Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Law - Civil / Private / Industrial / Labour

Das Mangold-Urteil des Europäischen Gerichtshofs

Title: Das Mangold-Urteil des Europäischen Gerichtshofs

Research Paper (postgraduate) , 2014 , 36 Pages , Grade: 1,1

Autor:in: Prof. Dr. Dr. Assessor jur., Mag. rer. publ. Siegfried Schwab (Author)

Law - Civil / Private / Industrial / Labour
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Fragen der europäischen Integration
sind auch Fragen, die das verfassungsrechtliche Bekenntnis zur Demokratie betreffen. Das GG
schützt als Teil der Ewigkeitsgarantie des Art. 79 Abs. 3 GG das in Art. 20 Abs. 1 GG niedergelegte
Prinzip demokratischer Staatlichkeit. Deutsche Verfassungsorgane sind verpflichtet, an einer
Europäischen Union mit zu wirken, die ihrerseits demokratischen Grundsätzen genügt.
Aufgrund der vernetzten Rechtsordnungen und komplexen Zuständigkeitsvorbehalte ist die
Rechtswegfrage im europäischen Mehrebenensystem nicht einfach, vgl. Sauer,
Jurisdiktionskonflikte, 2008; Temming, EuZW 2009, 369. Hesse hat bereits Mitte der 1990er Jahre von
einem Wandel der Aufgaben, der Stellung und der Wirkungsmöglichkeiten des BVerfG gesprochen,
der auch auf den Bedeutungszuwachs des europäischen Rechts und des EuGH zurückzuführen ist.
Nationalstaatliche Vorwürfe von ausufernden Rechtsakten werden die Frage auf, wie die drei Gericht
im europäischen Verfassungsraum abgegrenzt werden können, vgl. Wahl, ApuZ 2001, 45, 48. Das
europäische Recht ist durch die Rezeption nationaler Rechtsprinzipien, insbesondere den
Grundrechtsschutz geprägt. So hat sich die Individualbeschwerde zum EGMR mittlerweile zu einem
die Verfassungsbeschwerde ergänzenden Rechtsschutz fortentwickelt. Im Mittelpunkt des komplexen
Zuständigkeitsgefüges nationaler und supranationaler Organe steht auch die nationale
Identitätskontrolle als Verfassungsprinzip. Damit sollen die äußersten Grenzen europäischer
Integration überwacht werden. Jurisdiktionskonflikte haben eine destruktive Wirkung, gefährden
zukunftsorientierte Einigungs- und Gestaltungsprozesse und unterlaufen die Idee, dass
Rechtsprechung eine streitschlichtende Instanz ist. Dies kann nur verhindert werden, wenn
ebenenübergreifend, loyal Entscheidungskompetenzen strikt beachtet werden. Im Lissabon-Urteil
behält sich das BVerfG vor, die europäischen Kompetenzen oder die nationale Verfassungsidentität
überschreitende Unionsrechtsakte in Deutschland für unanwendbar zu erklären. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Eine Ultra-vires-Kontrolle durch das Bundesverfassungsgericht kommt nur in Betracht, wenn ein Kompetenzverstoß der europäischen Organe hinreichend qualifiziert ist.

2. Vor der Annahme eines Ultra-vires-Akts ist dem Gerichtshof der Europäischen Union im Rahmen eines Vorabentscheidungsverfahrens nach Art. 267 AEUV die Gelegenheit zur Vertragsauslegung sowie zur Entscheidung über die Gültigkeit und die Auslegung der fraglichen Handlungen zu geben, soweit er die aufgeworfenen Fragen noch nicht geklärt hat.

3. Nicht jede Verletzung der unionsrechtlichen Vorlagepflicht stellt einen Verstoß gegen Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG dar.

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit analysiert das komplexe Verhältnis zwischen dem deutschen Grundgesetz, der europäischen Integration und der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) sowie des Europäischen Gerichtshofs (EuGH). Im Zentrum steht dabei die Frage nach den Grenzen der Kompetenzübertragung an die Europäische Union und die damit einhergehende Ultra-vires-Kontrolle des BVerfG. Untersucht wird, unter welchen Bedingungen das BVerfG europäische Rechtsakte als unanwendbar für die deutsche Rechtsordnung einstufen kann, ohne das Integrationsprinzip zu gefährden, und welche Rolle der Grundsatz des effektiven Rechtsschutzes sowie der Vertrauensschutz in diesem Kontext spielen.

  • Die Ultra-vires-Kontrolle als Instrument zur Wahrung der Kompetenzordnung.
  • Das Vorabentscheidungsverfahren nach Art. 267 AEUV als zentrales Scharnier zwischen nationalen Gerichten und dem EuGH.
  • Die Grenzen richterlicher Rechtsfortbildung auf europäischer Ebene.
  • Der Schutz der Verfassungsidentität und die Bedeutung des demokratischen Legitimationszusammenhangs.
  • Das Verhältnis von primärem Unionsrecht und dem Schutz nationaler Grundrechte.

Auszug aus dem Buch

1. Eine Ultra-vires-Kontrolle durch das Bundesverfassungsgericht kommt nur in Betracht, wenn ein Kompetenzverstoß der europäischen Organe hinreichend qualifiziert ist.

Eine Ultra-vires-Kontrolle durch das Bundesverfassungsgericht kommt darüber hinaus nur in Betracht, wenn ersichtlich ist, dass Handlungen der europäischen Organe und Einrichtungen außerhalb der übertragenen Kompetenzen ergangen sind. Ersichtlich ist ein Verstoß gegen das Prinzip der begrenzten Einzelermächtigung nur dann, wenn die europäischen Organe und Einrichtungen die Grenzen ihrer Kompetenzen in einer das Prinzip der begrenzten Einzelermächtigung spezifisch verletzenden Art überschritten haben (Art. 23 Abs. 1 GG), der Kompetenzverstoß mit anderen Worten hinreichend qualifiziert ist. Dies bedeutet, dass das kompetenzwidrige Handeln der Unionsgewalt offensichtlich ist und der angegriffene Akt im Kompetenzgefüge zwischen Mitgliedstaaten und Union im Hinblick auf das Prinzip der begrenzten Einzelermächtigung und die rechtsstaatliche Gesetzesbindung erheblich ins Gewicht fällt. Der Auftrag, bei der Auslegung und Anwendung der Verträge das Recht zu wahren (Art. 19 Abs. 1 UAbs. 1 Satz 2 EUV), beschränkt den Gerichtshof nicht darauf, über die Einhaltung der Vertragsbestimmungen zu wachen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Eine Ultra-vires-Kontrolle durch das Bundesverfassungsgericht kommt nur in Betracht, wenn ein Kompetenzverstoß der europäischen Organe hinreichend qualifiziert ist.: Dieses Kapitel definiert die engen Voraussetzungen, unter denen das Bundesverfassungsgericht in die Handlungen europäischer Organe eingreifen kann, und betont das Erfordernis einer "hinreichend qualifizierten" Kompetenzüberschreitung.

2. Vor der Annahme eines Ultra-vires-Akts ist dem Gerichtshof der Europäischen Union im Rahmen eines Vorabentscheidungsverfahrens nach Art. 267 AEUV die Gelegenheit zur Vertragsauslegung sowie zur Entscheidung über die Gültigkeit und die Auslegung der fraglichen Handlungen zu geben, soweit er die aufgeworfenen Fragen noch nicht geklärt hat.: Das Kapitel erläutert die verfahrensrechtliche Pflicht, den EuGH im Wege des Vorabentscheidungsverfahrens einzubinden, bevor das BVerfG eine Ultra-vires-Entscheidung trifft, um das Ziel des Vertrauensschutzes zu wahren.

3. Nicht jede Verletzung der unionsrechtlichen Vorlagepflicht stellt einen Verstoß gegen Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG dar.: Hier wird dargelegt, dass nur schwerwiegende, unvertretbare Fehler bei der Vorlagepflicht den Schutzbereich des gesetzlichen Richters verletzen, während der normale Beurteilungsspielraum der Fachgerichte unangetastet bleibt.

Schlüsselwörter

Ultra-vires-Kontrolle, Bundesverfassungsgericht, Europäischer Gerichtshof, Kompetenzüberschreitung, Vorabentscheidungsverfahren, Art. 267 AEUV, Art. 23 GG, Integrationsverantwortung, Rechtsfortbildung, Vertrauensschutz, Grundrechtsschutz, Subsidiaritätsprinzip, Gemeinschaftsrecht, gesetzlicher Richter, Verfassungsidentität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die verfassungsrechtlichen Grenzen europäischer Integration und untersucht die Rolle des Bundesverfassungsgerichts als Kontrollinstanz gegenüber der Europäischen Union.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten zählen die Ultra-vires-Kontrolle, das Verhältnis zwischen deutschem Grundgesetz und Unionsrecht sowie die Bindung der Unionsorgane an das Prinzip der begrenzten Einzelermächtigung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel besteht darin, die Voraussetzungen für eine rechtlich zulässige Kontrolle europäischer Rechtsakte durch das BVerfG zu präzisieren und das kooperative Zusammenspiel mit dem EuGH darzustellen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die juristische Dogmatik, insbesondere die Auslegung von Verfassungsnormen und europarechtlichen Verträgen, ergänzt durch die Analyse höchstrichterlicher Rechtsprechung.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die Rechtsprechung zu Kompetenzkonflikten, die Anforderungen an die Vorlagepflicht zum EuGH sowie die Bedeutung des Vertrauensschutzes für Rechtsanwender.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Souveränität, Integrationsverantwortung, Ultra-vires-Handeln und Anwendungsvorrang geprägt.

Welche Rolle spielt das Mangold-Urteil im Dokument?

Das Mangold-Urteil dient als zentrales Fallbeispiel für die Debatte über richterliche Rechtsfortbildung durch den EuGH und deren Vereinbarkeit mit den Kompetenzgrenzen der EU.

Wie bewertet der Autor die Rolle des BVerfG im Integrationsverbund?

Der Autor sieht das BVerfG als Hüter der Verfassung, der seine Kontrollbefugnisse jedoch europarechtsfreundlich und zurückhaltend ausüben muss, um den Dialog der Gerichte nicht zu gefährden.

Warum ist das Vertrauensschutzprinzip für die Arbeit wichtig?

Es dient dazu, Rechtsanwender vor den Folgen unvorhersehbarer, rückwirkender Änderungen durch unionsrechtliche Entscheidungen zu bewahren, auch wenn das nationale Recht ursprünglich anders interpretiert wurde.

Excerpt out of 36 pages  - scroll top

Details

Title
Das Mangold-Urteil des Europäischen Gerichtshofs
College
University of Cooperative Education Mannheim  (Forschungsinstitut (FOI))
Grade
1,1
Author
Prof. Dr. Dr. Assessor jur., Mag. rer. publ. Siegfried Schwab (Author)
Publication Year
2014
Pages
36
Catalog Number
V274110
ISBN (eBook)
9783656669692
ISBN (Book)
9783656669623
Language
German
Tags
Arbeitsrecht Mangold § 14 Abs. 3 TzBfG
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Prof. Dr. Dr. Assessor jur., Mag. rer. publ. Siegfried Schwab (Author), 2014, Das Mangold-Urteil des Europäischen Gerichtshofs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274110
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  36  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint