Touristische Potentiale von Missionsstationen am Beispiel Kenias


Masterarbeit, 2013
154 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Management Summary

1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Methodische Vorgehensweise
1.3 Aufbau der Arbeit

2. Theoretische Grundlagen der Missionsarbeit
2.1 Missionsbegriff
2.2 Kirchliche Mission damals und heute
2.3 Christliche Mission in Kenia

3. Missionstourismus begünstigende Faktoren
3.1. Tourismus als Motor für die Wirtschaft
3.1.1 Tourismus in Entwicklungsländern
3.1.2 Tourismus in Kenia
3.2 Missionstourismus im Sinne der Nachhaltigkeit
3.3 Gesellschaftlicher Wandel als Impulsgeber für den Missionstourismus
3.4 Kirche und Tourismus

4. Theoretische Analyse der touristischen Potentiale von Missionsstationen
4.1 Tourismusformen und Motive der Reisenden
4.1.1 Spiritueller Tourismus
4.1.2 Gemeindetourismus und Christliche Studienreisen
4.1.3 Backpacker-Tourismus
4.1.3.1 Begriffliche Grundlagen und Motive der Backpacker
4.1.3.2 Backpacker Typen und Backpacking in Kenia
4.1.4 Volunteer-Tourismus
4.1.4.1 Begriffliche Grundlagen
4.1.4.2 Motive der Volunteer-Touristen
4.1.4.3 Volunteer-Touristen in Kenia
4.1.4.4 Volunteer-Touristen als Backpackers
4.2 Kooperationen und Netzwerke
4.2.1 Begriffliche Grundlagen
4.2.2 Kooperation – warum?
4.2.3 Kooperationen der Missionsstationen
4.3 Zwischenfazit

5. Empirische Analyse
5.1 Methodisches Vorgehen
5.1.1 Fragebogenentwicklung
5.1.2 Durchführung der Befragung
5.1.3 Auswertung der Daten
5.1.3.1 Das Gabek Verfahren
5.1.3.2 Statistische Daten
5.2 Datenanalyse
5.2.1 Missionsstationen und ihr Engagement
5.2.2 Der Tourist und der Tourismus
5.2.2.1 Touristische Formen
5.2.2.2 Motive der Touristen
5.2.3 Kooperationen
5.2.3.1 Kooperationsgründe
5.2.3.2 Kooperationspartner
5.2.3.3 Netzwerke und Strukturen der Kundenakquisition
5.2.3.4 Touristische Netzwerke
5.2.4 Missionstourismus - warum?
5.2.4.1 Vorteile
5.2.4.1.1 Vorteile aus Anbietersicht
5.2.4.1.2 Vorteile aus Nachfragersicht
5.2.4.2 Nachteile
5.2.4.2.1 Nachteile aus Anbietersicht
5.2.4.2.2 Nachteile aus Nachfragersicht
5.2.4.3 Erwartungen und Verbesserungspotentiale
5.3 Zusammenfassung der Ergebnisse und Schlussfolgerung

6. Diskussion der Ergebnisse und Implikationen
6.1 Der Missionstourismus als Mehrwert für den Tourist und die Region
6.2 Motivorientierung
6.3 Kooperationspotentiale
6.4 Schnittstellen von Missionsstation und Tourismus
6.5 Strategische Produktentwicklung im Missionstourismus
6.6 Handlungsempfehlungen

7. Resümee und Zusammenfassung

Literaturverzeichnis VI

Anhang

Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Tourismus in Afrika

Abbildung 2: Die drei Säulen der Nachhaltigkeit

Abbildung 3: Formen von Netzwerkarrangements mit Beispielen

Abbildung 4: Dienstleistungskette einer Urlaubsreise

Abbildung 5: Lage der Interviewpartner

Abbildung 6: Interviewpartner

Abbildung 7: Tätigkeitsfelder der Organisationen

Abbildung 8: Aktivitäten der Touristen

Abbildung 9: Gründe für den Besuch von Missionsstationen

Abbildung 10: Beschreibung der Touristen

Abbildung 11: Kooperation - warum?

Abbildung 12: Kooperationspartner und -formen

Abbildung 13: Herkunft der Kooperationspartner

Abbildung 14: Werden mehr Touristen gewünscht?

Abbildung 15: Kundengenerierung aus Anbietersicht

Abbildung 16: Kundengenerierung aus Nachfragersicht

Abbildung 17: Planung der Kurzreise

Abbildung 18: Besuch mehrerer Missionsstationen

Abbildung 19: Vorteile aus Anbietersicht

Abbildung 20: Vorteile aus Nachfragersicht

Abbildung 21: Nachteile aus Anbietersicht

Abbildung 22: Nachteile aus Nachfragersicht

Abbildung 23: Erwartungen und Verbesserungspotentiale

Abbildung 24: Service Profit Chain

Abbildung 25: Übersicht der Netzwerkausrichtung

Abbildung 26: Produkte und Angebote im Schnittfeld von Missionsstation und Tourismus

Abbildung 27: Strategische Produktentwicklung für Missionsstationen

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Top 10 Länder nach Projektanzahl

Tabelle 2: Motiv-Gegenüberstellung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Management Summary

Modern mission stations do not longer just evangelize but also trying to achieve worldwide social equality through economic convergence. The tourism sector as well is able to achieve economic convergence through the creation of employment possibilities and revenues. As a consequence, the purpose of this study was to examine how these two elements fit together. So, do mission stations have a touristic potential?

In order to answer the research question, first of all there was a profound theoretical analysis necessary. This analysis revealed, that those mission stations still play an important part in nowadays life, although, through the independency of the country and the concomitant autonomy of the national church, the physical appearance changed. Additional there are some trends, which even would support the implementation of tourism in the context of mission stations. The following empirical analysis should therefore examine, if those networks already exist, as well as permit an in-depth look into this topic.

In these context nine representatives of mission stations respectively church-related organizations, one tour-operator and one representative of a church-related network have been asked during a two weeks field-trip in Kenya. Though it is not only important to analyse the providers´ point of view but also the customers´ perspective, nine tourists have been interviewed as well.

The empirical analysis revealed that the main focus of mission stations is not only the pastoral work but also and especially a variety of social projects. Therefore many mission stations have already been committed to Volunteer-Tourism. Simultaneous also the tourists stated that the main activity during their holiday was volunteering. Nevertheless, touristic elements, like sightseeing, have been included into their trips. Examining the tourists´ motives the study showed that faith, authentically experiences, security, acquire of new knowledge, adventure-seeking, community-spirit and altruism have been crucial for choosing a church-related institution as a destination. Although there are already networks and cooperation between churches, but those are always concentrated on the missionary work. Additional collaborations between the mission stations and authorities do not exist at all. In the last part of the analysis, advantages and disadvantages have been studied. Especially the process of learning, the intercultural exchange of ideas and the positive economic effects have been identified as advantages by customers and providers. In contrast the lack of intercultural understanding and acculturation are feared by those involved.

All things considered, the study was able to show up a tourist potential of mission station as well as to infer some detailed recommendations for action.

1. Einleitung

“Social responsibility becomes an aspect not of Christian mission only, but also of Christian conversion. It is impossible to be truly converted to God without being thereby converted to our neighbor.”

(John R.W. Stott)

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Dieses Zitat von John Stott, einer der führenden Vertreter der evangelischen Bewegung, macht deutlich, dass „missionieren“ weit mehr bedeutet als das Wort Gottes zu verbreiten. Mit dem Glauben geht auch eine Verantwortung auf den Menschen über: die der Nächstenliebe und der Fürsorge. Wer auch immer der „Nächste“ ist, der Hilfe benötigt, dem soll auch geholfen werden. Nur so kann Gerechtigkeit unter allen Menschen hergestellt werden. Schließlich steht schon in der Bibel geschrieben, dass nur eine gerechte Verteilung der Ressourcen unter allen Ländern zum dauerhaften Frieden führen kann: „Und der Gerechtigkeit Frucht wird Friede sein, und der Ertrag der Gerechtigkeit wird ewige Stille und Sicherheit sein“ (Jesaja 25,17). Auch wenn die vollkommene Gerechtigkeit sicherlich als ein Ideal zu werten ist, welches ganzheitlich wohl nie erreicht werden kann, so bemühen sich dennoch viele missionarische Stellen die Ressourcenverteilung mittels Entwicklungshilfe anzugleichen. Dies ist wohl auch der Grund für die überaus starke Präsenz missionarischer Einrichtungen in den Ländern der Dritten Welt, denn: In Anbetracht rückläufiger Mitgliederzahlen in den westlichen Nationen und steigenden in den Entwicklungsländern, wäre eine rein-missionarische Arbeit in den Ländern der Nordhalbkugel zweifelsohne von größerer Notwendigkeit. Das Ziel moderner Missionen ist es allerdings nicht nur das Wort Gottes zu verbreiten, sondern auch Gerechtigkeit, mithilfe einer sozialen und wirtschaftlichen Annäherung der Völker, herzustellen. Nur so kann der weltweite Friede sichergestellt werden.

Um die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben, setzen viele Länder der Dritten Welt jedoch auch auf den Tourismussektor. Dieser wird häufig als Motor für die Wirtschaft betrachtet, da mithilfe des Tourismus beispielsweise Arbeitsplätze geschaffen und Deviseneinnahmen erzielt werden können. Die Exotik und Unberührtheit vieler Entwicklungsländer locken schon heute zahlreiche Touristen jedes Jahr von Nord nach Süd. Der technologische Fortschritt und der Rückgang der Arbeitszeiten haben diese Entwicklung zugleich intensiviert. Dennoch ist die Kapazitätsgrenze noch lange nicht erreicht und neue kundenspezifische Produkte sollen die Touristenankünfte weiter ausbauen. Damit der Tourismus jedoch nicht in neokolonialistische Verhältnisse resultiert, also eine gerechte Verteilung der touristischen Einnahmen sichergestellt werden kann, ist es wichtig, bei der Implementierung des Tourismus auf Nachhaltigkeit zu setzen. Nur die Bemühung um eine gleichermaßen soziale, ökologische und ökonomische Verträglichkeit für die heutige und zukünftige Generation kann eine gerechte Entwicklung der Länder durch den Tourismus garantieren.

Die Gegenüberstellung von Kirche und Tourismusindustrie zeigt also, dass die auf den ersten Blick sehr gegensätzlichen Akteure dennoch eine Gemeinsamkeit haben: die Bedeutung für die Entwicklung der Dritten Welt Länder. Betrachtet man zudem den Ursprung der christlichen Mission als Aussendung der Gläubigen in alle Länder der Welt so wird deutlich, dass die Religion und der Tourismus eng miteinander verzahnt sind: „Und er sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium aller Kreatur“ (Markus 16,15). Nur durch das Verlassen der Heimat und dem Aufsuchen neuer Länder kann die Verbreitung des Glaubens erfolgen. Ein weiterer Berührungspunkt der Kirche mit dem Tourismus wird in der Wallfahrt offensichtlich. Auch hier verlassen Gläubige schon seit Jahrhunderten regelmäßig ihren Heimatort und pilgern, der Sündenvergebung wegen, zu heiligen Stätten.

Die Verbindung von Tourismus und Religion ist also weniger abwegig, wie sie zunächst erscheinen mag. Darüber hinaus könnte eine Kombination der beiden Elemente die nachhaltige Entwicklung der Entwicklungsländer fördern. Moderne Missionsstationen fordern weltweite Gerechtigkeit und verfolgen daher eine soziale und wirtschaftliche Annäherung der Länder. Der Tourismus hingegen kann Länder wirtschaftlich stärken und folglich zu einer sozialen und wirtschaftlichen Annäherung führen. Fraglich ist jedoch, ob in der Praxis eine touristische Aufwertung der Missionsstationen überhaupt denkbar und möglich ist. Haben Missionsstationen also ein touristisches Potential? Diese zentrale Fragestellung soll im Rahmen der hier vorliegenden Arbeit, sowohl mithilfe einer fundierten Literaturrecherche als auch einer anschließenden empirischen Untersuchung, beantwortet werden. Als Beispieldestination fungiert Kenia, da das Land in seiner Geschichte und auch noch heute Ziel vieler missionarischer Tätigkeiten war bzw. ist. Ferner zählt Kenia nach den gängigen Richtlinien als Entwicklungsland und bedarf daher transnationaler Hilfeleistungen.

1.2 Methodische Vorgehensweise

Um die zentrale Fragestellung nach den touristischen Potentialen von Missionsstationen beantworten zu können, ist, wie bereits erwähnt, zunächst eine umfangreiche theoretische Analyse notwendig. Mithilfe dieser Analyse soll zunächst geklärt werden,…:

(1) …welche gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Trends für eine touristische Nutzung der Missionsstationen sprechen
(2) …welche touristischen Segmente hierfür prinzipiell geeignet wären
(3) …ob bereits Netzwerke und Kooperationen existieren, die eine touristische Entwicklung begünstigen

Da es bislang an Forschungen über den Tourismus an Missionsstationen mangelt, wurde für jeden Fragenkomplex zunächst eine literarische Basis erstellt, mithilfe derer anschließend Rückschlüsse getätigt wurden.

Der praktische Teil der Arbeit beruht auf einer zweiwöchigen Feldforschung in Kenia mit dem Ziel, zum einen ein generelles Verständnis für die Missionstätigkeit und die Geschehnisse vor Ort zu generieren und zum anderen verschiedene missionarische Einrichtungen in Kenia zu interviewen. Bei den kirchlichen Akteuren handelt es sich um Organisationen bzw. Institutionen, die in unbestimmter Form Touristen empfangen oder bereits empfangen haben. Nur so konnte sichergestellt werden, dass die touristische Praxis vertraut ist und eine Auseinandersetzung mit dem Thema schon stattgefunden hat. Bei der Auswahl der Interviewpartner wurde weiterhin darauf geachtet, dass sowohl periphere als auch zentrale bzw. städtische Regionen Kenias abgedeckt werden. Zusätzlich wurden gezielt verschiedene Konfessionen und Denominationen aufgegriffen. Die empirische Analyse wird durch das Interview mit einem Reiseveranstalter sowie zwei Kirchenverbänden abgerundet. Insgesamt konnten somit dreizehn Interviews gewonnen werden. Diese Interviews behandelten folgende zentrale Fragenkomplexe:

(1) Welche Motive könnten Reisende dazu veranlassen Missionsstationen aufzusuchen?
(2) Werden (mehr) Touristen erwünscht? Sind die Kapazitäten für eine touristische Entwicklung vorhanden?
(3) Bestehen Kooperationen zu religiösen oder touristischen Institutionen? Wie inter- und intranational verknüpft sind die einzelnen Akteure?
(4) Welche Vorteile bzw. Nachteile könnte die touristische Entwicklung für das Land und die Leute haben?

Da bei der Entwicklung eines touristischen Segmentes nicht nur die Angebotsseite, sondern vor allem auch die Nachfrageseite von entscheidender Bedeutung ist, war es zudem notwendig, die Besucher der Missionsstationen zu befragen. Um sicher zu gehen, dass bereits eine Auseinandersetzung mit der Kirche als Institution und der missionarischen Arbeit stattgefunden hat, wurden auch hier gezielt Reisende gewählt, die bereits an einer Missionsstation als Tourist in Erscheinung getreten sind. Vor Ort war es so möglich, mithilfe der kirchlichen Interviewpartner, sechs Touristen zu befragen. Zusätzlich konnten, mit Unterstützung des Instituts für Afrikastudien der Universität Bayreuth, drei weitere Interviewpartner im Anschluss der Feldforschung gewonnen werden. Insgesamt stehen der empirischen Analyse somit neun nachfragebasierte Interviews zu Verfügung mit folgenden zentralen Fragenkomplexen:

(1) Welche Motive veranlassten den Reisenden eine Missionsstation zu besuchen?
(2) Wie ist er darauf aufmerksam geworden? Gibt es Strukturen, die ihn bei der Suche unterstützt haben?
(3) Gibt es (touristische) Netzwerke, die touristische Aktivitäten ermöglichen bzw. fördern?
(4) Wie kann die touristische Entwicklung verbessert werden?
(5) Welche Vor- und Nachteile könnte die touristische Entwicklung für das Land und die Leute haben?

Die finale Gegenüberstellung der Anbieter und Nachfrager mittels des Gabek-Analyseverfahrens ermöglicht es letztlich gemeinsame Interessen, Ansichten und Tendenzen bezüglich des touristischen Potentials herauszuarbeiten und die Forschungsfrage weitestgehend zu beantworten.

1.3 Aufbau der Arbeit

Um ein Verständnis für die Missionsstätigkeit zu generieren, ist es zunächst notwendig, den Missionsbegriff und die Missionsgeschichte im Allgemeinen und speziell in Kenia kurz zu skizzieren. Letzteres erlaubt es, erste Erkenntnisse über die touristischen Potentiale von Missionsstationen abzuleiten.

Im darauffolgenden Kapitel soll der Frage nachgegangen werden, welche Faktoren eine touristische Entwicklung befürworten, warum also gerade der Tourismus als Entwicklungskonzept gewählt wurde. Hierfür wird der Tourismus als Wachstumsindustrie in Afrika und in Kenia aufgeführt sowie positive Effekte aufgezeigt. Damit allerdings tatsächlich positive Entwicklungspotentiale erzielt werden können, muss der Tourismus wirkungsvoll gestaltet sein. Daher sollen im Anschluss die Aspekte der Nachhaltigkeit erläutert und zudem überprüft werden, inwieweit diese mit einem potentiellen Tourismus an Missionsstationen kompatibel sind. Darauffolgend werden gesellschaftliche Entwicklungen betrachtet und hinsichtlich einer Tourismusimplementierung an Missionsstationen analysiert. Abgerundet wird dieses Kapitel mit der Suche nach Anknüpfungspunkten zwischen der Kirche und dem Tourismus und daraus resultierende potentielle Produkte.

Der vierte Themenblock widmet sich schließlich der theoretischen Analyse des touristischen Potentials von Missionsstationen. Hierfür soll zunächst die Nachfrageseite mithilfe der Identifikation möglicher Themen und Produkte, die mit der Natur der Missionsstation kompatibel einhergehen, analysiert werden. Untersucht werden soll also, welche touristischen Formen prinzipiell realisierbar wären und zudem auch auf eine Nachfrage treffen könnten. Diese Vorgehensweise ist nötig, da es bislang an Studien über Touristen an Missionsstationen und ihren Motiven fehlt. Welche persönlichen Ziele tatsächlich zum Tragen kommen und wie touristische Produkte gestaltet sein müssen, um diese Nachfrage zu befriedigen, soll letztendlich die empirische Analyse zeigen. Zuvor ist es jedoch zusätzlich wichtig, ebenfalls die Anbieterseite zu untersuchen. Um ein Angebot zu schaffen, sind, vor allem im Tourismus, Kooperationen und Netzwerke unverzichtbar. Diese tragen nicht nur dazu bei die Strahlkraft der Destination nach außen hin zu verstärken, sondern auch Produkte überhaupt erst offerieren zu können. Folglich müssen, im Rahmen dieses vierten Themenblockes, der Kooperations- und Netzwerkbegriff vorgestellt und anschließend Gründe und die Ausgangslage vor Ort diskutiert werden. Das daran anschließende Zwischenfazit soll einen Überblick über die bisherigen theoretischen Erkenntnisse liefern und den empirischen Teil der Forschung einleiten.

Dieser empirische Teil beschäftigt sich anfänglich mit der Entwicklung des Fragebogens sowie der Durchführung der Befragung. Weiterhin sollen das Gabek Verfahren zur Auswertung der qualitativen Interviews vorgestellt und erste empirische Ergebnisse diskutiert werden. Der Hauptteil dieses Kapitels ist jedoch der Analyse der Daten gewidmet. Untersucht werden das Aktivitätsfeld der Missionsstationen, der Tourist und seine Motive, die Existenz kooperativer Strukturen und anderer förderliche Netzwerke, sowie schließlich Vor- und Nachteile und Verbesserungspotentiale für den Tourismus an Missionsstationen. Die das empirische Kapitel abschließende Zusammenfassung der Ergebnisse soll die Formulierung einer Antwort auf die Forschungsfrage ermöglichen.

Der Anspruch an diese Studie besteht jedoch nicht nur darin, Potentiale, hinsichtlich eines Tourismus an Missionsstationen, zu bejahen oder zu verneinen, sondern auch konkrete Lösungsvorschläge sowie einen Ausblick in die Zukunft, durch die Verknüpfung theoretischer und praktischer Erkenntnisse, zu bieten. Dies soll in dem an den empirischen Teil anschließenden Kapitel stattfinden. Die in der Analyse untersuchten Motive der Touristen sollen hinsichtlich der Bedeutung für den Tourismus an der Missionsstation interpretiert und Rückschlüsse auf konkrete touristische Produkte gezogen werden. Im Anschluss werden Ansatzpunkte für Kooperationen, vor allem in Hinblick auf die definierten touristischen Produkte, diskutiert. Auch die im Rahmen der Analyse identifizierten Vor- und Nachteile sollen bei der Produktgestaltung miteinbezogen und Möglichkeiten der Kommunikation erörtert werden. Die abschließende Zusammenführung und Darstellung dieser interpretativen Ergebnisse sowie die Formulierung konkreter Handlungsempfehlungen runden diese Arbeit ab.

Letztlich folgen noch eine finale Zusammenfassung sowie ein Fazit zum Schluss.

2. Theoretische Grundlagen der Missionsarbeit

Um Missionsstationen und ihr touristisches Potential bewerten zu können, bedarf es einer theoretischen Basis bezüglich des Missionsbegriffes, der Missionsgeschichte sowie den Entwicklungen in Kenia. Nur so können spezifische Eigenschaften der Missionsstationen im Hinblick auf einen potentiellen Tourismus erkannt und umgesetzt werden.

2.1 Missionsbegriff

Obwohl der Begriff „Mission“ noch heute weitläufig gebraucht wird, wirkt er meist überaltert und wird, aufgrund der umstrittenen Vorgeschichte der Missionstätigkeiten, auch oft mit negativen Assoziationen verbunden. Die christlich-religiöse Mission wurde in den vergangenen Jahrhunderten häufig als ein militantes Aufzwingen der eigenen Überzeugungen und des Glaubens einer als sich selbst als überlegen verstandenen Kultur auf andere gesehen (Bassols 2012; Wendt 2011). Schäfer (2001, S.120) spricht in diesem Zusammenhang von einer „kulturellen Arroganz“, sowie einem Gleichsetzen des Missionsbegriffes mit den Begriffen Imperialismus, Kolonialismus und „religiösem Hausfriedensbruch“. Die enge Verknüpfung zwischen den Begriffen Mission und Kolonialisierung macht auch Amaldoss (2005, S.66) deutlich: „People in so-called ‚mission‘ countries associate colonialism with mission“. Auch das synonym verwendete Wort Evangelisierung stößt meist auf Ablehnung, da es als eine überlegene Frömmigkeit identifiziert wird (Bassols 2012; Schäfer 2001).

Unabhängig von der durch den Begriff selbst übermittelten Symbolik kann die Mission als die „Verbreitung einer Religion, besonders der christlichen Lehre unter Andersgläubigen“ definiert werden (Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion 2010, S.648, Stichwort Mission). Der Ursprung des Begriffes leitet sich aus dem lateinischen Verb mittere (missio) für senden ab und meint sowohl die theoretische Übermittelung des christlichen Grundsatzes als auch das Vollbringen von sozialen Leistungen im Rahmen der christlichen Werte (Bassols 2012). Häufig findet jedoch auch, sowohl im Katholischen als auch Protestantischen, eine geografisch-territoriale Verwendung des Begriffes statt. Mission meint also die „Territorien, in denen die ausgesandten Ordensmitglieder missionarisch und pastoral tätig sind“ (Sievernich 2005, S.21; vgl. Wendt 2011). Der Begriff „Mission“ sowie die Missionsstätigkeit wird als etwas Christliches verstanden, obgleich auch andere Universalreligionen, wie zum Beispiel der Islam, Werbung für den eigenen Glauben betreiben. Im Fall des Islams spricht man jedoch bspw. von der „Einladung“ (Da’wa) (Schirrmacher 2007).

2.2 Kirchliche Mission damals und heute

Die Mission als solche spielt schon seit jeher eine zentrale Rolle in der Kirchengeschichte, auch wenn der Begriff selbst neueren Ursprungs ist. Während man zu Beginn der Kirchengeschichte vornehmlich von der Glaubensverbreitung, der Bekehrung der Heiden oder der Verkündigung der Frohen Botschaft sprach, mit deren Hilfe das Christentum popularisiert wurde, richtete sich die Missionierung im Mittelalter auf Andersgläubige im inneren der Gemeinde. Diese wurden vor allem durch Kreuzzüge, Judenvertreibungen, Zwangsbekehrungen und Scheiterhaufen ausgelöscht oder verdrängt (Bassols 2012). Die Verbreitung des Christentums erfolgte zudem spontan, d.h. ohne eine gezielte Planung und basierte auf eine Vielfalt von Trägern und Missionsmethoden (Sievernich 2009). Erst mit der Neuzeit und dem Beginn der Kolonialisierung richtete sich die Missionsarbeit wieder nach außen mit dem Ziel, den christlichen Glauben auch auf andere Kontinente auszudehnen (Bassols 2012). In diesem Zusammenhang wurde auch zum ersten Mal im 16. Jahrhundert der Begriff „Mission“ durch Ignatius von Loyola, dem Gründer des Jesuitenordens, gebraucht (vgl. Feld 2006; Bassols 2012). Ignatius von Loyola bringt damit die Sendung von einer oder mehreren Personen mit einer gewissen Aufgabe oder für ein gewisses Amt an einen bestimmten Ort zum Ausdruck (Buono 2002, zitiert nach Bassols 2012).

Die Evangelisierung in den neu entdeckten Gebieten wurde aufgrund logistischer und personeller Mängel den königlichen Patronaten der vorwiegend iberischen Mächte übertragen. So leiteten, organisierten und vor allem finanzierten die Königshäuser die Missionstätigkeiten mit der Folge einer Politisierung der Evangelisierung (Bassols 2012; Sievernich 2009). Zudem wurden die christlichen Initiativen oftmals von Bestrebungen nach wirtschaftlichen Vorteilen oder Landgewinnen überschattet. Auch die protestantische Lehre wurde in den beiden nachreformatorischen Jahrhunderten mithilfe niederländischer und dänischer Handelsbestrebungen verbreitet, allerdings vorwiegend auf Einzelinitiativen und sporadischen Projekten basierend (Sievernich 2009).

Die Politisierung der Evangelisierung führte im 17. Jahrhundert auf katholischer Seite zu Konkurrenzkonflikten zwischen den Missionsbestrebungen der Krone und der päpstlichen Propagandamission, die zeitweise eskalierten und somit zu einem Rückgang der Missionsinitiativen im 18. Jahrhundert führten (Mitterhöfer 1987, zitiert nach Bassols 2012). Der Rückgang war jedoch nicht allein den Konflikten verschuldet, sondern lässt sich auch auf eine allgemeine religiöse Krise im Kontext der Aufklärung und des aufkommenden Rationalismus zurückführen (Bassols 2012). Um die Missionstätigkeit aus den kolonialstaatlichen Bindungen zu lösen und sie der kirchlichen Verantwortung wieder zu unterziehen, gründete Papst Gregor XV 1622 die „Kongregation zur Ausbreitung des Glaubens“ (Congregatio de Propaganda Fide). Ziel dieser für die Mission zuständigen Behörde war es nicht nur eine Entpolitisierung zu verwirklichen, sondern auch neue konzeptionelle Impulse, wie zum Beispiel eine Anpassung an die jeweils regional vorherrschende Kultur, einzuleiten (Sievernich 2009, S. 72).

Als es im 19. Jahrhundert zu einem Wiedererstarken des Kolonialismus und Imperialismus kam, waren diese erneut eng mit katholischen und protestantischen missionarischen Anstrengungen verknüpft (Sievernich 2009). Finanziert wurden die Missionstätigkeiten fortan mithilfe von protestantischen Missionsgesellschaften bzw. katholischen Missionsinstituten und -orden, welche sowohl mit der Aufgabe der Christianisierung von Landstrichen betraut waren, als auch mit der Verwaltung der dort entstandenen Kirchen (Bassols 2012; Sievernich, 2009). Insbesondere auf protestantischer Seite kam es zur Gründung zahlreicher zum Teil noch heute tätigen Missionsgesellschaften (Sievernich 2009). Aber auch auf katholischer Seite wurden allein im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert über 300 Missionsvereine weltweit gegründet (Arens 1925, zitiert nach Sievernich 2009). Die Missionsgebiete der jeweiligen Gesellschaften wurden zum Hoheitsgebiet der Gleichen erklärt, in denen ein Interferieren anderer Missionare missbilligt wurde (Bassols 2012). Diese sogenannte missionarische Gesellschaft bildete einen gemeinsamen, meist eurozentristisch ausgelegten, Identitätsraum (Sievernich 2009; Wendt 2011). Die tätigen Missionare teilten sich die Ideologie der Überlegenheit der eigenen Rasse und neben dem Glauben galt es auch die eigene Kultur im Sinne einer „Kulturmission“ zu vermitteln (Bassols 2012; Schäfer 2001). Zwar hegten einige Individuen Beziehungen zu anderen Gesellschaften im kolonialen Raum bzw. zu Gesellschaften außerhalb des kolonialen Machtbereiches, durch die Bemühungen der Missionare die Mitglieder an die neue Gesellschaft zu binden, wurden jedoch viele traditionelle Beziehungen zerstört (Wendt 2011). Wendt (2011, S. 30) bezeichnet dieses Vorgehen als „koloniale Globalisierung“, da einerseits globale Verflechtungen durch die zunehmende Ausdehnung der Herrschaftsgebiete zunahmen, andererseits jedoch viele traditionelle Netzwerke eliminiert wurden. Kennzeichnend für die Missionsgesellschaft war weiterhin ihr transnationaler Charakter. Da eine Mission nie allein durch einen Missionar dauerhaft etabliert werden konnte, wurden einzelne Aufgabengebiete unter anderem auch an „Ausländer“ delegiert. Spanische Missionsgesellschaften engagierten so zum Beispiel auch Deutsche, Franzosen, Italiener und Niederländer. Zudem handelte es sich bei den Entsandten nicht immer um Geistliche, auch sogenannte Laienbrüder konnten als Handwerker, Lehrer, Landwirte etc. in der weltlichen Missionsarbeit ihre Dienste verrichten. Trotz dieser multinationalen und multiethnischen Zusammenarbeit konnten ethnisch-rassische Vorbehalte nicht gänzlich abgebaut werden (Wendt 2011).

Als es schließlich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zunehmend zu einer Entkolonialisierung kam, waren es allerdings die Missionen, welche diesen Prozess aktiv unterstützten. Sie förderten den Aufbau einheimischer Kirchen und Bildungsinstitutionen, forcierten die Emanzipation von Jugend, Frauen und Sklaven und bildeten eine religiöse sowie weltliche Elite aus. Zudem brachte die von Papst Benedikt XV. veröffentlichte Missionsenzyklika die Wende im Missionsverständnis. Demnach ist das Christentum als eine staatenunabhängige Religion anzusehen, zu dessen Verbreitung der selbstlose Dienst der Missionare beiträgt. Ziel der Mission muss es zudem sein, eine „Indigenisierung“, also eine Einwurzelung der Kirche in die vorherrschende Kultur, zu realisieren, um den christlichen Glauben so dauerhaft zu implementieren. Dazu zählen auch die Schaffung von karitativen Einrichtungen sowie der Bau von Schulen. Das Programm der „Indigenisierung“ führte zu einem raschen Anstieg von einheimischen Priestern, Schwestern und Bischöfen, der bis heute anhält (vgl. KLJ 2010; Sievernich 2009).

Ähnlich wie die Missionsenzyklika im Katholischen die Wende im Missionsverständnis brachte, kam es auch auf protestantischer Seite, initiiert durch die in den Folgejahren einberufenen Weltmissionskonferenzen, zu einem Umdenken. Es erfolgte ebenfalls eine Distanzierung vom Kolonialismus und Nationalismus sowie eine verstärkte Ausrichtung auf soziale Dienste (vgl. Günther 1970; Sievernich 2009). Die Missionsarbeit schließt heute nicht nur pastorale Tätigkeiten ein, sondern auch ein soziales, gesellschaftliches und politisches Engagement, zum Beispiel in Form von Gesundheitsförderung, Bildung und Wasserversorgung (Bassols 2012; Schäfer 2001). Der Bau von Schulen dient jedoch nicht nur humanitären Zwecken, sondern auch zur Verbreitung des Glaubens (vgl. Anderson 1970).

Statt sogenannten „life-time missionaries“ setzte man von nun an auf „fraternal workers“, also zeitlich begrenzten Mitarbeiter, im Sinne zwischenkirchlicher Hilfsdienste (Günther 1970, S.150). Die „Indigenisierung“ führte darüber hinaus auf protestantischer Seite, durch die Absplitterung von den verschiedenen etablierten protestantischen und freikirchlichen Institutionen, zu tausenden neuen religiösen Bewegungen, welche oftmals christliche, afrikanische und europäische Elemente kombinieren (vgl. Kitshoff 1996; Sievernich 2009).

2.3 Christliche Mission in Kenia

Das Christentum gelangte zum ersten Mal mit dem portugiesischen Entdecker Vasco de Gama nach Kenia. Auf der Suche nach einem Seeweg nach Indien landete dieser 1498 in der Küstenstadt Malindi. Darauffolgende Bemühungen des Indienmissionars Francis Xavier eine römisch-katholische Mission zu gründen wurden jedoch, von den vor Ort herrschenden muslimischen Oman-Arabern, unterbunden. Erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts kam es unter dem protestantischen Missionar Johann Ludwig Krapf zu einer aktiven Missionsarbeit in Kenia (Nyaundi 1993). Da die kenianische Küstenstadt bereits im ökonomischen Netzwerk einen wichtigen Knotenpunkt einnahm und zudem eine gute Infrastruktur ausweisen konnte, waren es vor allem strategische Überlegungen, welche Mombasa zum Standort für die erste Missionsstation verhalfen (Krapf 1858; Vierke 2007). Bei seinen Missionarstätigkeiten wurde Krapf ab Juni 1946 von Johannes Rebmann, einem deutschen Kollegen, unterstützt. Gemeinsam führten sie Erkundungsreisen durch, bestrebt von dem Ziel eine Kette von Missionsstationen, die sog. Apostelstraße, quer durch den Kontinent, von Mombasa bis nach Kamerun, zu errichten (Baur 2006; Hasse 2012; Vierke 2007). Diese ambitionierte Vision Krapfs konnte jedoch nie realisiert werden.

Auch katholische Missionstätigkeiten, ausgehend von den Spiritanern im Jahr 1863, beschränkten sich zunächst auf die Küstenregionen Lamu und Mombasa (Gifford 2009). Erst mit dem Bau der Eisenbahn drangen die Missionare auch in das Landesinnere vor (Baur 2006). Es folgten zahlreiche weitere Missionsprojekte verschiedenster Kirchen. Um einen Konkurrenzkampf zwischen den Missionsbemühungen zu vermeiden, wurde per Gesetz die Ansiedelung konkurrierender missionarischer Kirchen in einem Gebiet verboten. Die Konsequenz dieses Gesetzes lässt sich noch heute an einer starken Konzentration jeweiliger Kirchenformen im Erstsiedlungsgebiet erkennen (Nyaundi 1993).

Darüberhinausgehend führten diese Missionstätigkeiten zusammen mit den Unternehmungen des gewerblichen Sektors, wie etwa der East Africa Company, zu der Entwicklung eines kolonialen Staates, welcher wiederum den Erfolg der Missionare verfestigte. So wurde Kenia 50 Jahre nach der Ankunft der ersten Missionare zum britischen Protektorat ernannt. Hierbei profitierte die kirchliche und staatliche Seite jeweils von den Bemühungen des Anderen. Missionare unterrichteten beispielsweise die kenianische Bevölkerung über politische Richtlinien und Gesetzte, sammelten Steuern ein, unterstützten bei der Adaption der Bevölkerung an die europäische Kultur, rekrutierten zukünftige Regierungsbeamte und meldeten Unruhestifter. Im Gegenzug schützte die koloniale Regierung die Missionare vor feindlichen Stammesangehörigen, investierte in Infrastrukturmaßnahmen und bezuschusste kirchliche Projekte. Diese enge Beziehung zum Staat brachte jedoch auch den Missionskirchen während der antikolonialen Unabhängigkeitsbewegung, dem sogenannten Mau-Mau-Krieg, den Zorn der Bevölkerung ein (Nyaundi 1993).

Letztlich waren es allerdings diese gemeinsamen Bemühungen, welche die ostafrikanische Küste an den internationalen Handelsverkehr anknüpfte. Zwar war Ostafrika bereits vor der Ankunft der Missionare, vor allem aufgrund der Anstrengungen des herrschenden Sultans Sayyid Said, in internationale Handelsgeflechte eingebunden, diese konnten jedoch durch Netzwerke zu europäischen und amerikanischen Handelspartnern erweitert werden. Diese Netzwerke fungierten nicht nur als Instrument für den internationalen Gütertransfer, sondern auch als Kommunikationsplattform für den Austausch von wissenschaftlichen Erkenntnissen, sowohl interkontinental als auch unter den Missionaren (Vierke 2007).

Mit der Unabhängigkeit Kenias Anfang der 60er Jahre gewann auch die lokale Kirche an rechtlicher Autonomie; aus den Missionsstationen wurden nationale Kirchen, welche unter anderen auch missionarisch tätig sind (Hastings 1979). Entgegen den Erwartungen ist die Missionszeit in Kenia noch lange nicht zu Ende, sondern läuft nun im 21. Jahrhundert erst ihrem Höhepunkt entgegen. Bereits 1979 beschrieb Hastings (S. 227) Kenia als das „Mecca for Western missionaries“, eine Bezeichnung, welche heute noch besser zutrifft. Zu Beginn des neuen Jahrtausends konnte Afrika die höchste Anzahl ausländischer Missionare in der Geschichte aufweisen. Der Erlass der „New Policy Agenda“, welche den Einfluss des Staates zugunsten nicht staatlicher Akteure (in Form von NGOs und PVOs) reduzieren sollte, führte zu einem sprunghaften Anstieg kirchlich-orientierter (insbesondere US-amerikanischer) Hilfsorganisationen in Kenia (Hearn 2002). Hierbei engagieren sich die Kirchen vor allem im Bildungs- und Gesundheitssektor. Laut National Mirror (10. Juli 2006, zitiert nach Gifford, 2009) sind 64% aller Bildungsinstitutionen in Kenia kirchlichen Ursprungs. Im Gesundheitssektor, insbesondere im Bereich der HIV und AIDS Behandlung bringen es die kirchlichen Institutionen afrikaweit sogar auf 70% aller Einrichtungen. Alleine die katholische Kirche stellt 40% des Gesundheitswesens in Kenia, in ländlich geprägten Gebieten sogar bis zu 100% (Gifford 2009; KCS 2006). Humanitäres Engagement wird jedoch nicht nur von den großen Missionskirchen betrieben, sondern auch von zahlreichen privaten Missionaren, welche hierfür, mithilfe eigener Reserven sowie Spenden des persönlichen Umfeldes, eigene Projekte realisieren (Gifford 2009).

Unabhängig vom institutionellen Hintergrund der Missionare zeichnet sich ein Trend in Richtung Kurzzeitmission, mit einer Aufenthaltsdauer zwischen zwei Wochen und einem Jahr, ab. Viele der sogenannten „short-term missionaries“ (STMs) sind Mitglieder großer offizieller Kirchen, welche mithilfe des Internets partnerschaftliche Beziehungen mit afrikanischen Kirchen pflegen. Diese interkirchliche Interaktion veranlasst schließlich einzelne Individuen, Familien oder ganze Kirchengemeinden zu einer Kurzzeitmission an der Partnergemeinde. Begünstigt wird diese Entwicklung der Kurzzeitmission in Kenia schließlich durch zahlreiche Faktoren, wie zum Beispiel der weitgehenden Verbreitung der englischen Sprache, einer erleichterten Einreisepolitik für Missionsarbeiter sowie zahlreiche Nationalparks, deren Besuch den Missionsaufenthalt abrunden. Auch der Staat hat die christliche Industrie bereits als wichtige Einkommensquelle erkannt und versucht diese zu fördern (Gifford 2009).

Die verstärkten missionarischen Bemühungen führen jedoch nicht nur, wie eben diskutiert, zu einem Anstieg der Missionare, sondern auch zu der Gründung zahlreicher neuer Kirchen. Bereits 2007 konnte Kenia über 8520 registrierte Kirchen aufweisen, 6740 Bewerbungen waren zu diesem Zeitpunkt noch unbearbeitet. Gemäß dem kenianischen Generalbundesanwalt kommen jeden Monat 60 weitere Bewerbungen hinzu (The Christian Post 2007; Gifford 2009). Hierbei handelt es sich allerdings nicht um weitere Kirchengemeinden, sondern um neue Institutionen (Gifford 2009), welche entweder der Kategorie „Missionskirche“ oder „Unabhängige Kirche“ zugeordnet werden können. Missionskirchen orientieren sich bei der Ausübung des christlichen Glaubens an den Lehren der Missionare, während hingegen die Unabhängige Kirche eine mehr unkonventionelle Form der christlichen Lehre ausübt (Nyaundi 1993).

Die Vielzahl an überwiegend protestantischen Kirchen führt zu einer schnellen Verbreitung des christlichen Glaubens. Zudem kann, durch die kleinstrukturierte Organisationsform eine Adaptation an kulturelle Gegebenheiten garantiert werden. Allerdings kritisiert Burgmann (1990), dass es diesen Kirchen oft an einer internationalen Verflechtung fehlt, wie es die katholische Kirche nachweisen kann.

Die kirchliche Mission in Kenia fußt folglich auf eine lange Tradition und ist noch heute ein wichtiger Bestandteil des Kirchenalltags, obgleich Missionsstationen im klassischen Sinne nicht mehr existieren. Stattdessen kam es zu einem Erstarken der selbstständigen lokalen Kirchen sowie der kirchlich-orientierten NGOs und PVOs aus dem Ausland. Der Fokus der Missionsarbeit liegt heute in erster Linie auf der gemeinnützigen Arbeit, die Evangelisierung ist dieser untergeordnet. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit steht der Begriff „Missionsstation“ daher stellvertretend für alle großen Kirchen Kenias sowie kirchlich-orientierten Organisationen und Einrichtungen.

Wie bereits erwähnt, wurde das touristische Potential der STMs durch die Regierung erkannt, inwiefern andere touristische Formen mittels der Missionsstationen realisiert werden können, muss im Verlauf dieser Arbeit analysiert werden. Zur begrifflichen Erleichterung allerdings soll der Terminus „Missionstourismus“, obgleich er am ehesten auf die STMs zutrifft, im Folgenden stellvertretend für alle möglichen touristischen Formen im Zusammenhang mit Missionsstation stehen. Ergänzend wird der Missionstourist als Besucher einer Missionsstation definiert, unabhängig von der Gestaltung und Zielsetzung seines Aufenthaltes.

Weiterhin muss untersucht werden, ob Missionsstationen noch heute als wesentliche Knotenpunkte im internationalen Netzwerk fungieren. Diese Einbettung in Netzwerke ist wesentlich, um den Tourismus erfolgreich implementieren zu können. Im Anschluss sollen jedoch zunächst wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen diskutiert werden, die für eine Ausweitung des Tourismus an Missionsstationen plädieren.

3. Missionstourismus begünstigende Faktoren

Im folgenden Kapitel sollen Faktoren analysiert werden, die eine touristische Entwicklung der Missionsstationen unterstützen. Im Einzelnen sind dies steigende Wachstumszahlen im Tourismus sowie die Möglichkeit mithilfe dessen eine nachhaltige, wirtschaftliche Entwicklung des Landes zu realisieren. Weiterhin stützt der gesellschaftliche Wandel, weg von einer Spaß- hin zu einer Sinnorientierung, insbesondere den Missionstourismus, der eine Auseinandersetzung mit religiösen Werten und der eigenen Person in gewissem Maße erzwingt. Schließlich, als dritter Faktor, existieren bereits etliche Tangentialpunkte der Kirche mit dem Tourismus. Das religiös motivierte Reisen zählt sogar zu den ältesten Formen der Distanzüberwindung und erfreut sich, vor allem in den letzten Jahren, wieder steigender Nachfrage.

3.1. Tourismus als Motor für die Wirtschaft

Für eine Entwicklung des Missionstourismus sprechen die seit Jahren wachsenden Umsatzzahlen im Tourismus. Vor allem die Entwicklungsländer können von diesem Wachstum profitieren, nicht nur weil sie immer öfter Ziel der internationalen aber auch zunehmend nationalen Touristenströme werden, sondern auch weil der Tourismus Arbeitsplätze schafft und für Deviseneinnahmen sorgt.

3.1.1 Tourismus in Entwicklungsländern

Der Tourismussektor kann seit den letzten sechs Dekaden einen kontinuierlichen wirtschaftlichen Anstieg, von 277 Millionen internationalen Touristenankünfte im Jahr 1980 auf 528 Millionen im Jahr 1995 und schließlich auf 983 Millionen im Jahr 2012, verzeichnen und zählt heute zu den am schnellsten wachsenden Sektoren weltweit. Im Laufe der Jahre wurden nicht nur die touristischen Ausprägungsformen, zum Beispiel vom klassischen Badetourismus zum Städte-, Shopping-, Kultur-, Kreuzfahrt- oder Volunteer-Tourismus, weitestgehend diversifiziert, sondern auch immer weitere Destinationen erschlossen (UNWTO 2012). Auch für die Zukunft prognostiziert die UNWTO (2011) einen weiteren Anstieg der internationalen Touristenankünfte von 3,3% jährlich. Es zeigt sich allerdings, dass die traditionellen Destinationen Europa und Amerika Rückgänge in den Touristeneinkünften, vor allem zugunsten von Entwicklungsländern, verbuchen müssen.

Die „Unberührtheit“ und „Exotik“ Afrikas lockt schon heute zahlreiche westliche Touristen. Verstärkt werden diese Pull-Faktoren zudem durch eine verbesserte Fluganbindung und dem Ausbau von Pauschalangeboten, welche Unsicherheiten hinsichtlich des Reiselandes minimieren (Scheyvens 2002). Zwar kann der afrikanische Kontinent mit einem prognostizierten Anstieg des globalen Marktanteiles von 5% (im Jahr 2010) auf 7% (im Jahr 2030) nicht mit dem rasanten Wachstum der asiatischen Schwellenländer (von 22% im Jahr 2010 auf 30% im Jahr 2030) konkurrieren. Mit einem jährlichen Zuwachs von 5,9 % in West- und Zentralafrika bzw. 5,8% in Ostafrika liegen sie dennoch nur knapp hinter der am schnellsten wachsenden Destination Südasien mit 6% jährlich (UNWTO 2011).

Abbildung 1 illustriert dieses rasante Wachstum des Tourismus in den afrikanischen Ländern. Demnach konnten die Länder Afrikas im Jahr 1990 ca. 15 Millionen internationale Touristen verzeichnen, 12 Jahre später waren es schon ca. 52 Millionen und damit mehr als dreimal so viele Touristen wie noch 1990. Auch bis 2030 wird eine weitere Duplizierung der internationalen Touristeneinkünfte prognostiziert. Bedingt durch die steigende Anzahl an Gästen konnten zudem auch die Umsatzzahlen erhöht werden. Diese betrugen im Jahr 1990 noch ca. 6 Mrd. US-Dollar, zwölf Jahre später hingegen konnten bereits 34 Mrd. US-Dollar an Umsatz generiert werden und damit knapp das Sechsfache gegenüber dem Wert von 1990. Damit wird deutlich, dass die afrikanischen Länder in den Jahren 1990 bis 2012 nicht nur die Anzahl der internationalen Touristen sowie die damit verbundenen Umsätzen steigern konnten, sondern darüber hinaus auch mehr Umsatz pro Tourist generiert wurde. Der Tourismus, als Exportgut, hat einen Anteil von 7% an allen afrikanischen Exporten und 57% aller Dienstleistungsexporte. Aufgrund des zunehmenden Wohlstands in den Entwicklungs- und Schwellenländern kann allerdings nicht nur der Überseetourismus einen Wachstum verzeichnen, sondern auch zunehmend der Binnen- und intraregionale Tourismus (Marquardt 2009).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Tourismus in Afrika, Quelle: UNWTO (2013)

Der Tourismus zählt folglich in vielen afrikanischen Ländern schon heute zu den wichtigsten Einkommensquellen (Scheyvens 2002). Obgleich eine genaue Eingrenzung der positiven Effekte, aufgrund der multisektoralen Struktur des Tourismus sowie der Vielzahl an der Wertschöpfung beteiligten Aktivitäten, kaum möglich ist, wird der Tourismus als Motor für die wirtschaftliche Entwicklung diskutiert.

Allen voran bringt der Tourismus als Exportgut, wie bereits erwähnt, Devisen und kann zum Abbau regionaler Disparitäten beitragen. Zudem punkten Regionen, welche anderen Wirtschaftszweigen angesichts ihrer peripheren Lage nur wenige Standortvorteile bieten, im Tourismus zum Beispiel durch unberührte Naturlandschaften oder einsame Strände. Die durch den Tourismus erzielten Multiplikatoreffekte können zum wirtschaftlichen Erstarken der Regionen beitragen und das Gefälle zu den Zentren relativieren (Giaoutzi & Nijkamp 2006; Marquardt 2009). Ferner können mithilfe des Fremdenverkehrs teure Infrastruktur finanziert und marginale Regionen an das nationale Straßen- und Versorgungsnetz angebunden werden (Marquardt 2009). Letztlich trägt der Tourismus als arbeitsintensiver Sektor dazu bei, Einkommens- und Beschäftigungseffekte zu erzielen (Giaoutzi & Nijkamp 2006; Marquardt 2009). Laut Schätzungen der UNWTO (2012) hängen ca. 6-7% aller Arbeitsplätze weltweit direkt und indirekt vom Tourismus ab. Vor allem in wirtschaftlich schwache Regionen kann der Tourismus ungelernten Arbeitskräften eine Einkommensquelle bieten (Giaoutzi & Nijkamp 2006).

3.1.2 Tourismus in Kenia

Der Tourismus in Kenia ist, dank der zahlreichen natürlichen Attraktionen sowie der relativ stabilen politischen Lage, einer der wichtigsten Devisenbringer des Landes (KNBS 2012; Sindiga 1999). Die Bedeutung des natürlichen Erbes für den Tourismus in Kenia wird offensichtlich anhand der Vielzahl der geschützten Gebiete: Kenia verfügt über 23 Nationalparks, 28 Reservate, 4 marine Nationalparks, 6 marine Reservate und 4 Auffangstationen. Dies entspricht in etwa 8% der gesamten Fläche des Landes (Kenya Wildlife Service 2013). Hinzu kommen zahlreiche Sehenswürdigkeiten wie zum Beispiel das von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannte Fort Jesus in Mombasa oder die Gedi Ruinen in Malindi. Letztlich ist es auch die 480km lange, tropische Küste Kenias, welche jedes Jahr zahlreiche Urlauber in das ostafrikanische Land lockt (Magical Kenya 2013a; 2013b).

So kamen im Jahr 2010 1,47 Millionen internationale Gäste nach Kenia und damit ca. 5,6 % mehr als noch im Jahr zuvor. Im Vergleich zu anderen südlich der Sahara gelegenen Ländern Afrikas nimmt Kenia somit Platz 6 ein. Die Einnahmen aus dem internationalen Tourismus konnten von 690 Millionen im Jahr 2009 auf 800 Millionen US Dollar im Jahr 2010 erhöht werden. Dies entspricht sogar Rang 4 unter den Ländern Schwarzafrikas (UNWTO 2012). Folglich kann in Kenia pro Tourist ein höherer Umsatz generiert werden als in einigen anderen subsaharischen Destinationen.

Der rasche Anstieg der Tourismuszahlen ist insbesondere der lang anhaltenden politischen Stabilität des Landes, einer verbesserten Infrastruktur, den erhöhten Investitionen in Sicherheitsmaßnahmen, der Erschließung neuer Märkte (v.a. des asiatischen Marktes) sowie den verstärkten Marketingmaßnahmen, mit dem Ziel Kenia als eine hochwertige Destination zu positionieren, zu verdanken (KNBS 2012). Letzteres könnte auch ursächlich für den zuvor gezeigten höheren Umsatz pro Tourist sein.

Das wichtigste Herkunftsland im Jahr 2010 war mit 174,051 Gästen Großbritannien, gefolgt von den USA (107,842 Gäste), Italien (87,694 Gäste) und Deutschland (62,011 Gäste, Ministry of Tourism 2012). Im Bereich des intrakontinentalen Tourismus bilden Uganda (33,900 Gäste), Südafrika (33,076 Gäste) und Tansania (30,264 Gäste) die führenden Zielländer und auf dem asiatischen Markt Indien mit 47,611 Gästen (Ministry of Tourism 2012). Die kenianische Tourismusindustrie konzentriert sich vornehmlich auf die Bereiche Strand-, Safari-, MICE - und Kulturtourismus (Kibicho 2012).

3.2 Missionstourismus im Sinne der Nachhaltigkeit

Obgleich der Ferntourismus häufig als Motor für die Wirtschaft von Entwicklungsländern begriffen wird, birgt der traditionelle Ferntourismus dennoch auch zahlreiche Nachteile, zum Beispiel hohe Sickerraten, wirtschaftliche Abhängigkeiten, Akkulturation und ökologische Probleme. Demnach werden aktuell vor allem nachhaltige bzw. alternative Konzepte diskutiert. Unter dem Begriff „Nachhaltiger Tourismus“ werden verschiedene Tourismusformen, bspw. Ökotourismus, Alternativtourismus, Pro Poor Tourism, Community Based Tourism, etc., zusammengefasst; eine klare Abgrenzung zwischen den Konzepten ist häufig kaum möglich (Marquardt 2009). Um allerdings als „nachhaltig“ klassifiziert zu werden, muss der Tourismus „soziale, kulturelle, ökologische und wirtschaftliche Verträglichkeitskriterien erfüllen. Nachhaltiger Tourismus ist langfristig, in Bezug auf heutige wie auf künftige Generationen, ethisch und sozial gerecht und kulturell angepasst, ökologisch tragfähig sowie wirtschaftlich sinnvoll ergiebig“ (Forum Umwelt und Entwicklung 1998, S.7). Der Tourismus muss also ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Kontinuität erfüllen (vgl. Abb. 2), wobei anzumerken gilt, dass der Tourismus per se ökologisch nie als nachhaltig gelten kann (Wolters, 1998; Wöhler 2011). Ziel muss es vielmehr sein eine Balance zwischen wirtschaftlichen, ökologischen und gesellschaftlichen Interessen zu erreichen, nicht nur im Hinblick auf die heutige Gesellschaft, sondern auch für die zukünftigen Generationen (vgl. Moscardo 2013).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Die drei Säulen der Nachhaltigkeit, Quelle: eigene Darstellung

Da der Fokus der modernen Missionarsarbeit in erster Linie auf die gesellschaftliche Entwicklung des Landes gerichtet ist (vgl. Kapitel 2.3) und viele der kirchlichen Projekte die negativen Effekte des Tourismus (z.B. Prostitution) zu kompensieren versuchen, kann es folglich nicht im Interesse der Missionsstationen liegen, einen Tourismus, entgegen dem Gedanken der Nachhaltigkeit, zu fördern. Zudem erzwingt das steigende Bewusstsein der Konsumenten, für die ökologischen und sozialen Belange der Destination, die Etablierung eines nachhaltigen Tourismus (vgl. Yeoman, Brass & McMahon-Beattie 2007). Auch im Sinne der Religion muss die Realisierung des Tourismus auf nachhaltige Konzepte beruhen, gilt es doch die Schöpfung Gottes zu bewahren: „Gott hat die Erde mit allem, was sie enthält, zum Nutzen aller Menschen und Völker bestimmt“ (Papst Johannes Paul II. 1990, Abschnitt 8). Dies impliziert also sowohl die Völker der Quellländer als auch die der Zielländer heutiger sowie auch künftiger Generationen. Religion dient in diesem Zusammenhang als zentrales Wertemodell und Orientierungshilfe für eine nachhaltige Entwicklung (Reithofer 2009).

Betrachtet man nun die einzelnen Dimensionen so zeigt sich, dass eine nachhaltige Gestaltung des Tourismus an Missionsstationen, unabhängig von jeweiligen touristischen Produkten, grundsätzlich realisierbar ist (vgl. Baumgartner & Röhrer 1998; Reithofer 2009):

(1) Ökologische Dimension: Die touristische Entwicklung von Missionsstationen basiert auf einer intakten Natur- und Kulturlandschaft und ist somit auch prinzipiell vereinbar mit den Leitlinien der Nachhaltigkeit. Wichtig ist jedoch, Kapazitätsgrenzen einzuhalten um eine Entwicklung in Richtung Massentourismus zu verhindern. Da der Tourismus in gewisser Weise nur ein Neben- bzw. ein die Missionarsarbeit unterstützendes Produkt darstellt, kann dies auch nicht im Interesse der Missionsstation liegen

(2) Ökonomische Dimension: Zwar führt die touristische Entwicklung von Missionsstationen vor allem zur Etablierung von touristischen Nischenformen (zum Beispiel Religionstourismus, Volunteer-Tourismus) und verhindert somit große Profite wie es beispielsweise der Massentourismus vermag. Der Tourismus ermöglicht aber einigen Anwohnern ein zusätzliches, direktes oder indirektes Einkommen. Darüberhinausgehend werden die Gewinne der Missionsstationen häufig in soziale Projekte reinvestiert, die touristischen Einnahmen kommen also der Bevölkerung zugute

(3) Soziale Dimension: Missionsstationen leben von der Interaktion und Partizipation der lokalen Bevölkerung. Projekte, von Touristen mitfinanziert bzw. mitrealisiert, sollen die regionale und nationale Entwicklung des Landes fördern. Ergänzend stärkt der interkulturelle Austausch das regionale Selbstwertgefühl und die Identität.

Ob letztlich ein touristisches Produkt im Zusammenhang mit Missionsstationen als nachhaltig klassifiziert werden kann, hängt auch von der jeweiligen Umsetzung und Gestaltung ab. Grundsätzlich sollte das Interesse, sowohl der Produzenten als auch Konsumenten, eine nachhaltige Entwicklung des Tourismus ermöglichen bzw. erzwingen.

3.3 Gesellschaftlicher Wandel als Impulsgeber für den Missionstourismus

Zwar steigt die Reiseintensität besonders im Freizeittourismus nach wie vor an, allerdings zeichnet sich auch seit den letzten Jahren ein Wandel von einer spaßorientierten hin zu einer sinnorientierten Gesellschaft ab. Dieser Wandel birgt vor allem Potentiale für Tourismusformen, welche ein Auseinandersetzen mit inneren Werten und der eigenen Person ermöglichen (vgl. Reithofer 2009). Gemäß Romeiß-Stracke (2003, S.120) kann die Sinngesellschaft als introvertiert, intensiv, integrativ und intim charakterisiert werden und bildet somit den Gegensatz zur extrovertierten, extremen, exotischen und eklektischen Spaßgesellschaft. Authentizität und die eigene Identität stehen zunehmend im Vordergrund. Statt Selbstpräsentation richten die Individuen ihren Fokus auf die eigene Person, die Freizeitgestaltung wird bewusst erlebt, ein ganzheitliches Lebenskonzept angestrebt. Statt Cross-Culture und Multioptionalität erfolgt der Rückzug ins Vertraute und unter Gleichgesinnten (Romeiß-Stracke 2003; Reithofer 2009).

Mit dem Wandel gehen verschiedene gesellschaftliche Trends einher: So wird in der modernen Leistungsgesellschaft, in der Zeit zum Luxusgut geworden ist, zunehmend der Trend des Down-Speeding diskutiert. Der Mensch soll wieder Souveränität über seine eigene Lebenszeit gewinnen und bewusst Auszeiten nehmen. Statt Fast-Food wird Slow-Food zelebriert und die Work-life-balance wird zu einem der wichtigsten Komponenten bei der Jobwahl (Reithofer 2009).

Parallel zu der gesellschaftlichen Entschleunigung lässt sich der Trend des Downshifting erkennen, also die Verlagerung gesellschaftlicher und individueller Werte von der materiellen in die immaterielle Ebene (Reithofer 2009). Die konsumgesättigte Gesellschaft entscheidet sich bewusst „für mehr Lebensqualität, gezielteren Konsum, mehr Eigenzeit und Aufmerksamkeit für emotional wichtige Dinge“ (Horx 2002, S.168). Im Vordergrund des Downshifting steht in erster Linie die Reduktion des Medienkonsums; statt einer Geiz-ist-Geil-Mentalität werden Produkte mit einem Mehrwert für den Konsumenten erworben (Horx 2002; Reithofer 2009). Der bewusstere Konsum einer zunehmend konsumkritischen Gesellschaft kann jedoch bis hin zu einer Konsumverweigerung führen, was hinsichtlich einer auf das marktwirtschaftliche System basierenden Gesellschaft sicherlich nicht erstrebenswert sein kann (Reithofer 2009).

Yeoman et al. (2007) sehen für die zukünftige Entwicklung des Tourismus vor allem die mit dem Trend des Down-Speeding und Downshifting einhergehende Suche nach Authentizität als maßgeblich. Der moderne Tourist gestaltet seine Freizeit bewusst mit Mehrwert, sowohl für die eigene Person als auch für die Gesellschaft (vgl. Reithofer 2009). Authentische Erfahrungen, statt einem erlebnisorientierten Konsum fremder Kulturen, stehen im Vordergrund. Luxusgüter, wie zum Beispiel Fernreisen, zählen nicht mehr als Privileg einer kleinen Oberschicht, sondern sind zu einem Massengut geworden. Um das eigene-Ich zu manifestieren strebt der moderne Konsument daher nach Produkten, welche die eigene Lebensqualität erhöhen bzw. das Selbstbild heben. Der Tourist möchte authentische Erfahrungen erleben, mittels deren sich das eigene Selbst konstruieren lässt. Gleichzeitig steigt das Bewusstsein für die Umwelt, in der sich das Individuum bewegt: Es kommt zu einem auf ethischen Prinzipien beruhenden Konsum mithilfe dessen Tourismusformen, wie zum Beispiel der Volunteer-Tourismus, wieder an Popularität gewinnen (Yeoman et al. 2007).

Ergänzend zeichnet sich ein aufgrund der Einsamkeit der individualistischen Singlegesellschaft entwickelter Trend zur Gruppenindividualisierung, also einer Orientierung an Gleichgesinnten, ab. Die Sehnsucht nach der Geborgenheit einer sozialen Gruppe führt zur Herausbildung von durch innere Homogenität und äußere Heterogenität gekennzeichneten sozialen Gruppen (Schertler 2012). Zudem fördert die zunehmende Orientierungslosigkeit der Gesellschaft, verursacht durch die pluralistischen Rahmenbedingungen und dem damit einhergehenden Zwang zur Selbstorientierung und Positionierung, die Respiritualisierung der Individuen. Der Rückzug in religiöse Rituale und Zeremonien und das durch Gottesdienste erfahrene Gruppenerlebnis befriedigt den Wunsch des Individuums nach Ordnung und Halt sowie sozialer Orientierung (Horx 2002; Schertler 2012).

Die aufgezeigten Trends spiegeln sich auch in den Prognosen der UNWTO wider. Während man im Geschäftstourismus sowie Freizeit- und Erholungstourismus mit einem jährlichen Wachstum der Touristenankünfte von 3,1 % bzw. 3,3% rechnet, werden im Bereich des Religions-, Gesundheits- und VFR (Visiting Friends and Relatives)- Tourismus Wachstumszahlen von 3,5% jährlich prognostiziert (UNWTO 2011).

Angesichts des gesellschaftlichen Wandels bieten Missionsstationen zahlreiche Potentiale für die touristische Entwicklung Kenias. Die meist periphere Lage der religiösen Einrichtungen, sowie die Fokussierung des Missionsalltags auf die Verbreitung des Christentums und der Verbesserung der gesellschaftlichen Gegebenheiten vor Ort, bietet Raum zur individuellen Selbstentfaltung und zum Innehalten. Aufgrund der Orientierung am Wohl der einheimischen Bevölkerung können Missionsstationen sowohl die Forderung des Touristen nach einem auf ethischen Prinzipien basierenden Tourismus als auch den Anspruch auf Authentizität erfüllen. Letztlich ermöglichen Missionsstationen, entweder in Form eines gemeinsam zelebrierten Glaubens oder mithilfe gemeinsamer Erlebnisse bei der missionarischen und sozialen Arbeit, die Entwicklung von Kollektivismus und Individualismus. Dies mag zwar recht widersprüchlich erscheinen, lässt sich jedoch damit erklären, dass die soziale Gruppe vor Ort zwar den Wunsch des Individuums nach sozialer Orientierung erfüllen kann, die gemachten Erfahrungen jedoch auch helfen, das eigene Selbst, vor allem gegenüber Zuhausegebliebenen, zu unterstreichen und zu konstatieren. Die Gruppenerfahrungen, welche der Tourist an einer Missionsstation erfährt, ermöglichen also eine Gruppenindividualisierung.

3.4 Kirche und Tourismus

Das religiös motivierte Reisen gehört seit jeher und innerhalb aller fünf Weltreligionen zu der ältesten Form der Distanzüberwindung (Isenberg 2002). Rinschede (1990) sieht in der Religion sogar den Auslöser von Tourismus. Zwar müssen die Gemeinden heute mit rückläufigen Mitgliederzahlen kämpfen, andererseits steigt jedoch auch die Zahl der Sinnsuchenden sowie der wissbegierigen Kulturmenschen. Dies birgt nicht nur für die Kirche und ihrer missionarischen Natur ein enormes Potential, sondern auch für die regionale Wertschöpfung (Isenberg 2002). Schätzungen der World Religious Travel Association zufolge, liegt der Marktwert für den Religionstourismus bei ca. 18 Milliarden US Dollar pro Jahr, mit ca. 300 Millionen Reisenden weltweit (The National 2009; Stausberg 2011). Dieses Potential wurde bereits von vielen Kirchen erkannt und der Tourismus als menschliche Daseinsäußerung akzeptiert (Isenberg 2002). Die starke Vielfalt touristischer Produkte sowie die steigende Nachfrage sind zudem charakteristisch für die Expansionsphase innerhalb des Produktlebenszyklus (Schmude 2009). Mit einer Veränderung des Wachstums des Religionstourismus ist also in naher Zukunft nicht zu rechnen.

Im Rahmen der touristischen Erschließung entwickelte die Kirche unterschiedliche Formen des Engagements. Sie nimmt eine mahnende Funktion ein, indem sie Kritik an den gesellschaftlichen, kulturellen oder ökologischen Auswirkungen des Tourismus übt, eine karitative Funktion, durch die Bereitstellung touristischer Angebote für sozial benachteiligte Gesellschaftsgruppen sowie eine spirituelle (kulturelle) Funktion, durch entsprechende Konzerte, Lesungen oder Vorträge. Weiterhin kann die Kirche eine pastorale (religiöse) Funktion, durch Gottesdienste, eine pädagogische Funktion, zum Beispiel in Form von Kinderfreizeiten, sowie eine beratende „therapeutische“ Funktion, durch das Angebot von Beratungsgesprächen, innehaben. Letztlich ist die Kirche zum einen durch ihre sakralen Bauten Ziel vieler Reisenden, zum anderen ist sie allerdings auch selbst Veranstalterin zahlreicher touristischer Angebote (Isenberg 2002). Ferner kann die Kirche, in Anbetracht der zahlreichen Reisen von Kirchengemeinden, in gewisser Weise auch selbst als Tourist bezeichnet werden.

Die Kirche nähert sich also aus verschiedenen Blickwinkeln dem Tourismus an, wobei in der gängigen Literatur häufig keine perfide Unterscheidung zwischen den einzelnen Anknüpfungspunkten gemacht wird. Häufig werden unter anderem die Terminologien Spiritueller Tourismus, Kirchen-, oder Religionstourismus genannt, um jegliche Form der kirchlichen Annäherung an den Tourismus zu bezeichnen. Auch im angelsächsischen Sprachgebrauch existiert eine Vielzahl an Terminologien zum Beispiel: „Faith-based tourism“, „Faith tourism“, „Religious travel“, „Christian travel“ (Stausberg 2011). So vielzählig wie die Begriffe sind auch die gängigen Definitionen. Rinschede (1992, 1999) verwendet den Begriff Religionstourismus für jegliche Form des Reisens mit ausschließlich oder vorwiegend religiösen Motiven. Vukonić (1996, S.75) erweitert den Faktor Motivation noch um den Inhalt der Reise. Folglich ist nicht jeder Tourist, der zudem religiös ist, auch ein „homo turisticus religiosus“, sondern nur, wenn die Reise auch religiöse Inhalte inkludiert. Ergänzend unterscheidet Vukonić (1996, S.27) zwischen drei Hauptformen religiösen Reisens:

(1) Pilgrimage
(2) Religious events („large-scale gatherings on the occasion of significant religious data and anniversaries“)
(3) “a tour of and visit to important religious places and buildings within the framework of a touristic itinerary”

Wie bereits anhand der drei von Vukonić definierten Hauptformen deutlich wird, kann der Religionstourismus auch anderen Tourismusformen, zum Beispiel dem Kulturtourismus, zugeordnet werden (Stausberg 2011). Entscheidend ist hierbei die Motivation des Reisenden. Diese kann jedoch im Laufe der Reise variieren, bzw. es können verschiedene Motive bei der Ausübung der Reise gleichermaßen zum Tragen kommen (Rinschede 1992). Besucher einer Missionsstation können zum Beispiel sowohl religiös als auch sozial motiviert sein. Wird der Aufenthalt mit einem Badeurlaub oder einer Safari ergänzt, existieren neben den sozialen und religiösen Motiven auch solche der Erholung dienenden. Diese Co-Existenz verschiedener Motive greift auch Santos (2003, S.36) in ihrer Definition auf: Demnach umfasst der Religionstourismus „movements in which genuinely religious motives may co-exist, simultaneously, with others common to different types of tourism“. Dieses Terminologie-Verständnis schließt sowohl die Ausübung religiöser Praktiken als auch das Aufsuchen sakraler Plätze und Bauten ein (Santos 2003; Stausberg 2011).

Resümierend zeigt sich, dass bei allen aufgezeigten Definitionen die Motivation entscheidend ist. Ein Tourist, welcher spirituelle Orte aufsucht, kann erst dann als Religionstourist bezeichnet werden, wenn dieser auch über religiöse Motive verfügt. Im Umkehrschluss muss, zumindest gemäß der Definition nach Rinscheden (1992, 1999) und Santos (2003), ein Religionstourist nicht zwangsmäßig sakrale Orte aufsuchen. Unklar bleibt jedoch, was letztendlich genau als Religionstourismus bezeichnet werden kann. So vielseitig wie die Terminologie des Religionstourismus in der Literatur diskutiert wird, so unterschiedlich ist auch die Meinung darüber, welche Tätigkeiten, Akteure und Produkte dem religiösen Reisen zugeordnet werden können. Zum Beispiel kann der religiöse motivierte Tourist auf seiner Reise folgende Tätigkeiten anstreben (Stausberg 2011, S. 14):

(1) (Aus-) Bildung
(2) Events, Messen und Ausstellungen
(3) Feste und Festivals
(4) Heilung und die Suche nach anderen Wohltaten
(5) Ferien in einem religiösen Umfeld
(6) Mission und andere Formen der Evangelisierung
(7) Pilgerfahrt
(8) Erwerb religiöser Produkte
(9) Rückzug
(10) Rituale
(11) Seminare, Konferenzen, Versammlungen, Kongresse
(12) Spirituelle Selbsterkenntnis und Entwicklung
(13) Besuch religiöser Autoritäten zur Beratung und Schuldbekenntnis

Andere Autoren, wie zum Beispiel Schmude (2009), beschreiben den Religionstourismus weniger mithilfe innerer-geistiger Tätigkeiten, wie etwa der Rückzug ins Selbst, die Heilung oder die Beratung, sondern mehr mittels außen-wahrnehmbarer Elemente, wie beispielsweise Klosteraufenthalte oder Friedhofsbegehungen. Unabhängig davon wird allerdings deutlich, dass der Aufenthalt an einer Missionsstation wiederum verschiedene religiöse, sich zum Teil ergänzende Komponenten, enthalten kann. Der Tourist kann zum Beispiel eine Missionsstation mit dem Ziel aufsuchen, sich christlich weiterzubilden, religiöse Rituale auszuführen, die Evangelisierung voranzutreiben, oder einfach nur den Urlaub in einem christlich-geprägten Umfeld zu verbringen.

Um den Religionstourismus als potentielles touristisches Segment für Missionsstationen genauer analysieren zu können, soll nachfolgend eine Unterscheidung zwischen dem Spirituellen Tourismus und dem Gemeindetourismus bzw. den christlichen Studienreisen vorgenommen werden. Erstere wird hier definiert als Tourismusform, welche das Individuum in den Mittelpunkt der Betrachtung rückt, letztere umfasst hier das Reisen einer Kirchengemeinde oder einer christlichen Gruppe als Einheit. Weitere Formen des religiösen Tourismus, zum Beispiel der Kirchentourismus, also der Besuch sakraler kirchlicher Bauten, sowie der Pilgertourismus sind, in Anbetracht der eher kaum vorhandenen prestigeträchtigen Kirchenbauten in Kenia sowie aus den im Anschluss näher erläuterten Gründen, für die Zielsetzung der Arbeit von keinem Interesse.

Da aber, wie bereits erwähnt, die Motive der Urlauber während eines Urlaubes variieren bzw. verschiedene Motive parallel existieren können, ist es notwendig den Fokus der Betrachtungen nicht nur auf religiös-motivierte Tourismusformen zu legen. Insbesondere die vielen sozialen Einrichtungen der Kirchen könnten beispielsweise auch altruistisch-motivierte Besucher anlocken. Darüber hinaus bietet die weitverstreute und zum Teil periphere Lage der Missionsstationen Entdeckungsreisenden eine Anlaufstelle. Demnach müssen, neben dem Spirituellen- und Gemeindetourismus, auch der Volunteer- und Backpacker-Tourismus in Anbetracht gezogen werden.

4. Theoretische Analyse der touristischen Potentiale von Missionsstationen

Um einen Missionstourismus etablieren zu können, bedarf es sowohl einer touristischen Nachfrage als auch eines Angebotes. Nur wenn diese miteinander konform verlaufen kann Umsatz generiert werden. Folglich gilt es, hinsichtlich der Analyse der touristischen Potentiale, realisierbare touristische Segmente zu identifizieren. Hierfür müssen die Nachfrageseite näher beleuchtet und die Motive und Aktivitäten der Touristen erfragt werden. Aber auch die Angebotsseite kann dazu beitragen, den Markt in Makro- oder Mikrosegmente zu untergliedern (vgl. Schmude 2009). Da aber bisweilen weder Studien über die Motive und Aktivitäten der Besucher von Missionsstationen, noch über touristische Angebote existieren, sollen im Folgenden touristische Ausprägungsformen, die mit dem Charakter und der Funktion einer Missionsstation vereinbar sind, analysiert werden. Darüber hinaus ist es nicht nur wichtig, die Bedürfnisse und Wünsche der Touristen zu kennen. Um ein Produkt letztendlich am Markt etablieren zu können, sind vor allem im Tourismus förderliche Strukturen und Netzwerke von Bedeutung. Demnach sollen diese im letzten Abschnitt dieses Kapitels untersucht werden.

4.1 Tourismusformen und Motive der Reisenden

Wie bereits im Abschnitt 3 diskutiert wurde, existieren einige Trends, die eine Nachfrage nach einem Missionstourismus vermuten lassen. Um Missionsstationen tatsächlich touristisch nutzen zu können, bedarf es einer zielgruppenspezifischen Orientierung. Ein naheliegendes touristisches Segment wäre hier natürlich das der religiös-motivierten Reisenden. Aber auch andere, wie etwa die erlebnis- oder altruistisch-motivierten Touristen, scheinen mit der Natur der Missionsstation vereinbar. Folglich sollen im Rahmen dieses Kapitels die mit den Motiven kompatiblen touristischen Ausprägungsformen näher untersucht sowie Ableitungen über weitere mögliche Motive der Touristen getroffen werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 154 Seiten

Details

Titel
Touristische Potentiale von Missionsstationen am Beispiel Kenias
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt  (Geografie)
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
154
Katalognummer
V272938
ISBN (eBook)
9783656645726
ISBN (Buch)
9783656645719
Dateigröße
2866 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
CD ist nicht im Lieferumfang enthalten
Schlagworte
Tourismus, Afrika, Kenia, Missionsstation, Kirche, Religion, Gabek, Netzwerk, Kooperation, Volunteer, Backpacker, Gemeindetourismus, spiritueller Tourismus, Missionstourismus, Christliche Mission, Kirchliche Mission, Entwicklungsland, Nachhaltigkeit, Tourismusformen, Christliche Studienreisen, Motive, qualitative Befragung, Schnitstellen, Kooperationen, touristische Potentiale, Volunteer Tourism, Backpacker Tourism, Netzwerke, Missionsstationen
Arbeit zitieren
Melanie Ordnung (Autor), 2013, Touristische Potentiale von Missionsstationen am Beispiel Kenias, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272938

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