Das DFB-Nachwuchs-Konzept "Talente fordern und fördern"


Akademische Arbeit, 2001
26 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hintergründe

3. Die drei Bereiche des Konzepts „Talente fordern und fördern“
3.1 Juniorennationalmannschaften
3.2 Nachwuchszentren in den Lizenzvereinen
3.3 Das DFB-Talentförderprogramm
3.3.1 Die Talentsichtung
3.3.2 Die Spezialförderung
3.3.2.1 Die Spieler
3.3.2.2 Das Training
3.3.2.3 Die Trainer
3.3.2.4 Statistische Angaben

4. DFB-Talentförderprojekt

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

1. Einleitung

„Über die Nachwuchsarbeit wird merkwürdigerweise immer dann heiß diskutiert, wenn die Erfolge an der Spitze ausbleiben. Wir sollten dieses Thema jedoch permanent im Auge behalten“ (BECKENBAUER zit. nach DFB 1999, Geleitworte).

„Der heutige Stellenwert des Junioren-Fußballs läßt sich kurzgefaßt folgendermaßen kennzeichnen:

- Er hat keine Lobby
- Er findet zu selten öffentliche Beachtung
- Er wird häufig mit dem Ziel des Imagegewinns genutzt“

(WEISE zit. nach DFB 1999, Geleitworte)

Die Notwendigkeit, dem Nachwuchsleistungsfußball mehr Beachtung zu schenken, wird aus den Zitaten vom DFB-Vizepräsidenten BECKENBAUER und dem Leiter des DFB-Talentförderprogramms WEISE deutlich. WEISE hofft, dass mit dem Projekt „Talente fordern und fördern“ des DFB ein „(...) Schritt in die richtige Richtung (...)“ (DFB 1999, Geleitworte) eingeschlagen wird, um dem Junioren-Fußball den Stellenwert zu geben, den er auch verdient hat.

In dieser Arbeit wird das DFB-Konzept „Talente fordern und fördern“ vorgestellt. Zunächst wird auf die Hintergründe eingegangen, in denen verdeutlicht wird, wie es zu diesem Konzept gekommen und wer dafür verantwortlich ist. Im Anschluss werden dann die drei Säulen des Konzepts, in dem die Spezialförderung innerhalb des Talentförderprogramms den Schwerpunkt bildet, vorgestellt. Auch das erst im Jahr 2002 einsetzende DFB-Talentförderprojekt wird bereits erläutert.

2. Hintergründe

Bereits im Frühjahr 1993 wurde dem DFB-Vorstand ein 13 Seiten umfassendes und mit 46 Thesen versehendes Papier vom früheren Jugend- und A1-Nationaltrainer VOGTS und seinem Assistenten BONHOF vorgelegt. Die deutschen Junioren waren gerade bei der U 20- Weltmeisterschaft in Australien frühzeitig ausgeschieden. VOGTS/BONHOF sahen dringenden Handlungsbedarf in der Nachwuchsförderung. Davon hatte WEISE, von 1978-1983 DFB-Juniorentrainer, der 1981 den bislang einzigen Titelgewinn bei einer U 20-Weltmeisterschaft für Deutschland gewinnen konnte, schon ein Jahrzehnt zuvor gesprochen. Er sagte schon damals, was viele Experten auch heute behaupten: „Es gibt nicht weniger Talente als früher. Aber den jungen Leuten wird es zu leicht gemacht. Sie brauchen sich nicht mehr durchbeißen.“ (WEISE zit. nach FRANZKE 2000, S. 14). WEISE und nach ihm VOGTS/BONHOF kapitulierten am Ende vor dem langen Weg durch die Institutionen des DFB und unterschiedlichen Ansichten der Regional- und Landesverbände. Das Gespann VOGTS/BONHOF hatte unter anderem eine Sichtung der Talente schon ab dem zehnten Lebensjahr, ein kindgerechtes Training, die Einbindung von ehemaligen Profis in ein Techniktraining mit der Jugend, ein wettspielfreies Wochenende pro Monat für Lehrgänge der Junioren-Auswahlmannschaften, jährlich für jeden Jahrgang je ein großes internationales Turnier in Deutschland und jederzeit frei zugängliche Bolzplätze gefordert. Die meisten Forderungen wurden allerdings nicht umgesetzt. (vgl. FRANZKE 2000, S. 14).

Im Frühjahr 1997 beauftragte der ehemalige DFB-Präsident BRAUN die Direktion Team-Management und die DFB-Trainer, die damaligen Talentfördermaßnahmen zu überprüfen und bei Bedarf ein neues, zeitgemäßes Förderkonzept zu erstellen. Nach BRAUN lag es vor allem an den strukturellen, wie politischen Veränderungen in den letzten Jahren, die es den Jugendlichen immer schwerer machen, in den deutschen Profiligen Fuß zu fassen. Noch im Jahr 1997 engagierte der DFB WEISE, der sowohl der Leiter als auch geistiger Vater des DFB-Talentförderprogramms ist, als Koordinator für die Nachwuchsarbeit und Talentförderung. Das DFB-Talentförderprogramm ist ein neuer Baustein in dem Aufbau des Talentförderkonzepts des DFB. Bei den beiden anderen Bereichen, der Juniorennationalmannschaften und der Leistungszentren in den Lizenzvereinen, werden bereits bestehende Strukturen ausgebaut und intensiviert (vgl. DFB 1999, 1.1).

3. Die drei Bereiche des Konzepts „Talente fordern und fördern“

Das neue Gesamtkonzept basiert auf drei Bereichen, die nicht isoliert voneinander betrachtet werden dürfen, sondern deren Zusammenspiel die Basis für eine zukünftig erfolgreiche Junioren-Förderung sein soll.

Grafik DFB 1999, 1.3

Die Abbildung zeigt die drei Bereiche des Konzepts „Talente fordern und fördern“. Die Spitze bilden die Juniorennationalmannschaften. Der zweite Bereich beinhaltet die Förderung talentierter Spieler in den Nachwuchszentren der Lizenzvereine und der dritte Teil, bestehend aus der Talentsichtung 11–12-jähriger und der Spezialförderung 13-17-jähriger, ist das DFB-Talentförderprogramm (vgl. ebd.).

3.1 Juniorennationalmannschaften

Zur Zeit betreut der DFB folgende Junioren-Nationalmannschaften:

U 14, U 15, U 16, U 17, U 18 und die U 20 für Junioren, sowie die U 16 und U 18 für Juniorinnen (vgl. Anhang Mündl. Auskunft 2001b).

Gemeinsame Trainingslager

Um die Leistung der Spieler zu steigern, werden sie im Gegensatz zu früheren Zeiten nicht mehr nur ein paar Tage, sondern über einen längeren Zeitraum in gemeinsamen Trainingslagern zusammengezogen. Neuntägige Wintertrainingslager und Juniorenwochen in den Sommerferien sind hierfür vorgesehen. Vor Ort sind vom DFB eingesetzte Lehrer tätig, die den Spielern neben dem Training auch in schulischen Angelegenheiten weiterhelfen. Großen Wert legt der DFB bei diesen Maßnahmen auf die Mitarbeit der Verbandstrainer. Einerseits soll dies eine methodisch und inhaltlich einheitliche Ausbildungsstruktur schaffen und andererseits können die Trainingseinheiten intensiver gestaltet werden, da das Verhältnis zwischen den Spielern und den Trainern optimiert werden kann (vgl. DFB 1999, 1.4).

Spielbeobachtungen

Damit nun wirklich die besten Akteure in den Junioren-Nationalmannschaften spielen, werden seit dem Frühjahr 1998 regelmäßig die Spieler der Junioren-Regionalligen beobachtet. Die Sichtung bezieht sich dabei auf die höchsten B- und A-Juniorenspielklassen. Mit dieser Aufgabe wurden ehemalige Lizenzspieler, ehemalige Verbandssportlehrer und Juniorentrainer betraut. Das Ziel ist vorgegeben: „Kein Talent soll unbeobachtet bleiben, jeder talentierte Spieler soll gefördert werden“ (WEISE zit. nach ebd.). Das gleiche Ziel verfolgt auch ein Nachsichtungsprogramm, um 16-17-jährige Spätentwickler in die Auswahlmannschaften der Landesverbände integrieren zu können. Dafür stellt der DFB den Landesverbänden Finanzmittel zur Verfügung (vgl. ebd., 1.5).

Um bei dem Förderprogramm auch die Amateurvereine nicht zu vernachlässigen, hat der DFB ein Bonus-System eingeführt. Wenn ein Spieler sein erstes U 15-Länderspiel absolviert, schüttet der DFB aufgrund der geleisteten sportlichen Ausbildung eine Prämie von 15.000 DM für die Vereine und 3.000 DM für den Verband aus. Auf diese Weise wird den Vereinen und den Verbänden ein Anreiz gegeben, die leistungsorientierte Ausbildung junger Spieler zu intensivieren (vgl. ebd.).

3.2 Nachwuchszentren in den Lizenzvereinen

Ziel des DFB ist es, Mindestanforderungen an die Nachwuchsförderung der Lizenzvereine zu stellen. Vorbildliche Arbeit soll belohnt und Anreize für die Intensivierung der Talentförderung sollen gegeben werden. Darüber hinaus werden abhängig von der Spielklassenzugehörigkeit der Lizenzvereine Anforderungen formuliert, die es den Vereinen zur Pflicht machen, sich eingehend um die Nachwuchsspieler zu kümmern. Zu diesen Anforderungen gehören die Bereitstellung geeigneter Sportanlagen, die Anstellung hauptamtlicher Fußball-Lehrer und die Auflage, „eine angemessene pädagogische und soziale Betreuung der Spieler sicherzustellen“ (vgl. ebd., 1.6). Die Lizenzvereine sind dabei, diese Vorgaben in die Realität umzusetzen (vgl. LINNHOFF 2000, S. 42-45; vgl. PABST/STEMMANN 2001, S. 68-76; vgl. SCHULTE 2001, S. 1-39).

Das Ziel dieser Nachwuchsförderung muss natürlich sein, talentierte Jugendliche auf Einsätze in den Profivereinen vorzubereiten. Als Kriterium für eine gute Nachwuchsförderung gelten demzufolge nicht errungene Meisterschaften, sondern der Einsatz eines im Verein ausgebildeten Nachwuchsspielers in der Lizenzmannschaft. Im Zuge der Einführung von Nachwuchszentren ist es von besonderer Bedeutung, die Zusammenarbeit mit den Schulen zu verstärken. Zum einen könnten dann schon am Vormittag Trainingseinheiten durchgeführt werden und zum anderen die sportlichen mit den schulischen Anforderungen besser koordiniert werden (vgl. DFB 1999, 1.6). Die Lizenzvereine suchen den Kontakt zu den Schulen. Ein vorbildliches Beispiel für eine gute Kooperation mit den vor Ort ansässigen Schulen praktizieren die drei Münchener Bundesligisten (FC Bayern München, TSV 1860 München, Spielvereinigung Unterhaching) in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Fußball-Verband (BFV) (vgl. BFV 2000, S. 46-47). Schon seit 1996/97 unterstützt der DFB das Projekt der Sportbetonten Schulen im Nordostdeutschen-Fußball-Verband (NOFV). Unter der Leitung von SAMMER arbeiten Honorartrainer vor Ort. Das Bestreben des DFB ist es, die Strukturen des NOFV zu stärken (vgl. DFB 1999, 1.7).

Um den Spielern auch im Seniorenbereich die bestmöglichen Chancen zukommen zu lassen, hat der DFB vorgesehen, die Anzahl der Nachwuchsakteure, die ein Lizenzverein an sich binden darf, zu begrenzen. Damit soll erreicht werden, dass nur die Spieler, die mittelfristig gute Möglichkeiten haben, einen Platz in der Profimannschaft zu bekommen, auch bei diesem Verein zu bleiben. Die anderen Spieler sollen im oberen Amateurbereich Spielpraxis sammeln, um über diesen Weg vielleicht später noch den Sprung in den Profibereich zu schaffen (vgl. ebd.).

3.3 Das DFB-Talentförderprogramm

Der dritte Bereich des DFB-Konzeptes „Talente fordern und fördern“, das DFB-Talentförderprogramm, beinhaltet die Talentsichtung im Bereich der D-Junioren (11-12-jährigen) und die Spezialförderung der 13-17-jährigen (s. Abb.), wobei die Landesverbände für die Talentsichtung zuständig sind und der DFB die Spezialförderung übernimmt. Für das Talentförderprogramm, dass zunächst auf fünf Jahre festgelegt ist, stellt der DFB jährlich 5,2 Mio. DM zur Verfügung.

Mit der Deutschen Telekom konnte ein Hauptsponsor für dieses ehrgeizige Projekt gefunden werden. Telekomchef SOMMER: „Wir möchten dazu beitragen, dass der deutsche Fußball die Position an der Weltspitze, die er so lange innehatte, weiter untermauert“ (SOMMER zit. nach TOBIEN 1999, S. 18).

„Jeder leistungswillige und talentierte Spieler Deutschlands soll die Chance haben, auch außerhalb seines Vereins gefördert zu werden“ (DFB 1999, 1.8). Daher wurden die Stützpunkte vom DFB ganz bewusst nicht in den Ballungsgebieten platziert, sondern fernab der großen Städte. Die geographische Verteilung erfolgte nach der Prämisse, dass möglichst jeder talentierte Spieler in akzeptabler Zeit seinen Stützpunkt erreichen kann (vgl. DFB 1999, 1.13). Die aufgeführte Übersicht verdeutlicht die flächenmäßige Aufteilung der Stützpunkte auf das gesamte Bundesgebiet.

3.3.1 Die Talentsichtung

Die jeweiligen Landesverbände weisen zwar unterschiedliche Strukturen in der Talentsichtung und -förderung der 11-12jährigen auf, sie sind jedoch über Jahre gewachsen. Der DFB baut auf diesen Strukturen auf und hat einheitliche Richtlinien vorgesehen. Jeder Landesverband wird verpflichtet, im Gegenzug für die finanziellen Hilfen des DFB die Sichtung und Förderung in diesem für die spätere Entwicklung der Talente so wichtigen Altersbereich zu intensivieren und nach den Vorgaben des DFB auszurichten. Für die Organisation , Betreuung und Verwaltung der Sichtungs- und Fördergruppen sind die Landesverbände verantwortlich. Die Akzente der zusätzlichen Trainingseinheiten liegen zum Einen auf der Talentsichtung und zum Anderen auf der Ausbildung der technischen Fertigkeiten dieser Talente. Die Talentsichtung der 11-12jährigen bildet den Unterbau für die Spezialförderung der 13-17jährigen auf DFB-Ebene (vgl. WEISE/SCHOTT 1999, S. 64).

Aus meinen Erfahrungen kann ich berichten, dass zwischen der Talentsichtung und der Spezialförderung viele Zusammenhänge bestehen. Viele Inhalte sind auf diese Arbeit übertragbar. So wurde bei der Auswahl der Trainer für die Talentsichtung nach den gleichen Kriterien wie die der Spezialförderung vorgegangen. Es werden die gleichen Stützpunkte genutzt, so dass die vom DFB gestellten Materialien verfügbar sind. Natürlich gibt es auch einige Unterschiede zur Spezialförderung. Als Trainingstag ist in Niedersachsen der Sonntag Morgen und für die Spezialförderung der Montag Abend gewählt worden. Die Gruppenstärke liegt bei den Talentmaßnahmen der 11-12jährigen Fußballer bei ca. zehn Spielern und die Trainingsinhalte weichen von denen der Spezialförderung im Sinne eines altersgemäßen Trainings voneinander ab. Bei der Altersklasse U 11/U 12 liegen die Schwerpunkte:

- Im systematischen und altersgemäßen Erlernen und Festigen technischer Fertigkeiten.
- In der Förderung der Freude am Fußballspielen.
- In der Geschicklichkeit und Gewandtheit am und mit dem Ball.

(vgl. DFB 1999, 1.19)

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Das DFB-Nachwuchs-Konzept "Talente fordern und fördern"
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
26
Katalognummer
V277960
ISBN (eBook)
9783656704287
ISBN (Buch)
9783656716181
Dateigröße
2379 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
dfb-nachwuchs-konzept, talente
Arbeit zitieren
Mirko Friedrich (Autor), 2001, Das DFB-Nachwuchs-Konzept "Talente fordern und fördern", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/277960

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