Textanalyse eines Zeitungsartikels


Seminararbeit, 2011

12 Seiten, Note: 2


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Textanalyse
2.1 Textaufbau
2.2 Kohäsion
2.3 Kohärenz
2.4 Textfunktion
2.5 Textsorte und Stil
2.6 Evaluierung und Optimierung

3 Zusammenfassung

4 Literaturverzeichnis

5 Anhang

1 EINLEITUNG

Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit soll auf der praktischen Analyse eines kurzen Zei- tungsartikels liegen, um aufzuzeigen, wie ein Text entstehen kann und was seine einzelnen Bestandteile verbindet beziehungsweise wie diese zusammenhängen können. Dazu muss natürlich erst einmal geklärt werden, welche Bedingungen gegeben sein müssen, um von einem Text sprechen zu können. Nach dieser elementaren Definition der Größe Text soll auf den Textaufbau eingegangen werden, wobei neben der rein textuellen Ebene auch die thematische Ebene eine wichtige Rolle spielen soll, um zu verdeutlichen, dass nicht nur einzelne Wörter einen Zusammenhang stiften können, sondern dass solche Zusammenhän- ge auch außerhalb der Textoberfläche zu suchen sind. Im weiteren Verlauf der Untersu- chungen soll auch auf die Textfunktion und die zugrundeliegende Stilistik eingegangen werden, was schließlich auch zu einer Bestimmung der vorliegenden Textsorte führen soll. Nach all diesen Untersuchungen soll der Text hinsichtlich seines Aufbaus, aber auch hin- sichtlich seiner Effektivität und Effizienz bewertet werden. Von dieser Bewertung ausge- hend sollen schließlich auch Optimierungsvorschläge angeführt werden, welche natürlich nicht als absolut zu gelten haben, sondern vielmehr Anreize für eine bessere Textgestal- tung sein sollen.

2 TEXTANALYSE

Beinahe schon inflationär wird der Begriff Text in der alltäglichen Kommunikation verwendet, obwohl meistens ganz und gar nicht klar ist, was eigentlich alles mit diesem Terminus verbunden ist und welche Bedingungen für einen Text erfüllt sein müssen. Ge- genstand dieser Untersuchung soll allerdings nicht sein, eine möglichst allgemeingültige Definition für den genannten Terminus zu finden, denn wie sooft in unterschiedlichen For- schungsgebieten der Linguistik gibt es auch für den Begriff Text nicht nur eine einzige, universell anerkannte Definition, sondern vielmehr unüberschaubar viele. Brinker (vgl. 2005, 12) spricht in diesem Zusammenhang einen wichtigen Aspekt des Textbegriffs an: Es stelle sich die Frage, ob es überhaupt möglich sei, einen universellen Textbegriff zu entwickeln, da konkrete Definitionen auch immer durch die jeweiligen Zielsetzungen der Forschungsarbeit mitbestimmt würden. Allein die Schwerpunktsetzung einer Forschung könnte also bereits die zugrundeliegende Definition beeinflussen.

Dieser Arbeit soll ein Textbegriff zugrunde liegen, welcher sowohl die Kommunikationssituation als auch das Sprachsystem berücksichtigt. Unter einem Text in diesem Sinne versteht man also der Auffassung Brinkers folgend (2005, 17) „eine begrenzte Folge von sprachlichen Zeichen, die in sich kohärent ist und die als Ganzes eine erkennbare kommunikative Funktion signalisiert“.

2.1 Textaufbau

Inhaltlich handelt der zu untersuchende Beispielstext von einem sardischen Gerichts- verfahren, welches bereits 50 Jahre andauert, wobei bis heute noch keine Lösung gefunden werden konnte, da der Angeklagte als unzurechnungsfähig gilt. Diese Thematik setzt sich innerhalb des ganzen Textes fort. Prinzipiell ist der Text aufgebaut wie eine typische Zei- tungsnachricht, allerdings wird die vorliegende Textsorte erst im Abschnitt 2.5 konkreter behandelt. In der Headline erfährt man bereits oberflächlich, worum es im Text inhaltlich geht, was im Untertitel noch genauer thematisiert wird. Im weiteren Verlauf des Textes werden die Informationen immer spezifischer, um denjenigen Lesern, die besonderes Inte- resse an dem Text haben, noch vertiefende Informationen vermitteln zu können.

Auf der linken Seite neben dem Text findet sich außerdem ein Bild, das aber keine zu- sätzlichen Anreize zur Thematik gibt, sondern lediglich eine Komponente des Textinhalts - die Schafe - unterstreichen soll. Es entsteht dadurch also Redundanz, da ein gewisser Bestandteil des Inhalts - eben die Schafe - zusätzlich zum Text noch bildlich präsentiert und konkretisiert wird. Redundanz hat den Effekt, dass der Rezipient die Thematik effekti- ver begreifen kann, was allerdings im Falle des Inhalts dieses Beispielstextes eher frag- würdig erscheint, da es sich hierbei nicht um einen komplexen, in sich verwobenen Text handelt. Aus diesem Grund scheint es bei diesem Beispiel weitaus sinnvoller zu sein, das Platzieren des Bildes neben dem Text als rein ästhetische Maßnahme zu betrachten. Ver- mutlich intendierte der Autor eine Optimierung des Layouts, der Textgestalt, durch zusätz- liche graphische Elemente.

2.2 Kohäsion

Bei einem Text können an der Textoberfläche verschiedene Verknüpfungen gefunden und nachgewiesen werden, welche den Text zumindest formell zu einer Einheit werden lassen und durch die im Text auf andere Bestandteile verwiesen werden kann. Linke/Nussbaumer/Portmann (vgl. 2004, 245) sprechen im Falle des Vorliegens solcher Verknüpfungen von Kohäsion.

Im Beispielstext lassen sich viele solche Kohäsionsmittel finden. So kommen immer wieder rekurrente Elemente vor. Besonders die Hauptbeteiligten, sozusagen die Aktanten des Geschehens, kommen immer wieder vor: der Schäfer, Giovanni, die Schafe. Auch par- tielle Rekurrenz kann im Text nachgewiesen werden. Ein exemplarisches Beispiel hierzu wären die Lexeme Sardinien und sardischer, welche eindeutig zum gleichen Lexemver- band zu rechnen sind.

Bei weiterer Untersuchung des Textes fallen auch die substituierten Elemente auf, allerdings sind diese nicht so zahlreich vorhanden, wie es andere Kohäsionsmittel sehr wohl sind. Das Paradebeispiel im zu untersuchenden Text ist der Schäfer, der schließlich in substituierter Form - als Giovanni - wieder auftaucht.

Häufiger als die Substitution sind im Text Pro-Formen nachzuweisen, mit deren Hilfe „auf ein Bezugselement des sprachlichen Kontextes verwiesen“ werden kann (Lin- ke/Nussbaumer/Portmann 2004, 247). Als Beispiele sollen hierzu einige Pro-Formen des ersten Absatzes angeführt werden: alle, sie, er, dadurch. Diese Formen verweisen jeweils auf andere sprachliche Elemente des Textes und können deshalb als koreferenter Ersatz für andere Elemente genutzt werden, um somit ein gesteigertes Maß an Kohäsion zu erreichen (vgl. Pätzold 2010, 534).

Zu den Artikeln lässt sich sagen, dass sie in diesem Textbeispiel nur eine untergeordnete Rolle in Hinblick auf die Einführung von bisher Unbekanntem spielen. Als eines der wenigen Beispiele sei angemerkt, dass der Schäfer im Titel ohne Artikel angeführt wird. Man könnte sich an dieser Stelle den unbestimmten Artikel ein hinzudenken, was dazu führt, dass die Hauptperson, um die es im nachfolgenden Text geht, eingeführt wird. In der darauffolgenden Zeile beginnt der Satz schließlich mit Der sardischer [sic] Schäfer, was voraussetzt, dass dieser Schäfer bereits bekannt ist.

Das Tempus spielt in diesem Text nicht wirklich explizit eine Rolle für die Kohäsionsstiftung, sondern beschränkt sich viel mehr auf die Aufgabe der zeitlichen Gliederung von Handlungen und Geschehnissen.

Konnektive kommen im Text - zwar nicht gehäuft aber fallweise (besonders im ersten Absatz) - vor. Gerade im ersten Absatz werden Textelemente mit den prototypischen Konnektiven und, oder beziehungsweise seit verbunden.

Insgesamt kann man also definitiv sagen, dass es sich bei dem Beispielstext um einen kohäsiven Text handelt. Es sind prinzipiell alle Kohäsionsmittel vorhanden, was für eine angemessene Verknüpfung an der textuellen Ebene spricht.

2.3 Kohärenz

Im Metzler Lexikon Sprache wird der Begriff der Kohärenz folgendermaßen definiert (Pätzold 2010, 339):

Zu einer die kommunikative Dimension des Textes akzentuierenden Sicht führt die Differenzierung zwischen der K[ohärenz]. und der Kohäsion des Textes. Als K[ohärenz]. gilt dann die semant[isch].-pragmat[ische]. Verknüpfung der den sprachl[ichen]. Zeichen an der Textoberfläche zugrundeliegenden Propositionen, die durch kognitive Prozesse der Interaktion zwischen der Textwelt und dem Sprach- und Weltwissen des Textrezipienten, d.h. durch Sinngebung hergestellt wird.1

Vereinfacht kann man also sagen, dass man unter Kohärenz die thematische Verknüpfung innerhalb eines Textes versteht, sodass eine inhaltlich-thematische Einheit entstehen kann, was für die Nachvollziehbarkeit eines Textes zu den wichtigsten Voraussetzungen zählen muss. Wichtig für die Kohärenz eines Textes ist unter anderem das Vorhandensein eines bestimmten Themas, einer „inhaltlich-semantische[n] Leitlinie und Quintessenz des Textes“ (Linke/Nussbaumer/Portmann 2004, 267).

Im ausgewählten Zeitungsartikel kann eine solche inhaltlich-semantische Leitlinie relativ problemlos ermittelt werden. Allein durch den Titel wissen wir, dass es in diesem Text um ein langjähriges Gerichtsverfahren geht, welches bis heute noch nicht abgeschlossen werden konnte. Auch in den nachfolgenden Absätzen setzt sich dieses Thema fort, es wird allerdings ausführlicher behandelt. Die näheren Umstände, die noch genannt werden, stehen alle in Verbindung mit dem Textthema, was gewissermaßen als roter Faden innerhalb des Textes gesehen werden kann. Solch ein roter Faden, der sich durch den gesamten Text zieht, wirkt natürlich sehr kohärenzfördernd.

Prinzipiell spielen auch Kohäsionsmittel (Rekurrenz etc.) eine wichtige Rolle zur Durchsetzung eines Themas innerhalb eines Textes. Im Beispielstext taucht der Schäfer und das Gericht, ob rekurrent, substituiert oder in einer anderen Form darauf verwiesen, immer wieder auf. Kohärenz ist also keinesfalls isoliert von der Kohäsion zu betrachten.

[...]


1 Die Abkürzungen im Original wurden für diese Arbeit in eckigen Klammern ausformuliert, um ein besseres Verständnis zu gewährleisten. Auch Änderungen im Kasus werden in eckigen Klammern notiert.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Textanalyse eines Zeitungsartikels
Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz  (Germanistik)
Note
2
Autor
Jahr
2011
Seiten
12
Katalognummer
V271260
ISBN (eBook)
9783656631255
ISBN (Buch)
9783656631224
Dateigröße
734 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Textlinguistik Text Analyse Kohäsion Kohärenz
Arbeit zitieren
BA Christoph Lederhilger (Autor), 2011, Textanalyse eines Zeitungsartikels, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271260

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