Die Loreley von Clemens Brentano. Hintergründe zur Entstehung


Hausarbeit, 2014
11 Seiten

Leseprobe

Inhalt

1. Eine alte Sage, oder?

2. Brentano und Mereau

3. Godwi

4. Die Ballade von der Loreley
4.1 Der Kontaminierende Schreibstil
4.1.1 Die Figur der Loreley
4.1.2 Die unglückliche Liebe
4.1.3 Das Urteil
4.1.4 Freitod – Liebestod

5. Resumee

6. Die Loreley – Brentanos Realität

7. Literaturverzeichnis

1. Eine alte Sage, oder?

Im Rheintal thront ein Schieferfelsen, der schon seit allzu langer Zeit immer wieder Bewunderung unter den Menschen hervorruft. Oben auf dem Felsen steht eine metallene Statue, die an ein schönes Mädchen erinnert. Die Loreley (auch Lore Ley oder Lurelai) soll hier vor vielen Jahren auf der Spitze des Felsens gesessen haben, ihre Haare kämmend und singend, die Schiffer von ihrem sicheren Kurs abgelenkt haben, sodass sie mit ihren Schiffen an den Felsen zerschellten und den Tod fanden. Den Felsen umranken Mythen und Fragen gleichermaßen, so interessant und faszinierend, dass Besucher, die Schifffahrt auf dem Rhein unternehmen, von Menschen aus aller Welt umgeben sind, die nur wegen des Loreleyfelsens bis nach Deutschland gefahren sind. Wer hat sie erfunden? Ist es eine alte deutsche Sage, die die Schiffer womöglich vor den tückischen Gewässern rund um den Felsen warnen sollte, denn viele Schiffer fanden hier den Tod. Motive von Sirenen und Meerjungfrauen, die Seeleute entführen, findet man schon in der Odyssee von Homer oder in Seemannssagen.[1] Eine Frau auf einem Schiff galt sowieso als schlechtes Omen. Frauen, die Seeleuten den Tod oder Unglück bringen, scheinen eine lange Tradition zu haben. Aber wie alt ist die Sage über das verwunschene Mädchen wirklich?

So alt, wie Heine in seiner Loreleyfassung behauptet, scheint die Sage nicht zu sein, denn wir finden das Motiv erst im 19. Jahrhundert in einer Ballade von Clemens Brentano.[2] Nach einem langen Streit zwischen Literaturwissenschaftlern, ob die Loreley Sage oder Dichtung sei, wurde hinreichend festgestellt, dass es sich hierbei um eine Schöpfung Brentanos handelt.[3]

Zudem konnte keine Loreley Fassung vor 1800 gefunden werden. In Brentanos Ballade ist die Loreley eine Sterbliche, die durch ihre Schönheit Männer sofort in ihren Bann zieht. Sie wählt deshalb den Freitod von dem Felsen, der nun so berühmt ist. Bei Brentano findet man noch keine Anzeichen für mystischen Gesang oder Zauberei.[4] Zum ersten Mal veröffentlicht er die Ballade in seinem Roman Godwi.[5] Doch was hat Brentano gerade zu dieser Darstellung getrieben? Die Frau, die sich vom Felsen stürzt. Der letzte Ausweg, den sie sieht, ist der Tod. Brentano schuf damit ein großes Thema, das noch viele Romantiker nach ihm beschäftigen und faszinieren sollte. Es gibt viele Fassungen der Loreley von Heine und Eichendorff beispielsweise und im Laufe der Zeit hat sich die Ballade von der jungen Frau aus Bacherach am Rheine so herumgesprochen, dass es für eine alte deutsche Sage gehalten wurde.[6] In der folgenden Arbeit wird die Frage erörtert, was Brentano antrieb, die Loreley zu erfinden.

2. Brentano und Mereau

Clemens Maria Wenzeslaus Brentano de La Roche wurde am 9. September 1778 in Ehrenbreitstein (heute Koblenz) geboren und starb am 28. Juli 1842 in Aschaffenburg. Während seines Medizinstudiums in Jena lernt er Sophie Mereau kennen, die er obsessiv liebte und verehrte[7]. Mereau sollte große Bedeutung und Einflüsse auf die Loreley und den Roman, in den die Ballade eingebettet wurde, haben, denn „Brentanos einziger Roman Godwi[…], der im Oktober 1801 erschien, beruht auf seinen Erlebnissen in Jena.“[8]

Sophie Mereau (geb. Schubert) wurde am 27. März 1773 in Altenburg geboren. Sie heiratete zunächst  Prof. F.E.K. Mereau. Nachdem sie von ihm geschieden worden war, heiratete sie im Jahre 1803 Clemens Brentano. Mit diesem lebte sie bis zu ihrem Tode am 31. Oktober 1806 in Heidelberg.[9]

Als sie sich kennenlernten, soll Brentano sofort gewusst haben, dass sie die Liebe seines Lebens ist, und seine Obsession für sie kommt auch in den Briefen, die er ihr schrieb, zur Geltung.[10] Er schreibt auch an einen Freund:

[…], der vortrefflichen Dichterin Professor Mereau, die ganz, körperlich und geistig, das Bild unserer Mutter ist.[11]

Damit taucht ein für das Folgende wichtiger Begriff auf. Das Bild der Mutter  ist nicht ohne Grund auch der Untertitel des Romans Godwi, der die Ballade enthält.

[...]


[1] Vgl. Lentwojt, Peter: Die Loreley in ihrer Landschaft. Frankfurt am Main: Eurpäischer Verlag der Wissenschaften 1998

[2] Vgl. Brentano, Clemens: Loreley. In: Clemens Brentano. Sämtliche Werke und Briefe. Band 1 Gedichte 1784-1801. Hrsg. von Anne Bohnenkamp u.a. Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer 2007. S.169-170

[3] Vgl. Lentwojt, P.: Die Loreley in ihrer Landschaft. S. 15

[4] Brentano, Clemens: Loreley. Hrsg. von Bohnenkamp, A.  u.a. S.169-170

[5] Vgl. Lentwojt, P. : Die Loreley in ihrer Landschaft. S.61

[6] Ebd. S.15

[7] Gersdorff, Dagmar von: Dich zu lieben kann ich nicht verlernen. Das Leben der Sophie Brentano-Mereau. Frankfurt am Main: Insel Verlag 1984. S. 159

[8] Ebd. S. 177

[9] Vgl. Gersdorff, D. von: Dich zu lieben kann ich nicht verlernen. S. 9-18.

[10] Vgl. Ebd. S. 159- 177.

[11] Gersdorff, D. von: Dich zu lieben kann ich nicht verlernen. S. 165.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die Loreley von Clemens Brentano. Hintergründe zur Entstehung
Hochschule
Universität Regensburg  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Proseminar Textanalyse
Autor
Jahr
2014
Seiten
11
Katalognummer
V271287
ISBN (eBook)
9783656633440
ISBN (Buch)
9783656633419
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
loreley, clemens, brentano, hintergründe, entstehung
Arbeit zitieren
Philipp Amadeus Skudelny (Autor), 2014, Die Loreley von Clemens Brentano. Hintergründe zur Entstehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271287

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