Der non-direktive Beratungsansatz geht auf Carl Ransom Rogers, einen in den USA tätig gewesenen Psychologen, zurück. Im Mittelpunkt dieses Ansatzes stehen im Idealfall der Ratsuchende und sein Potential (klientel- bzw. personenzentrierter Ansatz) , nicht die inhaltliche Ebene des an den Berater herangetragenen Problems oder der Berater selbst. Wie kann man mit diesem zurückhaltenden Gesprächskonzept einen Schülerlernvertrag erstellen? Überlegungen und eigene Erfahrungen als Praktikantin werden in dieser Hausarbeit zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rolle und Ziele des non-direktiven Beratungsansatzes
3. Die Entwicklung eines Schülerlernvertrages im Beratungsgespräch
4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die praktische Anwendung des non-direktiven Beratungsansatzes nach Carl Rogers im schulischen Kontext. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch eine wertschätzende, personenzentrierte Gesprächsführung die Selbstwirksamkeit eines Schülers gefördert und durch die gemeinsame Entwicklung eines Lernvertrags konkrete Lernprozesse unterstützt werden können.
- Grundlagen des non-direktiven Beratungsansatzes
- Die Bedeutung von Selbstexploration und Selbstwirksamkeit
- Methodik der Gesprächsführung im schulischen Alltag
- Praktische Erarbeitung von Lernverträgen mit Schülern
- Verknüpfung von pädagogischem Handeln mit biologischen Lernaspekten
Auszug aus dem Buch
Die Entwicklung eines Schülerlernvertrages im Beratungsgespräch
Keith ist 13 Jahre alt, in der sechsten Klasse und hat zwei aufsehenerregende Eigenschaften: Erstens klettert er mit Vorliebe in jeder Pause auf die Schulhofbäume, um sobald er oben angekommen ist, herunterzufallen. Danach ist er kaum ansprechbar, schreit und weint. Auf Nachfragen wie „Keith ist dir etwas passiert?“ antwortet er brüllend: „Nein!“. Auf ähnliche Fragen wie „Keith hast du eine Telefonnummer?“ und „Wie heißt deine Mutter?“ antwortet er selbiges. Jede Pause stellt mich diese Situation als Praktikantin, die ihn in Geschichte unterrichtet und Hofaufsicht hat, auf die Probe, gelassen zu bleiben und die Situation ruhig zu regeln. Zweitens fällt es Keith in Geschichte schwer, dem Unterricht zu folgen, daran teilzunehmen und Aufgaben zu erledigen. Umso erfreuter bin ich, als er mich auf die Situation anspricht und um ein klärendes Beratungsgespräch bittet.
Zu Beginn des für 25 Min. angesetzten Beratungsgespräches frage ich Keith zunächst, ob es für ihn in Ordnung ist, dass ich Notizen mache und spreche ihn weiter auf die Vertraulichkeit des Besprochenen an. Er wirkt zu diesem Zeitpunkt etwas verunsichert und ich habe die Vermutung, dass er Sorge hat, ich schimpfe mit ihm. Da er mich aber um das Gespräch gebeten hat und Hilfe sucht, versichert er mir, dass er „nicht weiß was er machen soll“ und „reden“ möchte. Schnell entspannt sich die Atmosphäre, als er beginnt, seine beiden Hauptprobleme und dazugehörige Eindrücke zu schildern.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung stellt die theoretische Basis des Lernens nach Frederic Vester dar und führt in den non-direktiven Beratungsansatz ein, der im Rahmen eines Beratungsgesprächs mit einem Schüler praktisch erprobt wird.
Rolle und Ziele des non-direktiven Beratungsansatzes: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen des personenzentrierten Ansatzes nach Rogers, bei dem die Haltung des Beraters, geprägt von Wertschätzung und Empathie, die Selbstexploration des Ratsuchenden fördert.
Die Entwicklung eines Schülerlernvertrages im Beratungsgespräch: Hier wird der konkrete Beratungsfall des Schülers Keith beschrieben, bei dem durch eine prozessorientierte Gesprächsführung und die Erstellung eines Lernvertrages die Eigenverantwortung des Schülers gestärkt wurde.
Fazit und Ausblick: Das Fazit resümiert die Eignung des non-direktiven Ansatzes für den schulischen Alltag, weist jedoch kritisch auf die Notwendigkeit weiterer Professionalisierung und die Einzelfallproblematik hin.
Schlüsselwörter
Non-direktiver Beratungsansatz, Personenzentrierter Ansatz, Carl Rogers, Frederic Vester, Lernvertrag, Selbstwirksamkeit, Beratungsgespräch, Pädagogik, Schüler, Lernprozesse, Gesprächsführung, Eigenverantwortung, Humanistische Psychologie, Unterricht, Coaching.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung des non-direktiven Beratungsansatzes nach Carl Rogers in der pädagogischen Praxis, konkret bei der Unterstützung eines Schülers mit Lern- und Verhaltensproblemen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Felder sind die personenzentrierte Gesprächsführung, die Biologie des Lernens nach Vester sowie die praktische Erarbeitung von Lernverträgen zur Förderung der Eigenverantwortung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu zeigen, wie durch ein non-direktives Gespräch Schüler darin unterstützt werden können, ihre Lernblockaden zu identifizieren und eigenverantwortlich durch realistische Ziele abzubauen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die qualitative Fallstudienmethode, indem ein konkretes Beratungsgespräch analysiert, reflektiert und in den theoretischen Rahmen der Humanistischen Psychologie eingebettet wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die theoretischen Grundlagen der Beratung, die Darstellung der schwierigen Ausgangslage des Schülers Keith und die detaillierte Analyse des geführten Beratungsgesprächs.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören non-direktive Beratung, Selbstwirksamkeit, Schülerlernvertrag, Lernbiologie, Empathie, Authentizität und personenzentrierte Gesprächsführung.
Inwiefern spielt der "Lernvertrag" eine Rolle für den Erfolg des Gesprächs?
Der Lernvertrag dient als strukturelles Hilfsmittel, das Keith hilft, seine vagen Probleme zu konkretisieren und Verbindlichkeit für seine zukünftigen Lernschritte zu schaffen.
Wie unterscheidet sich der Ansatz der Autorin von einer rein fachlichen Nachhilfe?
Statt das fachliche Problem direkt zu lösen, fokussiert sich die Autorin als Beraterin darauf, die Haltung des Schülers zu verändern, damit dieser selbst die Motivation und Strategien für sein Lernen entwickelt.
- Arbeit zitieren
- Laura Baier (Autor:in), 2013, Carl Ransom Rogers non-direktiver Beratungsansatz im Fokus eines Schülerlernvertrages, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275140