Cyborg, Roboter oder künstliche Lebensform? Die Metamorphose von Agent Smith in der MATRIX-Trilogie


Hausarbeit, 2010

12 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Cyborg und seine Diskurse

3. Cyborgisierung
3.1. Die Invasion des Körpers
3.2. Die Prothetisierung des Körpers
3.3. Das Verlassen und Abstoßen des Körpers

4. Bionisierung

5. Agent Smith
5.1. MATRIX - Agent Smith als Anti-Virus-Software
5.2. MATRIX RELOADED - Agent Smith als freier Bestandteil der Matrix
5.3. MATRIX REVOLUTIONS - Wer oder was ist Agent Smith?

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Verhältnis zwischen Mensch und Technik ist seit je her ein Untersuchungsobjekt diverser Wissenschaftsfelder. Auch die Filmwissenschaft nähert sich diesem Thema, wobei die theoretischen und fiktiven Ansätze vielfältig sind. Filme wie BLADE RUNNER1, TERMINATOR2 oder I ROBOT3 thematisieren die Beziehung zwischen Mensch und Maschine auf ihre Weise und zeigen dem Zuschauer, wie es war, ist oder werden könnte.

Die 1999 begonnene MATRIX-Trilogie der Wachowski-Brüder, bestehend aus MATRIX4, MATRIX RELOADED5 und MATRIX REVOLUTIONS6, beschäftigt sich mit einem Szenario, in dem die Menschheit mit einem ihrer uralten Träume, die Erschaffung der künstlichen Intelligenz, konfrontiert wird und die herrschende Spezies nicht mehr aus Fleisch und Blut, sondern aus Bits und Bytes besteht. Im Folgenden soll insbesondere der Begriff des Cyborgs definiert und anhand von Agent Smith, einem der Hauptcharaktere der Film-Trilogie, verdeutlicht werden, der im Laufe der Handlung verschieden Phasen durchläuft, die das Verhältnis zwischen ihm und seiner Umwelt maßgeblich verändern. Am Ende dieser Arbeit steht das Ziel herauszufinden, ob es sich bei Agent Smith um einen Cyborg, einen Roboter oder eine künstliche Lebensform handelt.

2. Der Cyborg und seine Diskurse

Der Begriff Cyborg ist eine Wortzusammensetzung aus cybernetic, die Wissenschaft über Kontrolle und Kommunikation bei Menschen und Tieren, und organism. Ursprünglich kommt er aus dem Griechischen und trägt die Bedeutung Steuermann.7 Den Einzug in den wissenschaftlichen Diskurs erhielt der Begriff erstmals 1960 durch Manfred E. Clynes und Nathan S. Kline, die den Cyborg als „sich selbst regulierende Mensch-Maschine-Systeme“8 definierten.

Barbara Orland stellt fest, dass „[wir uns] nach Auffassung vieler Zeitgenossen […] in einem Zeitalter [befinden], in dem die Grenze zwischen Körper und Technik vor der Auflösung steht.“9 Jene Grenze ist es, die es zu hinterfragen gilt. Wo hört der menschliche Körper auf und wo fängt die Technik an?

Homo sapiens, wenn er eine Brille aufsetzt, hat sich bereits verändert. Wenn er ein Fahrrad benutzt, wird er im Prinzip zu einem Cyborg. Am Anfang war es ein wenig schwer, das Fahrradfahren zu erlernen, aber wenn man es einmal gelernt hat, macht man all diese Dinge automatisch, und das Fahrrad wird fast zu einem Teil von dir.10

Bereiche wie die Raumfahrt, wo der Cyborg-Begriff seinen Ursprung hat, die Medizin oder das Militär sind durch Entwicklungen, die das Verhältnis zwischen Mensch und Technik verändert haben, maßgeblich beeinflusst worden.11 So ist der „moderne Infanterist“, ausgerüstet mit einem Maschinengewehr, Schutzpanzern und Funkgerät, „bereits heute ein Cyborg.“12 Technische Hilfsmittel wie Brillen, Kontaktlinsen, Uhren, Schuhe oder aber der Herzschrittmacher erhalten unweigerlich Einzug in die Gesellschaft.13 „Der Cyborg wird somit […] schrittweise zur gesellschaftlichen Realität.“14

3. Cyborgisierung

Unter Cyborgisierung versteht man „die Verschmelzung zwischen Mensch und Maschine in deren Verlauf der Mensch zu einem Cyborg, einer Mensch-Maschine Hybride, wird.“15 Daniel Diemers unterteilt diese Entwicklung in drei Teilprozesse: 1. Die Invasion des Körpers, 2. die Prothetisierung des Körpers und 3. das Verlassen und Abstoßen des Körpers.16

3.1 Die Invasion des Körpers

Einer der sequentiellen Prozesse der Cyborgisierung ist „das Eindringen des Menschen in den eigenen Körper mit Hilfe der Technik.“17 „Bereits heute steht ein beachtliches invasives und nicht invasives Arsenal“, darunter Röntgendiagnostik, Elektrodiagramme oder Differentialblutbilder, „für das Eindringen und Durchleuchten des Körpers bereit.“18 Nicht zuletzt durch den „stetig wachsende[n] Forschungsdruck in den Naturwissenschaften - und hier vor allem in der Gentechnologie“19 - wird die Anzahl an Analyse-Geräten in Zukunft weiter steigen, wodurch die Invasion des Körpers vereinfacht wird.

3.2 Die Prothetisierung des Körpers

Der Hauptaspekt der Cyborgisierung liegt in der zunehmenden Prothetisierung des Körpers, der durch endogene, exogene oder chemische Hilfsmittel zu einer MenschMaschine-Verbindung wird. Letztere sollen de[m] Cyborg in der modernen Gesellschaft dabei helfen, nicht nur verlorene körperliche Fähigkeiten wiederzuerlangen, sondern darüber hinaus die natürlichen Grenzen des Körpers erweitern.20

Als „charakteristisch für die Cyborgisierung“21 bezeichnet Diemers solche Prothesen, die dem Körper dauerhaft erhalten bleiben und Körperteile partiell oder vollständig ersetzen. Er fügt zwar hinzu, dass auch exogene Prothesen, die prinzipiell außerhalb des Körpers hinzugefügt werden, ihren Teil zum Cyborgisierungsprozess beitragen, merkt jedoch zugleich an, dass „deren Zunahme keineswegs eine aktuelle Gegebenheit ist“, man denke beispielweise an die Herstellung von Pfeil und Bogen, „sondern eigentlich seit Beginn der Menschheitsgeschichte [zu beobachten]“22 ist. Darüber hinaus offenbart sich der Trend, dass „bisherige Exoprothesen durch Endoprothesen ersetzt [werden], die invasiv in den Körper eingebracht werden“23, mit dem Ziel sich Schritt für Schritt mit der Maschine zu verbinden.24

3.3 Das Verlassen und Abstoßen des Körpers

„Die bisherigen Teilprozesse der Cyborgisierung zielen immer in die gleiche Richtung: Der Mensch versucht, den körperlichen Beschränkungen zu entfliehen.“25 In Folge dessen steht die völlige Abkopplung und Unabhängigkeit von jenen Beschränkungen am Ende des Cyborgisierungsprozess.26

Durch das schrittweise Verlassen des Körpers entledigt man sich auch dessen biologischer Beschränkung. Dieses letzte Projekt beschreibt Peter Gross treffend als "die Erledigung der menschlichen Körperlichkeit. Die Jagd auf den verschmäht hinter dem technischen Gerät herhumpelnden, transpirierenden, von Krankheiten geplagten, seinem Tode entgegenschrumpfenden menschlichen Körper hat begonnen. Die Auswechslung seiner Organe ist im Gange.27

Der Mensch wird also nicht mehr durch physische oder geografische Handicaps eingeschränkt sein und kann stattdessen seine „Identität durch informationelle Austauschprozesse […] abgrenzen, ausweiten und verteidigen.“28 Diese Austauschprozesse werden vorrangig im so genannten Cyberspace in Verbindung mit einer virtuellen Realität stattfinden, die eine „Simulation einer Realität [erzeugt], die ausschnittweise ein Abbild der bestehenden Welt oder eine totale Neuschöpfung sein kann“29 und sowohl Interaktionen zwischen Individuen als auch Handlungen ermöglicht, die alle Sinneswahrnehmungen, „also [die] visuellen, akustischen, taktilen, olfaktorischen und gustarorischen,“30 beanspruchen.31

4. Bionisierung

Parallel zu dem Prozess der Cyborgisierung lässt sich in der Menschheitsgeschichte die Genese erkennen, dass „eine Angleichung der Maschine an den Menschen angestrebt [wird], wodurch [sich] die Maschine zu einer biologisch-technischen Hybride“32 entwickelt. Dieser Prozess, den „man als Humanisierung oder Vitalisierung der Maschine bezeichnen könnte“33

[...]


1 BLADE RUNNER, USA/Hongkong 1982, Erstausstrahlung (Italien): Juni 1982, Deutschsprachige Erstausstrahlung: 14.10.1982, R: Ridley Scott.

2 TERMINATOR (THE TERMINATOR), Großbritannien/USA 1984, Erstausstrahlung (USA): 26.10.1984, Deutsche Erstausstrahlung: 15.03.1984, R: James Cameron.

3 I ROBOT, Deutschland/USA 2004, Erstausstrahlung (Thailand): 15.07.2004, Deutschsprachige Erstausstrahlung: 05.08.2004, R: Alex Proyas.

4 MATRIX (THE MATRIX), USA/Australien 1999, Erstausstrahlung (USA): 31.03.1999, Deutschsprachige Erstausstrahlung: 17.06.1999, R: Andy Wachowski/Larry Wachowski.

5 MATRIX RELOADED (THE MATRIX RELOADED), USA/Australien 2003, Erstausstrahlung (USA): 07.05.2003, Deutschsprachige Erstausstrahlung: 22.05.2003, R: Andy Wachowski/Larry Wachowski.

6 MATRIX REVOLUTIONS (THE MATRIX REVOLUTIONS), USA/Australien 2003, Erstausstrahlung (USA): 27.10.2003, Deutschsprachige Erstausstrahlung: 05.11.2003, R: Andy Wachowski/Larry Wachowski.

7 Vgl. Rolf Giesen: Künstliche Menschen - Ein Glossar In: Wolfgang Jacobsen/Gabriele Jatho (Hrsg.): Künstliche Menschen - Mansische Maschinen - Kontrollierte Körper. Berlin 2000, S.203-207, hier: S. 203.

8 Daniel Diemers: Die virtuelle Triade - Cyberspace, Maschinenmensch und künstliche Intelligenz. Bern/Stuttgart/Wien 2002, S. 80.

9 Barbara Orland: Wo hören Körper auf und fängt Technik an? Historische Anmerkungen zu posthumanistischen Problemen. In: Barbara Orland (Hrsg.): Artifizielle Körper - Lebendige Technik - Technische Modellierungen des Körpers in historischer Perspektive, Zürich 2005. S. 9-42, hier: S. 9.

10 Diemers: Die virtuelle Triade, S. 82.

11 Vgl. ebd. S. 83.

12 Ebd.

13 Vgl. Donna Haraway: Ein Manifest für Cyborgs - Feminismus im Streit mit den Technowissenschaften. In: Carmen Hammer/Immanuel Stieß (Hrsg.): Die Neuerfindung der Natur - Primaten, Cyborgs und Frauen, Frankfurt/Main/New York 1995, S. 37.

14 Diemers: Die virtuelle Triade, S. 81.

15 Ebd., S. 45.

16 Ebd., S. 79.

17 Diemers: Die virtuelle Triade, S. 84.

18 Ebd., S. 84.

19 Ebd.

20 Ebd., S. 86.

21 Ebd.

22 Ebd.

23 Ebd. S. 85.

24 Vgl. Dierk Speen: Cyborgs: Technische Werkstoffe und Komponenten im Menschen. URL: http://www.umsicht.fraunhofer.de/veranstaltungen/downloads/060913_umta06_1.pdf, S. 1f. (14.09.2010).

25 Diemers: Die virtuelle Triade, S. 88.

26 Ebd., S. 90.

27 Ebd.

28 Ebd., S. 91.

29 Ebd., S. 28.

30 Ebd.

31 Vgl. ebd., S. 25.

32 Ebd.. S. 45.

33 Ebd., S. 93.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Cyborg, Roboter oder künstliche Lebensform? Die Metamorphose von Agent Smith in der MATRIX-Trilogie
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft)
Veranstaltung
Übung: Puppen, Roboter, Cyborgs - künstliche Menschen in Medien
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
12
Katalognummer
V272946
ISBN (eBook)
9783656651086
ISBN (Buch)
9783656651130
Dateigröße
404 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
cyborg, roboter, lebensform, metamorphose, agent, smith, matrix-trilogie
Arbeit zitieren
Christian Kresse (Autor), 2010, Cyborg, Roboter oder künstliche Lebensform? Die Metamorphose von Agent Smith in der MATRIX-Trilogie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272946

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