Die Geschichte der Psychologie, seit dem Ende des ersten Weltkrieges, entwickelte sich in eine einseitige Richtung. Von den drei ursprünglichen Aufgaben der Psychologie, nämlich der Heilung von Krankheiten, dem Erkennen und Fördern von Talenten und dem Versuch mehr Erfüllung in das Leben von Menschen zu bringen, blieb nur erstere übrig. Diese Entwicklung war zu Anfang eine Reaktion auf die Rückkehr traumatisierter amerikanischer Soldaten aus dem ersten Weltkrieg, deren Leiden es zu heilen oder zumindest zu mindern galt. Durch die Gründung des „United States Department of Veterans Affairs“ (VA) und dem „National Institute of Mental Health“ (NIMH) war es leichter Fördergelder für die Erforschung psychischer Leiden zu akquirieren, als für die Forschung an anderen relevanten Gebieten der Psychologie (Seligman & Csikszentmihalyi, 2000).
Die Humanistische Psychologie, die als Die Humanistische Psychologie, die als Gegenpol zu den defizitorientierten Strömungen des Behaviorismus und der Psychoanalyse zu verstehen ist, stellte Mitte des zwanzigsten
Jahrhunderts das Individuum wieder in den Mittelpunkt des Forschungsinteresses. Die Humanpsychologen, zum Beispiel Carl Rogers und Abraham Maslow, gingen davon aus, dass der Mensch neben vier Mangelbedürfnissen (Physiologische Bedürfnisse, Bedürfnis nach Sicherheit, Bedürfnis nach Zugehörigkeit, Bedürfnis nach (Selbst-)
Wertschätzung) auch ein Wachstumsbedürfnis hat, das, nach dessen Befriedigung, zur Selbstverwirklichung führt (Quittmann, 1996, S. 229). An dieser Stelle lässt sich die Humanistische Psychologie als Grundlage für das Entstehen der Positiven Psychologie verstehen, da die Positive Psychologie den Ansatz des individuellen Wachstums, das Aufblühen von Personen (zum Beispiel durch das Erkennen und Ausbilden von Charakterstärken) wieder aufgreift. Neben den diversen Ähnlichkeiten dieser beiden Strömungen, unterschieden sie sich sich in drei Punkten gravierend: Erstens befasst sich die Positive Psychologie nicht nur mit individuellem Wohlbefinden, sondern erachtet das kollektive Wohlbefinden in gleichem Maße als wichtig. Des weiteren versteht sich die Positive Psychologie als empirische Wissenschaft, die anhand bewährter Messmethoden fundierte Ergebnisse über das menschliche Wohlbefinden erzielen möchte. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Traditionelle Glückstheorien
1.2 Subjektives und Psychologisches Wohlbefinden
2 Die Theorie des authentischen Glücks
2.1 Kritik an der Theorie des authentischen Glücks
3 Die Theorie des Wohlbefindens – PERMA
3.1 Positive Gefühle
3.1.1 Gefühle, Affekte, Emotionen und Stimmungen – Eine Begriffsdefinition
3.1.2 Die Geschichte der Positiven Gefühle
3.1.3 Was bedeuten Positive Gefühle für die Positive Psychologie?
3.1.4 Die Grenzen der Positiven Gefühle
3.1.4.1 Positive Affektivität
3.1.4.2 Die Hedonistische Tretmühle
3.1.5 Positive Gefühle in drei Zeitebenen
3.1.5.1 Die Vergangenheit in positivem Licht
3.1.5.2 Der optimistische Blick in die Zukunft
3.1.5.3 Postive Gefühle und Handlungen in der Gegenwart
3.1.6 Wer ist glücklich?
3.1.7 Positive Gefühle mehren
3.1.8 Interventionen
3.2 Engagement
3.2.1 Belohnungen schlagen Vergnügen: Der Flow
3.2.1.1 Die Komponenten des Flow
3.2.1.2 Die Schattenseite des Flow
3.2.2 Charakterstärken
3.2.2.1 Die Definition der Charakterstärken
3.2.2.2 VIA Klassifikationen der Charakterstärken
3.2.2.3 Die Messung der Charakterstärken
3.2.2.4 Bedeutende empirische Erkenntnisse
3.3 Positive Beziehungen
3.3.1 Die Theorie der Gleichheit
3.3.2 Die Bindungstheorie
3.3.3 Klassifikationen von Beziehungen
3.3.4 Positive Institutionen
3.3.4.1 Die Familie
3.3.4.2 Die Schule
3.3.4.3 Interaktionen und Spannungen zwischen Schule und Familie
3.3.5 Schlussfolgerung
3.4 Sinn
3.4.1 Was ist Sinn?
3.4.2 Mihaly Csikszentmihalyi – Sinn als Harmonie
3.4.3 Viktor Frankl – Drei Wege zum Sinn
3.5 Zielerreichung
3.6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht die theoretischen Grundlagen der Positiven Psychologie und analysiert kritisch ausgewählte psychologische Konzeptionen für ein gelingendes Leben. Im Zentrum steht dabei die Entwicklung von Martin Seligmans „Theorie des authentischen Glücks“ hin zur „PERMA-Theorie des Wohlbefindens“, wobei die verschiedenen Komponenten des Wohlbefindens wissenschaftlich beleuchtet werden.
- Historische Entwicklung und Kritik traditioneller Glückstheorien
- Die wissenschaftliche Fundierung des Wohlbefindens nach dem PERMA-Modell
- Bedeutung von Flow-Erfahrungen und Charakterstärken für die menschliche Entwicklung
- Analyse sozialer Beziehungen und institutioneller Rahmenbedingungen (Schule/Familie)
- Sinnstiftung und Zielerreichung als Bestandteile eines erfüllten Lebens
Auszug aus dem Buch
3.2.1.2 Die Schattenseite des Flow
„Die Korruption des Besten führt zum Schlimmsten“ (Csikszentmihalyi, 2008, S. 83)
Csikszentmihalyi (2008) weist mit diesem römischen Zitat drauf hin, dass alles Gute zum Sklaven des Bösen gemacht werden kann. Auch der Flow birgt Gefahren und kann unter Umständen verheerende Folgen für Menschen haben, wenn Flow unter den falschen Umständen und mit falschen Motiven angewendet wird. Der so genannte „junk flow“ oder „faux flow“ wird durch das Spielen von Videospielen oder das Konsumieren von Fernsehshows ausgelöst. Diese Spiele und Fernsehformate versetzen Personen in eine Art „Scheinflow“, der sich dadurch auszeichnet, dass der typische Belohnungseffekt und der Effekt des inneren Wachstums nach dem Flow - Erlebnis ausbleibt, obwohl einige Elemente des Flows in Kraft treten (zum Beispiel Absorbiertheit) (Peterson, 2006, S.67).
Eine ernstzunehmende Gefahr sieht Csikszentmihalyi (2008) in der Möglichkeit, dass Firmen mit Hilfe des Flows ihre Mitarbeiter gefügig machen. Schafft es eine Firma, ihre Angestellten davon zu überzeugen, vollen Einsatz für das Wohl ihres Arbeitgebers zu bringen und das eigene Wohl dem Ziel der Firma unterzuordnen, so entsteht ein einseitiges Abhängigkeitsverhältnis. Dieses kann nur ausgeglichen werden, wenn der Arbeitgeber im Gegenzug ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein dem Arbeitnehmer gegenüber aufbringt (Csikszentmihalyi, 2008, S.84).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung skizziert den Wandel der Psychologie von der Defizitorientierung hin zum Fokus auf individuelles Wachstum und menschliches Wohlbefinden.
2 Die Theorie des authentischen Glücks: Kapitel 2 führt Martin Seligmans Konzept des authentischen Glücks ein, bestehend aus den Elementen positives Gefühl, Engagement und Sinn, und erörtert deren wissenschaftliche Kohärenz.
3 Die Theorie des Wohlbefindens – PERMA: Das Hauptkapitel expliziert das erweiterte PERMA-Modell als wissenschaftlich messbares Konstrukt zur Förderung menschlichen Aufblühens.
3.1 Positive Gefühle: Hier werden Definitionen, Geschichte und die Funktion von positiven Emotionen analysiert sowie deren Grenzen durch die hedonistische Tretmühle aufgezeigt.
3.2 Engagement: Dieses Kapitel behandelt das Flow-Erleben als aktive Form des Engagements, inklusive seiner Komponenten und potenzieller Risiken bei Fehlverwendung.
3.3 Positive Beziehungen: Der Fokus liegt auf der Bedeutung sozialer Bindungen für das Wohlbefinden, analysiert durch Equity-Theorie und Bindungstheorie sowie deren institutionelle Anwendung.
3.4 Sinn: Kapitel 3.4 untersucht die psychologische Dimension des Sinns im Leben, gestützt durch die Theorien von Csikszentmihalyi und Viktor Frankl.
3.5 Zielerreichung: Dieses Kapitel reflektiert die Rolle der Zielerreichung als fünftes Element der PERMA-Theorie und deren ambivalente Einordnung im Kontext des Wohlbefindens.
3.6 Fazit: Das Fazit fasst die Relevanz der Positiven Psychologie zusammen, um den „Score-Man“ des 21. Jahrhunderts auf dem Weg zu einem sinnerfüllten Leben zu unterstützen.
Schlüsselwörter
Positive Psychologie, Wohlbefinden, PERMA-Modell, Glückstheorien, Flow, Charakterstärken, Sinnstiftung, Positive Emotionen, Engagement, Charakterstärken-Klassifikation, Lebenszufriedenheit, Martin Seligman, Mihaly Csikszentmihalyi, Bindungstheorie, Positive Institutionen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den theoretischen Grundlagen der Positiven Psychologie und der Analyse moderner Konzepte für ein gelingendes Leben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die Entwicklung vom authentischen Glück zum PERMA-Modell, die Bedeutung von Flow, Charakterstärken, sozialen Beziehungen und Sinnhaftigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Seligmans Theorie des Wohlbefindens wissenschaftlich darzustellen und kritisch hinsichtlich ihrer praktischen Anwendbarkeit zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte theoretische Analyse und Darstellung psychologischer Konzepte sowie empirischer Erkenntnisse aus der Positiven Psychologie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von PERMA-Komponenten (Emotionen, Engagement, Beziehungen, Sinn, Zielerreichung) sowie deren institutionelle Anwendung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Positive Psychologie, PERMA-Modell, Wohlbefinden, Charakterstärken, Flow-Erleben und Sinnfindung.
Warum ist das PERMA-Modell laut Autor für die Forschung relevant?
Weil es das Wohlbefinden als messbares, aus mehreren gleichberechtigten Dimensionen bestehendes Konstrukt operationalisiert, statt nur auf subjektive Lebenszufriedenheit zu fokussieren.
Welche Gefahr sieht der Autor bei der Nutzung des Flow-Konzepts?
Der Autor warnt vor dem „junk flow“ sowie der missbräuchlichen Instrumentalisierung von Flow durch Arbeitgeber zur einseitigen Maximierung von Leistung.
- Quote paper
- Sebastian Stern (Author), 2012, Theoretische Grundlagen der Positiven Psychologie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271600