Der pädagogische Aspekt in deutschen Robinsonaden des 18. Jahrhunderts


Bachelorarbeit, 2013

47 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Hauptteil

1. Robinson Crusoe von Daniel Defoe: Paradigma der Robinsonade
1.1. Der edle Wilde
1.2. Beschäftigungstherapie in Isolation

2. Robinson der Jüngere von Joachim Heinrich Campe: Die Lehre vom Leben für die junge Generation
2.1. Didaktische Anpassung des Originalstoffs für Kinder
2.2. Robinson als Lerner und Lehrer

3. Die Insel Felsenburg von Johann Gottfried Schnabel: „Nauta, Naufragio felix“ oder Glück im Unglück
3.1. Ein protestantisch-bürgerliches Paradies
3.2. Zivilisationsprozess der Menschheit en miniature

4. Hauptmotive, Strukturmerkmale und Themen einer Robinsonade
4.1. Narrationsprozess der Robinsonade
4.2. Das Ich in der Isolation
4.3. Wiederentdeckung der Natur
4.4. Religion auf einer Insel
4.5. Robinsonade und Utopie

Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Eidesstattliche Erklärung

Einleitung

Im April 1719 erschien „Life and Strange Surprizing Adventures of Robinson Crusoe“[1] von Daniel Defoe als erster Teil einer Trilogie.[2] Noch heute ist Robinson eine der berühmtesten Figuren der Weltliteratur. Seine ungewöhnliche Geschichte wurde seit deren Erscheinen immer wieder nachgeahmt, in viele Sprachen übersetzt oder neu geschrieben[3]. Der Abenteuerroman wurde auch mehrfach für das Kino, die Bühne und andere Kunstformen bearbeitet, auch in der Umgangssprache ist die Erwähnung des Namens Robinson noch heute zu finden.

Im 18. Jahrhundert wurde die Erzählung von Robinson Crusoe zu einem internationalen Verkaufserfolg; dadurch wurde sie zu einem der großen archetypischen Texte der Weltliteratur und europaweit zum Prototyp einer eigenen Romangattung[4] – Robinsonade. Das literarische Motiv und die Grundvoraussetzung der literarischen Richtung ist die freiwillige oder erzwungene Isolation eines zivilisierten Menschen oder einer Gruppe in einem Naturzustand, meistens auf einer Insel, durch Schiffbruch, Weltflucht, Einsiedelei oder Aussetzung. Das Inselmotiv in der Literatur ist so alt wie die Schifffahrt selbst und wurde in der Weltliteratur schon vor Defoe oftmals behandelt.[5] Jedoch wegen seinem Erfolg, durch Zufall oder aufgrund der Zeitumstände zählt ausschließlich „Robinson Crusoe“ weltweit zum Ausgangspunkt der Gattung, die auch seinen Namen trägt. Zum ersten Mal wird der Terminus „Robinsonade” im Jahr 1731 in der Vorrede zur „Insel Felsenburg“ von Johann Gottfried Schnabel gebraucht.

Die Figur Robinson Crusoe entstand nicht zufällig kurz vor der Aufklärung, vor dem Zeitalter des Bestrebens nach neuem Wissen, des Versuchs, Fragen zu beantworten und Irrtümer zu beheben. Nach großen Forschungsreisen und essenziellen wissenschaftlichen Entdeckungen der vergangenen Jahrhunderte wurde der Europäer mit einer Welt konfrontiert, die allmählich komplexer wurde: Ein neuer Kontinent war durch die Reisen des Christoph Kolumbus entdeckt worden, Kopernikus und später Galilei hatten erkannt, dass die Erde nicht das Zentrum des Universums ist. Solche bedeutende Veränderungen wiedersprachen manchmal nicht nur dem religiösen Glauben, sondern auch dem feststehenden Wertsystem der Menschen. In diesem Zeitalter diskutieren die Philosophen über eine gesellschaftliche Harmonie und Verbesserungsfähigkeit der ganzen Welt, die aber nur dann möglich sei, wenn jedes einzelne Individuum eigene Erfüllung finde. Das Streben nach der positiven Entwicklung der Lebensverhältnisse sowie der Versuch, die Umwelt zu verändern und sich moralisch zu verbessern, ist auch in einer Robinsonade zu finden. Das Werk Defoes, das auf der Reflexion und auf dem Handeln eines einsamen Menschen beruht, rief in diesem Kontext ein wirkliches Interesse vor allem bei Erziehungswissenschaftlern und Pädagogen hervor. Bei einigen wurde es zum Grundbuch der Erziehung.[6] Das Buch wurde in vielen europäischen Ländern in das Schulprogramm eingeführt. Und obwohl der Roman ursprünglich für Erwachsene konzipiert wurde, gilt er heute eher als ein Kinder- und Jugendbuchklassiker.

In einer Erziehungsrobinsonade wird das Individuum auf sich selbst zurückgeworfen, es muss selbst eine in der Kindheit missglückte Erziehung nachvollziehen. Dieser Selbstschöpfungsprozess in einer spannenden Abenteuerform faszinierte Kinder und theoretisierende und praktizierende Pädagogen über einen langen Zeitraum.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem pädagogischen Subtext einer Robinsonade. Philosophen wie Rousseau erkannten die Möglichkeit, durch Kinder, die richtige Bücher lesen, die Gesellschaft zu verändern und bessere Menschen auszubilden. Die Grundhypothese der Untersuchung ist die Annahme, dass solche Grundmerkmale einer positiven Robinsonade, wie praktische Vernunft, Wiederentdeckung der Natur, Rolle der Arbeit und Disziplin oder Neuentwicklung des Ichs in der Isolation der jugendlichen Leserschaft (und auch noch belehrbaren Erwachsenen) ein richtiges Lebensverständnis und moralische Fügsamkeit vermitteln.

Um diese These zu begründen, werden Hauptmotive, Strukturmerkmale und Konzepte einer Robinsonade am Beispiel von „Robinson Crusoe“ vorgestellt und ausgewählte deutschsprachige Texte des 18. Jahrhunderts untersucht.

Hauptteil

1. Robinson Crusoe von Daniel Defoe: Paradigma der Robinsonade

Für eine Untersuchung über Robinsonaden scheint es notwendig, mit dem Werk Defoes zu beginnen. Viele Quellen berichten, Defoe (geboren als Foe[7] ) habe sich von der Geschichte des Lebens und Abenteuers des Seefahrers Alexander Selkirk (1676-1721) inspirieren lassen.

Selkirk wuchs in einer schottischen Familie als der siebte und jüngste Sohn eines Schusters auf. Das Porträt des wahren Robinson ist nicht schmeichelhaft, seine Wesensart wird als streitsüchtig und ungehorsam beschrieben. Da er wegen seiner Neigung zu Alkohol und Schlägereien an Land häufig in Konflikte gerät, verlässt er mit neunzehn die Familie und flieht zur See. Er wird zum Segelmeister auf einem Seeräuberschiff unter Kapitän William Dampier. In der Nähe der unbewohnten Insel „Más a Tierra“ im Juan-Fernández-Archipel (ab 1966 offiziell „Robinson Crusoe Insel“) kommt es zwischen ihm und dem Kapitän zu einem Streit wegen des beschädigten Schiffes. Selkirk entscheidet sich freiwillig, auf der Insel zu bleiben, auf der er dann vier Jahre und vier Monate allein verbringt. Durch Verwendung der Dinge, die er vom Schiff mitgenommen hat (auch eine Muskete mit Schießpulver und eine Bibel), durch Ziegenjagd sowie Kleidung aus Ziegenfell lebt er allein (einen Freitag hat es für ihn nicht gegeben) auf der Insel, bis er im Februar 1709 gerettet wird. Ein Kaperschiff unter Kapitän Woodes Rogers und William Dampier, der diesmal nur als Navigator mitfährt, nimmt Selkirk auf und bringt ihn in die Zivilisation zurück.[8]

1712 veröffentlichte Woodes Rogers das Buch „Cruising Voyage“, das einen Bericht über Selkirks Abenteuer enthält:

Febr. 2 [...] Immediately our Pinnace return'd from the shore, and brought abundance of Craw-fish, with a Man cloth'd in Goat-Skins, who look'd wilder than the first Owners of them. He had been on the Island four Years and four Months, being left there by Capt. Stradling in the Cinque-Ports; his Name was Alexander Selkirk a Scotch Man [...] He had with him his Clothes and Bedding, with a Firelock, some Powder, Bullets, and Tobacco, a Hatchet, a Knife, a Kettle, a Bible, some practical Pieces, and his Mathematical Instruments and Books. He diverted and provided for himself as well as he could; but for the first eight months had much ado to bear up against Melancholy, and the Terror of being left alone in such a desolate place [...] he slept, and employ'd himself in reading, singing Psalms, and praying; so that he said he was a better Christian while in this Solitude than ever he was before, or than, he was afraid, he should ever be again [...] he had so much forgot his Language for want of Use, that we could scarce understand him, for he seem'd to speak his words by halves.[9]

1713 wird Selkirks Geschichte auch in der Zeitschrift „The Englishman“ erzählt. Vermutlich unter anderem durch diese Texte wurde Daniel Defoe zu seinem Roman „Robinson Crusoe“ angeregt. Außerdem versorgte ihn Dampiers „A New Voyage round the World“ (1697) mit Informationen, die er für Robinsons Reisen verwendete, insbesondere die Karten Dampiers, die Beschreibung von Brasilien und die Flora und Fauna der Robinson-Insel.[10] Zwei Jahre vor Alexander Selkirks Tod wurde der Roman veröffentlicht. Es ist unbekannt, ob Selkirk je vom Erfolg des Romans „Robinson Crusoe“ erfahren oder sich mit Defoe getroffen hat.

Schon im Jahre 1706 (13 Jahre vor dem Erscheinen seines Robinsons) erörtert Defoe in seiner 1704 gegründeter Zeitschrift „Review“ seine Gedanken, was Menschen auf einer einsamen Insel tun würden.[11] Er schreibt:

Wenn zwanzig Menschen, die, im Dunkeln geboren, von keinen anderen Menschen noch Dingen Kenntnis haben, auf eine einsame Insel verschlagen würden, wo sie niemanden nachahmen können und nichts weiter tun als ihr Dasein fristen, so wäre das erste, was sie nach der Nahrungsbeschaffung kraft ihrer Vernunft tun würden, die Errichtung einer Regierung unter sich.[12]

Als das geschrieben wurde, lebte Alexander Selkirk noch auf seiner einsamen Insel. Diese Stelle in seinem Artikel beweist also, dass Defoe das Inselmotiv nicht erst durch Selkirks Erlebnisbericht erhalten hat, sondern es muss mit seinen eigenen Erfahrungen und inneren Entwicklung verbunden sein.[13] Defoes eigene Lebensgeschichte zeigt, wie vieles er mit seinem Robinson gemeinsam hatte. Beide führten ein außergewöhnlich abenteuerliches Leben. Defoe war ein geborener Journalist, ein vielseitiger Schriftsteller, ein Politiker mit hohem Flug der Gedanken und Plänen für soziale Wohlfahrt sowie geistigen und materiellen Fortschritt der Menschheit und ein großer Reformer, der wegen seines Strebens nach Freiheit und Gerechtigkeit im Leben schwer zu leiden hatte. Einer der Gründe des enormen Erfolgs des Romans in der ganzen Welt ist, dass sein „Robinson Crusoe“ ein Stück seiner selbst ist und eine besondere Ausstrahlungskraft hat. Defoe war ein Pionier wie sein Robinson.[14] Das ist ein Buch, das von einem Menschen mit einer ungeheuren Lebenskraft geschrieben wurde, die er durch die Klarheit seiner Gedanken und die verblüffende Einfachheit seiner stilistischen Kunstmittel ausdrückt. In der Tat wird die Größe des Defoeschen Genius verkannt, wenn er nur vom engen philologisch-literarhistorischen Standpunkt als der große Robinsondichter betrachtet wird.

Die jeweiligen Interpretationen, Akzentuierungen und literarischen Bearbeitungen des Romans basieren oftmals auf dem geschichtlichen und sozialen Hintergrund. So wirkt der Roman durch politische und Handelsinteressen Englands im 18. Jahrhundert vor allem als abenteuerlicher Reisebericht über exotische Länder und fremde Völker. Robinson galt als Aventurier, als Repräsentant der Menschheit, der auf einer Insel die Kulturstufen der Geschichte wiederholen musste.[15] Im 19. Jahrhundert, in der aufklärerischen Tradition von Rousseaus Erziehungstheorie, wird Robinson Crusoe dagegen zum pädagogischen Vorbild einer „natürlichen Erziehung“.[16] Die moralisierende und erziehungsorientierte Bearbeitung von Johann Heinrich Campe stempelt Defoes Werk endgültig zum Jugendbuch.

In dem Roman erzählt Robinson Crusoe Erinnerungen über mehr als 70 Jahre seines Lebens – angefangen mit seiner Geburt 1632, seinen im Jahre 1651 aus Reise- und Abenteuerlust und ohne Erlaubnis seiner Eltern begonnenen Seefahrten, und dem wechselnden Geschick seiner ersten Reisen. Im Mittelpunkt des Romans steht der detailreiche Bericht in Form eines Tagebuches über seinen 28-jährigen Aufenthalt auf einer Insel, auf die es ihn als einzigen Überlebenden eines Schiffbruchs verschlagen hat. Robinson hat einige Dinge, die er vom Wrack rettet und die ihm das Überleben erleichtern. Durch eigene Kraft und Vernunft macht er aus der Karibik-Insel ein fruchtbares Land und lebt mehrere Jahre im Überfluss. Obwohl seine Bedürfnisse befriedigt sind und Arbeit und Disziplin ihn von Depression retten, leidet er unter Einsamkeit. Eine wichtige Rolle wird im Roman der Religion und dem Glauben übertragen: Robinson hat eine Bibel, er betet und dankt ständig Gott dafür, dass er überlebt hat und auf der Insel alles hat, was er braucht (außer menschlicher Gesellschaft). Diese Gesellschaft findet er nach sechsundzwanzig Jahren in der Person von Freitag, dem karibischen Wilden, den er seine Sprache und die christliche Religion lehrt. Dem folgt die Erzählung seiner Rettung 1686, der Rückkehr nach England, weiterer Reisen und der Gründung einer Familie. Der Tod seiner Frau und erneute Seefahrten beschließen die fiktive Autobiografie. So entstand die Robinsonade.

Die Situation, in die Robinson geraten ist, scheint vom Zufall geprägt zu sein[17]: Der Schiffbruch erscheint so zufällig wie die Rettung, die Insel ist zufällig da als Ort der Zuflucht, ebenso wie ihre zufällig günstige Beschaffenheit, die ihm das Überleben durchaus ermöglicht. Robinson interpretiert den mehrfachen Zufall religiös als Gottes Vorsehung, die ihn zur moralischen Umkehr bewegt.

Der große erzieherische Wert des Buches liegt darin, dass die Leser verstehen, dass jeder Mensch mit der Kraft seiner Vernunft imstande ist, wie Robinson zu handeln, und am besten zeigt dies sich in einer Notsituation, in Einsamkeit oder Gefahr.[18] Robinson befindet sich in einer solchen Situation und lehrt den Leser, wie die eigene Wirklichkeit selbstständig gemeistert werden kann.

Defoes Werk wird außerdem überwiegend als einer der Ausgangspunkte des modernen Romans angesehen. Dies lässt sich dadurch erklären, dass Defoe auf die Tradition des phantastisch-romantischen Erzählens verzichtet und realistisch schreibt. Eine solche Erzählweise ermöglicht dem Leser zahlreiche Identifikationsmöglichkeiten mit der Romanfigur. Der Verfasser verbirgt sich hinter der Ich-Form eines Tatsachenberichtes, um die Glaubwürdigkeit seines Romans zu erhöhen. Dem präzisen Detailrealismus und der Genauigkeit insbesondere der Zeitangaben des Romans widmet Karl Marx eine ganze Passage in seinem „Kapital“: Er beschreibt Robinson als einen Mann, der jederzeit Rechenschaft über seine Tätigkeiten ablegt und jeden Schritt plant.[19] Das integrierte Tagebuch verleiht der Erzählung einen dokumentarischen Charakter.[20] Allerdings sind die verschiedenen Erzählebenen nicht sauber voneinander getrennt: In den Tagebucheinträgen finden sich einige Stellen, die unmöglich Teil des Tagebuches sein können, obwohl sie als solche präsentiert werden.[21] Diese Störungen der Erzähllogik beseitigen zum Teil die Glaubwürdigkeit, das aber daran liegen kann, dass der fiktive Ich-Erzähler sich zeitlich bereits am Ende seiner Reisen befindet, somit all das Geschehene überblickt und Rückbezüge und Vorausdeutungen herstellen kann.

1.1. Der edle Wilde

Bemerkenswert ist neben Crusoe die Gestalt von Freitag, des wilden Indianers der Karibik sowie das Verhältnis von Herr und Knecht, vom weißen und farbigen Menschen.

Er war ein recht hübscher Bursche, gut gebaut, mit kräftigen Gliedern, nicht zu groß, schlank und ebenmäßig gewachsen; ich schätzte sein Alter auf sechsundzwanzig Jahre. Seine Erscheinung war sehr gut, er machte keinen wilden, trotzigen Eindruck, in seinen Zügen lag eher etwas sehr Männliches, und doch zeigten sie auch die Anmut und Liebenswürdigkeit des Europäers, besonders wenn er lächelte. Er hatte langes schwarzes, nicht krauses wolliges Haar, die Stirn war hoch und breit, die äußerst lebhaften Augen blitzten vor Schärfe. Seine Hautfarbe zeigte nicht das völlige Schwarz, sondern einen ziemlich bräunlichen Ton, jedoch nicht das unangenehme gelbliche, krankhafte Braun der brasilianischen, virginischen und anderen amerikanischen Eingeborenen, sondern es war schimmernde dunkle Olivfarbe, die etwas sehr Angenehmes an sich hat, sich aber schwer beschreiben läßt. Das Gesicht war rund und voll, die Nase schmal, nicht nach Negerart flach, er hatte einen hübsch gezeichneten Mund, schmale Lippen und schöne, regelmäßige Zähne, weiß wie Elfenbein.[22]

Auch die geistigen Fähigkeiten und sittlichen Eigenschaften von Freitag werden positiv eingeschätzt: Er hat eine schnelle Auffassungsgabe, er reagiert auf einfache Zeichen schnell und richtig. Freitag ist für Robinson gleichzeitig Gehilfe, Geselle, Freund, Diener und Schüler. Bei Robinson lässt sich nicht eindeutig sagen, ob sein Inselaufenthalt für ihn persönlich vorteilhaft war und er sich moralisch und menschlich verbessert hat: In der Insel ist er gezwungener Naturmensch, und es scheint für ihn nur ein momentaner Bruch mit seinem Geschäftsmann-Leben zu sein, da er nach Wiederintegration in die Gesellschaft wieder seine kapitalistische Haltung findet. Es findet sich zudem eine markante Stelle in der Erzählung, in der er wieder einmal zum Schiffswrack schwimmt und eine Menge Geld und Gold findet:

Als die Geldstücke so vor mir lagen, mußte ich lächeln. „O du Plunder“ [...] „wozu taugst du nun? Du bist nicht einmal wert, vom Boden aufgelesen zu werden! Ein einziges dieser Messer hier wiegt diesen ganzem Trödel auf. Ich brauch dich nicht mehr, bleib, wo du bist [...][23]

Da er aber immer noch von seiner gewinnsüchtigen Natur gefolgt wird, nimmt er die Sachen doch mit und behütet die gesamten 28 Jahre die Schätze, die ihm dann allerdings nützliche Dienste leisten. Trotz einiger Besonderheiten seines Charakters, die eher als nicht tugendhaft zu bezeichnen sind, scheint Robinsons Lern- und Selbstschöpfungsprozess zum Moment des Auftauchens Freitags abgeschlossen zu sein: Er ist zu einem strebsamen, hart arbeitenden und handwerklich geschickten Mensch mit einem festen Glauben an Gott geworden. Nun muss auch der noch unfertige Mensch Freitag verbürgerlicht werden. Robinson tritt in diesem Fall nicht nur in der Rolle des Besitzers eines Dieners auf, sondern auch als Lehrer: Er bringt Freitag seine Sprache bei, außerdem Kochen und das Tragen von Kleidung. Robinson will einen moralisch einwandfreien Wilden: Unter Todesdrohung muss Freitag für immer auf Kannibalismus verzichten. Dass dazu auch der richtige Glauben gehört, ist, seitdem Robinson selbst zum Christen wurde, eine Selbstverständlichkeit. Freitag ist lernfähig, bald versteht er Robinsons Sprache und hilft ihm bei den alltäglich notwendigen Arbeiten zur Lebensführung.

Ein interessantes Beispiel für den gesunden und nicht wilden Verstand Freitags ist im Passus der religiösen Erziehung durch Robinson zu finden: Freitag fragt Robinson, warum, wenn der Gott so gut und allmächtig ist, er den Teufel nie vernichtet hat, um gleichzeitig das Böse zu vernichten. Diese Frage bringt Robinson in Verlegenheit, weil er nicht weiß, wie er sie beantworten und argumentieren soll.[24] Robinson konstatiert: „Aus dem Wilden war jetzt ein guter Christ geworden, ein besserer als ich selbst.“[25]

Immer wieder erkennt und lobt Robinson die einfache und ungeheuchelte Ehrlichkeit von Freitag. Schließlich kommt Robinson zur Erkenntnis, dass Gott allen Menschen dieselben seelischen Kräfte und Fähigkeiten verliehen hat:

[...] die gleichen Geistesgaben, dieselbe Liebeskraft, das nämliche Gefühl für das Gute und Pflicht, die gleiche Erbitterung gegen das Unrecht, den Sinn für Dankbarkeit, Aufrichtigkeit, Treue und alle die Kräfte zum Guten, die er auch uns verliehen hat.[26]

Allerdings hat Gott seine wilden Geschöpfe nicht mit dem rechten Glauben versorgt, sodass sie aus religiöser Unwissenheit dem Kannibalismus verfallen.

Im Gegensatz zu Freitag ist Robinson nicht uneigennützig: Er rettet Freitag höchstwahrscheinlich nicht aus natürlichem Mitleid, sondern vielmehr, weil er Angst hat, auf der Insel immer allein zu bleiben; außerdem hatte er bereits vor der Befreiung Freitags den Plan, sich einen Wilden dienstbar zu machen. Als erstes lehrt er Freitag, ihn mit „Herr“ anzusprechen; er fragt auch nicht nach dessen Namen, sondern gibt ihm einfach einen. Die gegenseitige Wertschätzung beider in ihrem Abhängigkeitsverhältnis erlaubt zwar nicht, von Sklaverei zu sprechen, jedoch gibt es eine deutliche Unterordnung und Freiheitsbeschränkung.

Abgesehen vom Kannibalismus ist Freitag vernunftbegabt, lernfähig, gutmütig und stellt eine exemplarische Gestalt eines Menschen mit natürlichem Verstand dar.

Nicht an die Scholle gebunden, zu keinem vorgeschriebenen Tagewerke verpflichtet, zu keinem Gehorsam gezwungen, durch keine Schranke des Gesetzes in seinem Willen behindert, sieht er sich genötigt, jede Handlung seines Lebens zuvor sorgfältig zu überlegen. Er macht keine Bewegung, tut keinen Schritt, ohne die Folgen vorher erwogen zu haben. Je mehr sich daher sein Körper übt, desto aufgeklärter wird sein Geist; seine Kraft und seine Vernunft wachsen gleichzeitig und bilden sich gegenseitig aus.[27]

Das Verhältnis zwischen Robinson und Freitag ähnelt auch einer Vater-Kind-Beziehung: Robinson lehrt, Freitag lernt. Mit fortschreitender Lerndauer wird der Wilde jedoch mehr und mehr zu einem gleichberechtigten Partner. Die europäischen Sitten, die er erlernt, lassen ihn sozial aufsteigen. Darin zeigt sich, dass der Mensch sich verändern kann und alles von seiner Erziehung abhängt: Nicht die Geburt bestimmt, ob ein Mensch gut oder schlecht ist, sondern die anerzogene Moral.

1.2. Beschäftigungstherapie in Isolation

Im Roman kann die Rolle der Arbeit und Disziplin mehrdeutig interpretiert werden: Einerseits sind sie für Robinson lebenswichtig, weil er nur dadurch überleben kann. Durch das Arbeiten kann er seinen Inselaufenthalt einigermaßen verbessern und seine Überlebenstaktiken ausbilden, um seine Existenz auf der Insel dauerhaft abzusichern. Alles hängt von seiner Vernunft ab, er kann es sich nicht leisten, Angst, Panik oder Depression zu erliegen. Nach einiger Zeit entdeckt Robinson die Technik wieder: Das Land wird nach europäischem Modell in für die Jagd, das Sammeln, das Fischen, den Getreide- oder Gemüseanbau, die Aufzucht und das Handwerk bestimmte Räume eingeteilt. Bis zur Ankunft Freitags muss der einsame Robinson alles allein bewältigen, er hat alles selbst zu entdecken:

Ich bin nie in meinem Leben mit Werkzeug umgegangen, und doch fand ich, daß ich binnen kurzem mit Mühe, Fleiß und Hingabe schließlich alles, was ich brauchte, anfertigen konnte [...][28]

Andererseits will er durch das fleißige Arbeiten seine latente Besitzgier und sein Machtstreben befriedigen. Robinson weiß, dass nur durch Selbstdisziplinierung, Hartnäckigkeit und Geduld die Insel und die Natur erobert werden können und er zum zuständigen Insel-König werden kann. Obwohl es ihm während seines langen Aufenthaltes nie gelungen ist, die Insel völlig in Besitz zu nehmen, und er stets auf Unbekanntes treffen konnte, ist Robinson der Herr und verhält sich auch so.

Da war zunächst meine Majestät, der Fürst und Gebieter der ganzen Insel. Das Leben aller meiner Untertanen stand unter meiner unumschränkten Gewalt: ich konnte hängen, vierteilen, die Freiheit schenken oder nehmen, und nicht ein einziger Rebell befand sich unter meinen Untertanen. Ich speiste wie ein König: ganz allein, während meine Diener aufwarteten. Nur Poll, meinem Günstling, war das Sprechen erlaubt. [...] zwei Katzen [...] harrten eines gelegentlichen Bissens aus meiner Hand als Zeichen besonderer Gnade.[29]

Er rekonstruiert die Lebensbedingungen und Machtverhältnisse des europäischen Bürgertums in seinem Verhältnis zu Freitag, der ihm immer unterworfen bleibt. Diese Rekonstruktion wird auch bei der Schlacht gegen Meuterer deutlich: Mithilfe von Waffengewalt baut er ein politisches System und stellt sich an dessen Spitze, indem er sich als Gouverneur der Insel bezeichnet.[30] Seine Mitmenschen und auch seine Haustiere müssen funktionieren, ihm gehorchen. Bevor er die Insel verlässt, sichert er durch Gefangene das Fortbestehen seiner Kolonie auf seiner Insel und ist über seine Macht ganz erfreut:

Jetzt hatte sich also meine Insel bevölkert, und ich kam mir wie ein Herrscher über zahlreiche Untertaten vor. Manchmal machte es mir Vergnügen, mich als richtiger König zu fühlen, denn erstens war ja das ganze Land mein ureigener Besitz, so daß ich ein unbestrittenes Herrschaftsrecht ausüben konnte, und zweitens war mir mein Volk vollkommen untertan. Ich war unbeschränkter Herr und Gebieter, alle dankten mir ihr Leben und hätten sich bereitwillig für mich geopfert, wenn es notwendig gewesen wäre.[31]

In der Abgeschiedenheit lebt Robinson nach dem Prinzip „bete und arbeite“: Er findet Trost und Zuflucht im Glauben, aber das Arbeiten scheint für ihn die wirksamste Methode zu sein, um sich kurzfristig zu vergessen und von quälerischen Gedanken zu befreien. Die Rolle und der Wert der Arbeit im Roman dürfen nicht unterschätzt werden: Bevor Robinson Freitag und andere Menschen trifft, verbringt er auf der Insel 25 Jahre in einer absoluten Einsamkeit; oft handelt es sich bei ihm nicht nur um physisches, sondern vielmehr um psychisches Überleben. Arbeit ist eine Notwendigkeit, um Leib und Seele gesund zu erhalten. Das Arbeiten und die ständige Beschäftigung ist hier also nicht als Strafe Gottes für den Ungehorsam Adams und Evas zu betrachten, sondern als eine Art Therapie, ein Tröstungsmechanismus, der dem Überlebenden nicht nur die Zeit zu vertreiben hilft, sondern vielmehr hilft er ihm gegen selbstzerstörerische Reflexionen über seine Einsamkeit.

2. Robinson der Jüngere von Joachim Heinrich Campe: Die Lehre vom Leben für die junge Generation

Die Idee des Erziehungstheoretikers und Pädagogen Campe war es, ein Buch zu schreiben, das nicht nur zur reinen Unterhaltung dienen, sondern auch erzieherischen Charakter tragen und sowohl kindliche als auch erwachsene Leserschaft ansprechen sollte. Inspiriert von seinem großen Vorbild Jean-Jacques Rousseau mit dem Buch „Emil oder Über die Erziehung“ und natürlich von Defoes „Robinson Crusoe“ schuf er ein Buch, das einen revolutionären Charakter hat. „Robinson der Jüngere“ ist eine Art Lebenshilfe und Aufklärung, ein erzieherisch-praktisches Methodenbuch zur angenehmen und nützlichen Unterhaltung für die junge Leserschaft, das einen unglaublichen und dauerhaften Erfolg hatte. Diesem folgten zahlreiche Übersetzungen, Nachahmungen, Fortsetzungen, Ausgaben mit Illustrationen und Umwandlungen. Allerdings ist der Erfolg des Kinderromans ein wenig verwunderlich, denn Campe ist im Fall von „Robinson der Jüngere“ eher kein Original-Schriftsteller, und Robinsons spannende Abenteuer sind nicht seine eigene Idee. Das Motiv der Gattung und seine weltweite Popularität haben zu dermaßen vielen Bearbeitungen geführt, dass das Studium der Robinsonaden an sich fast eine selbstständige Wissenschaft ist. Trotzdem kann Defoe als Vater der Robinsonade und Urheber des enormen Erfolgs bezeichnet werden (wobei er selbst sich auch von Seemannsgeschichten inspirieren ließ). Unabhängig von der Tatsache, dass das Fundament der Lebensgeschichte Robinsons den Jüngeren nicht Campes eigener Fantasie entsprungen ist, ist seine Verarbeitung des alten Robinsons zweifellos einzigartig und beispiellos. Goethe meinte über die Campische Bearbeitung: „Er hat den Kindern unglaubliche Dienste geleistet; er ist ihr Entzücken und ihr Evangelium.“[32]

In seinem Werk beschreibt Campe eine Art Gespräch zwischen einem Familienvater und seinen Kindern: Er erzählt ihnen eine Geschichte über den Jungen namens Robinson und sie unterhalten sich gemeinsam darüber. Robinson ist der einzige Sohn eines Hamburger Ehepaares, das ihm aus unvernünftiger Liebe alles erlaubt. Als Ergebnis solcher falschen Erziehung hat Robinson nie das Bedürfnis oder Lust, etwas zu lernen. Eines Tages lässt er sich von einem Freund zu einer Schiffsreise überreden. Da er kein Gefühl der Verpflichtung gegenüber den Eltern hat, entscheidet er sich spontan, zu reisen. Das Schiff strandet auf einer einsamen tropischen Insel und Robinson rettet sich als einziger Überlebender. Er hat auf der Insel nichts außer den eigenen Händen und seinem Verstand. Durst, Hunger und Angst quälen ihn. Außerdem verlässt der Gedanke, dass er seine armen, alten Eltern heimlich und rücksichtslos verlassen hat, sein erwachtes Gewissen nicht. Er fängt an zu verstehen und sich Selbstvorwürfe zu machen, weil er in seiner ganzen Kindheit und Jugend nichts Nützliches gelernt hat, was ihm nun in seiner Notlage hätte hilfreich sein können. Obwohl er verloren, auf sich selbst gestellt und weit weg von der Zivilisation ist, findet er nach und nach immer mehr Möglichkeiten und Wege zu überleben und sein Leben auf der Insel sogar mehr oder weniger angenehm zu gestalten. Zuerst sind dies elementare Sachen wie Zuflucht, Nahrung und Feuer, die ihm Motivation und Hoffnung geben. Mit der Zeit wird er klüger und geschickter, er baut eine größere und gemütlichere Behausung, lernt Kleidung herzustellen, hat einen differenzierten Speiseplan und vergisst auch nicht, Gott für alles zu danken. Zur Gesellschaft hat er anfangs nur Tiere, danach trifft er aber Freitag, einen Eingeborenen des tropischen Landes, den es ebenfalls auf die Insel verschlagen hat. Er wird zu Robinsons Freund und Gehilfen. Nach einem unerwünschten Besuch der Wilden gelangen Engländer auf die Insel, mit deren Schiff Robinson und Freitag schließlich nach Europa und danach auch zu Robinsons Vater nach Hamburg zurückkehren. Die beiden erlernen das Tischlerhandwerk und bleiben bis ins hohe Alter gute Freunde.

Die Jugendliteratur ist zum Teil als „Gradmesser der Kultur eines Volkes“[33] zu bezeichnen: Es ist also nicht nur für ihre eigene Erziehung relevant, welche Bücher die Jugend liest, sondern auch für die Menschheit, weil, wie bereits angesprochen, eine Verbesserung der Welt nur durch Einzelne möglich ist. Wenn die Kinder mit richtigen Büchern erzogen werden, werden sie zu richtigen Erwachsenen, die dann eine richtige Gesellschaft bilden. Campe wollte den ersten Schritt in diesem Verbesserungsprozess tun, nämlich das richtige Buch erschaffen.

2.1. Didaktische Anpassung des Originalstoffs für Kinder

Der Leser kann gleich feststellen, dass die Geschichte und Handlung des Buches fast exakt von Defoe übernommen sind. Jedoch ist die Übertragung des Inhaltes für die Kinder und ihre Erziehung bestimmt: Die Hauptfigur ist jünger. Robinson ist ein Hamburger und kein Engländer, sodass die deutschen Leser sich mit ihm identifizieren können.[34] Er bleibt nur zwölf Jahre auf der Insel und ist noch jung, als er sie verlässt. Als besorgter Pädagoge verzichtet Campe auf kannibalistische Szenen und das Thema des Sklavenhandels, die in Defoes Werk vorkommen. Auch die Figur des Freitags wird eher anders als bei Defoe beschrieben: Er wird als ein Mensch gezeigt, mit dem die Kinder Mitleid haben müssen, weil er nicht daran gewöhnt ist, seine Vernunft zu gebrauchen: „Ihre unmenschlichen Sitten [...] wollen wir verabscheuen, aber nicht die armen Leute selbst, die ja nichts davor können, daß man sie nicht besser unterrichtet und erzogen hat.“[35] Im Vergleich zur Überlegenheit der europäischen Vernunft hat Freitag hier einen primitiven, irrationalen Verstand voller Aberglauben. Obwohl Ethnologie und Anthropologie gezeigt haben, dass die als primitiv bezeichneten Völker einer anderen und manchmal komplexeren Logik folgen, wird im Rahmen der Robinsonade Freitag zu einem Element, der zur Exotik und manchmal zur Komik der Erzählung beiträgt.[36]

Im Vergleich zu Defoes Robinson hat Campes Robinson keine Gewinnsucht, kein monarchistisches Streben nach Kontrolle über sein Herrschaftsgebiet oder Verlangen nach materiellen Gütern. Defoes Held verlässt auch die Insel als bürgerlicherer Kauffahrer, als er sie betreten hat: Sein moralischer Lernprozess ist eine Art Rechtfertigung und Vertiefung derjenigen Haltungen, die ihn bisher unbewusst geleitet haben. Campes Robinson dagegen lernt überhaupt erst, Bürger zu werden[37]: er erwirbt die Befähigung, als nützliches Mitglied der Gesellschaft in den bürgerlichen Verhältnissen zu leben, denen er anfangs entflohen ist. Die Isolation auf der Insel ist eine für ihn nötige Lebens- und Charakterschule, die er als ein unvernünftiges Wesen betritt und als ein vorbildlicher Bürger verlässt.

Während bei Defoe der Protagonist die Reflexionen selbst vollzieht und seine Erfahrungen und Erlebnisse weltanschaulich analysiert und einordnet, geht Campe pädagogischer vor. Ausdeutung und Einordnung der Geschehnisse erfolgt nicht nur durch die Hauptfigur selbst, sondern vielmehr von außen, indem der Familienvater und seine Zuhörer darüber diskutieren.

[...]


[1] Der vollständige Titel des englischen Originals lautet: “The Life and Strange Surprizing Adventures of Robinson Crusoe of York, Mariner: Who lived Eight and Twenty Years, all alone in an un-inhabited Island on the Coast of America, near the Mouth of the Great River of Oroonoque; Having been cast on Shore by Shipwreck, wherein all the Men perished but himself. With An Account how he was at last as strangely deliver'd by Pirates. Written by Himself.”

[2] Zweites Buch: „The Farther Adventures of Robinson Crusoe”; drittes Buch: „Serious Reflections during the Life and Surprising Adventures of Robinson Crusoe, with his Vision of the Angelick World. Written by himself”.

[3] Besonders im Deutschland des 18. Jahrhunderts war das Buch sehr beliebt, es werden 128 Texte gezählt (Vgl. Schlaeger, S.309-310)

[4] Vgl. Friedrich, S.290

[5] Vgl. Jacob, 1987, S.653

[6] „Müssen wir denn durchaus einmal Bücher haben, nun, so gibt es eins, welches uns meinem Erachten nach die vorzüglichste Abhandlung über naturgemäße Erziehung an die Hand gibt. Dieses Buch soll mein Emil zuerst lesen; allein soll es lange Zeit hindurch seine ganze Bibliothek bilden und stets einen hervorragenden Platz in derselben behalten. Es wird der Text sein, welchem alle unsere Unterhaltungen über naturwissenschaftliche Stoffe nur als Kommentar dienen sollen. Es wird bei unseren Fortschritten den Prüfstein unserer Urteilskraft abgeben und, solange unser Geschmack nicht verdorben ist, wird uns seine Lektüre beständig Unterhaltung gewähren. Und wie heißt nun dieses Wunder von Buch? Ist es Aristoteles? Ist es Plinius? Ist es Buffon? Nein, es ist Robinson Crusoe.“ (Rousseau, 1910, S.328-329)

[7] Defoe stellte seinem Nachnamen das französische Adelsprädikat „de“ voran, was zu „de Foe“ führte. Dies wiederum wurde mit den Jahren durch Zusammenschreibung zu „Defoe“.

[8] Vgl. Glaser, 1996, S.100

[9] Rogers, 1712, S.124-129

[10] Vgl. Glaser, 1996, S.100

[11] Vgl. Jacob, 1987, S.652

[12] Zit. Bei Jacob, 1987, S.652-653

[13] Vgl. Jacob, 1987, S.653

[14] Vgl. Jacob, 1987, S.657

[15] „Robinson [...] ist eine Geschichte des Menschen im Kleinen, ein Miniaturgemälde von den verschiedenen Ständen, die die Menschheit nach und nach durchwandert ist“ (Wezel, 2012, S.9)

[16] Die Erziehungstheorie oder Theorie über die natürliche Erziehung wird in dem Buch „Emile ou de l’éducation“ („Emile oder über die Erziehung“) von Jean-Jacques Rousseau entwickelt. Das Motto des Buches (Übersetzung aus dem lateinischen) lautet: „ Wir leiden an heilbaren Krankheiten, und die Natur hilft uns, die wir zum rechten Dasein geschaffen sind, wenn wir uns nur bessern lassen wollen“ (Verfasser des Zitats ist der römische Stoiker Lucius Annaeus Seneca, den Rousseau oft erwähnt.). Rousseau interpretiert den Satz in politischer Richtung: Zu Beginn des Buches unterscheidet er zwischen „Mensch“ und „Bürger“. Er meint, die Erziehenden müssen sich entscheiden, ob sie den einen oder den anderen erziehen wollen. Sie können nicht beide erziehen. Gemeint ist damit aber kein Ausschlussverhältnis, sondern eine Reihenfolge. Der Mensch muss als Kind gemäß seiner Natur erzogen werden, damit er die Stärke erlangt, als Bürger er selbst zu sein und in einen sozialen Vertrag eintreten zu können. (Vgl. Oelkers, 2009, S.1)

[17] Vgl. Müller, 1989, S.16

[18] Vgl. Jacob, 1987, S.652

[19] Vgl. Müller, 1989, S.19

[20] In „Historia De Selkirk. El Verdadero Robinson“ schreibt Ernesto Morales über Robinson Crusoe: „Geschichte, die ein Roman zu sein scheint; Wahrheit, die der Erfindung ähnelt“ (Zit. Bei Jacob, 1987, S.657)

[21] Vgl. Luithlen, 1938, S.85

[22] Defoe, 1987, S.223

[23] Defoe, 1987, S.66

[24] Vgl. Defoe, 1987, S.236

[25] Defoe, 1987, S.239

[26] Defoe, 1987, S.227

[27] Rousseau, 1910, S.187-188

[28] Defoe, 1987, S.77

[29] Defoe, 1987, S.163

[30] Noch vor der Schlacht vergleicht sich Robinson mehrmals mit einem König der Insel, der mehrere Wohnsitze besitzt, die er Paläste nennt. Auch bei Campe wird die Hauptfigur nach der Ankunft Freitags als König bezeichnet.

[31] Defoe, 1987, S.260-261

[32] Zit. Bei Jacob, 1987, S.649

[33] Ullrich: Vorrede, 1898, S. XII

[34] Dabei ist bei Defoe die Familie Crusoe auch deutscher Herkunft: „[...] mein Vater kam aus dem Ausland, aus Bremen [...] erhielt ich den Namen Robinson Kreutznaer. Aber man nannte uns Crusoe, wie man in England eben gerne die Wörter verstümmelt.“ (Defoe, 1987, S. 9)

[35] Campe, 2. Teil: 14. Abend, 1848, S.26

[36] Vgl. Avrillon, 2009-2010, S.28

[37] Vgl. Merkel, Richter, 1848, S.423

Ende der Leseprobe aus 47 Seiten

Details

Titel
Der pädagogische Aspekt in deutschen Robinsonaden des 18. Jahrhunderts
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Deutsch als Fremdsprache)
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
47
Katalognummer
V275901
ISBN (eBook)
9783656763383
ISBN (Buch)
9783656763390
Dateigröße
2035 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Robinsonade, 18. Jahrhundert, Abenteuerroman, Robinson, Crusoe, Robinson Crusoe, Daniel Defoe, Insel Felsenburg, Johann Gottfried Schnabel, Joachim Heinrich Campe, Robinson der Jüngere, Realismus, Utopie, Insel, Isolation, Der edle Wilde, Reiseliteratur, Seereise, Reisen
Arbeit zitieren
Julia Basakina (Autor), 2013, Der pädagogische Aspekt in deutschen Robinsonaden des 18. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275901

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