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Täterbiographien im „Großen Terror“. Das Beispiel Nikolai I. Jeschow

Titel: Täterbiographien im „Großen Terror“. Das Beispiel Nikolai I. Jeschow

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2014 , 20 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Loreen Werbelow (Autor:in)

Geschichte Europas - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Während die Säuberungen in den zwanziger Jahren im Stalinismus den Ausschluss der Oppositionellen sowie aller Abweichler der vorherrschenden Ideologie bedeutete, deren Isolierung bis hin zur sozialen Deklassierung reichte, begann im Jahr 1936 in der Sowjetunion eine Zeit, die sich grundlegend von der voran gegangenen unterschied: Die „Säuberungen“ bedeuteten nun Verbannung und Tod und wandelten sich in eine physische Vernichtung. Doch nicht nur die russische Bevölkerung war die Zielscheibe dieser Vorhaben ‐ bereits seit 1919 wurden auch Mitglieder des Politbüros liquidiert.
Die Person Nikolai Iwanowitsch Jeschow ist zu dieser Zeit hervorzuheben ‐ er bildete die neue Führungskraft des NKWD, in welcher der Terror in der Sowjetunion in den Jahren 1937/38 unvorstellbare Ausmaße annahm und zahlreiche Menschenleben forderte. Ziel war die Vernichtung aller Kräfte, die in irgendeiner misslichen Situation, wie einer Krise oder einem Krieg, einen Gegenpol zur Stalin‐Herrschaft hätten bilden können

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Archivalien und Forschungsstand

3. Historischer Kontext - Der Weg in den Terror

4. Die „kleine Brombeere“ - Ein biographischer Exkurs

5. Die neue Täterforschung - eine neue Perspektive auf den „Großen Terror“ in den Jahren 1936 - 1938

5.1. Grundlegende Erkenntnisse der neueren Täterforschung

5.2. Die biographischen und generationellen Aspekte im Kontext des Nikolai I. Jeschow

5.3. Jeschows institutionell geformte Handlungspraxis

5.4. Die situativen und sozialpsychologischen Aspekte im Falle Jeschow

6. Zusammenfassung und Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Handeln von Nikolai Iwanowitsch Jeschow während des „Großen Terrors“ (1936–1938) unter Anwendung der Konzepte der neueren Täterforschung. Ziel ist es, Jeschows Rolle als Täter zu analysieren, indem individuelle biographische Faktoren mit situativen und institutionellen Rahmenbedingungen verknüpft werden, um zu erklären, wie sein Handeln innerhalb der stalinistischen Gewaltkultur möglich wurde.

  • Anwendung der neueren Täterforschung auf den stalinistischen Terror
  • Biographische Analyse der Person Nikolai I. Jeschow
  • Wechselwirkung zwischen individueller Disposition und systemischem Handlungsraum
  • Bedeutung der stalinistischen Ideologie und Gewaltkultur
  • Untersuchung von Entscheidungsprozessen im NKWD

Auszug aus dem Buch

4. Die „kleine Brombeere“ – Ein biographischer Exkurs

Kein Mensch schickte in so kurzer Zeit jemals so viele Mitmenschen in den Tod wie Nikolai Iwanowitsch Jeschow. Er wurde am 1. Mai 1895 in Petersburg geboren und begann elf Jahre später eine Lehre als Metallarbeiter, bevor er 1913 in die Armee eingezogen wurde. Zur Zeit des Russischen Bürgerkrieges nahm Jeschow die Stelle eines Politkommissars ein, da der 1,50m kleine Mann mit dem „fein geschnittenen Gesicht, dem braun, welligen Haar, tiefen blauen Augen und feingliedrigen, schlanken Händen“ untauglich für den Fronteinsatz war.

1921 wurde er befördert und übernahm die Parteipropaganda in Zentralkasachstan. Dort heiratete er Antonia Titowa, mit der er seine Tochter, Natascha, eine Vollwaise, adoptierte. Jeschow wird bei Montefiore als ein zärtlicher Vater beschrieben, der seiner Tochter verschiedenste Sportarten beibrachte und sie stets mit Geschenken verwöhnte. Im März 1922 arbeitete Jeschow in den regionalen Parteikomitees der Bolschewiki in der Republik Mari an der nördlichen Wolga als Sekretär. 1923 wurde er in einen anderen ethnischen Brennpunkt geschickt: Nach Semipalatinsk, wo er in einer Provinz die Position eines Parteichefs einnahm. Bereits 1926 war Jeschow ein hoher Parteifunktionär und Delegierter beim 14. Parteitag der Allunionspartei - zu dieser Zeit war er noch nicht gefürchtet. So äußerte der kasachische Archäologe und Schriftsteller Juri Dombrowski, dass es keinen einzigen gab, der schlecht über Jeschow gesprochen hatte. Er sei ein aufgeschlossener, humaner, sanfter, taktvoller Mensch gewesen. Im Februar 1927 trat er in Moskwins Organisations- und Distributionsabteilung des Zentralkomitees der KPdSU ein und verblüffte mit seiner „Pünktlichkeit und seinem Papierhunger“. Ab 1929 zählte Jeschow zu den gefürchtetsten Aktivisten in seiner Funktion als stellvertretender Landwirtschaftskommissar, wo er erstmals Zeuge von massenhaften Repressionen gegen die Landbevölkerung wurde.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der stalinistischen Säuberungen ein und stellt die Fragestellung nach der Täterbiographie Nikolai Jeschows auf Basis der neueren Täterforschung vor.

2. Archivalien und Forschungsstand: Das Kapitel erläutert die Bedeutung der Öffnung sowjetischer Archive ab den 1990er Jahren für die Erforschung der Repressionspolitik und ordnet den Forschungsstand ein.

3. Historischer Kontext - Der Weg in den Terror: Hier wird die Entwicklung Stalins zur totalen Herrschaft und die Etablierung des Terrors nach dem Mord an Kirow 1934 historisch skizziert.

4. Die „kleine Brombeere“ - Ein biographischer Exkurs: Dieser Abschnitt bietet einen detaillierten biografischen Abriss über Jeschows Aufstieg im Parteiapparat bis hin zu seiner Rolle als Chef des NKWD.

5. Die neue Täterforschung - eine neue Perspektive auf den „Großen Terror“ in den Jahren 1936 - 1938: Das Kernkapitel analysiert Jeschows Handeln anhand von erkenntnistheoretischen, biographischen, institutionellen und sozialpsychologischen Ansätzen der Täterforschung.

6. Zusammenfassung und Schlussbemerkung: Die Arbeit resümiert, dass Jeschows Handeln als ein Zusammenspiel aus grenzenloser Unterordnung unter Stalin und der eigenen Autonomie innerhalb der Gewaltkultur zu verstehen ist.

Schlüsselwörter

Stalins Henker, Nikolai I. Jeschow, Großer Terror, Sowjetunion, Täterforschung, NKWD, stalinistische Säuberungen, Massenverbrechen, Totalitarismus, Gewaltkultur, Biographie, Politkommissar, Schauprozesse, Ideologie, politische Repression

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht die Täterbiographie von Nikolai Iwanowitsch Jeschow und analysiert seine Rolle bei der Umsetzung des stalinistischen Terrors in den Jahren 1936 bis 1938.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentral sind der historische Kontext des „Großen Terrors“, die Rolle des NKWD-Chefs Jeschow, die wissenschaftliche Täterforschung sowie die psychologischen und strukturellen Motive für Massenverbrechen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, das Handeln Jeschows durch die Brille der neueren Täterforschung zu erklären und zu untersuchen, wie aus einem Parteifunktionär ein zentraler Akteur des Terrors wurde.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Autorin nutzt einen interdisziplinären Ansatz, der biographische, institutionelle und sozialpsychologische Analysen kombiniert, um die Handlungsspielräume und Motive von Tätern im stalinistischen System zu ergründen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung des Terrors, eine biographische Darstellung Jeschows und eine systematische Untersuchung seines Handelns unter Einbeziehung von Täterforschungstheorien.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Besonders prägend sind Begriffe wie „Großer Terror“, „Täterforschung“, „Jeschow“, „NKWD“, „stalinistische Gewaltkultur“ und „Massenrepressionen“.

Wie wird das Verhältnis zwischen Stalin und Jeschow im Text bewertet?

Der Text beschreibt das Verhältnis als eine intensive Bindung, in der Jeschow als „stalins loyaler Vollstrecker“ agierte, wobei er jedoch durch seinen Übereifer zur Marionette des Systems wurde, die schließlich selbst vernichtet wurde.

Warum ist die Analyse der biographischen Kindheitserfahrungen für Jeschow laut Text nur bedingt aussagekräftig?

Die Arbeit betont nach dem Vorbild neuerer Täterforschung, dass individuelle Kindheitserfahrungen allein nicht ausreichen, um zum Massenmörder zu werden, sondern das institutionelle Handlungsgefüge und die Radikalisierungsspirale im NKWD entscheidender waren.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Täterbiographien im „Großen Terror“. Das Beispiel Nikolai I. Jeschow
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
2,0
Autor
Loreen Werbelow (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
20
Katalognummer
V275547
ISBN (eBook)
9783656677185
ISBN (Buch)
9783656677178
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stalin Täterbiographien Nikolai I. Jeschow Großer Terror Sowjetunion
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Loreen Werbelow (Autor:in), 2014, Täterbiographien im „Großen Terror“. Das Beispiel Nikolai I. Jeschow, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275547
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