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Die Informationseffizienz des deutschen Kapitalmarktes. Messkonzepte und Forschungsergebnisse

Title: Die Informationseffizienz des deutschen Kapitalmarktes. Messkonzepte und Forschungsergebnisse

Diploma Thesis , 2002 , 89 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Alexander Held (Author)

Business economics - Banking, Stock Exchanges, Insurance, Accounting
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Marktwirtschaftliche Systeme werden unter anderem an der Effizienz der Allokation von Ressourcen und Gütern gemessen. Unter der Voraussetzung der Produktionsfähigkeit eines Marktes dienen Preise als Knappheitsindikatoren, die das Ergebnis des Marktmechanismus darstellen. Marktprozesse selbst werden wiederum über Preise gesteuert und sollen zu einem Ausgleich von Angebot und Nachfrage führen. In der volkswirtschaftlichen Theorie findet dieser Markt- bzw. Preismechanismus auf allen Märkten, und demzufolge auch auf dem Kapitalmarkt statt.

Die Definition der Kapitalmarkteffizienz im Sinne informationseffizienter Kapitalmärkte durch Fama (1970) stellt einen Eckpfeiler der modernen Kapitalmarkttheorie dar. Hierdurch wird der Preisanpassungsmechanismus begründet, der zu einer arbitragefreien bzw. gleichgewichteten Bewertung an den Kapitalmärkten führt. In der Literatur sind verschiedene Ansätze zur Definition der Informationseffizienz formuliert worden. In diesen soll ein Marktzustand beschrieben werden, bei dem sämtliche objektiv verfügbaren Informationen, insbesondere die Kursvergangenheit, vollständig und richtig von den Wertpapierpreisen widergespiegelt werden. Auf informationseffizienten Märkten ist daher die zukünftige von der vergangenen Kursentwicklung vollständig unabhängig, so dass sich aus der Kursvergangenheit keine Kursprognosen ableiten lassen.

Gelingt der Nachweis der Informationseffizienz des Kapitalmarktes, können daraus wirtschaftliche und wissenschaftliche Vorteile erwachsen. Die wirtschaftlichen Vorteile haben sowohl einen einzelwirtschaftlichen, als auch einen gesamtwirtschaftlichen Aspekt. Einzelwirtschaftliche Vorteile lägen beispielsweise vor, wenn die Feststellung eines informationseffizienten Marktes eine Informationsauswertung durch den einzelnen Investor obsolet machen würde. Dies wäre unter den restriktiven Prämissen einiger Kapitalmarktmodelle eine direkte Folge der Informationseffizienz. Die Einschränkungen der Modellprämissen sowie das sog. Informationsparadoxon schränken diese Vorteile in der Realität jedoch ein.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Hypothese effizienter Märkte

2.1 Abgrenzung des Begriffs Informationseffizienz

2.2 Definitionsansätze zur Markteffizienz

2.2.1 Marktgleichgewicht der Wertpapierpreise

2.2.2 Marktgleichgewicht der Wertpapierpreise und -bestände

2.2.3 Nichtbestehen von gewinnträchtigen Handelsstrategien

2.3 Modelle des Preisprozesses auf informationseffizienten Märkten

2.3.1 Fair-Game-Bedingung

2.3.2 Martingale-Modell

2.3.3 Submartingale-Modell

2.3.4 Random Walk-Modell

2.4 Das Konzept der Informationsmengen

2.4.1 Strenge Informationseffizienz

2.4.2 Halbstrenge Informationseffizienz

2.4.3 Schwache Informationseffizienz

2.4.4 Informationsmengen nach Beaver

2.5 Kritische Würdigung der Effizienzmarkthypothese

2.5.1 Informationsparadoxon

2.5.2 Excess Volatility

3 Messkonzepte zur Informationseffizienz

3.1 Vorgehensweise bei Untersuchungen zur Informationseffizienz

3.1.1 Tests auf schwache Informationseffizienz

3.1.2 Tests auf halbstrenge Informationseffizienz

3.1.3 Tests auf strenge Informationseffizienz

3.2 Informationseffizienz versus Informationsgehalt

3.3 Unternehmensspezifische und unternehmensübergreifende Ereignisse

3.4 Modelle zur Renditebereinigung

3.4.1 Faktorlose Modelle

3.4.1.1 Mittelwertbereinigte Renditen

3.4.1.2 Marktbereinigte Renditen

3.4.2 Einfaktorenmodelle

3.4.2.1 Marktmodell

3.4.2.2 Capital Asset Pricing Model

3.4.3 Mehrfaktorenmodelle

3.4.3.1 Arbitrage Pricing Theory

3.4.3.2 Dreifaktorenmodell von Fama/French

3.5 Probleme bei der Ermittlung der Gleichgewichtsrendite

3.5.1 Bestimmung des Ereignis- bzw. Ankündigungszeitpunktes

3.5.2 Überlappende Ereignisse

3.5.3 Antizipation von Ereignissen

3.6 Aggregation der Renditen

3.6.1 Kumulierte Überrendite

3.6.2 Buy & Hold – Überrendite

4 Forschungsergebnisse zur Informationseffizienz

4.1 Schwache Informationseffizienz

4.2 Halbstrenge Informationseffizienz

4.2.1 Pressemeldungen

4.2.2 Ad hoc-Publizität

4.2.3 Analystenmeinungen

4.2.4 Unternehmenskontrolle

4.2.5 Unternehmensstrategie

4.2.6 Gewinne

4.2.7 Dividenden

4.2.8 Kapitalveränderungen

4.2.8.1 Gratisaktien

4.2.8.2 Kapitalerhöhung

4.2.9 Fazit

4.3 Strenge Informationseffizienz

5 Zusammenfassung und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, empirische Untersuchungen zur Informationseffizienz des deutschen Kapitalmarktes, insbesondere des Aktienmarktes, aufzuzeigen und kritisch zu würdigen. Dabei werden die theoretischen Grundlagen der Effizienzmarkthypothese, verschiedene Messkonzepte (wie Ereignisstudien und Renditebereinigungsmodelle) sowie die Ergebnisse bisheriger Forschungsarbeiten analysiert.

  • Theorie effizienter Märkte und deren Abgrenzung
  • Modelle zur Preisbildung und Informationseffizienz
  • Methoden der Ereignisstudien zur Renditebereinigung
  • Analyse empirischer Ergebnisse zu verschiedenen Informationstypen
  • Kritische Würdigung der Effizienzmarkthypothese und ihrer Grenzen

Auszug aus dem Buch

2.2.1 Marktgleichgewicht der Wertpapierpreise

Der Definitionsansatz von Fama (1970) geht allein von einer Informationsfunktion der Wertpapierpreise aus: „A market in which prices always fully reflect all available information is called efficient“.22 Da nicht unmittelbar klar wird, was unter „fully reflected“ and „all available information“ zu verstehen ist, merkt Schmidt (1981) an, dass diese Definition noch operationalisiert werden muss.23 Da sämtliche bewertungsrelevanten Informationen bereits im Wertpapierpreis enthalten sind, entspricht der auf die verfügbare Information Φt konditionierte Erwartungswert des Preises E(Pi,t+1|Φt) eines Wertpapiers i dem unkonditionierten Erwartungswert:

E(Pi,t+1|Φt)= E (Pi,t+1) (2.1)

Zur Konkretisierung der Aussage, dass die Wertpapierpreise die verfügbare, bewertungsrelevante Information widerspiegeln, stellt Fama (1970) folgende hinreichende Bedingungen an einen informationseffizienten Markt:24

(1) Es bestehen keine Transaktionskosten, Steuern oder sonstigen Marktfriktionen.

(2) Den Marktteilnehmern stehen alle (bewertungsrelevanten) Informationen kostenlos zur Verfügung.

(3) Die Marktteilnehmer besitzen homogene Erwartungen über die Bewertungsrelevanz der Informationen für die Wertpapierpreise und deren zukünftige Verteilung.

(4) Die Marktteilnehmer treten als Mengenanpasser auf.

(5) In bezug auf die Verfügbarkeit und Verarbeitung von Informationen wird vollkommene Markttransparenz unterstellt. 25

Die Bedingungen (2), (3), und (5) bewirken, dass alle Marktteilnehmer über die gleichen Informationen verfügen und diese in ihrer Auswirkung auf den Gewinnerwartungswert26 gleich beurteilen. Ist jede Information bereits im Preis enthalten und schlagen sich neue Informationen im Preis nieder, so impliziert dies, dass die Änderung der Wertpapierpreise, gemäß dem zufälligen Informationsauftritt, einem Zufallsprozess folgt.27

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Informationseffizienz an Kapitalmärkten ein und umreißt das Ziel sowie den Aufbau der Arbeit.

2 Die Hypothese effizienter Märkte: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Markteffizienz, verschiedene Definitionsansätze sowie Modelle des Preisprozesses ausführlich dargelegt.

3 Messkonzepte zur Informationseffizienz: Dieses Kapitel widmet sich der empirischen Testbarkeit der Effizienzhypothese und stellt verschiedene Modelle zur Renditebereinigung sowie methodische Probleme bei Ereignisstudien vor.

4 Forschungsergebnisse zur Informationseffizienz: Dieser Abschnitt bietet einen Überblick über empirische Studien zum deutschen Kapitalmarkt, kategorisiert nach verschiedenen Effizienzformen und Ereignistypen.

5 Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und diskutiert die Schwierigkeiten bei der abschließenden Beurteilung der Informationseffizienz.

Schlüsselwörter

Informationseffizienz, Kapitalmarkttheorie, Effizienzmarkthypothese, Ereignisstudie, Renditebereinigung, Aktienmarkt, Preisprozess, Marktmodell, Kapitalmarktanomalien, Insiderhandel, Informationsgehalt, Arbitrage Pricing Theory, CAPM, Überrendite, Kursanpassung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Informationseffizienz des deutschen Kapitalmarktes, analysiert bestehende Messkonzepte und wertet Forschungsergebnisse anhand empirischer Daten aus.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen umfassen die Definitionen von Informationseffizienz, die theoretischen Modelle der Preisbildung, Methoden der Renditebereinigung und die Überprüfung dieser Hypothesen an konkreten Ereignissen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, empirische Untersuchungen zum deutschen Kapitalmarkt aufzuzeigen und hinsichtlich ihrer Aussagen zur Informationseffizienz kritisch zu würdigen.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden zur Messung verwendet?

Die Arbeit konzentriert sich insbesondere auf Ereignisstudien und Renditebereinigungsmodelle, wie das Marktmodell, CAPM und APT, um abnormale Renditen zu identifizieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Markteffizienz, die Darstellung der Messkonzepte (Testbarkeit) und eine detaillierte Zusammenstellung der Forschungsergebnisse zu verschiedenen Ereigniskategorien.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Fachbegriffe sind Informationseffizienz, Effizienzmarkthypothese, abnormale Rendite, Ereignisstudien und Renditebereinigung.

Warum spielt die Unterscheidung zwischen Standardwerten und Nebenwerten bei der Informationseffizienz eine Rolle?

Die Studie zeigt, dass der Kursanpassungsprozess bei weniger gehandelten Nebenwerten häufig verzögert ist, während für marktbreite Standardwerte die halbstrenge Informationseffizienz besser bestätigt werden kann.

Welchen Einfluss haben Insiderinformationen auf die Markteffizienz?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Hypothese der strengen Informationseffizienz abzulehnen ist, da das Ausnutzen von nicht öffentlichen Informationen regelmäßig Überrenditen ermöglicht.

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Details

Title
Die Informationseffizienz des deutschen Kapitalmarktes. Messkonzepte und Forschungsergebnisse
College
Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg  (Lehrstuhl für Bank- und Börsenwesen)
Grade
1,7
Author
Alexander Held (Author)
Publication Year
2002
Pages
89
Catalog Number
V27663
ISBN (eBook)
9783638296533
ISBN (Book)
9783640860586
Language
German
Tags
Informationseffizienz Kapitalmarktes Messkonzepte Forschungsergebnisse
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alexander Held (Author), 2002, Die Informationseffizienz des deutschen Kapitalmarktes. Messkonzepte und Forschungsergebnisse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27663
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