Mode oder Schlüsselkompetenz? Sinn und Zweck von Wissensmanagement.


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wissensmanagement ein Modewort

3. Erwartungen an Wissensmanagement

4. Wissensprobleme in Unternehmen

5. Was ist Wissensmanagement
5.1 Erzeugung und Verarbeitung von Wissen
5.2 Speicherungs- und Vertlieungsperspektive
5.3 Steuerung vom Wissen
5.4 Bilanzierungsperspektive

6. Daten, Informationen, Wissen eine begriffliche Abgrenzung

7. Handlungsfelder und Gestaltungsdimensionen des WMs

8. Einige Instrumente des Wissensmanagements
8.1 Instrumente zum Management externes und internes Wissens
8.2 Instrumente zum Management aktuelles und zukünftiges Wissens
8.3 Instrumente zum Management expliziten und impliziten Wissens
8.4 Instrumente zum Management Erfahrungs- und Rationalitätswissen

9. Voraussetzungen für Funktionsfähigkeit des Wissensmanagements

10. Fazit: Sinn und Zweck des Wissensmanagement

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Arbeit wollen wir uns mit der Problematik des Sinns und Zwecks vom Wissensmanagement in der Wirtschaft beschäftigen. Es soll erörtert werden, ob es sich beim Wissensmanagement nur um ein Modewort, oder um eine Schlüsselkompetenz handelt. Hierfür werden wir zuerst versuchen, die relevanten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auslöser für das Interesse für die Problematik des Umgangs mit Wissen zu beschreiben. Anschließend wollen wir der Frage nachgehen, was unter Wissensmanagement zu verstehen ist. Dabei werden wir vier zentrale Konzeptfamilien zum Wissensmanagement vorstellen. Wir werden auch zeigen, mit welchen Instrumenten das Wissen gemanaged werden kann. Wir versuchen auch zu erörtern, mit welchem „Wissensmanagement“ die Erwartungen an ihn realisiert werden können. Somit versuchen wir den Sinn und Zweck des Wissensmanagements in Verbindung zu bringen.

2. Wissensmanagement ein Modewort

Die Frage der Rolle vom Wissen in der heutigen Gesellschaft wird heutzutage immer häufiger diskutiert. Sehr oft problematisiert man dabei den Umgang mit Wissen in Unternehmen. Der Begriff Wissensmanagement ist inzwischen in bestimmten Kreisen zum Modewort geworden. So stellt sich die Frage nach den Gründen für diesen Trend. Das Interesse für das Thema Wissen im Unternehmen ist wesentlich durch gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel bedingt. Wenn man nach Kondratieff annimmt, daß die wirtschaftliche Entwicklung periodisch durchläuft, dann könnte man sagen, daß sich die führenden Volkswirtschaften zur Zeit im fünften Zyklus befinden[1]. Dieser fünfte Zyklus wird oft als globale Informations- und Wissensgesellschaft charakterisiert. In der globalen Wissensgesellschaft herrschen neue Umweltbedingungen. Diese Bedingungen speisen auch das Interesse für Wissensmanagement und aus diesem Grunde sollen hier besprochen werden.

In der Wirtschaft wurden bis vor kurzer Zeit Arbeit, Kapital und Boden als grundlegende Faktoren für die Produktion betrachtet. Natürlich war auch schon immer das Wissen notwendig, um Produktionsprozesse auszulösen und die Produktionsfaktoren optimal einzusetzen. Die Entwicklung neuer Technologien, stärkeren Kundenorientierung und Hyperwettbewerb führte aber dazu, das die Produktion immer informations- und wissensintensiver wurden. Laut einer empirischen Untersuchung des Internationalen Institutes für Lernende Organisationen hat Wissen heutzutage bis zu 60prozentigen Anteil an der Wertschöpfung westdeutscher Unternehmen. So gewann Wissen den Status des vierten Produktionsfaktors und nicht das. Heutzutage wird immer häufiger darüber gesprochen, daß nicht mehr Arbeit und Kapital, sondern Information und das daraus generierte Wissen, knappe und somit wertvolle Ressource der Gesellschaft darstellen. Materielle Güter verlieren gegenüber den geistigen an Gewicht. Wissen erlaubt den Bedarf an materiellen Ressourcen zu reduzieren. Es ist selbst oft die wichtigste Produktionsfaktor bei der Leistungsherstellung. Wissen kann auch als Produkt verkauft werden. So kann ein Unternehmen trotz knapper Arbeit und Kapitals weltweit erfolgreich agieren. Kapital und Arbeit reicht aber nicht aus, um erfolgreich zu sein. Um sich auf dem Markt zu bewähren muß man nämlich innovative Produkte anbieten, also in Forschung und Entwicklung investieren. Man muß sich immer stärker an dem Kunden und seine Bedürfnisse orientieren, also Informationen über sie gewinne. Um kostengünstig zu Produzieren muß man intelligente Lösungen finden und einsetzen können. Information und Wissen sind also unentbehrlich um auf dem Markt überleben zu können. Wissen oder eher geeigneter Umgang mit der Ressource wird zunehmend zum wichtigsten Wettbewerbsfaktor. Solche Managementkonzepte wie economies of scales, lean production, business reengineering u.a. sichern keine dauerhaften Wettbewerbsvorteile mehr. Sie können von allen eingesetzt werden. Sie sind nötig, um nicht aus dem Rennen zu fallen, haben sich aber als eine zukunftsorientierte Lösung ausgespeist. Um Kosten zu sparen verlagert man die physische Produktion in Schwellen- und Entwicklungsländer. In Heimatland konzentriert man sich auf die Kopfarbeit. Die Globalisierung der Wirtschaft verändert also die internationale Arbeitsteilung. So sollten die entwickelten Länder nicht mehr als Industrie-, sonder Wissensnationen bezeichnet werden. In diesen Nationen ist Wissen die Ressource, die man effizient und effektiv managen muß. Dies ist allerdings aus unterschiedlichen Gründen relativ schwer. Der Wissensumfeld, in dem Unternehmen heutzutage agieren müssen, ist sehr komplex. Dazu tragen drei grundlegende Trends bei. Die Zyklen, in denen neue wissenschaftliche Erkenntnisse veröffentlicht und neue Technologien entwickelt werden, werden immer kürzer. Wir leben einfach in dem Zeitalter der Wissensexplosion. Dies zieht hinter sich die Notwendigkeit für Spezialisierung. Die Spezialisierung hat aber zum Nachteil, daß nicht jeder weiß, was er vielleicht zu wissen bräuchte. Es wird auch immer schwerer den kompetenten Wissensträger zu finden. Das Wissen ist weltweit verstreut. Das Monopol der Industrienationen für Generierung neuer Erkenntnisse ist nämlich vorbei. Die zunehmende Größe der einzelnen Unternehmen erschwert den Überblick über das die interne Kompetenz zu bewahren. Es wird auch immer schwieriger, sein eigenes Wissen auf dem Laufenden zu halten. Die Kommunikationstechnologien erleichtert zwar den Austausch von Informationen, der Wissensboom ist aber so groß, daß man den Entwicklungen kaum nachkommen kann. Das Handhaben des Wissens wird in der heutigen Gesellschaft immer schwieriger. Härter ist auch der Wettbewerb. Die Entwicklung der Kommunikaitons- und Informationstechnologie führte zur beschleunigen weltweite Transaktionen und erhöhen Informationstransparenz. So nähern wir uns dem idealisierten Wettbewerb. Aus diesen neuen Wettbewerbsbedingungen resultieren aber schnelle Marktveränderung, kürzere Produktlebenszyklen, Preiskämpfe, Preisverfall, Notwendigkeit für höhere Innovationsgeschwindigkeit und Kundenorientierung. Es wird immer schwieriger auf dem Markt zu überleben geschweige denn dauerhaft Marktführer zu bleiben. Da das Management klassischer Produktionsfaktoren ausgereizt zu sein scheint, sucht man nach neuen Lösungen. So fiel das Konzept des Wissensmanagement auf einen fruchtbaren Boden und wurde zum populären Diskussionsthema. Was man sich vom Wissensmanagement verspricht und was man davon erwartet, wollen wir im folgenden Besprechen.

3. Erwartungen an Wissensmanagement

Wissensmanagement wird von vielen Forscher als eine notwendige Anpassungsstrategie an die veränderten Umfeldbedingungen betrachtet. Sie behaupten, daß es heutzutage nicht mehr ausreicht die Produktivität durch Arbeitsteilung und optimale Kombination von materiellen Produktionsfaktoren zu steigern. Die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmen hängt heute von der optimalen Kombination von Informationen und Wissen ab. Wissen ist also Ressource, der eine zentrale Funktion beim Prozeß der Leistungsherstellung zukommt. Das Wissen eines Unternehmens wird zugleich in seinen Leistungen verkörpert. Pawlowsky (1998) behauptet sogar, daß Leistungen eines Unternehmen den Ausdruck der Information, des Könnens und Wissens, über welches es verfügt, darstellen. Vor diesem Hintergrund wir der Umgang mit der Ressource Wissen von besonderer Bedeutung für die Entwicklung eines Unternehmens. Zu Rolle des Wissensmanagements in der heutigen Wirtschaft schreibt Probst:

„Wissensmanagement ist eine Herausforderung für alle Unternehmen, welche in der Wissensgesellschaft überleben und Wettbewerbsposition ausbauen wollen.“

(Probst et al. 1998: 13)

Nicht nur Forscher, sondern auch Unternehmen erkennen die zunehmende Bedeutung des Wissens für ihre Tätigkeit. In einer Befragung erklärten 96% Unternehmen Wissensmanagement als relevant für den Standort Deutschland[2]. 62% der Befragten glaubt, mit Wissensmanagement die Qualität ihrer Produkte erhöhen zu können. Außerdem hoffen sie durch das bessere Managen vom Wissen die Nähe zum Kunden verbessern und die Innovationsfähigkeit des Unternehmens steigern zu können. Wenn man unterschiedlich Branchen unter die Lupe zieht, so hoffen die Dienstleitungsunternehmen durch Nutzung und Multiplikation des im Unternehmen vorhandenen Wissens, den Prozeß der Generierung innovativer Dienstleistungen, mit denen neue Marktanteile gewonnen werden können, zu unterstützen. Der Investitionsgüterbereich erwartet vom Wissensmanagement eine signifikante Senkung der Kosten und die Reduzierung der Durchlaufzeiten. Unternehmer haben also den Eindruck, daß man durch anderen Umgang mit Wissen in ihrer Organisation einiges verbessern könnte.

4. Wissensprobleme in Unternehmen

Der Wille zum veränderten Umgang mit Wissen, läßt darauf schließen, daß die Unternehmen mit dem bisherigen managen dieser Ressource nicht zufrieden sind. Dies zeigen auch Ergebnisse unterschiedlicher empirischer Untersuchungen zu diesem Thema. In einer Studie des Frauenhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation wurde festgestellt, daß nur 20% der 311 befragten Firmen die Nutzung vorhandenen Wissens für gut oder sehr gut einschätzen[3]. Auch der Wissenstranfer wird von nur 23% dieser Firmen als positiv eingeschätzt. Im Rahmen einer anderer Studie wurde festgestellt, daß zwei drittel der befragten leitenden Manager glauben, keinen umfassenden Überblick über das in ihrer Organisation vorhandene Wissen zu haben.[4] Als Problem wird auch das Nutzen des Wissens betrachtet. Der Anteil des genutzten Wissens wird von der Hälfte der Befragten auf 40% geschätzt. Im Rahmen einer anderen Studie[5] wurde festgestellt, daß 65% der befragten wissensintensiven Unternehmen der Meinung ist, daß ihr Wissen ohne Vorwarnung verloren geht. Als Problem wird auch die Informationsverarbeitung und Umgang mit Fehlern gesehen. 80% der Befragten Geschäftsführer sind der Meinung, daß die Mitarbeiter nicht in der Lage sind, neue Informationen richtig zu interpretieren und 82% stellt fest, daß Fehler häufig wiederholt werden. Wenn man Ergebnisse der einzelnen Studien systematisiert, läßt sich folgende Liste von Wissensproblemen in Unternehmen aufstellen:

- Wissen wird nicht genutzt („wenn wir wüßten, was wir wissen“)
- Es ist nicht bekannt, welche Kernkompetenzen (Wissen) für die Geschäftsprozesse eigentlich relevant sind
- Es gibt nur wenige neue Ideen und Verbesserungsvorschläge
- Innovationen finden nur schleppend statt
- Potentiale von Mitarbeitern werden nicht (rechtzeitig) erkannt
- Wichtige Wissensträger verlassen die Organisation
- Wissen wird zurückgehalten und nicht geteilt
- Es wird immer wieder Doppelarbeit gemacht (Projekte und Recherchen werden mehrfach durchgeführt)
- Ähnliche Fehler werden immer wieder gemacht
- Wichtige Entwicklungen werden erst erkannt, wenn Konkurrenten bereits gehandelt haben

Ob mit Wissensmanagement die genannten Erwartungen realisiert werden können, hängt natürlich davon ab, wie man es betreibt. Welche Möglichkeiten es hierfür gibt, wollen wir in den folgenden Kapiteln vorstellen.

5. Was ist Wissensmanagement

Wissensmanagement ist ohne Zweifel heutzutage ein Modewort. Es wird von vielen Leuten im unterschiedlichen Sinne verwendet. Auch in Fachpublikationen stößt man auf unterschiedliche Definitionen dieses Begriffs. Diese Unterschiede ergeben sich unter anderem daraus, daß man sich mit der Problematik des Umgangs mit Wissen im Rahmen unterschiedlicher Disziplinen beschäftigt. Dieses Thema wird u.a. im Rahmen von Management, Personalwesen, Organisationstheorie, Innovationsforschung, Datenverarbeitung erörtert. Jede dieser Disziplinen beleuchtet diese Problematik aus unterschiedlichen Perspektiven. In diesem Kapitel wollen wir unterschiedliche Paradigmas des Wissensmanagements vorstellen. Dies halten wir für nötig, um zu dem Urteil zu gelangen, ob Wissensmanagement adäquate Antwort auf Wissensprobleme in Unternehmen darstellen. Dabei werden wir hier eine Kategorisierung der einzelnen Ansätze nach den angebotenen Lösungen vornehmen und zwischen vier folgenden Konzeptfamilien unterscheiden:

- Erzeugung und Verarbeitung von Wissen
- Speicherung und Verteilung von Wissen
- Steuerung vom Wissen
- Bilanzierung vom Wissen

5.1 Erzeugung und Verarbeitung von Wissen

In einer Reihe von Publikationen wird die Hauptaufgabe des Wissensmanagements darin gesehen, neues Wissen zu erzeugen bzw. zu erlernen und dieses Wissen in die Abläufe, Prozesse und Produkte von Unternehmen zu integrieren. In diesen Arbeiten wird danach gefragt, wie neues Wissen in Unternehmen kommt, wie es mit dem Alten verknüpft werden kann und wie man es zum eigenen Vorteil nutzen kann. Viel Aufmerksamkeit wird dabei der diese Prozesse fördernden Gestaltung von Unternehmen gewidmet. Außerdem fragt man danach, wie man die Barrieren der Integration von Wissen entgegenwirken kann. Fragen dieser Art tauchen meistens in den Publikationen zum organisationalen Lernen und Innovationsfähigkeit der Forschungs- und Entwicklungsbereiche auf. Im folgenden wollen wir exemplarisch das Wissensmanagementkonzept von Nonaka & Takeuchi vorstellen. Diese Arbeit stoß nämlich auf sehr großes Interesse in der Managementwelt.

[...]


[1] vgl. Klodt et al. 1997: 73

[2] Es handelt sich hier um eine Studie im Jahre 1997 von Frauenhofer-Insitut für Arbeitswirtschaft und dem Manager Magazin durchgeführt wurde. Für den Bericht vgl. Bullinger/ Wlrner/ Prieto 1997

[3] vg. Bullinger/ Prieto J, 1998

[4] vgl. ILOI 1997

[5] vg. International Survey on Knowledge Management Drivers, 1997

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Mode oder Schlüsselkompetenz? Sinn und Zweck von Wissensmanagement.
Hochschule
Fachhochschule Erfurt  (Betriebswirtschaftslehre)
Note
1,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
18
Katalognummer
V27235
ISBN (eBook)
9783638293365
Dateigröße
785 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
dichter Text - 1-zeiliger Zeilenabstand
Schlagworte
Mode, Schlüsselkompetenz, Sinn, Zweck, Wissensmanagement
Arbeit zitieren
Agnieszka Cieplinska (Autor), 2002, Mode oder Schlüsselkompetenz? Sinn und Zweck von Wissensmanagement., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27235

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