Gletscher-Surges. Entstehung und Beispiele


Studienarbeit, 2011

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Gletscherbewegungen
2.2. Gletscher-Surges
2.2.1. Namensgebung und Definition
2.2.2. Entstehung von Gletscher-Surges
2.2.3. Verbreitung der Surge-Gletscher
2.3. Beispiele
2.3.1. Modellgletscher: Variegated Glacier
2.3.2. Hubbardgletscher
2.3.3. Kolka-Gletscher
2.4. Weitere Bildbeispiele

3. Schluss

4. Literaturverzeichnis
4.1. Aufsätze
4.2. Internetquellen

1. Einleitung

„In Nordossetien kollabierte ein Gletscher und verschüttete ein ganzes Tal. Etwa 150 Menschen werden vermisst, darunter Sergej Bodrow jun., einer der populärsten russischen Nachwuchs-Schauspieler. 'Ich dachte, sie fangen an, Georgien zu bombardieren' (…) Es waren keine Bomben – und das Inferno kein Kinotrick: Ein Drittel des Kolka-Gletschers im Massiv des 5033 Meter hohen Kasbek war abgerutscht. Eine riesige Lawine aus Eis, Wasser, Geröll und mitgerissenen Bäumen schoss durch das Gebirgstal nach Norden“ (vgl. Russland-Aktuell 2002).

So berichtete die Online-Zeitung „Russland-Aktuell“ am 22.09.2002 über die Gletscherkatastrophe des Kolka-Gletschers im Kaukasus, als ein Großteil des riesigen Eismassivs urplötzlich ins Tal hinab rutschte und alles mit sich riss, was im Weg stand. Diese Katastrophe hatte einige Todesopfer zur Folge. Dies war ein bis dahin in diesem Ausmaß unbekanntes Phänomen. Doch der Kolka-Gletscher ist, was glaziale Naturphänomene angeht in Fachkreisen bei weitem kein unbeschriebenes Blatt. Der Kolka gehört nämlich zu einem bestimmten Gletschertyp, dem sog. Surge-Gletscher. Ein solcher Gletscher ist in der Lage periodisch seine Fließgeschwindigkeit enorm zu erhöhen und kann somit innerhalb von kurzer Zeit das Bild einer ganzen Landschaftsform erheblich verändern, indem das Eismaterial sehr schnell vorgerückt wird.

Solche Naturphänomene gehören allerdings zu den Unbekanntesten und sind meist nur Spezialisten ein Begriff, da sie auch nur selten auftreten und dies meist in dünnbesiedelten Gebieten. Deshalb werden im Folgenden diese Gletscher-Surges genauer beobachtet und die Entstehung dieser Ereignisse soll erläutert werden. Anschließend sollen ein paar Beispiele zur Anschaulichkeit beitragen.

2. Hauptteil

Gletscher-Surges sind hochkomplexe Phänomene, die nur in bestimmten Eismassen vorkommen können, wenn die verschiedensten Voraussetzungen für diese speziellen Vorstöße gegeben sind. Diese speziellen Gletscher nennt man Surge-Gletscher und ihre Anzahl ist ca. 400, was in etwa 5% aller Gletscher auf der Erde ausmacht (vgl. Engelhardt 1987, S. 212).

2.1. Gletscherbewegungen

Um die komplizierte Form der Fortbewegung bei einem Surge erläutern zu können, soll nun zuerst noch einmal kurz die grundsätzlichen Arten gewöhnlicher Gletscherbewegungen aufgezeigt werden. Eine massive Eismasse hat das Potenzial zur Eigenbewegung dann erreicht, wenn ihre Mächtigkeit so groß ist, dass es in Kombination mit der Gravitation in einer meist leichten Hanglage und der Eigendynamik des Eises die Rauigkeit der Oberfläche überstiegen wird und somit eine Bewegung impulsiert wird. Für diese Bewegung werden zwei Arten unterschieden: Beim basalen Gleiten entsteht an der Gletschersohle durch die Reibung am Untergrund Wärme, die das Eis zum Schmelzen bringt und Schmelzwasser verringert die Reibung des Gletschers am Gestein und forciert somit eine gleitende Bewegung. Beim plastischen Fließen wiederum wird die Bewegung des Gletschers nur durch seine Eigendynamik beeinflusst. Hierbei führt die hohe Masse des Eises zu einem starken Druck, der die Eiskristalle verändert und bewegt. Die Summierung dieser Einzelbewegungen führt zu der Gesamtbewegung in der plastischen Zone des Gletschers Hangabwärts. Bei dieser starren Fortbewegung entstehen tiefe Brüche und Spalten in der Gletscheroberfläche.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese zwei Arten von Gletscherbewegungen treten auch oft gemeinsam und in Wechselwirkungen auf (vgl. PG-Net III 2010).

2.2. Gletscher-Surges

Nun, da ein paar Grundlagen zur Gletscherbewegung in Erinnerung gerufen wurden, kann ein Blick auf die komplexere Art geworfen werden: ein Gletscher-Surge.

2.2.1. Namensgebung und Definition

Das Naturphänomen, um welches es sich im Folgenden drehen soll, ist eines der am wenigsten erforschten Ereignisse und wird erst seit ca. 25 Jahren genauer untersucht. Deshalb ist die Namensgebung für diese schnellen Gletschervorstöße in der Literatur noch nicht einstimmig. Somit tauchen Begriffe auf wie „ausbrechende Gletscher“, „galoppierende Gletscher“ (Engelhardt 1987, S. 212), „Gletscherwoge“ oder in der englischsprachigen Forschung „glacial surge“ (vgl. GeoDZ 2010). Dieser englische Ausdruck hat sich bis heute etabliert und somit spricht man nun häufig von Gletscher-Surges. In der Literatur ist auch noch keine einheitliche Definition für die Surges zu finden, da ihre Ursachen auch noch nicht gänzlich geklärt werden konnten. Hier ist ein Versuch der Online-Plattform GeoDataZone in Das Lexikon der Erde: „g lacial surge, Gletscherwoge, periodisch auftretende, sehr schnelle und oft katastrophale Gletschervorstösse, wobei über einen Zeitraum von bis zu mehreren Jahren mögliche Gletschergeschwindigkeiten von einigen km in wenigen Monaten beobachtet wurden (...). Als wesentliche Entstehungsursache für glacier surges, die meist nur Teilbereiche eines Gletschers erfassen, wird eine stark erhöhte Gleitfähigkeit des Gletschers durch Anstieg des Schmelzwasserdrucks, Wasserstau und die Entstehung regelrechter Wasserpolster an der Gletschersohle diskutiert“ (GeoDZ 2010).

Bei einem Gletscher-Surge werden große Massen an angesammelten Eis aus dem Nährgebiet abgetragen und das Zehrgebiet gefüllt (vgl. Engelhardt 1987, S. 215).

2.2.2. Entstehung von Gletscher-Surges

Um die Entstehung eines Surges zu beschreiben muss gesagt werden, dass die Erforschung dieser Phänomene noch in den Kinderschuhen steckt und somit keine hundertprozentigen Aussagen getroffen werden können. Größtenteils stützt sich diese Arbeit dabei auf die Ergebnisse von Forschungen am Variegated Gletscher in den St.-Elias-Bergen in Alaska in den 70er-Jahren bis zum Surge 1983, die durch die University of Alaska, der University of Washington und dem California Institute of Technology durchgeführt wurden und bis heute als gültig angesehen werden (vgl. Engelhardt 1987, S. 214). Hierbei wurde der Gletscher über mehr als zehn Jahre besonders untersucht. Dabei wurde zum Beispiel in regelmäßigen Abständen der Gletscher auf seine Dicke, Geschwindigkeit und die Art des Gletscherbettes untersucht. Somit konnte der einsetzende Surge 1983 ziemlich genau erklärt werden und soll nun als möglicher allgemeiner Ansatz zur Entstehung von Gletscher-Surges dienen (vgl. Engelhardt 1987, S. 214).

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Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Gletscher-Surges. Entstehung und Beispiele
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V275672
ISBN (eBook)
9783656685395
ISBN (Buch)
9783656685418
Dateigröße
1585 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gletscher, Surges, glacial surge, gletscherwogen, gletscherbewegungen
Arbeit zitieren
Johannes Dentler (Autor), 2011, Gletscher-Surges. Entstehung und Beispiele, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275672

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