Globalisierung in Cyberpunk mit dem Beispiel von "Neuromancer"


Hausarbeit, 2013

13 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Contents:

1. Präsenz von Globalisierung und Cyberpunk in der heutigen Zeit

2. Globalisierung in Cyberpunk mit dem Beispiel von "Neuromancer"
2.1. Was ist Globalisierung?
2.1.1. Aspekte der Globalisierung
2.1.2. Negativseiten
2.2. Neuromancer und das Genre Cyberpunk
2.3. Manifestationen von Globalisierung in Cyberpunk and "Neuromancer"
2.3.1. Abgleich mit der Definition von "Globalisierung"
2.3.2 Fazit

3. Die gegenseitige Beeinflussung von Cyberpunkt und der Gesellschaft

4. Bibliographie

1. Präsenz von Globalisierung und Cyberpunk in der heutigen Zeit

Die Beliebtheit der Matrix-Trilogie, die vergangenes Jahrzehnt in den Kinos zu Bewundern war, zeugt von großem Interesse und wachsender Popularität gegenüber dem Cyberpunk-Genre, aus welchem die Filme in großem Maße schöpfen. Im Lichte des stetig häufiger verwendeten Begriffs der "Globalisierung" wirken derlei Filme und Bücher dabei immer seltener wie eine unwahrscheinliche, rein zur Unterhaltung dienende Fiktion, da sich viele Aspekte der Globalisierung im Cyberpunk finden lassen, wie sich im Folgenden noch herausstellen wird. So stellt sich die Frage, inwieweit sich dieses Science-Fiction-Genre in dessen Wahrheitsgehalt mit der unsrigen Welt deckt und inwieweit die stetig höheres Tempo aufnehmende Globalisierung Bedeutung für unsere Welt trägt bzw. Einfluss auf das tägliche Leben nimmt. Um herauszufinden, welche Ordnung der Cyberpunk in seiner modellbildenden Funktion illustriert, bietet sich besonders der von den Medien als das typischste und ursprünglichste Werk bezeichnete Roman "Neuromancer" von William Gibson aus dem Jahre 1984 an. Im Folgenden wird zunächst der Begriff der Globalisierung näher beleuchtet und in seine spezifischen Schwerpunkte aufgeteilt. Anschließend wird die Herkunft des Genres Cyberpunk dargestellt, und wie es mit dem Werk „Neuromancer“ zusammenhängt. Außerdem werden genrespezifische Merkmale vorgestellt. Zum Abschluss wird anhand von Textbeispielen aus dem Werk überprüft, inwieweit sich Merkmale der Globalisierung im Roman nachweisen lassen.

2. Globalisierung in Cyberpunk mit dem Beispiel von "Neuromancer"

2.1. Was ist Globalisierung?

2.1.1. Aspekte der Globalisierung

Was Globalisierung im Genauen darstellt, lässt sich nicht in einem kurzen, einprägsamen Konzept oder bequemen Schlagwort zusammenfassen, wie es oftmals versucht wird.1 Globalisierung ist ebenfalls keine einfach nachweisbare Fortsetzung der Moderne, sondern ein reflexives Bild von

Wirtschaft, politscher und kultureller Entwicklung, welche aus mehreren in einem komplexen

Austausch befindlichen wesentlichen Subkategorien besteht, die ein umfangreiches Phänomen der heutigen Zeit zu betiteln versucht.

Zuerst gilt es den Begriff der "economic gloablization" nach Lull einzuführen,2 welcher einerseits die relativen Lebensstandards, Wirtschaftswachstum und Einkommenspotentiale der Welt, die sich global vernetzende Infrastruktur, 3 sowie das sich ausbreitenden Unternehmertum, die wachsenden Märkte, als auch die zunehmende Rolle des Konsumers4 und weiterhin die weltweite Handelsgemeinschaft behandelt. Dieser global funktionierende Kapitalismus entwickelt eine noch nie da gewesene unausweichliche Kraft, 5 die dank der gesteigerten Geschwindigkeit und Effektivität des modernen Transportwesens6 zu einer weitreichenden Verbreitung von Ideen, Gütern und Sachkompetenz führt.7 Weiterhin vollzieht sich eine politische Globalisierung, welche aus transnationalen Entwicklungsprozessen, internationalen Beziehungen und Strategien besteht, die global betrachtet signifikante Fortschritte in den Bereichen Grundausbildung, Geschlechtergleichstellung und technologischer Weiterentwicklung brachte und es darüber hinaus ermöglichte, eine wachsende Kontrolle über Kriminalität und Korruption zu erlangen.8 Wegbereiter diesen Fortschritts, waren die Verbesserung und Verbreitung von Wissen, Technologie, sowie politischen und sozialen Ideologien der westlichen Zivilisation während der letzten tausend Jahre.9 Eine weitere Facette zum komplexen Begriff der Globalisierung bildet die kulturelle Globalisierung, welche die Auswirkungen des Ideen- und Güterflusses auf dem ganzen Globus behandelt,10 die zu einer weltweiten "enriched cultural experience"11 führt. Die wichtigsten Säulen diesen Teils der Globalisierung ist die Diffusion der Massenmedien, der Informationstechnologie, sowie der Technik, der persönlichen Kommunikation und vielerlei Produkte der transnationalen Kulturindustrien. Diese vermarkten die das „easy life“ porträtierende Ausdrucksweisen, die die Macht der modernen Welt repräsentieren.12

Der kulturelle Austausch funktioniert jedoch nicht nur in eine Richtung - nämlich vom Westen in den Rest der Welt - sondern ebenfalls andersherum. Dies wird hauptsächlich durch Migration erreicht, jedoch ebenso mittels anderer kulturelle Erscheinungsformen, wie Musik, Essen, Ideen, Glaubensrichtungen und Literatur aus dem Süden und Osten, welche sich in der westlichen Kultur angesiedelt haben und dabei neue Linien der kulturellen Vernetzung, sowie fließende Übergänge zwischen den Zivilisationen geschaffen haben.13 Ein erhöhter Teil der kulturellen Globalisierung formiert sich aus religiösen Ideolgien, die im wesentlichen die Zivilisationen voneinander abgrenzen und damit zum Hauptkriterium für "inclusion and exclusion"14 zwischen den Menschen werden, die durch die sich immer weiter ausbreitende Wahrnehmung immer neuer, sich konkurrierender Denk- und Glaubenssysteme verstärkt wird. Oft gibt und gab es Bestrebungen, die Globalisierung im Sinne einer vereinten Welt im Namen eines Gottes durch Imperialismus mit militärischer Macht und Bekehrungen zu erreichen,15 was ebenfalls zur kulturellen Differenzierung beiträgt. Der letzte Punkt - welcher aufgrund der wachsenden Bedeutung der Massenmedien und Informationstechnologien, die in einer komplexen Beziehung zu zeitgenössischen Schwerpunkten wie Wirtschaft, Politik, Kultur und Religion stehen, noch gesondert betrachtet werden muss - umfasst die mediale Globalisierung.16 Das bedeutungsschwere Potential der internationalen Medien zeigt sich auch in der stetig weiter wachsenden Infrastruktur, die mit Begriffen wie „Third Industrial Revolution“ und „Information Age“ adäquat zu bezeichnen versucht wird. Institutionelle und persönliche Netzwerke und vor allem die "free trade zone"17 des Internets fördern lichtschnelle Informationsübertragungen um den gesamten Globus und vernetzen Geschäftspartner der Industrie und Finanzökonomie, jedoch ebenso nichtwirtschaftliche Organisationen.18

2.1.2. Negativseiten

Die gleichen Entwicklungen, welche Hoffnung und Fortschritt auf der Welt generiert haben, trugen ebenso dazu bei, die Spannungen und Konflikte zu befeueren, die die Weltgeschichte ausmachen und zu einem leidenschaftlicheren ideologischen Wettbewerb führten.19 Hinzu kommt die weltweit unausgeglichene Entwicklung. Dies resultiert aus dem sich auf dem Handelsmarkt ergebenden Konkurrenzkampf, der sich für die handelnden Länder als besonders erschwert erweist, da eine ausreichend gebildete und stabile Arbeiterklasse, eine urbane und geschäftstüchtige Mittelklasse, sowie eine institutionell betriebene Infrastruktur nötig sind, um eine effektive Beförderung von finanziellen und materiellen Ressourcen zu ermöglichen.20 Dazu addiert sich die mangelnde Fairness der ökonomischen Globalisierung, welche selbst von Autoritäten innerhalb des Systems bemängelt wird.21 Obwohl sich weltweit die Bedingungen der ärmsten Menschen verbessert haben,22 ist die globale Wahrnehmung der extremen sozialen Ungerechtigkeiten hinsichtlich der Lebensstandards gestiegen,23 weshalb sich die Unzufriedenheit der Benachteiligten über die Tatsache, dass die Nationen und Konzerne, die vom globalen Geld-, Güter-, Informations- und Technologiefluss am meisten profitieren, diejenigen sind, die auch die dominanten Spieler im internationalen Geschäft vor der radikalen Steigerung im globalen Handel in den 1980er Jahren waren24, immer weiter steigert. Das liegt vor allem daran, dass sich der Besitz der größten Medien-, Informations- und Unterhaltungsbetrieben in den Händen von relativ wenigen multinationalen Unternehmen befindet.25 Da diese Form der ökonomischen Globalisierung immer die gleichen Partizipienten benachteiligt, formt sich, oftmals im Namen der Religion, ein sich gegen "outside influences"26 richtender Widerstand in lokalen Kulturen der Entwicklungsländer, die nicht zum weltweiten Austausch beitragen. So evolviert ein "global communications technology gap"27 und daraus resultierend die "inequality"28 zwischen den Ländern und Zivilisationen. Dies könnte sich ebenso auf gewollten "imperialism" und "neocolonism"29 der westlichen Länder zurückführen lassen, welche ebenfalls ein Aspekt der Globalisierung darstellen.

2.2. Neuromancer und das Genre Cyberpunk

Das besondere am Werk "Neuromancer" von William Gibson ist, dass es nicht nur ein Werk des Science-Fiction-Genre Cyberpunk oder das "Buch, auf das die Bezeichnung 'Cyberpunk' am ehesten zutrifft"30 ist. Es ist als das archetypische Cyberpunk-Werk, 31 der harte Kern und Maßstab dieses Genres, dessen Namensgebung durch Gardner Dozois 32 erfolgte, der nach einem geeigneten Begriff für die Klassifikation des Neuromancer's suchte. Gibsons Werk avanciert auf diese Weise zum Vorbild für das sich daraus entwickelte Genre, sodass sich dessen Merkmale direkt aus dem oben genannten Werk ableiten lassen und heraus gearbeitet werden können.

[...]


1 Cf. Lull, James, Culture-on-demand, communication in a crisis world (Malden, MA: Blackwell, 2007) 6.

2 Lull 6.

3 Cf. Lull 11.

4 Cf. Lull 2.

5 Cf. Hutton, Will and Giddens, Anthony, eds, Global Capitalism (New York: The Free Press, 2000) 2.

6 Cf. Lull 12.

7 Cf. Lull 2.

8 Cf. Lull 5.

9 Cf. Landes, David, The Wealth and Poverty of Nations ( New York: Riverhead, 1999) 2.

10 Cf. Lull 6.

11 Lull 2.

12 Lull 6.

13 Cf. Held, David and McGrew, Anthony, Global Transformations (Cambridge, UK: Polity Press, 1991) 369

14 Lull 7.

15 Cf. Lull 6.

16 Cf. Lull 8.

17 Lull 10.

18 Cf. Lull 13.

19 Cf. Lull 8.

20 Cf. Lull 16.

21 Cf. Lull 5.

22 Cf. Lull 3.

23 Cf. Lull 1.

24 Cf. Lull 4.

25 Cf. Bagdikian, Ben, The New Media Monopoly (Boston, MA: Beacon Press, 2004) 11.

26 Lull 12.

27 Lull 13.

28 Lull 14.

29 Lull 8.

30 Spinrad, Norman, "Die Neuromantiker."Neuromancer. William Gibson. München: Heyne-Verlag, 1994. 349-366. 351.

31 Cf. Person 4.

32 Cf. Spinrad 348.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Globalisierung in Cyberpunk mit dem Beispiel von "Neuromancer"
Hochschule
Universität Augsburg
Veranstaltung
Globalisation in literature
Note
2,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
13
Katalognummer
V277396
ISBN (eBook)
9783656701866
ISBN (Buch)
9783656703327
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
globalisierung, cyberpunk, beispiel, neuromancer
Arbeit zitieren
Thomas Laschyk (Autor), 2013, Globalisierung in Cyberpunk mit dem Beispiel von "Neuromancer", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/277396

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