hatte.[5] TR kandidierte 1886 ohne Erfolg für das Amt des Bürgermeisters von New York City, festigte seine Position im 1888er Kongress- und Präsidentschaftswahlkampf der Republikaner und war von 1889 bis 1895 in der Kommission für den öffentlichen Dienst in Washington D.C. Von 1895 bis 1897 fungierte er als Polizeichef von New York, und erhielt für seine Reform- und Umstrukturierungsmaßnahmen großes Prestige. Unter Präsident McKinley wurde er Unterstaatssekretär im Marineministerium und restrukturierte und vergrößerte die US-Flotte in den zwei Jahren vor dem Spanisch-Amerikanischen Krieg.[6]

Nach dessen Ausbruch kündigte TR seine Stelle in der McKinley-Administration und meldete sich freiwillig, was zusammen mit den militärischen Erfolgen der Rough Riders ihm eine enorme nationale Reputation einbrachte. 1898 wurde er dank seiner Popularität zum Gouverneur von New York und 1900 zum Vizepräsidenten unter William McKinley gewählt. Am 06. September 1901 fiel McKinley dem Attentat eines Anarchisten anheim und Roosevelt wurde nach dessen Tod acht Tage später zum 26. Präsidenten der Vereinigten Staaten vereidigt.[7]

Während seiner Präsidentschaft lagen die Schwerpunkte von TR in der Wirtschafts-, Sozial- und Außenpolitik. 1903 wurde mit dem sogenannten Square Deal ein Gesetzespacket verabschiedet, mit Unternehmenskartelle (Trusts) zerschlagen werden sollten. Ferner positionierte sich TR in der Sozialen Frage stärker auf der Seite der Arbeitnehmer, welche er im Bergarbeiterstreik 1902 in Pennsylvania unterstütze und Forderungen nach Verbot der Frauen- und Kinderarbeit, sowie zur Einführung des Achtstundentages mittrug, wobei wegen Fehlender Kompetenz der Bundesebene Gesetzesvorhaben zumeist nicht umsetzbar waren.[8]

Außenpolitisch war TR der prägende Faktor des US-Imperialismus der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts. Von Präsident McKinley erbte er einen Kolonialkrieg in den Philippinen, deren Bewohner das de facto existierende US-Kolonialregime nicht zu akzeptieren vermochten und auf ihrer Unabhängigkeit bestanden. Mit der Roosevelt’s Corollary zur Monroe-Doktrin von 1904 erweiterte TR die Dogmatik der amerikanischen Außenpolitik über das Verhindern des Eindringens fremder Mächte in die kontinentale Einflusssphäre zur quasi polizeilichen Hegemonialfunktion der Vereinigten Staaten in der Region. Das kubanische Platt-Amendment, die ständige (Be)drohung anderer Staaten mit dem Eingreifen der US-Flotte (big stick) oder die Vielzahl an Interventionen in lateinamerikanische Staaten sind dafür ein Zeugnis.[9]

Jedoch sah TR in der entstehenden Friedensbewegung auch einen potenziellen außenpolitischen Ansatz. So vermittelte er im Russisch-Japanischen Krieg 1905 den Frieden von Portsmouth, für den er den Friedensnobelpreis erhielt, und nahm 1906 an der Algeciras-Konferenz zur Beilegung der 1. Marokkokrise teil. Zudem war er der erste Präsident der USA, der jemals während der Präsidentschaft andere Länder des Amts wegen bereiste und der sich mit dem Reclamation Act und der Einrichtung von Nationalparks[10] für den Umweltschutz einsetzte.[11]

[...]


[1] Im Folgenden mit TR abgekürzt.

[2] Vgl., Dinunzio, Mario R.: Theodore Roosevelt, American Presidents Reference Series,
Washington, D.C.: CQ Press 2003., S. 10f.

[3] Vgl., ebd., S. 12, 14f.

[4] Vgl., Fiebig-von-Hase, Ragnhild: Theodore Roosevelt (1901-1909): Repräsentant des „modernen“

Amerika, in: Heideking, Jürgen (Hg.): Die amerikanischen Präsidenten. 42 historische Portraits von George

Washington bis George W. Bush, 3. durchges. und aktual. Aufl., fortgeführt von Christof Mauch, München:

C.H. Beck Verlag 2002, S. 257.

[5] Vgl., ebd., S. 256.

[6] Vgl., a.a.O., Dinunzio, S. 12-24.

[7] Vgl., ebd., S. 25-27.

[8] Vgl., a.a.O., Fiebig-von-Hase, S. 260f.

[9] Vgl. dazu ausführlich die übersichtliche und kritische Darstellung im Kapitel „Lateinamerika als Hinterhof:

Imperialismus einer neuen Großmacht“ in: Frey, Eric: Schwarzbuch USA, Frankfurt a.M.: Ullstein

Taschenbuch Verlag 2003, S. 66-80.

[10] Ein weiteres Motiv (wenn nicht das dominante) für die Errichtung von Nationalparks war die Absicht Refugien für heranwachsende Männer zu schaffen, in denen sie individuell oder in Verbänden (z.B. Boy Scouts) ihre Männlichkeit entwickeln und erproben konnten.

[11] Vgl., a.a.O., Fiebig-von-Hase, S. 261, 267.

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Details

Titel
Theodore Roosevelts "The Strenuous Life"
Untertitel
American Masculinity im Rahmen von Imperialismus und Frontier-Gedanken
Hochschule
Universität Erfurt  (Philosophische Fakultät - Historisches Seminar)
Veranstaltung
Konzepte des Imperialen
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V269912
ISBN (eBook)
9783656608240
ISBN (Buch)
9783656608233
Dateigröße
577 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
USA, Vereinigte Staaten, Männlichkeit, Maskulinität, Imperialismus, US-Gesellschaft
Arbeit zitieren
B.A. Erik Weihmann (Autor), 2009, Theodore Roosevelts "The Strenuous Life", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269912

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