In dieser Hausarbeit beschäftige ich mich mit folgender Frage:
Wie beeinflusste das Phänomen Spoiling die Osloer Friedensprozesse im israelisch-palästinensischen Konflikt?
Einerseits gebieten aktuelle Entwicklungen eine akademische Beschäftigung mit dem Thema:
„20 Jahre nach Beginn des Prozesses und 19 Jahre nachdem Rabin, Peres und Arafat mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurden, verhandeln Israelis und Palästinenser über dieselben Konfliktpunkte wie damals.“
Andererseits gibt es bisher kaum Veröffentlichungen, vor allem nicht aus Deutschland, zum Thema Spoiler, explizit nicht in Bezug auf den israelisch-palästinensischen Konflikt. Es bedarf also einer wissenschaftlichen Aufarbeitung.
Im August 2013 begannen Vorbereitungen auf einen wiederholten Friedensprozess zwischen Israel und Palästina. Erste Vorbereitungsgespräche wurden in Washington D.C. geführt. In den Hauptverhandlungen sollte es eigentlich um eine Grenzfestlegung gehen – also einen Schritt hin zur Zwei-Staaten-Lösung.Israel hatte als Demonstration guten Willens 26 palästinensische Langzeithäftlinge freigelassen. Jedoch wurden sämtliche Bemühungen noch vor dem Start der richtigen Verhandlungen vor Ort gestört. So wurde auf israelischer Seite trotz des anstehenden Beginns der Verhandlungen der Bau von weiteren Siedlungshäusern in Ost-Jerusalem und im Westjordanland genehmigt. Siedlungsbau war einer der Hauptgründe, warum die Verhandlungen vor drei Jahren zu Erliegen kamen.
Spoiling und Spoiler sind ein in der Politikwissenschaft begrifflich und als Untersuchungsgegenstand ein relativ neues Thema. Unter Spoiling ist grob folgendes zu verstehen:
„ […] the activities of any actors who are opposed to peaceful settlement for whatever reason. These actors are either within or (usually) outside the ‘peace process’, and who use violence or other means to disrupt the process in pursuit of their aims. […] Finally, spoiling includes actors who are geographically external to the conflict but who support internal spoilers and spoiling tactics: ethnic or national diaspora groups, states, political allies, multinational corporations, or any others who might benefit from violent conflict or holding out.”
Sind Spoiler mit ihrem Vorhaben, den Friedensprozess zu stören oder zu verhindern, erfolgreich, sind die Folgen für die involvierte Bevölkerung dramatisch und erschweren drastisch den weiteren Umgang mit dem Konflikt für internationale
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Fragestellung / Arbeitshypothese / Vorgehensweise
1.2 Fallauswahl
1.3 Forschungsstand
2. Theoretische Grundlage
2.1 Definition Spoiler / Spoiling
2.2 Historie: von 1948 bis zur 2. Intifada
2.3 Die Osloer Friedensprozesse
3. Spoiling während der Osloer Friedensverhandlungen
3.1 Spoiling durch die Hamas
3.2 Spoiling durch Jigal Amir
4. Analyse des Einflusses des Spoilings auf die Osloer Friedensprozesse
4.1 Einfluss durch den Mord an Rabin
4.2 Einfluss durch die Hamas
5. Konklusion und Ausblick
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss des Phänomens "Spoiling" auf den Verlauf und das Scheitern der Osloer Friedensprozesse im israelisch-palästinensischen Konflikt, wobei insbesondere die Rolle radikaler Akteure beleuchtet wird.
- Politikwissenschaftliche Definition und Typologisierung von "Spoilern" und "Spoiling".
- Historische Einordnung des israelisch-palästinensischen Konflikts bis zur zweiten Intifada.
- Analyse des Spoilings durch die Hamas als gruppengebundenes Vorgehen.
- Untersuchung des punktuellen Spoilings durch den Attentäter Jigal Amir.
- Bewertung der Auswirkungen dieser Störaktionen auf die Friedensbemühungen.
Auszug aus dem Buch
3.2 Spoiling durch Jigal Amir
“Jahre später sollte Yigal Amir, der Mörder von Premierminister Yitzhak Rabin, [...] behaupten, [...] dass es seine Absicht gewesen sei, den Regierungschef handlungsunfähig zu machen, um so den Gang der Geschichte zu verändern [...]”56
Yigal Amir tötete am 4. November 1995 Yitzhak Rabin, den israelischen Premierminister, nachdem dieser eine Rede auf einer Demonstration für die Friedensprozesse gehalten hatte. Der Mörder, der Jude, der einen anderen Juden tötete, sitzt deswegen bis heute in Isolationshaft.
Rabin spielte bis zu seinem Tod eine immens wichtige Rolle in den Osloer Friedensprozessen. Auch sein Tod hatte spürbaren Einfluss auf den weiteren Verlauf. Rabin war der erste Premierminister in Israel, der klare Bereitschaft signalisierte, in Friedensverhandlungen Kompromisse eingehen zu wollen. Im Gegensatz zu seinen VorgängerInnen gab er sich verschiedenen Optionen gegenüber offen und flexibel, er ging pragmatisch und wenig ideologisch vor. Hinzu kam, dass er sich klar dagegen aussprach, die Friedensverhandlungen und beispielsweise die Festlegung von Grenzen durch Glaube beziehungsweise die Bibel beeinflussen zu lassen.57
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Fragestellung zur Beeinflussung der Osloer Friedensprozesse durch Spoiling sowie Erläuterung der Fallauswahl und des Forschungsstandes.
2. Theoretische Grundlage: Definition des Spoiling-Konzepts nach Newman/Richmond und Stedman sowie historische Kontextualisierung des Nahostkonflikts.
3. Spoiling während der Osloer Friedensverhandlungen: Untersuchung der aktiven Störversuche durch die Hamas und den Attentäter Jigal Amir während des laufenden Friedensprozesses.
4. Analyse des Einflusses des Spoilings auf die Osloer Friedensprozesse: Evaluierung der Auswirkungen des Attentats auf Rabin und der Hamas-Attacken auf das Scheitern der Verhandlungen.
5. Konklusion und Ausblick: Bestätigung der Hypothese, dass Spoiling erheblich zum Scheitern beitrug, und Aufzeigen weiterer Forschungsbedarfe.
6. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
Spoiling, Spoiler, Osloer Friedensprozess, Israel, Palästina, Hamas, Jigal Amir, Yitzhak Rabin, Friedensverhandlungen, Konfliktforschung, Terrorismus, Nahostkonflikt, Spoiler Management, Extremismus, Zwei-Staaten-Lösung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie das Phänomen des "Spoilings" (das bewusste Stören von Friedensprozessen durch Akteure) den Verlauf der Osloer Friedensverhandlungen beeinflusst hat.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Neben der politikwissenschaftlichen Definition von Spoilern werden die historische Entwicklung des Konflikts und spezifische Fallbeispiele für Störaktionen auf israelischer und palästinensischer Seite thematisiert.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage, wie Spoiling als destruktives Element die Bemühungen um eine friedliche Lösung im israelisch-palästinensischen Konflikt behinderte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine fallbasierte qualitative Analyse, die den theoretischen Rahmen (Stedman, Newman/Richmond) auf die empirischen Ereignisse (Hamas, Attentat auf Rabin) anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die historische Skizze sowie die detaillierte Analyse der Spoiling-Fälle durch die Hamas und Jigal Amir.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Spoiling, Spoiler, Oslo-Prozess, Hamas, Jigal Amir, Friedenssicherung und politischer Extremismus.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen den zwei untersuchten Fällen?
Der Fall Hamas wird als gruppengebundenes, langwieriges und strategiegeleitetes Spoiling eingeordnet, während das Attentat von Jigal Amir als punktuelle Aktion eines Einzelnen ("Limited Spoiler") analysiert wird.
Warum wird der Begriff "Spoiler" als subjektiv bezeichnet?
Weil die Bezeichnung maßgeblich davon abhängt, wer den Friedensprozess als legitim ansieht und wer sich durch die Friedensnormen ausgeschlossen oder bedroht fühlt.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin zum Scheitern von Oslo?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass das Spoiling von beiden Seiten signifikant zum Scheitern der Friedensprozesse beigetragen hat, da die Störer nicht in den Verhandlungsprozess integriert waren.
Welcher Ausblick wird für die weitere Forschung gegeben?
Die Autorin schlägt vor, die Rolle israelischer Siedler als potenzielle "gewaltfreie Spoiler" in zukünftigen Studien genauer zu untersuchen.
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- Anonym (Author), 2013, Der Einfluss des Phänomens Spoiling auf die Osloer Friedensprozesse im israelisch-palästinensischen Konflikt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271580