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Der Bruch in der Moderne - eine Auseinandersetzung mit der These Ulrich Becks

Title: Der Bruch in der Moderne - eine Auseinandersetzung mit der These Ulrich Becks

Seminar Paper , 2002 , 27 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Daniel Hess (Author)

Sociology - General and Theoretical Directions
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Summary Excerpt Details

Die Soziologie besitzt nicht eine „Zeit- oder Gegenwartsdiagnose“. Das Genre
zeichnet sich vielmehr durch vielfältige Ansätze aus: Gerhard Schulze behauptet
beispielsweise, wir lebten in einer Erlebnisgesellschaft, Richard Münch in der
Kommunikationsgesellschaft und Ulrich Beck in der Risikogesellschaft (Beck
1986). Ist dies ein Makel der Zeitdiagnosen, und zeugt das von einer Unreife des
Fachs Soziologie?
„Vielleicht ist die Perspektivenvielfalt ja auch die einzig adäquate Reaktion auf die immense
Komplexität sozialer Wirklichkeit, die sich analytisch einfach nicht in eine einzige Sicht der Dinge
hineinpressen lässt (Schimank 2000: 14).“
Schimank ist der Meinung, dass das Problem nicht aus dem Fach, sondern aus
dem Gegenstand des Faches entstehe: Die soziale Wirklichkeit sei so komplex!
Ziel könne es nicht sein, die Komplexität wiederzuspiegeln, in diesem Fall hätte
man keinen Erkenntnisgewinn. Vielmehr müsse stark vereinseitigt werden und
„aus Heterogenem ein Muster (Münch 2002:19)“ gemacht werden.
„Die Gegenwartsdiagnosen leisten einen wichtigen Beitrag zur „soziologischen Aufklärung“ der
Gesellschaft über sich selbst (Schimank 2000: 17).“
Die Funktion der Gegenwartsdiagnose sei also nicht das Finden der Wahrheit,
sondern die Selbstbeobachtung, indem sie auf drohende Krisen aufmerksam
mache. Dies leistet auch Becks Risikogesellschaft. Aus heterogenen
Einzelereignissen wie Waldsterben, Schadstoffe in Nahrungsmitteln,
Radioaktivität, Individualisierung und Arbeitslosigkeit hat er seiner Meinung nach
ein Muster herausgefiltert: Risiken. Damit vereinseitigt er, macht aber auch auf
eine drohende Krisen aufmerksam. Dennoch stellt sich die Frage, ob er nicht
durch den Untertitel „Auf dem Weg in eine andere Moderne“ über das Genre der
Zeitdiagnosen hinausgeht.
„Soziologische Gegenwartsdiagnosen sind also analytisch abstrakter als Untersuchungen
einzelner Gesellschaften, aber konkreter als generelle Gesellschaftstheorien (Schimank 2000: 16).“
Als Gegenpol zur Risikogesellschaft dient Beck die klassische
Industriegesellschaft. Zwischen Industriegesellschaft und Risikogesellschaft will er
einen ausreichenden Unterschied festgestellt haben, der einen Bruch zwischen
Beiden rechtfertigen würde. Weil die Moderne nicht einheitlich nach einer
Grundidee verlaufe, zieht dies die Einführung der Begrifflichkeit der zweiten
Moderne nach sich. [...]

Excerpt


Gliederung

1. Unterschiedliche Zeitdiagnosen

2. Modernisierungsvorstellungen Becks

2.1 Restrukturierung ökologischer Risikoproduktion

2.2 Restrukturierung der Lebensführung

2.3 Restrukturierung von Wissenschaft und Politik

3. Die Risikogesellschaft als Zeitdiagnose

3.1 Das Muster in den ökologischen Risiken

3.1.1 Kollektiv verteilte Risiken

3.1.2 Risikowahrnehmung und -wirklichkeit

3.1.3 Entscheidungsabhängigkeit von Risiken

3.2 Das Muster in der Lebensführung

3.3 Die Frage der Mediengesellschaft

4. Rechtfertigung des Epochenwandels

4.1 Risiken der Industrie- und der Risikogesellschaft

4.2 verschiedene Analyseperspektiven

4.3 zur Einheit der Industriegesellschaft

4.4 der Institutionenwandel

5. kein Bruch trotz berechtigter Zeitdiagnose

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die These von Ulrich Beck zur "Risikogesellschaft" und prüft, ob die diagnostizierten gesellschaftlichen Veränderungen tatsächlich einen epochalen Bruch mit der Industriegesellschaft rechtfertigen.

  • Analyse der Modernisierungsvorstellungen Becks (ökologische Risiken, Individualisierung, Institutionen).
  • Kritische Überprüfung der Risikogesellschaft als Zeitdiagnose.
  • Vergleich der Risikokonstruktionen von Industriegesellschaft und Risikogesellschaft.
  • Diskussion über die Legitimität eines behaupteten Epochenwandels.

Auszug aus dem Buch

3.1.2 Risikowahrnehmung und -wirklichkeit

Immer wieder taucht in der Literatur die Frage auf, ob Beck eine reale Risikosteigerung diagnostiziert oder nur eine verstärkt wahrgenommene. Dabei vertritt Schumm die Position, dass Risiken für Beck nur subjektive Bedeutung haben, weil Risiken sich selbst bearbeiten und damit aufheben würden (vgl. Schumm 1986: 165). Dagegen ist Nassehi überzeugt, Beck gehe von einem objektiven Bestand von Risiken aus, in der die Menschheit vor der Möglichkeit zur Selbstvernichtung stehe (vgl. Nassehi 1997: 255 und 273).

Der Autor selbst trägt mit unklaren Äußerungen mehr zur Verwirrung als zur Klarstellung bei.

Gesellschaften, die zunächst verdeckt, dann immer offensichtlicher mit den Herausforderungen der selbstgeschaffenen Selbstvernichtungsmöglichkeit allen Lebens auf dieser Erde konfrontiert sind, nenne ich Risikogesellschaft (Beck 1988: 109).“

Scheint hier die „Konfrontation mit der Selbstvernichtung“ real zu sein, widerspricht Beck dieser Interpretation an anderer Stelle:

„Ich glaube nicht, dass wir in einem objektiven Sinn riskanter leben als früher. Viele Dinge können wir besser kontrollieren, die Lebenserwartung hat sich beispielsweise stark erhöht. Das Risiko hat eine andere Bedeutung für den Alltag angenommen. Denken und Handeln ist nicht mehr jenseits von Risiken möglich, da wir globalen Gefahren ausgesetzt sind, die das ganze Leben auf diesem Planeten auslöschen können (Pongs 1999: 59).“

Zusammenfassung der Kapitel

Unterschiedliche Zeitdiagnosen: Einführung in die Vielfalt soziologischer Gegenwartsdiagnosen und Einordnung von Becks Theorie in diesen Kontext.

Modernisierungsvorstellungen Becks: Darstellung der zentralen Beckschen Konzepte: ökologische Risiken, Individualisierung sowie der Wandel von Wissenschaft und Politik.

Die Risikogesellschaft als Zeitdiagnose: Überprüfung des Musters der Risikogesellschaft anhand ökologischer Risiken, Wahrnehmungsprozessen und der Entscheidungsabhängigkeit.

Rechtfertigung des Epochenwandels: Kritische Untersuchung, ob die identifizierten Veränderungen tatsächlich eine neue Epoche gegenüber der Industriegesellschaft begründen oder als Kontinuität interpretierbar sind.

kein Bruch trotz berechtigter Zeitdiagnose: Fazit der Arbeit: Während Becks Diagnose als Zeitdiagnose wertvoll bleibt, ist die These eines notwendigen theoretischen Epochenbruchs nicht hinreichend belegt.

Schlüsselwörter

Risikogesellschaft, Ulrich Beck, Industriegesellschaft, reflexive Modernisierung, Individualisierung, Zeitdiagnose, Epochenwandel, ökologische Risiken, Risikowahrnehmung, Subpolitik, Institutionenwandel, moderne Soziologie, Theoriebildung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit setzt sich kritisch mit der Theorie der "Risikogesellschaft" von Ulrich Beck auseinander und prüft, ob diese eine Abkehr von der klassischen Industriegesellschaft rechtfertigt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen ökologische Risiken, der Prozess der Individualisierung sowie der Wandel politischer und wissenschaftlicher Institutionen.

Was ist das primäre Ziel der Analyse?

Das Ziel ist es zu klären, ob die von Beck proklamierte "zweite Moderne" tatsächlich einen empirisch und theoretisch haltbaren Bruch darstellt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die Becks Argumente gegen alternative soziologische Perspektiven und empirische Befunde abwägt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Kernstränge von Becks Theorie und hinterfragt anhand der Industriegesellschaft, ob die diagnostizierten Risiken tatsächlich ein Novum darstellen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen gehören Risikogesellschaft, reflexive Modernisierung, Individualisierung, Zeitdiagnose und Institutionenwandel.

Inwieweit sieht der Autor die Risikowahrnehmung als kritisch an?

Der Autor betont, dass zwischen Risikowirklichkeit und Risikowahrnehmung differenziert werden muss, da eine reine Fixierung auf die Wahrnehmung den Blick auf soziale Strukturen verstellen kann.

Warum lehnt der Autor die These des Epochenbruchs ab?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass viele Merkmale der "Risikogesellschaft" auch in der Industriegesellschaft angelegt waren und Becks Darstellung der alten Moderne zu undifferenziert ist.

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Details

Title
Der Bruch in der Moderne - eine Auseinandersetzung mit der These Ulrich Becks
College
University of Bamberg  (Soziologie I)
Course
HS Neuere Ansätze der Gesellschaftsanalyse und Zeitdiagnose
Grade
1,3
Author
Daniel Hess (Author)
Publication Year
2002
Pages
27
Catalog Number
V27082
ISBN (eBook)
9783638292184
Language
German
Tags
Bruch Moderne Auseinandersetzung These Ulrich Becks Neuere Ansätze Gesellschaftsanalyse Zeitdiagnose
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Daniel Hess (Author), 2002, Der Bruch in der Moderne - eine Auseinandersetzung mit der These Ulrich Becks, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27082
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