Das Ziel der Studie ist es, die Gestaltung und die Konstellation der beiden Protagonistinnen in Ingeborg Bachmanns Erzählung zu analysieren. Hierbei richtet sich das Augenmerk auch auf das Geschlechterverhältnis und die psychischen Konflikte. Dabei soll folgende Fragestellung als Richtlinie der Erzähltextanalyse dienen: „Welche Faktoren spielen bei der Figurenkonstellation von Charlotte und Mara eine Rolle und welchen Einfluss haben diese auf die Beziehung der beiden Protagonistinnen?“
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die narratologische Textanalyse mit Anknüpfung an die Psychoanalyse Freuds und die Gender Studies
2.1 Analyse der Handlung
2.2 Figurenanalyse mit Anknüpfung an die Psychoanalyse Freuds
2.3 Analyse des Geschlechterverhältnisse
2.4 Analyse der Raumdarstellung
3. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit analysiert die Gestaltung und Figurenkonstellation der beiden Protagonistinnen in Ingeborg Bachmanns Erzählung „Ein Schritt nach Gomorrha“. Im Zentrum steht die Untersuchung, welche Faktoren bei der Interaktion zwischen Charlotte und Mara eine Rolle spielen und wie diese die Beziehung der beiden Frauen beeinflussen, wobei narratologische Aspekte mit psychoanalytischen Ansätzen und Gender Studies verknüpft werden.
- Narratologische Textanalyse der Handlungsstruktur
- Psychoanalytische Charakteranalyse von Charlotte und Mara
- Untersuchung der Geschlechterrollen und Machtverhältnisse
- Analyse der Raumdarstellung als Ausdruck innerer Gefühlslagen
- Interdependenz von Identitätssuche und gesellschaftlichen Erwartungen
Auszug aus dem Buch
2.1 Analyse der Handlung
Die Erzählung „Ein Schritt nach Gomorrha“ 9 von Ingeborg Bachmann handelt von der Begegnung zweier Frauen und deren gleichgeschlechtlicher Vereinigung. Die Handlungsschilderung beginnt bei der Protagonistin zu Hause, als sie ihren letzten Gast von der zuvor stattgefundenen Feierlichkeit zu verabschieden versucht. Durch innere Monologe überlegt sie sich, wie sie den unerwünschten Gast aus der Wohnung bitten kann: „Sie muß gehen. Warum geht sie nicht? Ich bin todmüde.“10 Die Protagonistin wohnt offenbar mit ihrem Freund Franz zusammen, der zurzeit auf dem Heimweg von einer Reise ist und bald wieder zurückkommt. In der nächsten Handlungsabfolge wird Charlotte von Mara überredet, zusammen etwas trinken zu gehen. Charlotte stimmt ungewollt zu und spielt dabei immer wieder mit dem Gedanken, wie sie Mara loswerden kann. Diese Gedanken äußern sich in Gefühlsäußerungen, wie zum Beispiel folgende: „Es wurde lustlos getrunken und getanzt; trotzdem hatte Charlotte das Gefühl, in einen Höllenraum gelangt zu sein [...].“11 Im weiteren Verlauf der Handlung stellt sich heraus, dass Mara immer wieder nach Charlottes Aufmerksamkeit sucht. Oftmals drückt sie aus, dass sie Charlotte nicht verlassen und für immer bei ihr bleiben will: „Ich bleibe. Hörst du? Ich bleibe.“12 Mara begleitet Charlotte nach Hause, die immer noch widerwillig versucht, den ungewollten Gast loszuwerden. Nach einer langen und heftigen Diskussion nimmt die Handlung eine Wende ein und Charlotte fängt an, die Zärtlichkeiten und Anspielungen Maras zu erwidern: „Maras nasses Gesicht, naß noch, während sie schon zu lachen begann, preßte sich gegen Charlottes Gesicht, zärtlich, warm, und ihrer beider Tränen vermischten sich.“ 13 An dieser Stelle ist es offensichtlich, dass Charlotte sich nicht gegen die Liebkosungen Maras wehrt und somit den Versuch der intimen Nähe erwidert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung formuliert die Forschungsfrage zur Figurenkonstellation und Begründung der methodischen Vorgehensweise, die narratologische Textanalyse mit Gender Studies zu verbinden.
2. Die narratologische Textanalyse mit Anknüpfung an die Psychoanalyse Freuds und die Gender Studies: Dieses Kapitel bildet den Hauptteil, in dem durch eine vierstufige Untersuchung (Handlung, Figurenanalyse, Geschlechterverhältnisse, Raumdarstellung) die Dynamik zwischen den Protagonistinnen herausgearbeitet wird.
2.1 Analyse der Handlung: Hier wird der Handlungsverlauf der Erzählung dargelegt, wobei der Fokus auf dem Wandel der Beziehung zwischen Charlotte und Mara sowie der Auseinandersetzung mit der bisherigen heterosexuellen Bindung liegt.
2.2 Figurenanalyse mit Anknüpfung an die Psychoanalyse Freuds: Dieses Unterkapitel beleuchtet die Charakterstrukturen der beiden Frauen unter Einbeziehung des psychoanalytischen Triebmodells (Ich, Über-Ich, Es) und der Rollenverteilung.
2.3 Analyse des Geschlechterverhältnisse: Mithilfe der Gender Studies werden die soziale Geschlechterordnung, Machtverhältnisse und körperliche Stereotype der Figuren untersucht.
2.4 Analyse der Raumdarstellung: Das Kapitel analysiert, wie die Umgebung und die Verwüstung des Raums als Spiegelbild der psychischen Zustände und der inneren Konflikte der Protagonistinnen fungieren.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die Unterdrückung Charlottes in ihrer bisherigen Beziehung und die Suche nach Macht und Autonomie die Kernfaktoren für ihre Annäherung an Mara darstellen.
Schlüsselwörter
Ingeborg Bachmann, Ein Schritt nach Gomorrha, Figurenkonstellation, Narratologie, Psychoanalyse, Gender Studies, Geschlechterverhältnis, Raumdarstellung, Identitätssuche, Machtverhältnisse, Charlotte, Mara, Literaturanalyse, Feministische Literaturwissenschaft, Rollenverhalten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die komplexe Beziehung und Figurenkonstellation zwischen den Protagonistinnen Charlotte und Mara in Ingeborg Bachmanns Erzählung „Ein Schritt nach Gomorrha“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind die narratologische Struktur der Erzählung, die Charakterpsychologie der Figuren sowie die Analyse von Machtverhältnissen und Geschlechterrollen im Kontext der Gender Studies.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, auf Basis der Fragestellung zu klären, welche Faktoren das Verhalten von Charlotte und Mara steuern und welchen Einfluss diese auf ihre entstehende Beziehung haben.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Es wird ein kombinierter methodischer Ansatz aus narratologischer Textanalyse, freudscher Psychoanalyse und Ansätzen der Gender Studies verwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Handlungsanalyse, eine Untersuchung der psychischen Verfassung der Protagonistinnen, eine Analyse der sozialen Geschlechterordnung sowie eine Untersuchung der Raumbedeutung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Ingeborg Bachmann, Figurenkonstellation, Machtverhältnisse, Gender Studies, Identitätssuche und Psychoanalyse.
Wie spielt die Raumdarstellung in der Erzählung eine Rolle?
Die Raumdarstellung dient als symbolischer Ausdruck der inneren Gefühlswelt der Figuren; insbesondere die Verwüstung des Raums korrespondiert mit den emotionalen Krisen und Entscheidungsschwierigkeiten der Protagonistinnen.
Welche Bedeutung kommt dem Rollentausch in der Erzählung zu?
Der Rollentausch ist zentral, da Charlotte in ihrer Beziehung zu Mara die dominierende Rolle einnimmt, die ihr Freund Franz zuvor ihr gegenüber innehatte, was als Versuch der Emanzipation oder als Machtausgleich gedeutet wird.
- Quote paper
- Hande Hanay (Author), 2014, Analyse der Gestaltung und der Figurenkonstellation in Ingeborg Bachmanns "Ein Schritt nach Gomorrha", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278400