Soziale Themen in den früheren Erzählungen von Boleslav Prus


Hausarbeit, 2011
19 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Boleslav Prus als Schriftsteller des polnischen Positivismus
I.1. Allgemeine Charakteristik des polnischen Positivismus
I.2. Der Einfluss des polnischen Positivismus auf das Schaffen von B. Prus

II. Die sozialen Motive als Grundelement der Darstellung der Epoche in den früheren Novellen von Boleslav Prus
II.1. Der Begriff „Motiv“ in Tomaševskijs Theorie der Literatur
II.2. Die Rolle des sozialen Motives in den früheren Erzählungen von B. Prus.

III. Die Sozialproblematik anhand der Motiven in den Erzählungen „Antek“, „Michalko“ und „Die Welle strömt zurück“
III.1. „Antek“
III.2. „Michalko“
III.3. „Die Welle strömt zurück“

Schlusswort

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Epoche der Industrialisierung in Europa, die im XVIII in England begann und sich im XIX Jahrhundert auf dem ganzen europäischen Kontinent ausbreitete, brachte zahlreiche neue soziale Probleme hervor. Zu einer der Hauptprobleme zählten: Pauperismus und Existenzunsicherheit von denen breite Schichten der Bevölkerung betroffen waren. Die neuen Prozesse hatten massive Strukturveränderungen zur Folge. Feudalherrschaft wurde durch Kapitalismus abgelöst. Das XIX Jahrhundert, insbesondere die zweite Hälfte des Jahrhunderts, veränderte das Alltagsleben von Millionen Menschen wesentlich: alte feudale patriarchalische Verhältnisse mit ihrer jahrhundertealten Denkweise wurden zerstört.

Die Problematik des wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Wandels und seinen Folgen wurden sowie in den zahlreichen wissenschaftlichen, als auch publizistischen und schöngeistigen Werken ausführlich beleuchtet. Ein besonderes Interesse fordert heutzutage die schöngeistige Literatur dieser Periode heraus. Die Bücher von solchen Schriftstellern wie Charles Dickens, Victor Hugo, Fjodor Dostojevskij, Boleslav Prus entblößten Probleme und Wiedersprüche der neuen Zeit. Diesen Autoren gelang es die neuen kapitalistischen Verhältnisse und vor allem die durch den Kapitalismus aufgeworfenen sozialen Fragen gründlich zu analysieren und meisterhaft in ihren Publikationen zu schildern.

Auch heute noch sind soziale Probleme, sowie Unterernährung, Armut, Kinderarbeit, harte Ausbeutung von Arbeitskraft[1] und viele andere nach wie vor aktuell. Dazu kommen noch neue soziale Probleme, die ein direktes Produkt des 20. Jahrhunderts sind und wie die heftigsten in der menschlichen Geschichte erscheinen. Die AIDS-Epidemie, Flüchtlingsprobleme, Drogenprobleme und wirtschaftliche Rezessionen sind bloß einige Beispiele dafür. Diese und viele andere Probleme wurden zu einer echten Katastrophe für das heutige Europa, als auch für die ganze Welt, die eine dringende Lösung erfordern. Diese Probleme sind seit langem Gegenstand zahlreicher Symposien und Treffen von Politikern auf höchster Ebene. Sie sind mit der Zeit noch differenzierter geworden und wie bisher bleiben die sozialen Themen vielen modernen Schriftstellern sowie Victor Astafjev, Svetlana Aleksievič und Klaus Kordon nicht fern. Das Interesse am Thema ist auf die Aktualität der Probleme zurückzuführen.

In der vorliegenden Arbeit handelt es sich um die Motive der sozialen Thematik in den früheren Erzählungen des berühmten polnischen Schriftstellern Boleslav Prus.

Die unten angeführten Hypothesen, sollen in der vorliegenden Arbeit ihre Bestätigung finden:

1. Der polnische Positivismus hatte einen enormen Einfluss auf die Arbeit von B. Prus und spiegelt sich in den früheren Novellen des Schriftstellers wieder
2. Dank der Einführung von sozialen Motiven gelingt es B. Prus in seinen Erzählungen im vollen Ausmaß seiner Zeit, die soziale Realität in den polnischen Gebieten Mitte des 19. Jahrhunderts zu reproduzieren.

Folgende Fragestellungen werden in der gegebenen Arbeit behandelt:

1. Wie wirkte sich die Epoche in der der Autor lebte auf sein Schaffen aus?
2. Was waren die Grundpostulaten des Positivismus und welchen Einfluss übten sie auf die Erzählungen von B. Prus aus?
3. Mit Hilfe welcher Motive erreichte B. Prus objektive Realität in seinen früheren Novellen?
4. Durch welche Motive spiegelt B. Prus die soziale Thematik in seinen früheren Erzählungen wieder?

Die Hausarbeit besteht aus einer Einleitung, drei Kapiteln, sieben Unterkapiteln, dem Schlusswort und dem Literaturverzeichnis. Der erste Teil der Arbeit wird vollständig dem Thema Positivismus in der polnischen Literatur gewidmet und der Rolle B. Prus in ihr. In dieser Arbeit befasse ich mich hauptsächlich mit den Werken von B. Prus, die er in den Siebzigern und Achtzigern Jahren des neuzehnten Jahrhunderts schrieb, als „der Positivismus die dominante intellektuelle und künstlerische Richtung in Polen war“[2]. Aus diesem Grund ist es notwendig, die wichtigsten Merkmale des polnischen Positivismus zu betrachten.

Im zweiten Kapitel der Arbeit handelt es sich um die sozialen Motive, die in den früheren Novellen von Boleslaw Prus besprochen werden. In diesem Teil werden soziale Themen in seinen Erzählungen genannt und ihre Aktualität und Wichtigkeit für die damalige gesellschaftlichen Verhältnissen betont. Dabei wird in diesem Teil große Aufmerksamkeit auf Tomaševskijs Theorie der Literatur gelegt, in der die besondere Rolle des Motivs unterstrichen wird.

Im letzten dritten Kapitel wird anhand von konkreten Motiven in den folgenden Novellen: „Antek“, „Michalko“ und „Die Welle strömt zurück“ die soziale Problematik analysiert. Dabei werden soziale Motive und ihre Funktionen in der Struktur den drei genannten Novellen betrachtet. Dabei werden die sozialen Motive in den obenerwähnten Erzählungen nicht einfach nur genannt, sondern auch in ihre Funktionen und auf die Rolle im Kontext des ganzen Werkes betrachtet.

Die Hauptaufgabe dieser Arbeit besteht darin, zu erforschen wie und anhand welcher Motive es Boleslav Prus gelang, zeitgenössische Wirklichkeit darzustellen.

Zu den Hauptmethoden der Forschung beim Schreiben dieser Arbeit gehören: die historiographische Analyse über den polnischen Positivismus, der Vergleich und die Interpretation der drei ausgewählten Novellen für die Arbeit.

Folgende Literatur wurde für die vorliegende Arbeit verwendet: „Polnische Literatur: Annährungen“[3] herausgegeben von Waclaw Walecki, „Polnischer Realismus“[4] von Henryk Markiewicz, „Epoki literackie: weliki leksykon literatury polskiej“[5] von Justyna Bajda, „Literatura polska“[6] von Jan Tomkowski, „Tvorčestvo Boleslava Prusa i ego svjazi s russkoj kulturoj”[7] Die obengenannten hauptsächlich enzyklopädischen Werke beinhalten viele Informationen zum Thema „Positivismus“. Über die ideologische Gesinnung von Boleslav Prus informiert das Buch von Gustav-Adolf Krampitz „Das Bild des Deutschen in den Werken von Bolesłav Prus”.[8] Außerdem wurden in der vorliegenden Arbeit Publikationen von den russischen/sowjetischen Kritikern wie z.B. Сybenko Elena[9] verwendet, die für die Kritik der marxistischen Klassentheorie charakteristisch sind. Für die Analyse der Motive wurde das Buch „Theorie der Literatur. Poetik“[10] von B. Tomaševskij aktiv benutzt. Für die Erarbeitung meiner Hausarbeit habe ich unter anderem auf aktuelle Internetquellen zurückgegriffen. Als Primärquellen wurden die folgende Novellen von Boleslav Prus: „Antek“[11], „Michalko“[12], „Die Welle strömt zurück“[13] verwendet und analysiert.

Die russischen Namen sowie Fachtermini erscheinen in der Regel in der wissenschaftlichen Transliteration.

I. Boleslav Prus als Schriftsteller des polnischen Positivismus

I.1. Allgemeine Charakteristik des polnischen Positivismus.

Die Vorstellungen B. Prus und sein schöpferisches Kredo entwickelte sich in den Jähren der radikalen sozialen, wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Veränderungen in der Geschichte der polnischen Gesellschaft. Die globalen Veränderungen haben Ideenströmungen wie den Positivismus generiert[14]. Der Positivismus als philosophische Strömung ist das Produkt der westlichen Kultur und seine Entstehung ist auf die interne Entwicklung des Westens zurückzuführen. Für Polen wurde der Positivismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als eine Richtung des öffentlichen Gedankens charakteristisch, der sich vor allem unter dem Einfluss der „Organischen Theorie der Gesellschaft“[15] von Spencer entwickelte.

Die Idee der organischen Arbeit galt als Hauptbestandteil des polnischen Positivismus. Ihr Sinn bestand in der Mobilisierung aller Kräfte des polnischen Volkes für die friedliche, konsequente und schöpferische Arbeit, die die Verstärkung des ökonomischen und intellektuellen Potenzials in den polnischen Gebieten zum Ziel hatte. Durch die mühsame und folgenrichtige Arbeit, sollte nach den Plänen der Positivisten das Hauptziel erreicht werden, nämlich die Assimilierung des polnischen Volkes durch die Teilungsmächte zu verhindern. Die ganze Gesellschaft betrachtete die Positivisten als einen einheitlichen Organismus, dessen Teile alle eng miteinander verbunden sind. „Zum Garanten eines harmonischen Zusammenspiels der einzelnen Teile jenes Organismus, den die Gesellschaft darstellte, machte man die für jedes einzelne ihrer Mitglieder verpflichtende Idee des Solidarismus“[16]. Der Solidarismus konnte nicht zuletzt durch hohe Kompromissbereitschaft und Toleranz zwischen allen Teilen der Gesellschaft erreicht werden. Die organische Arbeit sollte zu „einer Stärkung des Unternehmergeistes, der Wirtschaftlichkeit, der Fachkenntnis und der organisierten Tätigkeit durch Gründungen von Fabriken, Handwerksbetrieben und Handelsunternehmen, einer Modernisierung der landwirtschaftlichen Produktion, der Einrichtung von Kreditanstalten […]“[17] führen. Aus dem obenerwähntem folgt, dass die organische Arbeit der Positivisten alle Sektoren des öffentlichen Lebens umfasste. Ein weiteres wichtiges Merkmal ist die Ablehnung aller Formen von Extremismus. Die Revolution, mit ihren Extremen stand im Gegensatz zu den liberalen Werten der Positivisten, für die „die Veränderungen in der Gesellschaft stufenweise erfolgen[18] “ sollten. Die Positivisten riefen zur methodischen und folgenrichtigen Aufklärung unter den breiten Schichten der Bevölkerung auf. In der Aufklärung - vor allem in der Aufklärung der Bauern beruhte das nächste Postulat der Positivisten – „Arbeit an der Basis“. Durch die systematische Aufklärungsarbeit anhand der Vermittlung von allgemeinen und landwirtschaftlichen Grundkenntnissen sollten aus den analphabetischen Bauern im Endeffekt bewusste Bürger erzogen werden.

[...]


[1] Solche Begriffe wie die Ausbeutung von Arbeitskraft und die Armut sind allen Staaten und Gesellschaften der Welt bekannt. Ihre Dimension, Ihnhalt und Qualität in verschidenen Teilen der Erde unterscheiden sich jedoch wesentlich voneinander. Das Problem der Unterernährung existiert in den modernen europäischen Staaten nicht mehr.

[2] Przybyła, Zbigniew: die Literatur des Positivismus. In: Walecki, Waclaw (Hrsg.): Polnische Literatur: Annährungen. Krakau-Oldenburg, 1999. S.146.

[3] Walecki, Waclaw (Hrsg.): Polnische Literatur: Annährungen. Krakau-Oldenburg, 1999. (Hinweis: im gegebenen Buch wird die Aufmerksamkeit auf die von Zbigniew Przybyla geschriebene Abschintte gelenkt wo folgende Fragen behandelt werden: die Frage der Datierung der positivistischen Literatur in Polen, das soziale Programm des polnischen Positivismus, Theorie und Praxis der Literatur des Positivismus, die Literaturischen Gattungen des Positivismus).

[4] Markiewicz, Henryk: Polnischer Realismus. Frankfurt am Main, 1996.

[5] Bajda, Justyna: Epoki literackie: wielki leksykon literatury polskiej.Wroclaw, 2006.

[6] Tomkowski, Jan: Literatura Polska. Warszawa, 1994.

[7] Leskinen, M.V. (Hrsg.): Tvorčestvo Boleslava Prusa i ego svjazi s russkoj kulturoj.Moskva,2008

[8] Krampitz, Gustav-Adolf: Das Bild des Deutschen in den Werken von Bolesłav Prus. Wiesbaden, 2004. Online: http://books.google.com/books?id=n0FWIRFqK58C&pg=PA207&lpg=PA207&dq=prus+unsere+S%C3%BCnden&source=bl&ots=j6YilN81Gd&sig=KOknqsHnltlZpf2WgvqRucLha1c&hl=ru&ei=6wS1TreOJZSAhQelt6SYBA&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=1&ved=0CBoQ6AEwAA#v=onepage&q=prus%20unsere%20S%C3%BCnden&f=false (Zugriff am 05.11.2011, 13:01 Uhr)

[9] Сybenko, Elena: Boleslav Prus. Online: http://www.prusboleslav.ru/llb-ar-autor-539/ ( Zugriff am 13.02.2011, 18:05 Uhr)

[10] Tomaševskij, Boris: Teorija literatury.Poetika. Online: http://philologos.narod.ru/tomash/tema.htm (Zugriff am 13.02.2011, 18:15 Uhr)

[11] Prus, Bolesław: Der Geizhals. Erzählungen. Leipzig, 1964.

[12] Ebd.

[13] Vozvratnaja volna. Online: http://lib.ru/INOSTRHIST/PRUS/vozvolna.txt (Zugriff am 29.10.2011, 08:23 Uhr)

[14] Vgl.: Interpritacija tvorčestva B. Prusa v rossijskich i sovetskich enciklopedičeskich izdanijach konca XIX-XX v. In: Leskinen, M.V. (Hrsg.): Tvorčestvo Boleslava Prusa i ego svjazi s russkoj kulturoj.Moskva,2008. S.162.

[15] Vgl. Ebd.

[16] Przybyła, Zbigniew: die Literatur des Positivismus. In: Walecki, Waclaw (Hrsg.): Polnische Literatur: Annährungen. Krakau-Oldenburg, 1999. S.150.

[17] Ebd.

[18] Przybyła, Zbigniew: die Literatur des Positivismus. In: Walecki, Waclaw (Hrsg.): Polnische Literatur: Annährungen. Krakau-Oldenburg 1999. S.150.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Soziale Themen in den früheren Erzählungen von Boleslav Prus
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für Slavistik)
Veranstaltung
Seminar "Erzählen: Zum Paradigma des polnischen Positivismus"
Note
2,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
19
Katalognummer
V274404
ISBN (eBook)
9783656670483
ISBN (Buch)
9783656670025
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
soziale, themen, erzählungen, boleslav, prus
Arbeit zitieren
Ivan Kulnev (Autor), 2011, Soziale Themen in den früheren Erzählungen von Boleslav Prus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274404

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