Das Thema "Trennung und Scheidung" in der Grundschule. Die Schule als helfende Instanz


Bachelorarbeit, 2011
52 Seiten, Note: 1,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Die Familie
1.1 Begriffsklärung
1.2 Funktionen der Familie
1.3 Familienformen

2 Die elterliche Trennung und Scheidung
2.1 Begriffsklärung
2.2 statistische Daten
2.3 Gründe für Trennung und Scheidung
2.4 Phasen der Trennung
2.4.1 Ambivalenzphase
2.4.2 Trennungs- Scheidungsphase
2.4.3 Nachscheidungsphase
2.5 Kindliche Reaktionen
2.5.1 Trennung und Scheidung aus Sicht des Kindes
2.5.2 Reaktionen im Grundschulalter
2.5.3 Geschlechterspezifische Reaktionen
2.6 Auswirkungen auf die Kinder
2.6.1 kurzfristige Auswirkungen
2.6.2 langfristige Auswirkungen
2.7 Wünsche und Forderungen der Kinder

3 Die Institution Schule als helfende Instanz
3.1 Aufgaben der Schule
3.2 Möglichkeiten des Pädagogen
3.2.1 Verankerung im sächsischen Lehrplan
3.2.2 Beraterische Möglichkeiten

4 Schlussbetrachtung

5 Literaturverzeichnis

Einleitung

„Ich war zehn Jahre alt, als ich irgendwann nachts aufwachte, weil ich hörte, wie sich meine Eltern leise stritten. Natürlich bin ich sofort ins Wohnzimmer gelaufen, um nach dem Rechten zu sehen. Alles in Ordnung, Maus, war die Antwort und ich wurde sofort wieder ins Bett geschickt. Seit diesem Zeitpunkt hörte ich sie fast je- den Abend streiten und ich machte mir große Sorgen. Ich wollte mit Niemandem darüber reden. Irgendwie war es mir peinlich, denn bei den anderen gab es ja kei- ne Probleme. Meinen Vater bekam ich immer seltener zu Gesicht. Meine Mutter beobachtete ich oft, wie sie traurig mit meiner Tante sprach. Doch sobald ich dazu kam, wechselten sie das Thema. Die Stimmung daheim war sehr angespannt. Auch wenn meine Eltern versuchten, sich nichts anmerken zu lassen, war klar, dass irgendetwas ganz und gar nicht stimmte. Es dauerte nicht lange, bis meine Eltern eines Nachmittags zu mir kamen und den gefürchteten Satz sagten: Hör zu, Schatz, Mami und Papi haben sich nicht mehr lieb. Wir werden uns trennen."1

Im Jahr 2009 wurden in Deutschland 185.817 Ehen vor Gericht geschieden. Gleichzeitig mussten 91.474 Kinder unter 18 Jahre die Trennung beziehungsweise Scheidung ihrer Eltern, wie auch in dem eben aufgeführten Beispiel angesprochen wurde, unfreiwillig mit erleben.2

Im Bezug auf das Thema Trennung und Scheidung wird sehr oft nur an die betroffenen Erwachsenen gedacht und an die Konsequenzen für deren weiteres Leben. Dabei wird die Situation der betroffenen Kinder oftmals völlig außer Acht gelassen. Doch auch Kinder sind von den oft jahrelang andauernden Auseinandersetzungen und Konflikten der Eltern betroffen, welche sie nicht nur vor und während, sondern auch nach der Scheidung enorm belasten.3

Diese wissenschaftliche Arbeit thematisiert den Sachverhalt der Trennung und Scheidung im grundschulpädagogischen Kontext.

Die Erfahrungen, welche Kinder mit einer Trennung und Scheidung erleben sind sehr unterschiedlich und stehen in einem engen Zusammenhang mit ihrem Alter.4 Demnach beschäftigt sich diese Arbeit mit Kindern, welche die Grundschule besuchen und somit zwischen sechs und elf Jahren alt sind.

Kinder verbringen einen Großteil ihres Alltages in der Schule. Aus Studien ist hervorgegangen: „Grundschullehrerinnen bekommen am meisten davon mit, was zu Hause los ist. Kleine Kinder erzählen noch in der Schule, dass die Mama ausgezogen ist oder welche DVDs sie am Wochenende bei Papa angesehen haben. A- ber an den weiterführenden Schulen, wenn die Kinder in der Pubertät sind oder noch älter, sieht das ganz anders aus.“5

Verfügen Grundschullehrer entsprechend der steigenden Scheidungszahlen über ausreichend Fachwissen, um betroffene Kinder zu unterstützen und ihnen helfend zur Seite zu stehen? Über welches Wissen sollten Lehrer grundsätzlich verfügen, um einen kompetenten Ansprechpartner darzustellen?

Diese Arbeit fokussiert genau diese Problematik und die zentrale Fragestellung, welche sich durch diese Kapitel zieht, lautet: „ Welches Wissen benötigt ein Grundschullehrer, um individuell auf das Thema Trennung und Scheidung einge- hen zu können?“

Zu Beginn wird ein Einblick in die Thematik gegeben, indem der Begriff Familie aufgegriffen wird. In diesem Zusammenhang wird auf deren Funktionen und die unterschiedlichen Familienformen eingegangen, was dem besseren Verständnis dienen soll. Anschließend beschäftigt sich das zweite Kapitel mit den theoretischen Aspekten zur Trennung und Scheidung. Dabei werden zu erst die Begriffe Trennung und Scheidung erläutert und folglich wird die Entwicklung der Scheidungszahlen fokussiert. Zusätzlich werden mögliche Gründe aufgezeigt, welche zu einer Trennung und Scheidung führen können.

Eine Trennung beziehungsweise Scheidung ist durch einen Prozessverlauf mit drei verschiedenen Phasen gekennzeichnet, welcher auch in diesem Kapitel dar- gestellt wird. Darüber hinaus behandelt das zweite Kapitel die kindlichen Reaktio- nen auf eine Trennung und Scheidung der Eltern. In diesem Zusammenhang wird auf das Trennungserleben aus Sicht des Kindes eingegangen, es werden Reakti- onen im Grundschulalter dargestellt, da auf diese Altersgruppe das Hauptaugen- merk der Arbeit liegt und es werden geschlechterspezifische Verhaltensmuster vorgestellt. Des Weiteren werden die Folgen des Trennungsgeschehen auf die Kinder thematisiert, wobei in kurz- und langfristige Auswirkungen unterschieden wird. Abgeschlossen wird dieses Kapitel mit den Wünschen und Forderungen, die Kinder bezüglich einer Trennung und Scheidung der Eltern haben. Dieser Punkt ist sehr wichtig, um nochmals die Interessen des Kindes in so einem schwierigen Le- bensabschnitt in den Vordergrund zu rücken.

Das dritte Kapitel zeigt die Institution Schule auf, welche eine helfende Instanz bei der Verarbeitung und Bewältigung der elterlichen Trennung und Scheidung dar- stellen kann. Zu aller erst werden die Aufgaben der Schule erläutert, wobei an- schließend die Möglichkeiten des Pädagogen dargestellt werden. Diesbezüglich wird die Verankerung des Themas Trennung und Scheidung im sächsischen Lehr- plan aufgegriffen. Folgend werden die beraterischen Möglichkeiten des Grund- schullehrers thematisiert.

Der Schluss dient dazu diese Arbeit abzurunden und eine Zusammenfassung zu der thematisierten Problematik zu liefern. Außerdem soll noch einmal konkret auf die Fragestellung: „Welches Wissen benötigt ein Grundschullehrer, um individuell auf das Thema Trennung und Scheidung eingehen zu können?!“ eingegangen werden.

1 Die Familie

Dieses Kapitel beschäftigt sich einleitend mit dem Thema Familie. Dabei werden unterschiedliche Definitionsansätze aufgezeigt, es werden Funktionen genannt, welche Familien erfüllen. Anschließend wird auf die verschiedenen Familienformen, welche in Deutschland vorzufinden sind, eingegangen.

1.1 Begriffsklärung

Für das Wort Familie existieren eine Vielzahl von Definitionen, weil es eine Menge unterschiedlicher Auffassungen zu diesem Begriff gibt. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass sich die Form des familiären Zusammenlebens im Laufe der Geschichte immer wieder verändert hat. Des Weiteren weist die Familie in un- terschiedlichen Zeitepochen verschiedene Strukturen und Wertorientierungen be- ziehungsweise Grundeinstellungen auf. Folgend werden vier verschiedene Defini- tionsansätze vorgestellt.6

Meyers Handlexikon: „Familie ist eine historische Form der Organisation gemeinsamen menschlichen Lebens; im engeren Sinne die Gemeinschaft von Eltern und Kindern; im weiteren Sinne der Kreis der durch Verwandtschaft und Schwägerschaft verbundenen Personen“7

Definition der Familie nach Cierpka: „In einer (Ein- oder Zweieltern) Familie leben mehrere, meistens die zwei Generationen der (leiblichen, Adoptiv-, Pflege-, Sief-) Eltern und der (leiblichen, Adoptiv-, Pflege- , Sief-) Kinder, zusammen. Das Zu- sammenleben in der Familie ist charakterisiert durch gemeinsame Aufgabenstel- lungen, durch die Suche nach Intimität und Privatheit und der Utopie der Familie“8

Statistisches Bundesamt: „Damit besteht eine - statistische - Familie immer aus zwei Generationen: Eltern/-teile und im Haushalt lebende ledige Kinder (Zwei-Ge- nerationen-Regel)“9

Statistisches Landesamt Hessen: „Die Familie im „statistischen Sinn“ umfasst im Mikrozensus - abweichend von früheren Veröffentlichungen - alle Eltern-Kind- Gemeinschaften, d.h. Ehepaare, nichteheliche (gegengeschlechtliche) und gleich- geschlechtliche Lebensgemeinschaften sowie alleinerziehende Mütter und Väter mit ledigen Kindern im Haushalt. Einbezogen sind in diesen Familienbegriff - ne- ben leiblichen Kindern - auch Stief-, Pflege- und Adoptivkinder ohne Altersbegren- zung. Damit besteht eine „statistische“ Familie immer aus zwei Generationen (Zwei-Generationen-Regel): Eltern/-teile und im Haushalt lebende ledige Kinder.“10

Es wird deutlich, dass in allen vier Definitionen das Zusammenleben von Eltern und Kindern, das heißt von mindestens zwei Generationen eine wesentliche Rolle spielt. Allerdings beschreiben diese Ansätze lediglich die Zusammensetzung einer Familie. Was kennzeichnet eine Familie für die Kinder und was für eine Bedeutung wird der Familie zugeschrieben?

Für Kinder besteht eine Familie aus Mutter und Vater, wobei ein Großteil der Kin- der das Zusammenleben in einem Haushalt als wichtiges Kriterium dafür betrachten.11

Die Familie stellt für die Kinder das wichtigste Lebensfeld dar, in welchen sie sich entwickeln, Erfahrungen sammeln, welches ihr Gefühlsleben bestimmt und für ihr Denken beziehungsweise Handeln verantwortlich ist. Die Familie leistet einen er- heblichen Beitrag für die Persönlichkeitsentwicklung und Sozialisation des Kindes und die Eltern stellen für die Kinder die wichtigsten Personen in ihrem Leben dar. Kinder verbinden mit ihrer Familie Geborgenheit, Liebe, Zuwendung, Verständnis und Wärme. Aber sie kann auch durch Konflikte und Ärger gekennzeichnet sein.12

1.2 Funktionen der Familie

Auch wenn von einer Vielfalt familiärer Lebensformen gesprochen werden kann, wird der Familie in der Gesellschaft eine große Bedeutung zugeschrieben. Sie stellt zum einen einen Lern- beziehungsweise Erfahrungsraum dar, in welchen Kinder eine Vielzahl von Fertigkeiten und Fähigkeiten erwerben und wird gleich- zeitig als Zelle der Gesellschaft betrachtet. Des Weiteren stellt sie einen Integrati- onsfaktor für unterschiedliche Lebensbereiche dar, was sowohl für den Einzelnen als auch für die Gemeinschaft von Bedeutung ist. Neben den bereits genannten, erfüllt eine Familie noch weit aus mehr Funktionen. Dazu gehören beispielsweise die Fortpflanzung, die soziale Platzierung der Kinder, die Sozialisationsfunktion, der Spannungsausgleich, die Freizeitfunktion und Erziehungsfunktion. Außerdem leistet sie einen Beitrag im Hinblick auf die Identitätsbildung und die Motivation be- ziehungsweise Stabilisierung eines Menschen.13

Durch die unterschiedlichen Funktionen beziehungsweise Aufgaben, welche eine Familie erfüllt, ist diese nicht nur für das Individuum, sondern auch für die Gesellschaft von großer Bedeutung.

1.3 Familienformen

In Deutschland lassen sich viele unterschiedliche Familienformen auffinden. Grund dafür ist unter anderem, dass sich die Struktur der Familie beziehungswei- se des Zusammenlebens im Laufe der Zeit, wie schon im Punkt 1.1 aufgezeigt, grundlegend verändert hat. Seit dem letzten Drittel des 20. Jahrhunderts fand ein Wandel der Familie statt. In Anbetracht der jetzigen Zeit existieren sehr viele ver- schiedene Lebens- beziehungsweise Familienformen in Deutschland.14

Die einst als klassisch geltende Kernfamilie, welche durch das Zusammenleben mit einem Ehepartner und mindestens einem Kind gekennzeichnet ist, verliert als Familienform immer mehr an Bedeutung. Grund dafür ist unter anderem, dass sich die Vorstellungen zu dem Thema Ehe beziehungsweise Heirat grundlegend ver- ändert hat. Vielmehr gewinnen neue Formen des Zusammenlebens, welche als alternative Familienformen bezeichnet werden, immer mehr an Bedeutung. Auf einige wird im Folgenden näher eingegangen.15

Dazu zählt beispielsweise die nichteheliche Familie. Diese Form des unverheirateten gemeinsamen Lebens, sowohl mit als auch ohne Kinder in einem Haushalt wird sehr oft als eine Vor- Ehe- Phase bezeichnet und hat in den letzten Jahren immer mehr zugenommen.16

Eine weitere Familienform stellen die Alleinerziehenden beziehungsweise Ein- El- tern- Familien dar. In Deutschland ist die Zahl der alleinerziehenden Mütter und Väter deutlich gestiegen. Als Alleinerziehende zählen alle Mütter und Väter, wel- che ohne einen Ehe- beziehungsweise Lebenspartner mit ihren Kindern in einem Haushalt leben.17

Gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften stellen eine weitere Familienform dar. Dazu zählen zwei gleichgeschlechtliche Personen, welche einen gemeinsa- men Haushalt führen, wobei diese Lebensgemeinschaften bei den Männern überwiegt.18

Auch Stieffamilien gewinnen in Deutschland immer mehr an Bedeutung. Diese Form des familiären Zusammenlebens hat eine lange Geschichte. Früher entstand diese durch die Verwitwung eines Elternteils. Die verwitweten Elternteile waren oft gezwungen neu zu heiraten, um das wirtschaftliche Überleben zu sichern. Im Ver- gleich zu heute, wird die Stieffamilie frei gewählt und entsteht oft nach einer Tren- nung beziehungsweise Scheidung. Die Stieffamilie ist dadurch definiert, dass zu den beiden leiblichen Elternteilen mindestens noch ein neuer Elternteil hinzu- kommt, welcher wiederum Kinder mit in den neuen Haushalt mitbringen kann.19

Es kann somit von einer Vielfalt an familiären Lebensformen gesprochen werden, weil die alternativen Formen des Zusammenlebens immer mehr an Bedeutung gewinnen und die traditionelle Kernfamilie immer mehr in Hintergrund gerät. Ein häufiger Grund für den Zerfall einer Kernfamilie, aus welcher dann eine neue Form des Zusammenlebens entsteht, ist eine Trennung beziehungsweise Scheidung. Auf diese Problematik wird im nächsten Punkt der vorliegenden Arbeit eingegangen.20

2 Die elterliche Trennung und Scheidung

„Ich bin sieben Jahre alt und klettere auf dem Abenteuerspielplatz an der Schule, die ich besuche. In der Nähe stehen zwei Mütter, die sich unterhalten und plötzlich sagt die eine: „Die Kinder von geschiedenen Eltern werden doch wie ein Fußball hin- und hergestoßen. Das Bild beeindruckte mich. In dieser ländlichen Gemeinde habe ich noch nie jemanden über Scheidungen reden hören, obwohl sich meine eigenen Eltern getrennt hatten, als ich zwei Jahre alt war. Ihre Scheidung erfolgte ein Jahr später, und sie war eine der stillschweigenden Tatsachen meines Lebens.“21

Sowohl eine Trennung, als auch eine Scheidungen stellt eine drastische Verände- rung im Leben der Eltern, aber vor allem der Kinder dar. In diesem Kapitel werden neben Begriffsklärungen, statistischen Daten unter anderem auch Ursachen für Trennungen und Scheidungen aufgezeigt. Einen wichtigen Punkt nehmen auch die Trennung- beziehungsweise Scheidungsphasen ein. Die kindlichen Reaktio- nen auf eine Trennung beziehungsweise Scheidung stellen einen zentralen Punkt dieses Kapitels dar. Wobei diese entsprechend des Alters und Geschlechtes un- tersucht werden. Diesbezüglich wird das Thema auch aus der Perspektive des Kindes geschildert. Auch die Auswirkungen dieses drastischen Ereignisses auf die Kinder und deren Wünsche werden in diesem Kapitel vorgestellt.

2.1 Begriffsklärung

Eine Trennung kann unterschiedlich gedeutet werden. „Trennung bestimmt den Gang der Entwicklung jedes Menschen: Trennung vom Mutterleib; von der Mutter- brust; von zu Hause, wenn die Kinder in den Kindergarten, in die Schule gehen müssen; Trennung von Freunden bei Wohnort- oder Schulwechsel; von den Eltern in der Adoleszens u.a.m., ...“22

Die Trennung der Eltern stellt allerdings für die Kinder ein viel tiefreichenderes Er- lebnis dar, in welches sie unfreiwillig verwickelt werden und dem sie hilflos gegen- über stehen.23

Der Begriff Trennung bezeichnet die „Auflösung einer Partnerschaft oder Ehe“.24 Nach der Trennungsphase vollzieht sich die Ehescheidung unter welcher die Auflösung einer Ehe durch ein gerichtliches Urteil zu verstehen ist.25

Dabei erklären beide Eheleute, dass die Ehe gescheitert ist und nicht wieder hergestellt werden kann.26

2.2 statistische Daten

In diesem Punkt der vorliegenden Arbeit werden statistische Daten zur Ehelösung beziehungsweise Scheidung dargelegt. Die Zahl der Ehescheidungen ist laut dem Statistischen Bundesamt Wiesbaden im Jahr 2009 leicht gesunken. Es wurden 2009 in Deutschland von 378.439 geschlossenen Ehen, 185.817 geschieden. Das heißt zehn von 1000 bestehenden Ehen wurden durch ein Scheidungsurteil gelöst. Im Vergleich zum Jahr 2008, in welchem 191.948 Scheidungen registriert wurden, ist dies ein Rückgang von 3,2 Prozent. 2007 wurden in Deutschland knapp 187.072 und 2006 190.928 Ehescheidungen verzeichnet. Im Jahr 2005 betrug die Zahl der Scheidungen 201.693.

Von 1992 bis 2003 stieg die Zahl der Ehelösungen kontinuierlich von 135 010 auf einen Rekordwert von 213. 691. Ausnahme bildet in diesem Zeitraum das Jahr 1999, in welchem ein kleiner Anstieg verzeichnet wurde. Seit 2004 ist ein Rück- gang, zu verzeichnen, nur 2008 war wiederum eine Steigerung zu registrieren.

Die nachfolgenden Angaben beziehen sich auf den letzten statistisch erhobenen Zeitraum, welcher das Jahr 2009 darstellt. Der Scheidungsantrag wurde mit einer Mehrheit von 53,3 Prozent von der Frau und mit 38,1 Prozent vom Mann gestellt. In den restlichen Fällen wurde die Scheidung von beiden Eheleuten beantragt.

Von den im Jahr 2009 geschiedenen Ehepaaren erleben 91.474 Kinder unter 18 Jahren die Scheidung der Eltern mit.27

Es wird deutlich, dass die Scheidungszahlen sehr zugenommen haben und das viele Kinder die Trennung beziehungsweise Scheidung der Eltern miterleben müssen. Allerdings ist die Zahl, der von einer Trennung betroffenen Kinder viel höher, da die Statistik des Statistischen Bundesamtes Deutschland nur die verheirateten Paare berücksichtigt und nicht die Unverheirateten. Im Folgenden wird nun näher auf die Gründe einer Trennung und Scheidung eingegangen.

2.3 Gründe für Trennung und Scheidung

Auf Grund der Tatsache, dass die Scheidungszahlen in Deutschland erschreckend hoch sind, gibt dieser Abschnitt der vorliegenden Arbeit einen Überblick über die Ursachen beziehungsweise Gründe einer Trennung, welche schließlich zu einer Scheidung führen können.

Wenn es zu einer Trennung beziehungsweise Scheidung kommt, ist nicht ein einziger Grund ausschlaggebend, sondern es gibt eine Vielzahl an Fakten, die zu dieser Entwicklung geführt haben. Im allgemeinen lassen sich Scheidungsgründe in emotionale Beziehungsprobleme, instrumentelle Probleme und Außenbeziehungen, wozu lediglich die Untreue gehört, untergliedern.

Emotionale Probleme können durch fehlende Freiräume in der Beziehung, Ent- fremdung, Kommunikationsschwierigkeiten, mangelnde Entfaltungsmöglichkeiten, die unterschiedliche Entwicklung der Partner, die Routine im Beziehungsalltag und durch sich nicht deckenden oder unerfüllten Erwartungen in der Beziehung ge- kennzeichnet sein.

Zu den instrumentellen Problemen zählen finanzielle Sorgen, Drogen- und Alko- holprobleme eines Partners, fehlende Verlässlichkeit, Gewalttätigkeit, keine Ak- zeptanz der Gewohnheiten des Partners und häufige Auseinandersetzungen.28

Im Folgenden werden mögliche Trennungsgründe näher beleuchtet.

Ein weiterer Trennungsgrund liegt in der Aufgabe beziehungsweise Unterdrückung der eigenen Bedürfnisse eines Partners, aus Angst vor Konflikten oder Streiterei. Ein Partner stellt somit seine eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund, um der Partnerschaft den Vorrang zu geben. Das Selbst und die Interessen des Einzelnen werden unterdrückt und es kommt zu einer anhaltenden Unzufriedenheit.29

Kommunikationsprobleme in der Beziehung stellen auch einen häufigen Trennungsgrund dar. Das vom Partner nicht mehr verstanden oder missverstanden fühlen, führt zu einer andauernden Unzufriedenheit in der Partnerschaft. Oft wird das, was der andere Partner sagt einfach ignoriert, nicht ernst genommen oder es wird gar nicht mehr zugehört. Schließlich folgen Reaktionen des Schweigens und der Resignation. Diese gestörte oder gar fehlende partnerschaftliche Kommunikation führt in vielen Fällen zum Scheitern der Beziehung.30

Ein weiterer Trennungsgrund liegt im Ungleichgewicht der Übernahme verschie- dener Aufgaben in der Familie wie beispielsweise im Haushalt. Dies führt sehr oft zu einer allgemeinen Unzufriedenheit, was sich auf die Qualität der Partnerschaft auswirkt.31

Der Wunsch vieler Paare ist ein gemeinsames Kind. Aber auch dieser Aspekt wird oftmals als Trennungsgrund angesehen. Auch wenn sich beide Partner über das Kind freuen ist eine enorme Umstrukturierung des Familienalltags notwendig. Es ist oft nicht leicht den individuellen Bedürfnissen und den neuen Aufgabenberei- chen gerecht zu werden. Viele männliche Partner vertreten auch die Einstellung, dass die Erziehung der Kinder und der Haushalt von den Frauen erledigt werden muss. Diese unterschiedlichen Erwartungen führen zu Konfrontationen und Konflikten.32

Zu dem Entschluss einer Trennung kommt es letztendlich, wenn beide Partner keine Hoffnung mehr haben, dass sich etwas zum Positiven verändern könnte o- der wenn bereits Versuche unternommen wurden Veränderungen herbeizuführen, aber diese scheiterten. Zur Trennung kommt es auch, wenn sich die Partner nicht mehr lieben, wenn ein Partner keine Kraft mehr hat an der Beziehung zu arbeiten oder wenn er sich bereits für eine andere Beziehung entschieden hat.33

Es wird deutlich, dass es eine Vielzahl von Trennungsgründen gibt, welche letztendlich zu einer Scheidung führen können.

2.4 Phasen der Trennung

„Der emotionale Prozeß, der zu einer Scheidung führt, dauert mehrere Jahre und kann in drei nicht genau von einander trennbare Phasen eingeteilt werden. Leider entwickeln sich die Betroffenen nicht kontinuierlich von einer Phase zur nächsten; eine Familie oder ein Familienmitglied kann viele Jahre in einer bestimmten Phase stecken bleiben.“34

Es wird deutlich, dass die Trennung als ein Prozess verstanden werden kann, welcher in unterschiedlichen Phasen verläuft, die nicht genau von einander abge- grenzt werden können und über einen längeren Zeitraum andauern. In der Litera- tur existieren unterschiedliche Modelle, welche den Trennungsprozess in ver- schiedenen Phasen vorstellen. In dieser wissenschaftlichen Arbeit, wird das Drei- Phasen- Modell genutzt, um die Trennungs- und Scheidungsabläufe zu beschrei- ben. Unterscheiden werden dabei die Ambivalenz- oder Vorscheidungsphase, die Trennungs- und Scheidungsphase und die Nachscheidungsphase.35

[...]


1 Gassner 2011

2 vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland, Pressemitteilung vom 21.01. 2011

3 vgl. Menne u.a. 1993, S.7

4 vgl. Napp-Peters 1995, S. 10

5 Ott, Pape, Pressemitteilung vom 01.03.2005

6 vgl. Träger 2009, S.18

7 Meyers Handlexikon A bis La 1977, S. 335

8 Cierpka 2008, S.20

9 Statistisches Bundesamt 2006, S.6

10 Statistisches Landesamt Hessen (2011)

11 vgl. Ulrich, Oberhuemer 1993, S.123

12 vgl. Textor o.J.

13 vgl. Haman 2000, S. 14f

14 vgl. Barabas, Erler 2002, S. 75

15 vgl. Bundeszentrale für politische Bildung 2006, S. 506f

16 vgl. Statistisches Bundesamt 2006, S.20 f

17 ebenda, S.26

18 ebenda, S.23f

19 vgl. Deutsches Jugendinstitut 2011

20 vgl. Barabas, Erler 2002, S. 75

21 Marquardt 2007, S.21

22 Fidgor 1997, S. 13

23 vgl. Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugend- und Eheberatung e.V. 2009, S. 8ff

24 Großes Wörterbuch der Psychologie 2004, S, 364

25 vgl. Bürgerliches Gesetzbuch- BGB 2009 § 1564

26 ebenda, § 1565

27 vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland , Pressemitteilung vom 21.01. 2011

28 vgl. Lenz 2009, S. 242 f

29 vgl. Greitemeyer 1998, S. 50ff

30 ebenda, 60f

31 ebenda, S. 75f

32 ebenda, S. 79f

33 vgl. Greitemeyer 1998, S. 90

34 Wallerstein, Blakeslee 1989, S.30

35 vgl. Humberg 2010, S.11

Ende der Leseprobe aus 52 Seiten

Details

Titel
Das Thema "Trennung und Scheidung" in der Grundschule. Die Schule als helfende Instanz
Hochschule
Technische Universität Chemnitz  (Philosophische Fakultät)
Note
1,3
Jahr
2011
Seiten
52
Katalognummer
V272086
ISBN (eBook)
9783668154667
ISBN (Buch)
9783668154674
Dateigröße
746 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
thema, trennung, scheidung, grundschule, schule, instanz
Arbeit zitieren
Anonym, 2011, Das Thema "Trennung und Scheidung" in der Grundschule. Die Schule als helfende Instanz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272086

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