Fachkräftemangel. Ursachen, Gegenmaßnahmen, Entwicklung


Akademische Arbeit, 2004
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Definition Fachkräftemangel

3. Kontroverse um den Fachkräftemangel
3.1 Ursachen
3.2. Gegenargumente

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

1. Einleitung

Angesichts der derzeit hohen Arbeitslosigkeit könnte der Eindruck entstehen, Arbeitskräftemangel sei für die Unternehmen ein rein hypothetisches Problem. Dabei ist bereits heute in einigen Branchen und Regionen ein Mangel an Fachkräften zu beobachten, welcher aufgrund des demographischen Wandels zu erheblichen Schwierigkeiten für die deutsche Wirtschaft führen könnte.[1]

In dieser Arbeit wird das Thema Fachkräftemangel diskutiert. Dafür soll untersucht werden, welche angebots- und nachfrageseitigen Effekte als Ursachen für einen Arbeitskräftemangel identifiziert werden können. Es werden mögliche Gegenmaßnahmen und deren Erfolgsaussichten aufgezeigt. Anhand einer Prognose zur Entwicklung des Erwerbspersonenpotentials bis 2050 soll ein Ausblick auf die weitere Entwicklung des Fachkräfteangebots getätigt werden.

2. Definition Fachkräftemangel

Obwohl die Zahl der Arbeitslosen schon dauerhaft bei über 4 Mio. liegt, beklagen sich viele Unternehmen über nicht zu besetzende Stellen. Nach einer Umfrage des Institutes für Wirtschaftsforschung aus dem Jahr 2001 konnten 29,7 % der Unternehmen offene Stellen nicht besetzen. Hierbei muß jedoch erwähnt werden, daß weitere 30,3 % der Befragten keine freien Stellen angeboten haben. Bei einem Prozentsatz von 38 % der Unternehmen, die keine Probleme bei der Stellenbesetzung hatten, hat somit fast jedes zweite suchende Unternehmen Schwierigkeiten bei der Personalakquisition.[2]

Dieser Arbeitskräftemangel kann auf die Inhomogenität des Gutes Arbeit zurückgeführt werden. Auch bei einem Arbeitskräfteüberhang auf dem Gesamtmarkt kann es in einzelnen Segmenten zu einem Mangel kommen, der auf regionale, demographische oder qualifikationsbezogene Effekte zurückgeführt werden kann.[3]

Bereits auf mittlerer Sicht wird auf dem Sektor der Fachkräfte mit einer deutlichen Verschärfung des Mangels an Arbeitskräften gerechnet. Dabei fällt besonders auf, daß Akademiker mit einer Arbeitslosenquote von 2,6 % im Jahr 2000 das mit Abstand niedrigste Arbeitslosigkeitsrisiko trugen. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesanstalt für Arbeit spricht in Westdeutschland bei dieser Gruppe fast schon von Vollbeschäftigung.[4]

Unter Fachkräften sollen im Rahmen dieser Arbeit alle Absolventen in wirtschaftsrelevanten Studiengängen, wie beispielsweise Betriebswirtschaft, Ingenieurwesen oder Informatik, verstanden werden. Eine Vielzahl der Unternehmen konzentriert sich bei der Personalsuche besonders auf die sogenannten High Potentials.[5] Seebacher/Ecker definieren High Potentials als Hochschulabgänger sowie Mitarbeiter im Alter zwischen 22 und 35 Jahren mit überdurchschnittlichen Fähigkeiten.[6] Prange/Schnädter hingegen definieren High Potentials als Studenten mit überdurchschnittlichen Noten, hohen Aktivitäten neben der Hochschule und Auslandserfahrung.[7] Unabhängig von der gewählten Definition umfaßt dieser Personenkreis lediglich 5-10 % der Absolventen eines Jahrgangs und ist daher besonders stark umkämpft.[8]

Für die Unternehmen stellen jedoch nicht nur Hochschulabsolventen das Potential für Fach- und Führungsaufgaben dar. Auch andere Gruppen, wie etwa besonders qualifizierte Auszubildende, können geeignetes Personal für derartige Aufgaben liefern. Aufgrund von sich ständig ändernden Anforderungen sind ab einem gewissen Qualifikationsniveau ohnehin regelmäßige Weiterbildungen erforderlich. Daher liegt es nahe, bereits seit längerem bekannte Mitarbeiter mittels Finanzierung einer Aufstiegsfortbildung zum einen über die gebotene Entwicklungsperspektive an das Unternehmen zu binden und zum anderen zu einer qualifizierten Fachkraft heranzubilden.[9]

Im folgenden sollen die Gründe für den prognostizierten Fachkräftemangel analysiert und mögliche Einwände dagegen diskutiert werden.

3. Kontroverse um den Fachkräftemangel

3.1 Ursachen

Als Gründe für eine deutliche Verschärfung des Fachkräftemangels in den nächsten Jahren und Jahrzehnten können sowohl angebotsseitige als auch nachfrageseitige Effekte angeführt werden.

Auf der Nachfrageseite wird bis 2010 eine Verschiebung der Qualifikationsanforderungen prognostiziert. Während 1995 noch 63,8 % der Erwerbstätigen qualifizierte Fachtätigkeiten, Fachtätigkeiten mit Führungsaufgaben und hochqualifizierte Tätigkeiten ausführten, soll dieser Anteil bis 2010 auf 70,7 % ansteigen, was einer Steigerung von immerhin 10 % entspricht.[10]

Gleichzeitig ist mit einem Rückgang an Fachkräften auf der Angebotsseite zu rechnen. Bedingt durch eine deutliche Abnahme der Fertilitätsraten in nahezu allen Industrienationen – speziell in Italien, Spanien, Österreich und Deutschland – steht ein demographischer Wandel bevor.[11]

Das statistische Bundesamt hat mehrere Szenarien aufgestellt, am gebräuchlichsten ist dabei eine Variante mit folgenden Annahmen:[12]

- Steigerung der Geburtenziffer von derzeit 1,35 Kindern je Frau auf 1,4 im Jahr 2010, von da an Konstanz (2,1 wären für eine gleichbleibende Bevölkerungszahl erforderlich)
- Anstieg der Lebenserwartung um sechs Jahre für Jungen und 5,5 Jahre für Mädchen bis zum Jahre 2050
- Nettozuwanderung von 200.000 Personen pro Jahr

Daraus ergibt sich ein Rückgang der Bevölkerung von derzeit 82,8 Mio. auf 75,1 Mio im Jahr 2050. Im gleichen Zeitraum sinkt der Anteil der 15 bis unter 65 jährigen von 55,5 Mio. auf 44,0 Mio., während die Zahl der über 65 jährigen von 15,3 Mio. auf 22,2 Mio. ansteigen wird.

Abbildung 1: Bevölkerungsstatistik Deutschlands bis 2050

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistisches Bundesamt: Bevölkerung Deutschlands bis 2050, 10. koordinierte Bevölkerungsvorausrechnung, Wiesbaden, 2003, eigene Darstellung

Wie ersichtlich kommt es zwar erst nach 2020 zum Rückgang der Gesamtbevölkerung, bereits in den kommenden Jahren wird jedoch der Anteil der 15 bis 64 jährigen zurückgehen und sich die Altersstruktur innerhalb dieser Gruppe nach oben verschieben. Die Zahl der 20-30 jährigen nimmt ab, was sich möglicherweise nachteilig auf die Fachkräfterekrutierung und die Innovationsfähigkeit auswirken wird.

3.2. Gegenargumente

Als Einwand ist dem entgegenzusetzen, daß durch geeignete Maßnahmen das Angebot an Fach- und Führungskräften möglicherweise erhöht werden kann.

[...]


[1] Vgl. Houben, I.: Fachkräftemangel trotz hoher Arbeitslosigkeit, in: Der Arbeitgeber, Heft 1, 2001, S. 14–15, hier S. 15.

[2] Umfrage des Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) im Januar 2001 unter 900 Unternehmen; vgl. Losse, B./Wettach, S.: Übel des Jahrzehnts – Der eskalierende Fachkräftemangel wird zur Wachstumsbremse für die Wirtschaft, in: Wirtschaftswoche, Heft 9, 2001, S. 18–25, hier S. 18.

[3] Vgl. Vedder, G./Mehring, I.: Personalbeschaffung bei Fachkräftemangel, in: Personal, Heft 5, 2002, S. 44–49, hier S. 44.

[4] Vgl. Reinberg, A./Hummel, M.: Steuert Deutschland langfristig auf einen Fachkräftemangel zu?, in: IAB Kurzbericht, Nr. 9, 2003, S. 1 f.

[5] Vgl. Simon H., u. a.: Effektives Personalmarketing, 1. Auflage, Wiesbaden, 1995, S. 52.

[6] Vgl. Seebacher, U. G./Ecker, T.: Virtuelle Rekrutierung von Top-Management Nachwuchs, in: Personal, Heft 3, 2003, S. 22–27, hier 22.

[7] Vgl. Prange S./Schnädter, S: Individualität statt Masse ­­– Die Anforderungen der Absolventen an das Recruiting, in: Technologie & Management, Heft 06/1999–1/2000, S. 20–22, hier S. 21.

[8] Vgl. Simon H., u. a.: Effektives Personalmarketing, 1. Auflage, Wiesbaden, 1995, S. 52.

[9] Vgl. Backes-Gellner, U., u. a.: Wettbewerbsfaktor Fachkräfte, 1. Auflage, Wiesbaden, 2000, S. 164.

[10] Vgl. Reinberg, A./Hummel, M.: Steuert Deutschland langfristig auf einen Fachkräftemangel zu?, in: IAB Kurzbericht, Nr. 9, 2003, S. 2.

[11] Vgl. Klös, H.-P.: Die demographische Entwicklung als Herausforderung für Berufsbildung und Personalentwicklung – Sieben offene Fragen, in: Klös, H.-P./Weiß, R./Zedler,R. (Hrsg.): Demographische Entwicklung – Berufsbildung – Personalentwicklung, 11. Auflage, Köln, 2003, S. 7–19, hier S. 8.

[12] Vgl. Statistisches Bundesamt: Bevölkerung Deutschlands bis 2050, 10. koordinierte Bevölkerungsvorausrechnung, Wiesbaden, 2003.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Fachkräftemangel. Ursachen, Gegenmaßnahmen, Entwicklung
Hochschule
Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie Bochum gGmbH
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
18
Katalognummer
V274641
ISBN (eBook)
9783656665502
ISBN (Buch)
9783656716518
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
fachkräftemangel, ursachen, gegenmaßnahmen, entwicklung
Arbeit zitieren
Sandra Fritzsche (Autor), 2004, Fachkräftemangel. Ursachen, Gegenmaßnahmen, Entwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274641

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