Die Lerngruppe der Klasse 6b besteht aus insgesamt zweiundzwanzig Schülerinnen und Schüler, von denen zwölf weiblich und zehn männlich sind. Ich begleite diese
Klasse seit Dezember. In meiner Hospitationszeit wurde vordergründig die Reihe zu
dem Jugendbuch „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ behandelt, ehe ich die Klasse
mit einer Reihe zur Groß- und Kleinschreibung übernahm. Seit diesem Zeitpunkt
unterrichte ich die Klasse angeleitet mit vier Wochenstunden und werde sie zukünftig
(nach den Osterferien) auch als Klassenleiter übernehmen. Die 6b wurde in der
vergangenen Zeit als „Problemklasse“ tituliert, da es häufig zu Störungen während des Unterrichts kam. Außerdem gab es vereinzelt Mobbingattacken, bei denen auch
antisemitistische Aussagen getätigt wurden. Um dieser Problematik
entgegenzuwirken, wurden viele Gespräche mit Schülern und Eltern geführt und
treffende Themen im Unterricht behandelt. [...]
Groblernziel:
Die Schülerinnen und Schüler erkennen Thurbers verschleierte Kritik am Herrschaftssystem des Dritten Reiches, indem sie das Verhältnis von Wölfen und Kaninchen vom Bildbereich in den Sachbereich übertragen.
Inhaltsverzeichnis
Lernziele
Kompetenzen
Bemerkungen zur Lerngruppe und den organisatorischen Rahmenbedingungen
Sachanalyse
Didaktische Analyse
Methodisches Vorgehen
Verlaufsplan
Literaturverzeichnis
Anhang
Mögliches Tafelbild
Vorbereitende Hausaufgabe
Text
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Unterrichtseinheit ist die Vermittlung von literarischer Analysekompetenz durch die Auseinandersetzung mit James Thurbers Fabel „Die Kaninchen, die an allem Schuld waren“. Die Forschungsfrage und das zentrale Anliegen der Lehrprobe bestehen darin, dass die Schülerinnen und Schüler erkennen, wie der Autor durch die metaphorische Darstellung eines Konflikts zwischen Wölfen und Kaninchen eine verschleierte, zeitgeschichtliche Kritik am Nationalsozialismus und dem passiven Verhalten von Randgruppen und Außenstehenden formuliert.
- Analyse und Interpretation der Fabelstruktur und des Figurenpersonals
- Übertragung der Fabelinhalte vom Bildbereich in den geschichtlichen Sachbereich
- Kritische Reflexion über Totalitarismus, Vorurteile und gesellschaftliche Verantwortung
- Förderung der Textanalysefähigkeiten durch gezielte Texterschließung
Auszug aus dem Buch
Die Kaninchen, die an allem Schuld waren
Es war einmal – selbst die jüngsten Kinder erinnern sich noch daran - eine Kaninchenfamilie, die unweit von einem Rudel Wölfe lebte. Die Wölfe erklärten immer wieder, dass ihnen die Lebensweise der Kaninchen ganz und gar nicht gefalle. (Von ihrer eigenen Lebensweise waren die Wölfe begeistert, denn das war die einzig richtige.) Eines Nachts fanden mehrere Wölfe bei einem Erdbeben den Tod, und die Schuld daran wurde den Kaninchen zugeschoben, die ja, wie jedermann weiß, mit ihren Hinterbeinen auf den Erdboden hämmern und dadurch Erdbeben verursachen. In einer anderen Nacht wurde einer der Wölfe vom Blitz erschlagen, und schuld daran waren wieder die Kaninchen, die ja, wie jedermann weiß, Salatfresser sind und dadurch Blitze verursachen. Die Wölfe drohten, die Kaninchen zu zivilisieren, wenn sie sich nicht besser benähmen, und die Kaninchen beschlossen, auf eine verlassene Insel zu flüchten.
Die anderen Tiere aber, die weit entfernt wohnten, redeten den Kaninchen ins Gewissen. Sie sagten: „Ihr müsst eure Tapferkeit beweisen, indem ihr bleibt, wo ihr seid. Dies ist keine Welt für Ausreißer. Wenn die Wölfe euch angreifen, werden wir euch zu Hilfe eilen – höchstwahrscheinlich jedenfalls.“ So lebten denn die Kaninchen weiterhin in der Nachbarschaft der Wölfe. Eines Tages kam eine schreckliche Überschwemmung, und viele Wölfe ertranken. Daran waren die Kaninchen schuld, die ja, wie jedermann weiß, Mohrrübenknabberer mit langen Ohren sind und dadurch Überschwemmungen verursachen. Die Wölfe fielen über die Kaninchen her – natürlich um ihnen zu helfen - und sperrten sie in eine finstere Höhle – natürlich um sie zu schützen.
Zusammenfassung der Kapitel
Lernziele: Definiert die kognitiven, pragmatischen und sozial-affektiven Lernziele, insbesondere die Übertragung der Fabelmotive in den Sachbereich des Nationalsozialismus.
Kompetenzen: Listet die angestrebten Schülerkompetenzen auf, wie das Erfassen zentraler Aussagen und die Arbeit mit Textbelegen.
Bemerkungen zur Lerngruppe und den organisatorischen Rahmenbedingungen: Analysiert die Zusammensetzung der Klasse 6b, deren Lernverhalten und die für den Unterricht gewählte Sitzordnung.
Sachanalyse: Bietet eine literaturwissenschaftliche Untersuchung der Fabel, ihrer Struktur und der verschleierten Kritik an totalitären Systemen.
Didaktische Analyse: Begründet die Einordnung des Themas in den Lehrplan sowie die notwendige didaktische Reduktion für das kognitive Niveau der sechsten Klasse.
Methodisches Vorgehen: Erläutert die didaktischen Entscheidungen zur Gestaltung des Unterrichtseinstiegs und der Erarbeitungsphasen unter Berücksichtigung von Differenzierungsmaßnahmen.
Verlaufsplan: Detaillierte tabellarische Übersicht der Unterrichtsphasen inklusive Zeitvorgaben, Sozialformen und Medien.
Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten fachdidaktischen und literaturwissenschaftlichen Quellen.
Anhang: Enthält ergänzende Materialien, darunter das Tafelbild und die Arbeitsblätter für die Hausaufgabe.
Text: Das zugrundeliegende Werk von James Thurber in der verwendeten Fassung.
Schlüsselwörter
Fabel, James Thurber, Nationalsozialismus, Unterdrückung, Literaturunterricht, Interpretation, Bildbereich, Sachbereich, Totalitarismus, Antisemitismus, didaktische Reduktion, Klassenunterricht, Medienkompetenz, Analyse, Klassen 6b
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit stellt einen Entwurf für eine Prüfungslehrprobe im Fach Deutsch in der Jahrgangsstufe 6 dar, in der die Fabel „Die Kaninchen, die an allem Schuld waren“ analysiert wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die literarische Analyse einer Fabel, die Identifikation ironischer Erzählweisen und die Übertragung von metaphorischen Tiergeschichten auf historische Zusammenhänge.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist, dass die Schüler erkennen, wie James Thurber durch die Fabel Kritik am totalitären Herrschaftssystem des Dritten Reiches und dem unentschlossenen Verhalten der Verfolgten übt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine didaktische und sachanalytische Herangehensweise gewählt, die Textinterpretation mit historisch-politischer Bildungsarbeit verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Sachanalyse der Fabel, eine didaktische Begründung der Unterrichtsreihe und eine methodische Planung der Lehrprobenstunde.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Fabelanalyse, Nationalsozialismus, verschleierte Kritik, Lernzielkontrolle und schülerzentrierte Methodik charakterisiert.
Warum wurde gerade dieses literarische Werk gewählt?
Die Fabel eignet sich hervorragend für die sechste Klasse, um durch das Abstraktionsniveau der Tiere einen Zugang zu komplexen Themen wie Diskriminierung und totalitäre Unterdrückung zu finden.
Wie wird mit der unterschiedlichen Leistungsfähigkeit der Schüler umgegangen?
Der Autor plant gezielte Differenzierungsmaßnahmen ein, darunter Hilfekärtchen und Zusatzaufgaben, um sowohl schwächere als auch leistungsstärkere Schüler individuell zu fördern.
Welche Rolle spielen die "anderen Tiere" in der Analyse?
Die anderen Tiere repräsentieren die passive Außenwelt, deren scheinheiliges Verhalten Thurber ebenfalls kritisiert, was jedoch aufgrund didaktischer Reduktion schwerpunktmäßig in der Folgestunde behandelt wird.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Bild- und Sachbereich für diese Stunde so wichtig?
Sie ermöglicht den Schülern den entscheidenden kognitiven Transfer von der kindgerechten Fabelwelt hin zum Verständnis historischer Tatsachen im Kontext des Dritten Reiches.
- Arbeit zitieren
- Sebastian Theobald (Autor:in), 2014, Verschleierte Kritik in der Fabel. James Thurber: Die Kaninchen, die an allem schuld waren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/277850