Jean-Baptiste Poquelin, besser bekannt als Molière, ist einer der bekanntesten französischen Dramatiker aus der Zeit des französischen Absolutismus. Mit seinen gesellschaftskritischen Stücken hielt er nicht nur dem Adel, sondern der gesamten Gesellschaft Frankreichs schamlos den Spiegel vor.
Dieser Band zeigt den Sprachstil seines dichterischen Werkes und wirft einen Blick auf die Zusammensetzung der Zuschauerschaft. Die Autoren untersuchen weiterhin die Inhalte der wichtigsten Werke, so analysieren sie die führenden Charaktere und überprüfen Molières Bezug zur klassischen Komödientheorie .
Aus dem Inhalt:
La Cour et la Ville: Analyse der Publikumsstruktur der Komödienaufführungen
Die Frauenfiguren und die komische Konfliktsituation im Misanthrope
Plautus Aulularia als Vorlage des L'Avare
Le Tartuffe - Leben, Werk und Spracheinordnung der Komödie
Inhaltsverzeichnis
Thomas Heim: La Cour et la Ville. Zur Publikumsstruktur bei Molières Komödienaufführungen
La cour et la ville: Bezeichnungen für das Publikum im 17. Jahrhundert
Die Publikumsstruktur bei Molières Komödienaufführungen
Zusammenfassung der Ergebnisse
Hannah-Kristin Elenschneider: Die komische Konfliktsituation in: Molière «Le Misanthrope ou l'Atrabilaire amoureux» (1666)
Einleitung
Grundzüge der klassischen Komödientheorie
Molière: Le Misanthrope ou l'Atrabilaire amoureux (1666)
Einführung der komischen Konfliktsituation in Le Misanthrope
Auflösung der komischen Konfliktsituation
Schluss
Frank Lorenz: Molière „Le Misanthrope“. Die Frauenfiguren
Einleitung
Die drei Frauenfiguren des Misanthrope
Die Gesellschaft des 17. Jahrhunderts
Die Frauen in der Gesellschaft ihrer Zeit
Schlussworte
Selin Sahin: „Dom Juan ou Le festin du pierre“ von Molière
Einleitung
Die Komödie in der französischen Klassik
Der Don-Juan-Mythos und seine Umsetzung bei Molière
„Dom Juan ou Le festin du pierre“ von Molière
Tartuffe und Dom Juan
Schluss
Maria Lang: Die „Aulularia“ des Plautus als Vorlage von Molières „L’Avare“
Einleitung
Inhalt der beiden Theaterstücke
Kurzer, allgemeiner Vergleich der beiden Theaterstücke
Der Geizige und sein Gold
Schlussbemerkung
(Anonym): Molière: „Le Tartuffe ou L´Imposteur“ – Leben, Werk und Spracheinordnung der Komödie
Einleitung
Molières Vita
„Les Querelles de Tartuffe“ (1664 - 1669)
Sprachentwicklung im Frankreich des 17. Jahrhunderts
Sprachanalyse und Spracheinordnung des Werkes „Le Tartuffe“
Fazit / Schlussbemerkung
Einzelbände
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Gesamtwerk und ausgewählte Stücke Molières, um die Wechselwirkungen zwischen seiner Komödienstruktur, der zeitgenössischen Publikumsstruktur am Hofe sowie in Paris und Molières eigener Karrierestrategie zu analysieren. Der Fokus liegt dabei auf der Frage, wie Molière durch eine gezielte Publikumsorientierung und sprachliche Gestaltung seine privilegierte Position am Hofe Ludwigs XIV. festigte und trotz gesellschaftlicher Widerstände erfolgreich tätig blieb.
- Soziologische Analyse der Publikumsstruktur (La cour, la ville, le parterre)
- Die Funktion von Farce und Komödie als Instrumente der gesellschaftlichen Reflexion
- Karrierestrategien im 17. Jahrhundert und das Mäzenatentum am Hof
- Molières Sprachgebrauch als Mittel der Gesellschaftskritik und Charakterisierung
- Vergleichende Analysen zu Werken wie Le Misanthrope, Dom Juan und L’Avare
Auszug aus dem Buch
Die Publikumsstruktur bei Molières Komödienaufführungen
Untersucht man das molièresche Publikum, das mit la cour et la ville umschrieben wurde, hinsichtlich seiner Soziologie genauer, fällt eine soziale Mehrschichtigkeit auf, die besser mit einer Dreiteilung beschrieben wird: das Publikum setzt sich aus la cour, la ville und le parterre zusammen.
La cour steht zu Molières Zeiten für Versailles und bezieht sich auf die königliche Familie und den Hofadel, im Grunde auf die gesamte Umgebung des Königs (die nicht immer adligen, sondern bisweilen auch großbürgerlichen Ursprungs ist, wie Auerbach (1951: 14) und Elias (2003: 369) anmerken). Der Großteil des Hofes Ludwigs XIV. ist aber adlig:
Zwar liegt die eigentliche politische Macht in den Händen von wenigen Beamten meist bürgerlichen Ursprungs; aber die gesellschaftliche Atmosphäre des Hofes bestimmt der sich dort zusammenfindende Adel“ (Auerbach 1951: 35).
Dieser ist „ein Stand ohne Funktion, der aber trotzdem als privilegierter Stand anerkannt wird“ (Auerbach 1951: 40). Elias (2003: 254) berichtet:
Aus dem über das ganze Land hin verstreuten Adel wuchs als Zentrum und maßgebende Macht der um den König zentrierte höfische Adel heraus, […] [der] in einem Ort, in Paris, und in einem sozialen Organ, dem Königshof, [sein] maßgebendes Zentrum [findet].
Für den Adel typisch ist die „traditionelle Geringschätzung geschäftlichen Gelderwerbs“, so Elias (2003: 168). Es ist ihm sogar per Gesetz verboten, sich an irgendwelchen kommerziellen Unternehmungen zu beteiligen. Auf diese Weise sein Einkommen zu vermehren, gilt als unehrenhaft und hat den Verlust des Titels und des Ranges zur Folge (Elias 2003: 119).
Die Bezeichnung la cour darf aber nicht zur Annahme verleiten, der König und seine Umgebung würden nicht auch in den Theatern der Stadt auftauchen.
Zusammenfassung der Kapitel
La cour et la ville: Bezeichnungen für das Publikum im 17. Jahrhundert: Das Kapitel erläutert die Entstehung und Bedeutung der klassischen Formel zur Benennung der literarisch-gesellschaftlichen Öffentlichkeit in Frankreich.
Die Publikumsstruktur bei Molières Komödienaufführungen: Dieser Abschnitt analysiert die soziologische Dreiteilung des Publikums in höfischen Adel, wohlhabendes Bürgertum und das einfache Volk (Parterre).
Zusammenfassung der Ergebnisse: Hier werden die Erkenntnisse über die Heterogenität des Publikums und deren Einfluss auf Molières Komödienformen resümiert.
Einleitung (Elenschneider): Der Abschnitt führt in die Thematik der Komik in Molières Le Misanthrope ein und definiert den Fokus auf die Konfliktkonstruktion.
Grundzüge der klassischen Komödientheorie: Hier werden die theoretischen Fundamente des Lachens und der Komödienstruktur zur Zeit des Barock und der Klassik dargelegt.
Molière: Le Misanthrope ou l'Atrabilaire amoureux (1666): Dieses Kapitel bietet einen Überblick über Molières Vita und die Hintergründe der Entstehung des Stücks.
Einführung der komischen Konfliktsituation in Le Misanthrope: Hier wird der Charakterkonflikt zwischen Alceste und seiner Umwelt als Ausgangspunkt der Komik beleuchtet.
Auflösung der komischen Konfliktsituation: Dieser Teil untersucht, wie Molière den Konflikt durch die Flucht des Protagonisten in die Einsamkeit abschließt.
Schluss (Elenschneider): Zusammenfassung der gesellschaftskritischen Dimension des Stücks.
Schlüsselwörter
Molière, Komödie, 17. Jahrhundert, Theatergeschichte, Le Misanthrope, Dom Juan, L’Avare, Publikum, Soziologie, Klassik, Literaturwissenschaft, Karrierestrategie, Höfische Gesellschaft, Sprachnormierung, Tartuffe
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das dramatische Werk von Molière vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Machtverhältnisse, der Publikumsstruktur des 17. Jahrhunderts und Molières eigener Strategien als Autor am französischen Hof.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Untersuchung behandelt Molières Verhältnis zum Publikum (la cour, la ville, le parterre), seine Karrierestrategien als Höfling und Autor, sowie eine tiefgehende Analyse seiner Sprachverwendung als Mittel der Komik und Kritik.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Molière seine Stücke bewusst konzipierte, um sowohl den höfischen Geschmack als auch das bürgerliche Publikum zu bedienen, während er gleichzeitig gesellschaftliche Konventionen satirisch hinterfragte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autoren nutzen eine literaturwissenschaftliche Analyse, die textimmanente Interpretationen mit historischen Kontextualisierungen verbindet, gestützt auf zeitgenössische Biografien und Forschungsliteratur zur französischen Literaturgeschichte.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Sektionen, die spezifische Stücke wie Le Misanthrope, Dom Juan und L’Avare im Hinblick auf Figurenkonstellationen, Sprachstile und das Verhältnis zur Tradition (z.B. Plautus) untersuchen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Molière, die klassische Komödie, das soziologische Konzept von "la cour et la ville", sowie die Themen der gesellschaftlichen Anpassung und des Künstlertums im Absolutismus.
Wie geht Molière mit den strengen Sprachvorgaben seiner Zeit um?
Die Analyse zeigt, dass Molière zwar die "doctrine classique" kannte, sie jedoch zugunsten der Authentizität seiner Charaktere und der Wirksamkeit seiner Komik umging, indem er spezifische Fachsprachen (Medizin, Recht) integrierte.
Warum wird Le Misanthrope als besonderes Beispiel hervorgehoben?
Das Stück gilt als besonders anspruchsvoll, da es die Grenze zwischen Komik und Tragik verwischt und eine psychologisch komplexe Auseinandersetzung mit gesellschaftlicher Verlogenheit darstellt.
- Arbeit zitieren
- Thomas Heim (Autor:in), Hannah-Kristin Elenschneider (Autor:in), Dr. Frank Lorenz (Autor:in), Selin Sahin (Autor:in), Maria Lang (Autor:in), Anonym (Autor:in), 2014, Molière und sein dramatisches Werk. Analysen ausgewählter Werke, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272451