Jürgen Habermas' "Theorie des kommunikativen Handelns". Entkopplung von System und Lebenswelt


Hausarbeit, 2008
18 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Biographie und “Theorie des kommunikativen Handelns”

3. Gesellschaftstheorie

4. System-Lebenswelt-Komplex

5. Entkopplungsprozess von System und Lebenswelt

6. Zusammenfassung

Quellenverzeichnis

Jürgen Habermas: Entkopplung von System und Lebenswelt

Soziologische Theorien der Gegenwart

1. Einleitung:

„Anpassung ist der Preis, den Individuen und Vereine zahlen müssen, um im Kapitalismus aufzublühen.“[1] Jürgen Habermas beschäftigt sich in seinem Werk „Theorie des kommunikativen Handelns“ mit dem Versuch, ein theoretisch gesellschaftskritisches Konzept aufzuzeigen. Sein Anliegen bei der Aufzeigung der Regeln gesellschaftlicher Existenz ist unter anderem, die normativen Grundlagen zu verdeutlichen, welche die Kritik der sozialen Verhältnisse erlauben.

„Die Schriften von Jürgen Habermas insgesamt und insbesondere seine >Theorie des kommunikativen Handelns< sind zu einem Brennpunkt der internationalen Theoriediskussion in den Sozialwissenschaften geworden – und dies mit gutem Grund; denn wie kaum ein anderer Autor versteht es Jürgen Habermas, durch systematische Argumentation, theoriegeschichtliche Umsicht, theoretische Spannweite und zeitdiagnostischen Blick die verschiedensten Diskussionskreise und -motive zu bündeln.“[2]

2. Biographie und „Theorie des kommunikativen Handelns“:

Sein Werk zur „Theorie des kommunikativen Handelns“ erschien 1981. In diesem Werk hat Habermas deutlich neue Schwerpunkte gesetzt, so dass auch seine älteren Werke in den Hintergrund gerückt sind. (1961: "Strukturwandel der Öffentlichkeit. Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft", "Student und Politik" , 1968: "Erkenntnis und Interesse", 1973: "Legitimationsprobleme im Spätkapitalismus" , 1976: "Rekonstruktion des bürgerlichen Materialismus")[3] Die vormals verstärkt vertretene Makrotheorie der Soziologie wird hier nun abgelöst durch den Versuch, Makrotheorie und Mikrotheorie zu verbinden, oder, wie Habermas schreibt, Handlungs- und Systemtheorie. Die Mikrotheorie beschäftigt sich mit den soziologischen Themenbereichen über den Handelnden und die Handlung selber, während die Makrotheorie ihr Interesse auf die großen Handlungsbereiche Gesellschaft und System legt. „Zu den vorrangigen Aufgaben der Soziologie, bzw. der Makrosoziologie gehört es, die „großen“ Strukturen von Gesellschaften zu untersuchen, d.h. aufzuzeigen und womöglich zu erklären, nach welchen Kriterien die Gesellschaft ihre Bevölkerung unterscheidet und organisiert.“[4] Dem gegenüber geht es in der Mikro- oder Handlungstheorie um folgendes: „Soziologie (…) soll heißen: eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will.“[5] Habermas versucht die beiden eigentlich getrennt betrachteten Themenbereiche, des menschlichen Handelns und der gesellschaftlichen Tätigkeit, zu vereinen und nicht mehr getrennt voneinander zu betrachten.

Kaum ein anderes Werk der Soziologie zeigte nach seinem Erscheinen solch weitgreifende Auswirkungen, wie die „Theorie des kommunikativen Handelns“ von Jürgen Habermas. Jürgen Habermas wurde am 18. Juni 1929 in Düsseldorf geboren und studierte Philosophie, Geschichte und Psychologie. „Von 1956 bis 1959 war er Assistent am Institut für Sozialforschung in Frankfurt/M. und nahm dort wesentliche Impulse der Frankfurter Schule auf. Aus ihrer Tradition hat er die seine weiteren Arbeiten strukturierende Fragestellung entwickelt, wie eine kritische Theorie der Gesellschaft beschaffen zu sein habe, die eine dem erreichten Stand sozialwissenschaftlicher Erkenntnis wie historischer Erfahrung angemessene Theorie der Demokratie darstelle.“[6]

Nach seiner Habilitation wurde er Professor für Philosophie und Soziologie in Frankfurt am Main. Habermas hörte niemals auf, sich mit der Thematik seiner Handlungstheorien zu beschäftigen und weitere Werke zu diesem Thema zu veröffentlichen. Doch nicht alleine bezogen auf die Handlungstheorien blieb Habermas tätig, sondern auch allgemein im Hinblick auf Soziologie sowie auf philosophische Themen. So veröffentlichte er bis heute viele weitere Werke, wie zum Beispiel ganz aktuell seine 2170 Seiten umfassende „Studienausgabe in fünf Bänden“ zu philosophischen Texten.

„Habermas kann, was die Quantität und Intensität seiner Rezeption betrifft, getrost als der wichtigste und am meisten diskutierte deutschsprachige Philosoph der beiden letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts gelten.“[7]

„In der zweibändigen, 1175 Seiten umfassenden Theorie des kommunikativen Handelns, die als sein Hauptwerk gelten kann, bemüht sich der 1929 geborene Sozialphilosoph Jürgen Habermas um eine Neuformulierung der kritischen Theorie.“[8]

Die in seinem Werk als Hauptthemen zu betrachtenden Themenkomplexe lassen sich wie folgt charakterisieren:

- Vernunft:

Im Anspruch, an der Philosophie Kants orientiert, entfaltet die Theorie des kommunikativen Handelns über ihre explizit sozialphilosophischen Erwägungen hinaus das umfassende Programm einer allgemeinen Theorie der Vernunft.[9]

- Handlung:

In seiner Theorie des kommunikativen Handelns differenziert Jürgen Habermas zwischen vier Handlungstypen: teleologisches Handeln, normenreguliertes Handeln, dramaturgisches Handeln, kommunikatives Handeln. Für jedes gilt, dass es, im Gegensatz zum bloßen Verhalten, einer Regel folgt.[10]

Verständigung

„Die Habermassche Universal- bzw. Formalpragmatik rekonstruiert auf den Spuren der Sprechakttheorie Austins und Searles die Bedingungen und Voraussetzungen sprachlicher Verständigung.“[11]

- Lebenswelt und System

„Die Struktur der modernen Gesellschaften beschreibt Habermas über die Leitungsunterscheidung von System und Lebenswelt.“[12]

- Metakritik der kritischen Theorie.

In der Theorie des kommunikativen Handelns fragt Habermas „nach den normativen Maßstäben, die eine kritische Theorie der Gesellschaft immer schon in Anspruch nehmen muss.“[13]

3. Gesellschaftstheorie:

„Die eigentliche Gesellschaftstheorie nimmt in der TdkH einen gegenüber ihrer handlungs- rationalitätstheoretischen Fundierung recht bescheidenen Raum ein.“[14] Jürgen Habermas entwirft in seiner „Theorie des kommunikativen Handelns“ ein Bild der Gesellschaft, in welchem die beiden vormals separat stehenden Bereiche System und Lebenswelt gemeinsam betrachtet werden. „Die Struktur der modernen Gesellschaften beschreibt Habermas über die Leitunterscheidung von System und Lebenswelt.“[15]

Die in diesem Thema bedeutendsten Begriffe sind der der Gesellschaft, der Lebenswelt und des Systems. Um auf die Bedeutung der Entkoppelung von System und Lebenswelt genauer eingehen zu können, bedarf es zunächst der Aufzeigung der Bedeutung dieser Begriffe und der Aufzeigung ihrer Bedeutsamkeit innerhalb der Gesellschaft.

Gesellschaft:

Zunächst möchte ich versuchen aufzuzeigen, was genau Habermas unter Gesellschaft versteht. Für Jürgen Habermas ist die Gesellschaft ein System, „das Erhaltungsbedingungen soziokultureller Lebenswelten erfüllen muß.“[16] Dass Gesellschaften systematisch stabilisierte Handlungszusammenhänge sozial integrierter Gruppen darstellen soll bedeuten, dass Gesellschaften als Entität, also als Seinshaftigkeit, bzw. individuelles Einzelelement, betrachtet werden sollen, die sich im Verlauf der Evolution sowohl als System als auch als Lebenswelt ausdifferenzieren.[17] „Die Systemrevolution bemißt sich an der Steigerung der Steuerungskapazität einer Gesellschaft, während das Auseinandertreten von Kultur, Gesellschaft und Persönlichkeit den Entwicklungsstand einer symbolisch strukturierten Lebenswelt anzeigt.“[18]

Wie sich zeigt nehmen die beiden Begriffe System und Lebenswelt bereits in der bloßen Beschreibung dessen, was unter Gesellschaft zu verstehen sei, bei Habermas eine entscheidende Rolle ein. System und Lebenswelt sind für Habermas entscheidende soziologische Begrifflichkeiten mit wichtigen individuellen Bedeutungen.

Lebenswelt:

Unter Lebenswelt versteht Habermas das, was die Handlung des Handelnden innerhalb der Gesellschaft ausmacht. Diese, das Handeln ausmachenden Hintergründe sind immer gegeben, jedoch dem Handelnden selber niemals bewusst. Lebenswelt ist das, was uns auf Grund unserer Herkunft, unserer Gruppenzugehörigkeit, also auf Grund unseres Umfeldes, ausmacht. „Die Mitglieder einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppierung (z.B. der ,Antifa´-Szene oder eines Golfclubs) sind – trotz der internen Differenzierung etwa nach Alter oder Geschlecht – Mitglieder der selben Lebenswelt. Aus dieser Lebenswelt entnehmen die Individuen bestimmte Ressourcen ihres Handelns, bestimmte Wissensbestände.“[19]

Den Begriff der Lebenswelt hat Habermas selber unerwartet eingeführt, als Gegensatz zu seinem Begriff der kommunikativen Handlung. Seinen Begriff der kommunikativen Handlung führte Habermas ein in seiner Aufstellung von vier Handlungsbegriffen, aus welchen soziales Handeln besteht. Diese vier Handlungsbegriffe sind das teleologische, das normenorientierte, das dramaturgische und das kommunikative Handeln. “Kommunikatives Handeln ist das prototypische intersubjektive Handeln. Es ist nicht strategisch, nicht erfolgsorientiert und dennoch auf ein gemeinsames Ziel der Beteiligten hin ausgerichtet. Dieses Ziel lautet Verständigung.”[20]

Der Begriff der Lebenswelt im Kontext des kommunikativen Handelns soll bedeuten, dass das wesentliche Merkmal der Lebenswelt darin besteht, dass diese nicht bestimmte Inhalte darstellt, sondern die sprachlichen Mittel für eine durch Verständigung erzielte Übereinkunft bereithält.

[...]


[1] Horkheimer (1981), Autoritärer Staat; in: Gesellschaft im Übergang, Frankfurt am Main, S.16

[2] A. Honneth/H. Joas (1986), Kommunikatives Handeln, Frankfurt am Main, Buchrücken

[3] http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/HabermasJuergen/ (7. Juni 2009)

[4] Vester, Heinz-Günter (2009), Kompendium der Soziologie I: Grundbegriffe, Wiesbaden, S. 119

[5] Weber, Max (2002), Wirtschaft und Gesellschaft: Grundriß der verstehenden Soziologie, Tübingen, S. 1

[6] http://www.uni-magdeburg.de/iphi/aktuelles/Habermas3.html (29.05.2009)

[7] G. Gramm/A. Hetzel/M. Lilienthal (2001), Hauptwerke der Sozialphilosophie, Stuttgart, S. 264

[8] Ebd., S. 249

[9] Ebd., S. 250

[10] Ebd., S. 257

[11] Ebd., S. 258

[12] Ebd., S. 261

[13] Ebd., Stuttgart, S. 262

[14] Ebd., S. 261

[15] Ebd., S. 261

[16] Habermas, Jürgen (1987), Theorie des kommunikativen Handelns, Zweiter Band, Frankfurt am Main, S.228

[17] Ebd., S.228

[18] Ebd., S.228

[19] Treibel, Annette (1993), Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart , Opladen, S. 166

[20] Ebd., S. 163

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Jürgen Habermas' "Theorie des kommunikativen Handelns". Entkopplung von System und Lebenswelt
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Jürgen Habermas
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
18
Katalognummer
V276132
ISBN (eBook)
9783656689751
ISBN (Buch)
9783656689737
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
jürgen, habermas, theorie, handelns, entkopplung, system, lebenswelt
Arbeit zitieren
Brandon Morrell (Autor), 2008, Jürgen Habermas' "Theorie des kommunikativen Handelns". Entkopplung von System und Lebenswelt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/276132

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