Lesmotivation. "Ben liebt Anna" – eine handlungs- und produktionsorientierte Auseinandersetzung mit Peter Härtlings Kinder- und Jugendbuch im Rahmen eines Leseprojektes


Unterrichtsentwurf, 2004
17 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Thema der Unterrichtsreihe

2. Aufbau der Unterrichtsreihe
2.1 Auflistung der Unterrichtseinheiten

3. Darstellung des didaktischen Schwerpunktes der Stunde Maximal- und Minimalanforderung
3.1 Methodische Entscheidungen
3.2 Überlegungen zur Sache

4. Übergeordnete Aufgabe / Teilaufgaben im Sinne von Lernanforderungen und -möglichkeiten
4.1 Übergeordnete Aufgabe
4.2 Teilaufgaben im Sinne von Lernanforderungen und -möglichkeiten

5. Lernvoraussetzungen der Schüler und Schülerinnen der Klasse bezogen auf die Teilaufgaben 11 Schüler und 9 Schülerinnen besuchen die Klasse 3X unserer Schule
5.1 Interesse an den Aufgaben
5.2 Fähigkeiten zum Lösen der Aufgaben
5.3 Fähigkeiten zum sozialen Lernen

6. Verlaufsplan der Unterrichtsstunde

Literaturverzeichnis

1. Thema der Unterrichtsreihe

Ben liebt Anna“ – eine handlungs- und produktionsorientierte Auseinandersetzung mit Peter Härtlings Kinder- und Jugendbuch „Ben liebt Anna“ im Rahmen eines Leseprojektes zur Förderung der Lesmotivation.

2. Aufbau der Unterrichtsreihe

2.1 Auflistung der Unterrichtseinheiten

2.1.1 „Kinder können doch gar nicht wissen, was Liebe ist. Das weiß man erst, wenn man groß ist.“ Die Schüler und Schülerinnen äußern sich im Kreisgespräch zu den ersten Sätzen des Buches „Ben liebt Anna“ und erstellen in Gruppenarbeit Cluster zum Thema „Liebe“ als Einführung in die Thematik des Buches.

(1 Unterrichtsstunde)

2.1.2 Ben stellt eine Frage - Gemeinsames Lesen des ersten Kapitels und Einführung des Lesetagebuchs mit verschiedenen Arbeitsangeboten zur Auseinandersetzung mit den Charakteren und zur Förderung des sinnentnehmenden Lesens.

(2 Unterrichtsstunden)

2.1.3 Anna kommt neu in die Klasse - Zur Förderung der Empathiefähigkeit, Kreativität und Lesemotivation setzen die Schüler und Schülerinnen antizipierte Szenen zum zweiten Kapitel des Buches in Standbilder um.

(1 Unterrichtsstunde)

2.1.4 Zur aktiven, individuellen und kreativen Auseinandersetzung mit der Ganzschrift arbeiten die Schülerinnen und Schüler an Aufgaben aus einem breiten Angebot und gestalten ihr Lesetagebuch. (ca. 5 Unterrichtsstunden)

3. Darstellung des didaktischen Schwerpunktes der Stunde

In der heutigen Unterrichtsstunde sollen die Kinder Ideen zum Fortgang der Szene „Anna kommt in die Klasse“ entwickeln und versuchen, diese zum Ausdruck zu bringen, indem sie in Gruppenarbeit hierzu ein Standbild entwerfen. Die handlungsorientierte Auseinandersetzung mit dem Text soll die Freude der Schüler und Schülerinnen am Umgang mit Texten erhalten und fördern. Durch die Antizipation und anschließende Umsetzung der Szene in ein Standbild sollen die Kinder den Körperausdruck als kommunikatives Mittel einsetzen und ggf. Wirkungen diskutieren.

Das Buch „Ben liebt Anna“ habe ich aus verschiedenen Gründen als Ganzschrift für den Deutschunterricht in dieser Klasse ausgewählt: Zurzeit befinden sich in der Klasse 3a mehrere Schüler und Schülerinnen, die sich bereits intensiv für das andere Geschlecht interessieren. Auch, wenn für uns Erwachsene der Eindruck entsteht, dass dies noch spielerisch geschieht, haben sich doch Pärchen gefunden, die offensichtlich verliebt sind. Zuletzt zeigte sich dies auf der zurückliegenden Klassenfahrt und war auch für nicht beteiligte Schüler und Schülerinnen Gesprächsstoff. Daher knüpft der Stoff direkt an ihre persönlichen Erfahrungen, Gefühle, Ängste, Wünsche und Hoffnungen an. Ben und Anna sind im vierten Schuljahr und somit fast im gleichen Alter wie die Schüler und Schülerinnen der 3a. Peter Härtling thematisiert, was Schüler dieser Altersgruppe betrifft und interessiert. Dabei zeigt er positive Möglichkeiten im Umgang mit Gefühlen. Mit Ben empfinden die Leser Ängste, die sie kennen, wie die Angst, Gefühle offen zu zeigen oder die Angst sich lächerlich zu machen. Mit Anna können sie nachempfinden, wie schwer es ist, „anders“ zu sein oder sich in eine neue Umgebung einleben zu müssen. Über die persönliche Betroffenheit der Schüler und Schülerinnen und das Mitfühlen mit den Protagonisten wird dem Anspruch des Schülerbezugs Rechnung getragen. Das selbst Erlebte wird in einem anderen Zusammenhang wieder erkannt und lässt sich aus der Distanz heraus leichter in Erkenntnis umsetzen.[1]

Eine weitere Bedeutung liegt für die Schüler und Schülerinnen darin, dass der Umgang mit Literatur als etwas Interessantes und Lustvolles empfunden wird. Wenn die Schüler erfahren, dass ihre Gefühlsebene und ihr Weltverständnis von der Literatur getroffen werden, können sie zum Lesen motiviert und zur selbstständigen Teilnahme am literarischen Leben befähigt werden. Weitere Themen, die von Härtling in seinem Buch „Ben liebt Anna“ angesprochen werden, z. B. Ausländerproblematik und Arbeitslosigkeit, sollen in dieser Unterrichtsreihe nicht zum Schwerpunkt zählen, da sie für die Schüler und Schülerinnen momentan nicht von so großer Bedeutung sind.

Der didaktische Wert eines handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts, bei dem die affektiven und psychomotorischen Momente des Leseakts beim Rezeptionsprozess stärker berücksichtigt werden[2], liegt darin, dass Vorstellungen, Eindrücke und Gefühle, die ein Text im Leser auslösen kann, bewusster gemacht werden können, die es den Schülern und Schülerinnen erleichtern, sie an ihre eigenen Erlebnisse und Erfahrungen anzuschließen. Schuster schlägt dazu u. a. das aktive Lesen z.B. mit verteilten Rollen, das Antizipieren des Fortgangs und die szenische Darstellung gelesener Texte vor.[3]

Das szenische Spiel - und somit auch Standbilder als ein Bereich des szenischen Spiels - hat im Deutschunterricht einen hohen didaktischen Wert: Da es im Spiel notwendig ist, sowohl Kooperationsbereitschaft zu zeigen als auch Abgrenzungsleistungen zu erbringen, kann bei den Schülern der Aufbau einer persönlichen Identität und die Entwicklung der sozialen Kompetenz gefördert werden. Das entspricht den Forderungen des Lehrplans: Damit Schülerinnen und Schüler sich sprachlich weiterentwickeln können, muss ein anregendes und akzeptierendes soziales Miteinander hergestellt werden, in dem das Leben und Lernen als gemeinsame Aufgabe verstanden wird.[4]

Zudem wird im szenischen Spiel die Wirklichkeit assimiliert, d.h. das Kind bringt die eigenen Erfahrungen ein und verändert diese gegebenenfalls, es können neue Verhaltensweisen erprobt und Problemlösungen gefunden werden. Dadurch leistet das Rollenspiel auch einen Beitrag zum entdeckenden, experimentierenden Lernen. Des Weiteren können im szenischen Spiel die Sprachentwicklung und die kommunikative Kompetenz der Schüler gefördert werden, denn Artikulation und Kommunikation sind unwillkürlich vorhanden. Auch der emotionale Ausdruck (Lachen, Weinen, Zorn usw.) wird durch die Auseinandersetzung mit dem gezielten Einsatz von Körpersprache geschult.[5]

Der didaktische Sinn und Zweck der Standbild-Erarbeitung liegt darin, dass die Schüler sich in die darzustellende Person bzw. Situation hineinfühlen müssen, wodurch die Empathiefähigkeit gefördert wird. Nach Meyer können die Schüler ihre „eigenen Erfahrungen verlebendigen und die Körperdimension ihrer Vorstellungswelt erfassen.“[6] Dadurch, dass nicht gesprochen wird, können die Schüler und Schülerinnen sich voll und ganz mit der Körpersprache bzw. Mimik und Gestik der darzustellenden Personen auseinandersetzen. Somit werden sie für die Wahrnehmung von Körpersprache sensibilisiert. Dies erleichtert ein Einfühlen in die einzelnen Personen und eröffnet einen weiteren Zugang zum Textverständnis.

Das Thema der vorliegenden Stunde lässt sich innerhalb des Lehrplans Deutsch zwei Bereichen zuordnen. Der Bereich „Umgang mit Texten und Medien“ wird insofern einbezogen, als dass zwei Aufgabenschwerpunkte der Klassen 3 und 4, nämlich

a) „Textinterpretation“ und b) „Nutzen von Lesestrategien“ Berücksichtigung finden. Die heutige Stunde wird diesen Aufgabenschwerpunkten gerecht, indem die Schüler und Schülerinnen

a)

- zu Handlungen, Personen, Gedanken Stellung nehmen,
- Vorstellungsbilder entwickeln und miteinander austauschen,
- Textabsichten und Textwirkungen vermuten,
- handelnd mit Texten umgehen, z.B. durch bildnerisches Darstellen [...][7] und

b)

- textbezogen antizipieren[8].

Des Weiteren wird durch das Thema der Stunde besonders der Bereich „Mündliches Sprachhandeln“ berücksichtigt, besonders dessen Aufgabenschwerpunkt „Szenisches Spielen“. Zu den Unterrichtsgegenständen in den Klassen 3 und 4 soll es zählen, dass die Schüler und Schülerinnen
- eine Rolle gestalten, erproben und verändern,
- gespielte Szenen beobachten, sie besprechen und weiterentwickeln
und
- mit verschiedenen Spielformen Erfahrungen sammeln und sie für szenische Gestaltungen nutzen[9].

[...]


[1] Vgl. Daubert, 1996, S. 83

[2] Vgl. Schuster, 1999, S. 80

[3] Vgl. Schuster, 1999, S. 82

[4] Der Kultusminister des Landes NRW: Richtlinien und Lehrpläne zur Erprobung: Deutsch. S. 5.

[5] Vgl. Schuster, 1999, S. 200f.

[6] Meyer, 1996, S. 356

[7] Der Kultusminister der Landes NRW: Richtlinien und Lehrpläne zur Erprobung: Deutsch. S. 14.

[8] Ebd.

[9] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Lesmotivation. "Ben liebt Anna" – eine handlungs- und produktionsorientierte Auseinandersetzung mit Peter Härtlings Kinder- und Jugendbuch im Rahmen eines Leseprojektes
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
17
Katalognummer
V27756
ISBN (eBook)
9783638297196
Dateigröße
568 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Zur Förderung der Empathiefähigkeit, Kreativität und Lesemotivation setzen die Schüler und Schülerinnen antizipierte Szenen zum zweiten Kapitel des Buches in Standbilder um. Die handlungsorientierte Auseinandersetzung mit dem Text soll die Freude der Schüler und Schülerinnen am Umgang mit Texten erhalten und fördern. Durch die Antizipation und anschließende Umsetzung der Szene in ein Standbild sollen die Kinder den Körperausdruck als kommunikatives Mittel einsetzen und ggf. Wirkungen diskutieren.
Schlagworte
Anna, Auseinandersetzung, Peter, Härtlings, Kinder-, Jugendbuch, Rahmen, Leseprojektes, Förderung, Lesmotivation, Schuljahr
Arbeit zitieren
Julia Scholz (Autor), 2004, Lesmotivation. "Ben liebt Anna" – eine handlungs- und produktionsorientierte Auseinandersetzung mit Peter Härtlings Kinder- und Jugendbuch im Rahmen eines Leseprojektes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27756

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