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Entstehung und Etablierung der Volkskunde

Titel: Entstehung und Etablierung der Volkskunde

Seminararbeit , 2003 , 16 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Margit Maier (Autor:in)

Ethnologie / Volkskunde
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Auch wenn man von der Entstehung einer Wissenschaft „Volkskunde“ erst gegen Ende
des 19. Jh. bzw. am Anfang des 20. Jh. sprechen kann, ist schon einige Zeit vorher eine
intensive Auseinandersetzung mit volkskundlichen Fragestellungen zu beobachten. Der
geistige Antrieb dazu stammt aus zwei völlig unterschiedlichen Motivationsrichtungen:
einerseits wird er schon seit dem 18. Jahrhundert von den rationalistischen und
nationalistischen Zielen der Aufklärung genährt, welche aus der Parole der
Französischen Revolution „liberté, égalité, fraternité“ hervorgehen, die Gleichheit aller
Menschen. Auf der anderen Seite wird durch die idealisierenden romantischen
Vorstellungen einer heilen Vergangenheit und die Volksgeistlehre zur Beschäftigung
mit der Geschichte des eigenen Volkes angespornt. Die Einflüsse der Romantik sollen
im folgenden vertieft werden. Die Entwicklung der Volkskunde zum Universitätsfach
verläuft in engem Zusammenhang mit der Sprachwissenschaft. Der wohl bedeutendste
Wegbereiter sowohl für die volkskundliche Wissenschaft als auch für die historisch
germanische Sprachforschung ist Jacob Grimm, bei welchem deshalb der Schwerpunkt
dieser Arbeit liegen soll.
Das realistische Denken des Empirismus’ wurde verdrängt durch die gefühlsbetonte
Romantik. Im Vordergrund stand nun das Unbewusste, Unbegriffene, Urtümliche, das
im Dunkel der Vergangenheit liegt. Es wuchs ein starker Wunsch nach
Zusammengehörigkeit, eine Sehnsucht nach einem heilen Vorbild, welches man in der
germanischen Frühzeit oder im Mittelalter anzusiedeln versuchte. Bei der Vorliebe für
die pittoreske Darstellung des Mittelalters kann man regelrecht von einer „Renaissance“
sprechen. Auch spielt hier das Wiederaufleben einer allumfassenden Frömmigkeit und
die leidenschaftliche Verehr ung alles göttlichen und schöpferischen eine große Rolle.
Diese geistige Strömung findet sich in allen Formen der Kunst wieder, ob in der Malerei
bei Caspar David Friedrich, in der Literatur vertreten durch die Brüder Grimm oder in
der Musik durch F. Schumann oder F. Chopin.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Geistige Strömungen

II. Gesellschaftspolitische Entwicklung der Epoche

III. Wegbereiter für die Entstehung der Wissenschaft Volkskunde

1. Der Volksgeist

2. Der „Bienenvater“

3. Zwischen Historie und Mythologie: Die Brüder Grimm

a) Werke und Bedeutung

b) Volksgeist als Gabe Gottes und Kontinuitätstheorie

c) Quellenangaben

d) Auseinandersetzung zwischen Arnim und J. Grimm

e) Die „Kinder- und Hausmärchen“

f) Der „Märchenton“

g) Märchen als pädagogisches Mittel mit Zielpublikum Kind

h) Gründe der Popularität wider Erwarten

4. Volkskunde und Politik

5. Der erste Fragebogen

IV. Entwicklung der Institutionen

1. Das Germanische Nationalmuseum

2. Sprachrohr für die Wissenschaft

3. Volkskunde und Medizin

V. Selbstverständnis der Volkskunde

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen Voraussetzungen für die Entstehung und Etablierung der Volkskunde als wissenschaftliche Disziplin im 19. Jahrhundert. Dabei steht insbesondere die Analyse des geistigen Wandels, der einflussreichen Akteure sowie der institutionellen Entwicklungen im Fokus, um die Wurzeln und das Selbstverständnis des Fachs kritisch zu hinterfragen.

  • Die Bedeutung der romantischen Volksgeistlehre für die Identitätsfindung.
  • Die Rolle der Brüder Grimm als Wegbereiter durch ihre Sammlungen und Theorien.
  • Der Einfluss gesellschaftspolitischer Rahmenbedingungen auf die volkskundliche Forschung.
  • Die Etablierung institutioneller Strukturen wie Museen und Fachpublikationen.
  • Die Verknüpfung von volkskundlichen Fragestellungen mit anderen Disziplinen wie der Medizin.

Auszug aus dem Buch

3. Zwischen Historie und Mythologie: Die Brüder Grimm

Den endgültigen Durchbruch des historischen Denkens brachten erst die Brüder Grimm (Jacob 1785-1863, Wilhelm 1786-1859). Gerade Jacob Grimm leistete für die heutige Volkskunde und die germanische Sprachforschung entscheidende Beiträge und hatte schon auf die zeitgenössischen Wissenschaftler und Sammler sehr großen Einfluss.

Die Grimmschen Werke sind für die heutige volkskundliche Wissenschaft von enormer Bedeutung. Zum einen verfolgten sie das Ziel, den riesigen Schatz der deutschen Volkspoesie möglichst unverfälscht zu erfassen. Zum anderen sicherten die Brüder in ihren Werken den Entwicklungsstand der deutschen Sprache bzw. des deutschen Rechts ihrer Zeit und machten ihn späteren Epochen zugänglich. Wilhelm hatte sich der Sammlung „Deutsche Sagen“ (1816-18) gewidmet. Mit der deutschen Sprache hatte sich Jacob Grimm ausgiebig befasst; seine Ergebnisse wurden unter den Titeln „Deutsche Grammatik“ (1819-1837), „Geschichte der deutschen Sprache“ (1848) und „Deutsches Wörterbuch“ (1852), welches erst nach über hundert Jahren zu einem Abschluss kam, veröffentlicht. Gemeinsam hatten die ausgebildeten Juristen die Werke „Deutsche Rechtsaltertümer“ (1828), „Deutsche Weistümer“ (1840-1878) und „Deutsche Mythologie“ (1825) verfasst. Ihr populärstes Werk sind die „Kinder- und Hausmärchen“ (1812/1815).

Von anderen Sammlern hob sich Jakob Grimm deutlich ab. Es gelang ihm, eine besonders mannigfache und bunte Sammlung mündlich tradierter Texte zu erstellen. Diese versah er mit umfangreichen Kommentaren und Interpretationen. Darüber hinaus versuchte Grimm, Bedeutung und Hintergrund seiner Untersuchungsobjekte offen zu legen. Aus heutiger Sicht kommt daher Jacob Grimm in der Geschichte der Volkskunde eine beherrschende Stellung zu.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Geistige Strömungen: Das Kapitel beleuchtet den Einfluss der Romantik und der Aufklärung als geistige Motoren für die spätere Entstehung der Volkskunde.

II. Gesellschaftspolitische Entwicklung der Epoche: Hier werden die politischen Umbrüche, die Industrialisierung und die Auswirkungen napoleonischer Kriege als Kontextfaktoren für die Suche nach nationaler Identität beschrieben.

III. Wegbereiter für die Entstehung der Wissenschaft Volkskunde: Dieser Abschnitt widmet sich den zentralen Figuren und Ansätzen, von Herders Volksgeistlehre über die Märchensammlungen der Brüder Grimm bis hin zur methodischen Neuerung des Fragebogens durch Wilhelm Mannhardt.

IV. Entwicklung der Institutionen: Das Kapitel beschreibt den Übergang von privater Sammeltätigkeit hin zur institutionalisierten Forschung durch Museen, Vereine und wissenschaftliche Fachzeitschriften.

V. Selbstverständnis der Volkskunde: Abschließend wird kritisch auf die Fehler und Fehlinterpretationen der frühen Volkskunde geblickt und deren Bedeutung als Sinnstifter in einer Zeit gesellschaftlicher Umbrüche reflektiert.

Schlüsselwörter

Volkskunde, Volksgeist, Romantik, Brüder Grimm, Kinder- und Hausmärchen, Kontinuitätstheorie, Germanisches Nationalmuseum, Volkslied, Johann Gottfried Herder, Wilhelm Mannhardt, Mythologie, Wissenschaftsgeschichte, Kulturgeschichte, Nationalismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die Ursprünge und die historische Entwicklung der Volkskunde als Wissenschaft im 19. Jahrhundert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen der Einfluss romantischer Strömungen, die Rolle der Brüder Grimm, die gesellschaftspolitische Lage des 19. Jahrhunderts und die Entstehung wissenschaftlicher Institutionen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die Gründung der Volkskunde und ihre fachliche Etablierung vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Ideengeschichte und Politik zu analysieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen historisch-analytischen Ansatz, der auf der Auswertung zeitgenössischer Primär- und Sekundärquellen basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert Vordenker wie Herder und die Brüder Grimm, methodische Entwicklungen wie den ersten Fragebogen sowie die Gründung zentraler Institutionen wie des Germanischen Nationalmuseums.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Volksgeist, Romantik, Volkskunde, Wissenschaftsgeschichte und kulturelle Identität.

Wie bewertete Jacob Grimm die Qualität seiner Märchensammlung?

Grimm bemühte sich um eine möglichst reine und unverfälschte Erfassung des Märchenguts, um die Schlichtheit und Reinheit der überlieferten Volkspoesie zu bewahren.

Welche Rolle spielten Kinder als Zielgruppe in der Romantik?

Kinder wurden in der Romantik erstmals als eigene Zielgruppe entdeckt; die Märchen sollten ihnen als „Erziehungsbuch“ dienen, um ein Wertgefühl für Poesie und die eigene Geschichte zu vermitteln.

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Details

Titel
Entstehung und Etablierung der Volkskunde
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Volkskunde)
Veranstaltung
Grundkurs Volkskunde
Note
1,7
Autor
Margit Maier (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2003
Seiten
16
Katalognummer
V27731
ISBN (eBook)
9783638296977
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entstehung Etablierung Volkskunde Grundkurs Volkskunde
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Margit Maier (Autor:in), 2003, Entstehung und Etablierung der Volkskunde, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27731
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