Mediation, „Vermittlung“, zählt neben dem Gerichtsverfahren, dem Schiedsgericht und der
Verhandlung zu den vier grundlegenden Konfliktlöseverfahren. Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass ein neutraler Mediator die konstruktive Kommunikation zwischen freiwillig teilnehmenden Parteien anregt, um eine für alle Parteien akzeptable Lösung zu finden. Mediation ist somit ein außergerichtliches, prozesshaftes und strukturiertes Streitschlichtungsverfahren. Diese Prinzipien der Mediation spiegeln sich auch im Harvard-Konzept wider. verfolgt den Auftrag, die Theorie zu verbessern, zu unterrichten und Streitschlichtung zu praktizieren, damit die Konfliktparteien konstruktiver mit ihren Konflikten umgehen können.
Die Arbeit des Harvard Negotiation Program lässt sich in vier Kategorien einteilen: erstens,
Theoriekonstruktion; zweitens, Unterricht und Training; drittens, Praxisarbeit (Konfliktbearbeitung
in der realen Welt) und viertens, Versorgung der Praktiker mit schriftlichen Informationen.
Das Harvard-Konzept als Mediationsstrategie wurde 1979 an der Harvard Law School in den USA
im Rahmen des Harvard Negotiation Projektes gegründet. Zunächst konzentriert auf kleinere
Konflikte im lokalen Umfeld, meist zwischen Individuen, umfasst das Harvard-Konzept heute auch
komplexere Konflikte im gesamten westlichen Kulturraum und dehnt sich weiter auf sämtliche
Erdteile aus. Verhandlungen nach dem Harvard-Konzept finden nun auch zwischen Regierungen
statt. [...]
Inhaltsverzeichnis
Mediation - Einführung
1. Das Harvard- Konzept: Begriff , Historie, Vertreter, Richtlinien, Grundannahmen
2. Die vier Grundsätze des Harvard-Konzeptes
2.1. Grundsatz 1: Menschen und Probleme getrennt voneinander behandeln
2.2. Grundsatz 2: Auf Interessen konzentrieren, nicht auf Positionen
2.3. Grundsatz 3: Entwicklung von Optionen (Entscheidungsmöglichkeiten) zum beiderseitigen Vorteil
2.4. Grundsatz 4: Bestehen auf der Anwendung neutraler Beurteilungskriterien
3. BATNA – Best Alternative To Negotiated Agreement
4. Kritik am Harvard-Konzept
4.1. Die Grundannahmen - Kritikpunkte
4.2. Grundsatz 1: Menschen und Probleme getrennt voneinander behandeln – Kritikpunkte
4.3. Grundsatz 2: Auf Interessen konzentrieren, nicht auf Positionen - Kritikpunkte
4.4. Grundsatz 3: Entwicklung von Optionen (Entscheidungsmöglichkeiten) zum beiderseitigen Vorteil – Kritikpunkte
4.5. Grundsatz 4: Bestehen auf der Anwendung neutraler Beurteilungskriterien - Kritikpunkte
5. Schlussbemerkungen
Zielsetzung und thematische Ausrichtung
Die Arbeit untersucht das Harvard-Konzept als strukturierte Mediationsstrategie zur konstruktiven Konfliktlösung. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse der theoretischen Grundlagen, der vier Kernprinzipien sowie einer kritischen Würdigung im Kontext interkultureller und systemischer Konfliktbedingungen.
- Grundlagen des Harvard Negotiation Program (HNP)
- Die vier zentralen Verhandlungsgrundsätze
- BATNA als strategisches Instrument der Entscheidungsfindung
- Kritische Analyse der Anwendbarkeit und kultureller Grenzen
Auszug aus dem Buch
2.1. Grundsatz 1: Menschen und Probleme getrennt voneinander behandeln
„Verhandlungspartner sind zuallererst Menschen“
Grundlage für eine effiziente Verhandlung, und somit eines positiven Ergebnisses für beide Konfliktparteien sind gegenseitige Verständnis, Respekt und Vertrauen. Verharren die Parteien jedoch auf ihren Wertvorstellungen und prägt Intoleranz die Kommunikation, so werden negative Gefühle, Fehlinterpretationen, Missverständnisse und Vorurteile gefördert. Es kommt zur Schuldzuweisung, welche wiederum negative Gefühle u. s. w. hervorruft. Die Konfliktparteien geraten in einen Teufelskreis, der die Lösungsfindung erheblich erschwert.
„Jeder Verhandlungspartner hat zwei Grundinteressen: Das eine bezieht sich auf den Verhandlungsgegenstand, das andere auf die persönlichen Beziehungen“
Häufig ist die Aufrechterhaltung von bestehenden Beziehungen wichtiger, als das Ergebnis einer speziellen Verhandlung. Da man aber bei Verhandlungen dazu neigt, die persönlichen Beziehungen mit den Problemen zu vermischen, sich selbst in sachliche Positionen einzubeziehen und falsche Schlussfolgerungen aus sachlichen Erklärungen zu ziehen, werden sowohl die persönlichen Beziehungen, als auch die Problemlösung gefährdet. Noch größer ist die Gefährdung jedoch, wenn die Verhandlungspartner um ihre jeweiligen Positionen feilschen.
Zusammenfassung der Kapitel
Mediation - Einführung: Definition der Mediation als außergerichtliches Streitschlichtungsverfahren und Einordnung des Harvard-Konzepts.
1. Das Harvard- Konzept: Begriff , Historie, Vertreter, Richtlinien, Grundannahmen: Vorstellung der Entstehungsgeschichte, der maßgeblichen Vertreter und der grundlegenden Zielsetzung des Harvard Negotiation Program.
2. Die vier Grundsätze des Harvard-Konzeptes: Detaillierte Erläuterung der vier methodischen Säulen des Konzepts für eine sachgerechte Verhandlungsführung.
3. BATNA – Best Alternative To Negotiated Agreement: Erläuterung der "Besten Alternative" als wichtigstem Maßstab zur Beurteilung von Verhandlungsergebnissen.
4. Kritik am Harvard-Konzept: Kritische Reflexion der theoretischen Annahmen, insbesondere hinsichtlich kultureller Unterschiede und der praktischen Durchführbarkeit.
5. Schlussbemerkungen: Zusammenfassende Bewertung des Konzepts als hilfreicher Leitfaden sowie Ausblick auf weiterführende Mediationsstrategien.
Schlüsselwörter
Harvard-Konzept, Mediation, Konfliktlösung, Verhandlungsführung, Interessen, Positionen, Sachbezogenheit, Kommunikation, BATNA, Problemlösung, Streitschlichtung, Interessenausgleich, Objektive Kriterien, Menschenbild, Verhandlungstechnik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Harvard-Konzept als Strategie zur Konfliktbewältigung und Mediation.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Mittelpunkt stehen die vier Grundsätze des Harvard-Konzepts, die Rolle von BATNA sowie eine kritische Betrachtung der Methode.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Effektivität des Harvard-Konzepts zu bewerten und seine Grenzen, insbesondere im interkulturellen Kontext, aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturbasierte Analyse und strukturierte Aufarbeitung der Verhandlungslehre von Fisher, Ury und Patton.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Beschreibung der vier Grundsätze, das Konzept der besten Alternative (BATNA) und eine tiefgehende Kritik zu jedem dieser Punkte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind das Harvard-Konzept, Mediation, Interessenorientierung, Kommunikation und Konfliktlösung.
Warum ist die Trennung von Mensch und Problem laut Harvard-Konzept so wichtig?
Weil die Vermischung von sachlichen Problemen und persönlichen Beziehungen oft zu emotionalen Teufelskreisen führt, die eine konstruktive Einigung blockieren.
Inwiefern ist das Harvard-Konzept in kollektivistischen Kulturen problematisch?
Da in diesen Kulturen Probleme und Personen häufig untrennbar miteinander verbunden sind, lässt sich die im Harvard-Konzept geforderte sachliche Trennung nur schwer umsetzen.
- Arbeit zitieren
- Anne-Katrin Weiher (Autor:in), 2001, Das Harvard-Konzept als Mediationsstrategie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27046