Stadtentwicklung Los Angeles. Gated Communities und Suburbs


Seminararbeit, 2013
14 Seiten, Note: bestanden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Überblick
1.1. Historische Stadtentwicklung
1.2. Industrialisierung und Stadtentwicklung im 20. Jahrhundert
1.3. Los Angeles School of Urbanism
1.4. Los Angeles heute

2. Besonderheiten
2.1. Downtown Los Angeles
2.2. Suburbs
2.3. Gated Communities
2.3.1. Allgemeiner Überblick
2.3.2. Beispiele aus der Region
2.3.3. Verwaltung privater Wohnsiedlungen
2.3.4. Gründe der Konsumenten
2.3.5. Kritik
2.3.6. Ausblick

3. Probleme der Stadt Los Angeles

1. Überblick

Sonne, Strand, Palmen, Hollywood. „Kalifornien und insbesondere Los Angeles sind häufig als diejenigen Orte vermarktet worden, in denen der amerikanische (suburbane) Traum am Besten realisiert wurde.“ (DEAR, 2005: 31) oder als „Dream Machine to the world“ (SOJA, 1986: 255). Doch was verbirgt sich hinter dem Image der Stadt?

In der Forschung wurde Los Angeles erst Ende des 20. Jahrhunderts als „paradigmatic expression of late capitalist industrialization, urbanization, and social life“ (SOJA & SCOTT, 1986: 254) zu einem häufigen Forschungsgegenstand. Zuvor hatte sich die Wissenschaft kaum mit der Stadtentwicklung von Los Angeles auseinandergesetzt, zumal L.A. nicht in die typischen Stadtentwicklungsprozesse US-amerikanischer Städte passte.

1.1. Historische Stadtentwicklung

14 Familien gründeten am 4.September 1781 die Stadt Los Angeles. Colonel Felipe De Neve, Gouverneur der spanischen Provinz Alta California führte die Gründungszeremonie durch und verlieh der Siedlung den Namen „El Pueblo de la Reina de Los Angeles“ (Das Dorf der Königin der Engel). Zunächst unter mexikanischem Besitz, wurde die Siedlung 1850 als Kommune der USA anerkannt. Zu diesem Zeitpunkt war Los Angeles mit 1610 Einwohnern und einer Stadtfläche von 28 Quadratmeilen - etwa 72 km² - erst am Anfang seiner enormen Entwicklung (CITY OF LOS ANGELES, 2013).

1.2. Industrialisierung und Stadtentwicklung im 20. Jahrhundert

Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Urbanisierung Los Angeles' durch Landwirtschaft, Erdölgewinnung und -raffinerie, Landspekulation, sowie die aufkommende Filmindustrie vorangetrieben. L.A. war eine kleine, aber florierende lokale Produktionsstätte.

Zu den 1920er Jahren hin konzentrierte sich die lokale Industrie auf innovative und experimentelle Automobilherstellung, Autozubehör, Autodesign und die Filmindustrie. In den 1940ern befand sich in L.A. die größte Automobilindustrie außerhalb des mittleren Westens der USA. Zusätzlich fachte die expandierende Verteidigungs-, Luft- und Raumfahrtindustrie wirtschaftliches und urbanes Wachstum der Region an, welches durch den erhöhten Bedarf an Luftfahrzeugen im Zweiten Weltkrieg noch weiter angekurbelt wurde. Diese blühenden Industriezweige, in Kombination mit einer expandierenden fordistischen Massenproduktion von Konsumgütern für den lokalen Markt, der Stahlindustrie, sowie einem unbegrenzten Angebot an Erdöl und Arbeitskräften, verwandelten die Los Angeles Region in eine der am schnellsten wachsenden Metropolen der Vereinigten Staaten (SOJA & SCOTT, 1986).

Als der Nachkriegsboom in den 1960er Jahren allmählich endete, veränderte sich auch die ökonomische Landschaft von Los Angeles. Das produzierende Gewerbe verlor stark an Bedeutung und die riesige Industriezone, die sich vom Norden des Downtown L.A. bis zu den San Pedro und Long Beach Häfen im Süden zog, wurde zunehmend verlassen und dem Verfall preisgegeben. Die umgebenden Wohnviertel verödeten. Die Automobilindustrie schrumpfte auf eine einzige Fabrik und die Reifenherstellung wie auch Stahlerzeugung verschwanden vollständig. In den Jahren zwischen 1978 und 1982 verloren 75 000 Fabrikarbeiter ihre Arbeitsplätze (SOJA & SCOTT, 1986: 251). Nach der Deindustrialisierung und Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologie fanden viele der zuvor gut bezahlten Industriearbeiter Jobs im niedrig entlohnten Dienstleistungsgewerbe.

Bemerkenswerterweise fand zwischen 1970 und 1980 eine Reindustrialisierung der Region um Los Angeles statt, im Zuge derer 225 000 neue Arbeitsplätze entstanden, ungleich dem Rest der USA. Viele fanden eine Anstellung in der Raumfahrt-, High-Tech- oder Elektronikindustrie, welche durch staatliche Ausgaben für Verteidigung aufrechterhalten werden konnten und zum Wachstum vieler Subunternehmen führten. Diese Entwicklung zog viele Mathematiker, Informatiker, Wissenschaftler und Techniker an und transformierte die Region um Los Angeles in die größte „technopolis“ der Welt (SOJA & SCOTT, 1986: 252).

Neben der Spitzentechnologie erfuhr auch die handwerkliche Fertigung (vor allem die arbeitsintensive Textilindustrie) einen Aufschwung, wobei diese durch schlechte Arbeitsbedingungen und niedrige Löhne gekennzeichnet ist und hauptsächlich undokumentierte, weibliche Migrantinnen beschäftigt. Diese Ausbeuterbetriebe gehören heute genauso zum Stadtbild, wie verlassene Fabrikhallen, die High-Tech- und die Filmindustrie.

Die aufgeführten Entwicklungen führten ebenso zu einer räumlichen Restrukturierung Los Angeles', welche sich durch Dezentralisierung und suburbanes Wachstum auszeichnete. Während in der ersten Verstädterungsphase in den USA, die aus der Zeit der fordistischen Massenproduktion und dem industriellen Kapitalismus hervorging, ein typisches urbanes Wachstum am Zentrum stattfand (DEAR, 2005: 32 f.), kam es im Übergang zum Post- Fordismus, der einhergehenden Deindustrialisierung, Expansion der Informationstechnologie und Globalisierung zur Suburbanisierung und Peripherisierung. Dieser Effekt verstärkte sich besonders durch die Internationalisierung der Stadt, welche einen andauernden Strom an billigen Arbeitskräften vor allem aus Lateinamerika (besonders Mexiko) fördert. Zusammen mit den bereits vorhandenen Minoritäten, erfüllen die meist undokumentierten (illegalen) Migranten den Bedarf an Arbeitern im produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungs- sektor, insbesondere im schlecht bezahlten Kundendienst oder in der Hauswartung/-reinigung der wohlhabenden Bevölkerung. Die Top 5 Branchen 2007 in der Metropolregion L.A. waren:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Top 5 Wirtschaftsbranchen in der Metropolregion Los Angeles 2007 (U.S. CENSUS BUREAU)

1.3. Los Angeles School of Urbanism

Nachdem Los Angeles so vielfältig und einzigartig zugleich ist und in kein etabliertes Modell amerikanischer Städte zu passen schien, entstand Mitte der 1980er ein neues Paradigma der Stadtentwicklung: die Los Angeles School of Urbanism, welche den Prototypen der post- fordistischen bzw. post-modernen US-Stadt darzustellen versucht und die überkommene Chicagoer Schule erneuert. Der Hauptunterschied zwischen den beiden Konzepten liegt, DEAR (2005, 2008) zufolge, in der Tatsache, dass nicht mehr das Zentrum als treibende Kraft der Urbanisierung angesehen wird (Chicago School), sondern, dass Stadtentwicklung vielmehr an zufälligen Orten außerhalb des Stadtkerns stattfindet. Somit werden bekannte Stadtmodelle wie z.B. das Modell der konzentrischen Ringe von Burgess (1925), das Sektorenmodell nach Hoyt (1939) oder das Mehrkernemodell nach Harris & Ullman (1945) abgelöst und durch ein post-modernes, nicht lineares Modell der Stadtentwicklung ersetzt, bei dem die Peripherie entscheidet, was vom Zentrum übrig bleibt (DEAR, 2005). L.A. wird hierbei als Prototyp, als „paradigmatic industrial metropolis of the modern world“ (SCOTT, 1986: 249) angesehen. DEAR fasst die Eckpunkte der Los Angeles School of Urbanism wie folgt zusammen:

„Post-moderne Stadtentwicklung wird durch globale Restrukturierung vorangetrieben. Die Bevölkerung ist sozial und kulturell heterogen, aber politisch und wirtschaftlich polarisiert und dazu erzogen, Traumlandschaften zu konsumieren. Die Ärmsten werden auf die Straße verwiesen (Cerceral Cities) und somit von den wohlhabenden verbotenen Städten (Edge Cties, Privatopia) durch Sicherheitsmaßnahmen räumlich getrennt. Obwohl die natürliche Umgebung bis zur Unbewohnbarkeit ausradiert ist, entwickelt sie sich gleichzeitig zum Brennpunkt politischer Aktionen (Politics of Nature).“ (2005: 33).

1.4. Los Angeles heute

Heute erstreckt sich die Stadt Los Angeles über eine Fläche von 465 Quadratmeilen (CITY OF LOS ANGELES, 2013) - etwa 1204 km² - und ist fast eineinhalb Mal so groß wie Berlin ( DER REGIERENDE BÜRGERMEISTER VON BERLIN, 2013). Das einst familiäre, mexikanische Dorf wuchs zu einer riesigen, lebendigen Weltstadt heran.

Los Angeles ist untergliedert in 15 Stadtverwaltungsbezirke (Districts), 36 Plangebiete der Gemeinde (Community Plan Areas) (LOS ANGELES DEPARTMENT OF CITY PLANNING, 2013), und laut der L.A.TIMES in 114 Nachbarschaften (2009).

Die Metropolregion Los Angeles besteht aus den fünf Counties Los Angeles, Orange, Riverside, San Bernardino und Ventura (SOJA & SCOTT, 1986: 249). Das L.A. County umfasst die eigentliche Stadt Los Angeles, sowie über hundert weitere eigenständige Gemeinden (incorporated cities) wie z.B. Beverly Hills, die wiederum in unzählige Stadtteile, Nachbarschaften und private Siedlungen zerteilt sind und die politische Zersplitterung (BRONGER, 2004: 33; HEINEBERG: 2006: 259) der Region widerspiegeln.

Anfang des 20. Jahrhunderts war Los Angeles die am schnellsten wachsende Metropole der Erde (BRONGER, 2004: 20), was zu folgenden Einwohnerzahlen führte:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab.2: Einwohnerzahlen 2010/2012 (U.S. CENSUS BUREAU)

1 838 822 Personen, d.h. 48,5 Prozent der Einwohner L.A.s sind Hispanics bzw. Latinos (zwei Drittel von ihnen stammen aus Mexiko). Weitere 11,3 Prozent der Einwohner sind asiatischer Herkunft, 9,6 Prozent sind Afro-Amerikaner, 0,7 Prozent amerikanische Ureinwohner (U.S. CENSUS BUREAU, 2010). Aus diesen Zahlen ist die Internationalisierung der Bevölkerung ersichtlich, da die Mehrheit einer ethnischen Minorität angehört.

2. Besonderheiten

2.1. Downtown Los Angeles

Seit den 1950er Jahren fand im verfallenden Downtown L.A. (z.B. im Stadtteil Bunker Hill) in Zusammenarbeit mir PPPs Flächensanierungen und Gentrifizierung statt (HEINEBERG, 2006: 261 f.), um der Dezentralisierung entgegenzuwirken. Die arme Bevölkerung entfernt und die meisten alten Gebäude abgerissen. An dieser Stelle entstand ein autogerechtes Straßennetz, eine Skyline mit Wolkenkratzern wie sie in den USA den typischen Stadtkern darstellt, sowie neue Büro- und luxuriöse Einkaufsflächen.

[...]

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Details

Titel
Stadtentwicklung Los Angeles. Gated Communities und Suburbs
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
bestanden
Autor
Jahr
2013
Seiten
14
Katalognummer
V275975
ISBN (eBook)
9783656689102
ISBN (Buch)
9783656689096
Dateigröße
986 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
stadtentwicklung, angeles, gated, communities, suburbs
Arbeit zitieren
Dorothea Wolschak (Autor), 2013, Stadtentwicklung Los Angeles. Gated Communities und Suburbs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275975

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