Globales Lernen und das bedingungslose Grundeinkommen


Essay, 2013
11 Seiten

Leseprobe

Im Wintersemester 2012/13 habe ich die Lehrveranstaltung Globales Lernen besucht. Das Seminar untersuchte Ursprung, Merkmale und Perspektiven des Globalen Lernens. Dabei ging es unter anderem um konzeptionelle Fragen und Spannungsfelder. Die Praxis des Globalen Lernens wurde sowohl in Bezug auf Österreich als auch im internationalen Kontext behandelt. Untersucht wurde das Globale Lernen als Konzept im formalen und informellen Bildungswesen, hinsichtlich der Wahrnehmung und Auseinandersetzung mit der Welt sowie als Bestandteil von entwicklungspolitischen Maßnahmen.

Aber was genau ist Globales Lernen? Globales Lernen zeichnet sich durch eine hohe Vielfalt aus, was sich auch in der Diskussion der SeminarteilnehmerInnen gezeigt hat, was genau unter Globales Lernen zu verstehen ist und worin es sich auszeichnet. Dabei wurden vielfältige Punkte angesprochen und Ebenen aufgezeigt. Globales Lernen ist demnach gekennzeichnet durch Diskussion, Dialog, vielfältige Methoden, Komplexität, frei von Hierarchien, kompetenzorientiert, ein pädagogisches Konzept als Alternative, Sensibilisierung, Schaffung von Bewegungs- und Erfahrungsraum, Toleranz, Werte und gegenseitigen Respekt, selbst organisierter Lernprozess, fächerübergreifend, Bezug auf Erfahrungswerte sowie sich in der Welt orientieren lernen. Auf alle Fälle zeigt sich aus dem Genannten ein breites Spektrum an Merkmalen, mit denen Globales Lernen in Verbindung gebracht wird.

Für den Begriff Globales Lernen gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Definitionen, die sich in verschiedener Intensität voneinander unterscheiden. Es gibt übrigens auch für die Begriffe Entwicklung und Religion eine Vielzahl an unterschiedlichen Definitionen. Alle drei Begriffe lassen sich wohl nicht mit einer kurzen Definition abhandeln, sondern es gibt eine gewisse Breite an Ansichten und Vorstellungen zu diesen Begriffen, wodurch sich dann eine Vielzahl von Definitionen ergeben. Unterschiedliche Beschreibungen für Globales Lernen ergeben sich auch deshalb, weil verschiedene Personen bezüglich des Globalen Lernens bestimmte Perspektiven bedeutender und elementarer beurteilen als andere.

Eine mögliche Definition für die Bezeichnung kann wie folgt lauten: „Globales Lernen hat sich seit den 1990er Jahren vor allem aus der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit heraus entwickelt. Globalisierung und die zunehmende Komplexitätssteigerung in der Weltgesellschaft stellen auch pädagogisches Denken und Handeln vor neue Herausforderungen. Globales Lernen definiert die Auseinandersetzung mit globalen Themen und Entwicklungsfragen - mit den "Schlüsselfragen" unserer Zeit - als Querschnittsaufgabe von Bildung. Eine wesentliche Aufgabe von Bildung besteht heute darin, (junge) Menschen zu befähigen, komplexe Entwicklungsprozesse zu verstehen und diese kritisch zu reflektieren. Dabei gilt es, ökonomische, soziale, politische, ökologische und kulturelle Entwicklungen als gestaltbare Prozesse wahrzunehmen und Möglichkeiten zur eigenen Teilhabe und Mitgestaltung in der Weltgesellschaft zu erkennen.“ (KommEnt o.J.)

Eine andere Sichtweise kann wie folgt aussehen. Globales Lernen „fördert die Fähigkeit, die Einheit, aber auch die Vielfalt der menschlichen Gesellschaft, die globalen Zusammenhänge und die eigene Position und Teilhabe daran wahrzunehmen. [Globales Lernen] fördert die Fähigkeit, aus der Sicherheit und aus dem Bewusstsein der eigenen Identitäten, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, die Welt aus der Sicht anderer zu betrachten und auf der Basis verschiedener Betrachtungsweisen innerhalb einer globalen Weltengesellschaft zu forschen, zu lernen, zu reflektieren und zu handeln. [Globales Lernen] fördert die Fähigkeit, eigene Entscheidungen, eigenes Handeln und Nicht-Handeln im Hinblick auf die globale Weltengesellschaft zu reflektieren, und sich der sozialen und ökologischen Folgen und Auswirkungen auf die Zukunft bewusst zu werden. [Globales Lernen] fördert die Fähigkeit, sich als Mitglied einer globalen Weltengesellschaft wahrzunehmen – auf der Basis von Erfahrungen lokalen Handels und Gestaltens – und in Kooperation mit anderen auch Einfluss auf die Bewältigung globaler Herausforderungen, wie Entwicklung, Frieden, Umwelt und Menschenrechte, auszuüben.“ (Schwarz 2010: 12).

Eine abschließende Definition für Globales Lernen: „Das österreichische Strategiepapier definiert Globales Lernen ganz klar als ein pädagogisches Konzept, das für den Umgang mit Komplexität und das Leben in der 'Weltgesellschaft' vorbereitet und dabei unter anderem den Umgang mit Unsicherheit, Nicht-Wissen und das Risiko von Orientierungslosigkeit berücksichtigt. Damit verbunden folgt Globales Lernen einem pädagogischen Verständnis, welche Lernprozesse als selbstorganisierte, individuelle Vorgänge begreift, die durch Lernangebote in der Umwelt angeregt, aber nicht durch sie determiniert werden können.“ (Grobbauer/Thaler 2010: 130).

Worum geht es also beim Globalen Lernen? Im Rahmen des Seminars wurden Punkte erarbeitet, die dafür stehen, wovon Globales Lernen handeln kann. So geht es etwa darum, Zusammenhänge zu verstehen, um sich in einer globalisierten Welt orientieren zu können, mehr Offenheit und Toleranz zu schaffen sowie andere Lebenswelten zu erfahren. Ein Eingehen auf persönliche Bedürfnisse und Potenziale sowie Veränderungen verstehen und auf sie reagieren können. Weiter soll Globales Lernen ein Einnehmen verschiedener Perspektiven ermöglichen sowie eine kritische Auseinandersetzung. Ferner geht es darum, Lernen zu lernen, um ein Verstehen und nicht nur ein Wissen sowie darum, sich als Teil einer globalen Gesellschaft zu fühlen.

Lernen sollte also mehr sein als die reine Aufnahme von Informationen. Auch kann Lernen als etwas angesehen werden, das nicht nur in der Schule stattfindet, sondern auch außerhalb passiert. Globales Lernen kann und soll dazu beitragen, diese unsere Welt besser zu verstehen. Es geht vor allem auch darum, Reflexion zu betreiben und Antworten auf Fragen der Globalisierung zu finden. Die Zielsetzung ist dahingehend ausgerichtet, Weltoffenheit und Empathie zu befördern. Globales Lernen versucht meiner Ansicht nach auch aufzuzeigen, dass es nicht nur eine bestimmte Lösung gibt, sondern dass stets auch alternative Lösungen möglich sind.

Beim Lernen lohnt es sich Neugierde zu bewahren und eine kritische Auseinandersetzung mit eigenen Angelegenheiten. Jeder Mensch muss sich jedoch bewusst sein, dass Lernen mit Anstrengung verbunden ist und Mühe erfordert. Bildung kann nur durch die Arbeit an der eigenen Person ereicht werden. LeherInnen können dabei unterstützend tätig sein. Auch bedeutet Lernen in einer gloabaliserten und vernetzten Welt ein lebenslängliches Lernen.

Für ein verantwortungsvolles Miteinander in der globlen Gesellschaft bedarf es bestimmter Fertigkeiten und Fähigkeiten. Dies beinhaltet unter anderem: Eine Wahrnehmung inne haben, die Neugierde und Fragen stellen fördert. Empathie, um sich in andere Menschen hineinversetzen zu können und häufigen Perspektivenwechsel zu betreiben. Authentische Erfahrung aus der Nähe in eine weltumspannende Struktur zu transformieren. Die Fertigkeit, Gegenwart und Zukunft zu verknüpfen. Der Gegebenheit ins Auge schauen, dass einfach Lösungen nicht vorhanden sind. Die Fertigkeit von Kooperation mit anderen sowie gemeinsamer Einsatz von sozialen und ökologischen Zielen. Das Erkennen und gewaltfreie Beenden von entstehenden Konflikten und Gegensätze verschiedener Interessen. Die Gabe, Selbstreflexion auszuüben (vgl. Forghani 2001: 106f).

Dafür ist es wichtig: „Um unserer komplexen, vernetzten, globalisierten Wirklichkeit wirksam begegnen zu können, müssen wir einen entsprechenden Bewusstseinswandel vornehmen. Die Entwicklung eines globalen Bewusstseins gilt als Gegenstand vieler aktuellen Ansätze, die sich mit der Zukunftsfähigkeit der Menschheit befassen.“ (Forghani 2001: 9).

Die Vielzahl an Definitionen und Beschreibungen für Globales Lernen macht es für mich jedoch auch schwierig, diesen Begriff klar und deutlich zu umfassen. Die Bezeichnung Globales Lernen weist daher für mich eine gewisse Ungenauigkeit auf, die sich trotz der vielen Definitionen nicht vollständig in Klarheit auflösen lässt. So stellen sich etwa folgende Fragen: Wie genau sieht die Umsetzung von globalem Lernen in der Praxis aus, kann globales Lernen tatsächlich hierarchiefrei sein, wer hat Interesse an einer Implementierung und wer nicht, wie kann Globales Lernen massentauglich gemacht werden? Eine Diskussion hierüber würde die Thematik des Globalen Lernens inhaltlich weiter voranbringen.

[...]

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Details

Titel
Globales Lernen und das bedingungslose Grundeinkommen
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Internationale Entwicklung)
Veranstaltung
Globales Lernen
Autor
Jahr
2013
Seiten
11
Katalognummer
V276097
ISBN (eBook)
9783656688228
ISBN (Buch)
9783656688211
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lernen, Globales Lernen, Grundeinkommen, bedingungslos, Bedingungsloses Grundeinkommen, BGE, Bildungswesen, Bildungsarbeit, Globalisierung, Entwicklung, Pädagogik, Alternative
Arbeit zitieren
Wolfgang Krumm (Autor), 2013, Globales Lernen und das bedingungslose Grundeinkommen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276097

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