Die Novelle als Paradegattung und im medialen Kontext des Realismus


Prüfungsvorbereitung, 2013

39 Seiten


Leseprobe

Die Novelle als Paradegattung und im medialen Kontext des Realismus

Die Bestimmung des Begriffs „Realismus“

- Realismus allgemein: Haltung die das Wirkliche, Sachliche, Machbare, Maßvolle charakterisiert, relativer Begriff: Was real ist, ist Ansichtssache
- Sprachwissenschaft: Realismus bezeichnet Bedeutungstheorien, die Gegenständen Namen zuweisen, bzw. das durch Namen bezeichnete Gegenstände auch ohne Benennung existieren
- Geschichtswissenschaft:
- Realismus im politischen Sinn à Macht geht von dem Mittelstand (das Macht und Wissen hatte) aus
- Realismus ist von der Suche von Optimismus und Fortschrittsglauben
- Realismus ist Vermittler von Romantik und Naturalismus genauso wie er die Pole
- Idee/Wirklichkeit
- Sein/Schein
- Oberfläche/Tiefe
- Idealismus/Materialismus

Miteinander vermitteln will

Epochenbeginn und Auslöser

- Epochenbeginn im Revolutionsjahr 1848 --> Zeitgenossen nahmen die bürgerlich-demokratische Revolution und die Folgen als Scheitern wahr
- Epochenübergänge wie immer fließend à Geschichte des Realismus schon ca. 1830 durch die französische Julirevolution und Tod Goethes
- Industrialisierung nach 1848 à Eisenbahnbau à 1866 alle größeren Städte sind durch Eisenbahn verbunden
- Schwerindustrie braucht Eisenbahn als Transportmittel
- Menschen fühlten sich in schnelllebiger Zeit à sichtbare Veränderung der Stadtbilder
- Sammeln, Restaurieren und Ausstellen von alten Gegenständen setzt ein à Verlustängste

Was macht die Kunstrichtung Realismus aus?

- Liegt zwischen der Epoche Spätromantik (Biedermeier) und Naturalismus
- Grenzt sich durch Kritik an romantisch – subjektiver Willkürlichkeit und dem spekulativen Idealismus (entpoetisiert/verwissenschaftlicht/pessimistisches Weltbild) ab
- Übergang zum Naturalismus durch Radikalisierung der Realismustendenzen bezüglich Weltanschauung/literarischen Techniken
- Unterteilung des Realismus in
- Früh-, Hoch-, Blüte-, Spätrealismus
- Historisch – ökonomischen Abläufen
- Dichterpersönlichkeiten und regionaler Herkunft (Ist je nach Forscher sehr unterschiedlich eingeteilt)
- Kennzeichen der historisch künstlerischen Methode Realismus:
- Bestimmte Art und Weise der Erkenntnis der Wirklichkeit
- Art und Weise wertorientierter Interpretation des Lebens
- Art und Weise der Umgestaltung der Gegebenheiten des Lebens
- Art und Weise des Aufbau eines Systems von Bildzeichen in denen eine künstlerische Information fixiert und vermittelt wird
- Abwendung von Schein und Vergangenheit und Hinwendung zur Gegenwart
- Abwendung von Lyrik und Rhetorik à Hin zu schlichter Prosa, die Kunstcharakter nicht ausstellt
- romantische Literatur wie Märchen waren vom Themengebiet her schon poetisch, im Realismus sollte nun das selbe Ergebnis erzielt werden, nur mit Stoffen, die alltäglich und nicht poetisch sind und in denen das Wunderbare erst noch entdeckt werden muss
- Realismus läuft auf eine Entwirklichung heraus --> nicht Übereinstimmung eines Textes mit der Wirklichkeit, sondern Material aus der Wirklichkeit so zu verändern, dass es Kunst wird, Ästhetisierung
- in der Romantik soll man spüren, was in der Lebenswirklichkeit nicht da ist --> löst Sehnsucht aus und gibt Erfahrung des Wunderbaren und dessen was man sich wünscht
- Realismus gibt nicht einfach nur alltägliches wieder, Elend wird nicht dargestellt, sondern die nackte Realität wird in der künstlerischen Darstellung veredelt und ist so der Realität überlegen
- Einfache Erzählung à zumindest Anschein
- Kunstfertigkeit des Einfachen setzt Meisterschaft über Sprachen voraus
- Realismus ist die Epoche der Umgangssprache
- Kein Bildungswissen der Leser verlangt
- Bevorzugt Gattungen: Novellen, Prosa à Novelle als Paradegattung à beschäftigt sich mit trivialen Stoffen, Anspruch der Realisten, aus so einem Material etwas kunstvolles zu machen

Faktoren die zur Entstehung des Literatursystems Realismus beitragen

- Realismus als Epoche à Prinzip des Machbaren, Primat der Macht, Stärke und Interesse
Bevölkerungsboom
- 1830 bis 1900: zögerliches Wachstum und Beginn auf dem Land, Bevölkerungsboom vor allem ab den 60er Jahren durch die Industrialisierung in den Städten
- traditionelle Landwirtschaft kann Menschen nicht mehr ernähren --> Armut auf dem Land durch Mechanisierung der Textilindustrie und dem Ende des Heimarbeiterwesens --> Fabrikarbeitsplätze mit Niedriglöhnen
- durch Eisenbahn konnten günstiger Güter aus weiterer Entfernung geholt werden --> Unabhängigkeit von ortsansässigen Handwerkern, Eisenbahnsektor mit Eisen, Stahl, Kohle usw. aber auch Arbeitgeber
- sehr schlechte Arbeitsbedingungen in der frühkapitalistischen Industrie und soziale Bindungslosigkeit --> Auswanderungswelle
- dann aber Überwindung des Pauperismus und somit durch Industrialisierung eine Verbesserung der Lebensbedingungen
- Bevölkerungsboom durch hohe Geburten- und niedrige Sterberate vor allem in den Städten, weniger Seuchen und Kriege, Fortschritte in der Medizin, bessere hygienische Verhältnisse

Schichtendifferenzierung

- traditionelle Stände: Adel, Bürgertum, Bauern, vierter Stand zerbricht
- Übergang von Agrar- zur Industriegesellschaft
- Adel verliert Stellung mehr und mehr oder muss sich in die Gruppe der Unternehmer einreihen, adelige- und großbürgerliche Schicht beginnt sich zu vermischen --> von der Gutsherrschaft zur Gutswirtschaft
- Bürgertum (bisher Kaufmänner und Bildungsbürger) verliert traditionelle gesellschaftliche Bedeutung --> werden zu Unternehmern, Bankern, Wirtschaftsbürgern --> Bourgeoisie; Beamte und Bildungsbürger --> werden zur Mittelschicht des Kleinbürgertums --> Bürgertum fächert sich in verschiedene Gruppen auf
- Ausmaß der Bildung wächst
- Bauern mussten besseres Saatgut und neue technische Geräte finanzieren, was sich kleine Bauern nicht leisten konnten, dafür Wandel der Großbauern zu Landwirten
- auch Frauen arbeiten in den Fabriken
- politisch war die Stellung des Bürgertums auch um 1900 immer noch von Widersprüchen geprägt --> gesellschaftliche Stellung durch wirtschaftliche Erfolge zwar gesteigert, aber Adel und Großgrundbesitzer dominieren weiter die Politik
- Tempo des Wachstums bedeutete enorme individuelle und gesellschaftliche Herausforderung --> alte Anschauungen mussten aufgegeben werden, Verhaltensweisen und Anforderungen änderten sich, neue Familienformen entstanden, Zeit wurde auch als Belastung empfunden
- Gartenlaube konnte in dieser Zeit ein Publikum finden unter den Menschen, die ihre Ängste lieber zudeckten, um weiterhin an der Illusion ihrer schönen heilen Welt festzuhalten oder dieser zumindest mit Wehmut nachzutrauern

technische Erfindungen

- Dampflokomotive, Webmaschine, Dynamit, Kühlschrank, Schreibmaschine usw. --> Maschinenzeitalter, von der Dampfkraft zur Elektrik
Industrialisierung
- Mechanisierung bzw. Maschinisierung
- Generation der Gründer und Unternehmer
- Kapitalisierung der gesellschaftlichen Produktion

Medien

- Grundlage der Print- und neuer elektronischer Medien ändert sich --> Farbenlichtdruck bei Plakaten, Zylinderschnelldruckpresse bei Zeitungen/Zeitschriften, Setzmaschinen, Telegraf, Telefon, Fotografie, Grammophon, Radio
- boomartige Entwicklung des Zeitungsmarktes
- Journalismus als System --> Ausdifferenzierung der Zeitungsausgaben in Sparten und Ressorts (Leitartikel, politischer Teil, Lokalteil usw.); auch Ausdifferenzierung im gesamten Zeitungsgenre: verschiedene politische Zeitschriften, Wirtschaftszeitungen, Armeezeitungen, Heimatzeitungen, Regionalzeitungen, Professionalisierung des Journalismus --> Journalismus als Beruf und nicht nur Nebenjob der Schriftsteller
- Unterhaltungsdominanz von Familienzeitschriften und Illustrierten
- Zunahme der Rundschau-, Fach- und Spezialzeitschriften: für eher kleines, elitäres Publikum mit politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Themen; Fachzeitschriften für Industrie, Handel und Verkehr; Spezialzeitschriften im Sportbereich z.B. Turnen --> hatten oft nur eine kurze Lebensdauer, wurde aber durch Neugründungen kompensiert
- Boom der Familienzeitschriften: waren DAS Unterhaltungsmedium der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, vor allem 50er bis 80er Jahre
- Familienzeitschriften wollten unterhalten, belehren und für alle sein --> spricht aber nicht die von Aufklärung, Bildung und neuen Geschlechterrollen geprägte Familie an, sondern an die Kleinfamilien der unteren Mittelschicht
- Zunahme von Freizeit durch Reduktion der Arbeitszeit
- keine Polemik, keine kontroversen Themen, kein Streit, sondern Konservativismus, Harmoniesucht und Trost im happy-Ende, keine Politik, keine Konfession, nichts Anstößiges
- Erzählungen und Fortsetzungsromane
- Liebe zum Vaterland, Biographische Skizzen, Schilderungen aus Heimat und Fremde, Aspekte aus Handel, Haushalt und Gewerbe, Märchen, Novellen, Poesie, Lebenshilfe, Rätsel, Humoristisches --> wichtig war Einfachheit, Überschaubarkeit, ausführliche Illustrierungen
- enger Kontakt mit dem Leser --> Berücksichtigung von Leserwünschen, Abdrucken von Leserbriefen
- mit steigender Auflagenzahl steigt auch das Honorar der Schriftsteller
- Gartenlaube war sehr günstig und so für fast jeden Haushalt erschwinglich --> billiger als Zeitungen
- Boom von generellen Illustrierten: Spricht aufgrund der Bebilderung nicht nur Familien an, sondern reiche obere Mittelschicht oder auch ärmere untere Mittelschicht, wie Zeitungen, nur primär zur Unterhaltung gedacht, Nähe zur Tagespresse, aber mit Bildreportage und hebt sich so von Familienzeitschriften ab
- enorme Verbreitung von Witzblättern
- Flugblatt hat große politische Bedeutung
- Heftchen und Massenbuch im Kolportagevertrieb --> Buch wurde zum Heft zerstückelt und portionsweise mit anderen Medien wie Zeitschriften an die Leser gebracht --> vor allem auch auf dem Land, da sie schlecht an Bücher herankamen
- Niedergang der Buchkultur im Verhältnis zu den anderen Medien der Epoche --> Leihbüchereien; Buchmarkt wandelt sich zu Heftmarkt
- im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts gab es allerdings einen Leseboom; Buchbesitz als Statussymbol des Bildungsbürgers; für andere Menschen zu teuer
- Wichtige Gesichtspunkte wenn man Verhältnis von Literaturbetrieb und Lese(r)Öffentlichkeit zeigen will
1. Produktionsebene: Schreibfarbiken, Familienzeitschriften, Autorstrategien
2. Distributionsebene: Lesezirkel, Leihbibliotheken, Kolportagebuchhandel
3. Rezeptionsebene: gestiegene Lesefähigkeit und das Unterhaltungsbedürfnis/Bildungsinteresse des Publikums
- Das literarische Publikum
- 50% der Bevölkerung (Lohnarbeiter, Kleinbauern, Dienstboten etc) waren kaum Träger der literarischen Kultur
- Literarisches Publikum Mittelstand und aufwärts
- Entscheidende Entwicklung des Leseinteresses kommt den Gymnasien und höheren Schule zu

denkgeschichtliche Kontexte

- Erfahrung etabliert sich als erkenntnistheoretische Kategorie --> sammeln, beobachten, speichern von Daten vor allem in den Naturwissenschaften
- historisches Interesse --> Paläontologie, Wörterbücher zu Mundarten --> erinnerndes Erzählen dominiert die Literatur
- fortschreitende Säkularisierung --> führt zu Sinnkrise und der Frage, wie das Individuum seine Existenz sinnvoll interpretiert

Literatur und Fotographie

- Detailrealismus → literarische Nachahmung des Fotographieren
- Problem der realistischen Literatur: durch subjektive Wahrnehmungserfahrungen (Autor und Leser) sowie sprachlicher Grenzen, kann die Realität niemals 1:1 beschrieben werden à jeder stellt sich im Kopf Szenen anders vor
- => Realität kann nie Reproduziert werden, sondern ist ein anthropologisch/historisch/sozial beeinflusstes Bild
- Kritik: Autoren fanden Detailrealismus unrealistisch = Bedrohung der künstlerischen/künstlichen Reproduktion der Wirklichkeit
- Fotographie wurde durch technischen Fortschritt mehr und mehr Teil des privaten Lebens → „Demokratisierung des Porträts“ → Menschen sahen sich selbst historische Größen
- Daraus bildete sich eine Erinnerungskultur → realistische Literatur konnte das nur bedingt erreichen
- Erinnerungskultur: Wenn sich ein Leser an die beschriebene Situation als selbst erlebt erinnert, so ist das real
- Fördert die Freude am Wiedererkennen
- Konnte Dinge sichtbarmachen, welche die Literaturbeschreibungen vergaßen
- poetisch – programmatische Realismus grenzt sich zum fotographischen Realismus ab, in dem er zeigen soll, wie Menschen sein müssen, nicht sind. Er soll das menschliche Verhalten zeigen à „Hinter die Fassade schauen“
- Für Autoren war Fotographie keine Kunst mehr sondern Handwerk, da sie nicht zwischen wichtig und unwichtig unterscheiden kann
- je erfolgreicher die Fotographie ihre Bilder als Kunst bezeichneten, desto mehr grenzte sich die etablierte Kunst ab

Literatur und Bilder

- Bruch mit Traditionen --> Nachahmung, Abbildung der Wirklichkeit --> Neue Orientierung an der Wirklichkeit in der Kunst des 19. Jhd.
- „realistische Wende“ in der Kunst à Künstler wenden sich Themen auf der Straße zu (Industrie, Großstadt), Banales, Alltagsszenen werden gemalt à z.B. Gustave Caubert: Die Steineklopfer
- idyllische Naturszenerie in vielen Details, Kleinigkeiten im Vordergrund --> Gewaltsamkeit und Beschönigung in Kunst und Literatur
- Konzentration auf etwas Normales, Alltägliches und bearbeitet dieses bis es ein Kunstwerk ist
à Wie wirkt sich das auf dt. Literaten aus?
- Bilder wirken auf dt. Autoren à ganz detailgetreue Darstellung
- Neuartiges Streben nach Genauigkeit (Fontane)
bürgerlicher Realismus
- im Vordergrund steht klein- oder großstädtisches bürgerliches Leben
- Bürger sind meist die Leser
- Bürgertum wird zum Träger der materiellen und moralischen Macht und zum Motor für die Modernisierung des Staatswesens à Aristokratie und Bauernstand sind Trümmer der alten Gesellschaft
- sozial-historische Perspektive steht im Mittelpunkt à Bürgertum war maßgeblich für die Entwicklung der Literatur

poetischer Realismus

- Poetisierung realer Materialien in Kontrast zur Romantik

medialen Kontext des Realismus

Zeitschriften und ihr Publikum
- in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert entwickeln sich neuartige Zeitschriftentypen --> illustrierte Zeitschriften und Familienzeitschriften
- seit 1833 in Leipzig von J.J. Webers das Pfennig-Magazin herausgegeben --> Wochenschrift nach dem Vorbild des englischen Penny-Magazine mit zunächst einfachen Holzstichen zur Illustration(Illustrirte Zeitung, Fliegende Blätter, Gartenlaube, Illustrirte Welt, Über Land und Meer, Illustrirtes Familienjournal, Daheim)
- Konzept zielte auf Unterhaltung und Belehrung, beinhaltete auch eine gewisse volkserzieherische Zielsetzung
- Neuerung: war zwar auf eine bestimmte Zielgruppe (Familie) ausgerichtet, aber alle Altersstufen, Männer und Frauen und theoretisch alle Schichten sind eingeschlossen --> vor allem aber auf bürgerliches Lesepublikum zugeschnitten
- Gartenlaube vor allem gelesen von Handwerkerhaushalten, Kaufleuten, kleinen Beamten und Lehrern und vor allem von Frauen und Töchtern
- Kunstzeitschrift wendet sich im Gegensatz zur Familienzeitschrift an Intellektuelle und kulturell interessierte Gruppen
- Ausrichtung auf Familie zeigt wie wichtig die Institution Familie war --> emotionale Einheit, stabile Zelle der staatlichen Ordnung, Bollwerk gegen die Anfechtungen der Zeit
- um 1800 besaßen nur ca. die Hälfte aller Kaufleute in Frankfurt ein eigenes Buch; bis zur Jahrhundertmitte vor allem religiöse Erbauungsliteratur, Reisebeschreibungen, naturwissenschaftliche Werke und Klassiker, erst danach gehobene und Trivialliteratur und Familienjournale
- Bildungsbürgertum und Gebildete hatten andere Zeitschriften
- auch Frauen der gebildeten Schicht waren Leser der Familienzeitschriften, was sich aus den Leserbriefen bei Haushaltstipps ablesen lässt
- Gartenlaube war weniger auf Haushalt und Wirtschaftsführung ausgerichtet
- Vorläufer erschien 1708 unter dem Namen Moralische Wochenschrift
- Bis auf leichte Verschiebungen der Themenschwerpunkte glich der Inhalt schon sehr einer Familienzeitschrift
- Wie die GARTENLAUBE war sie gerichtet an Bürgertum, Familie, Frauen
- Inhalte/Zweck (wenn auch sehr optimistisch) waren
- Aufklärerischer Reformwille
- Allgemeine Bildung
- Unterhaltend Belehren (zum Teil der Sittlichkeit)
- Popularisierung der wissenschaftlichen Erkenntnisse
- Sprache war volkstümlich – gemeinverständlich, Sprachtendenzen des Realismus
- Abbau des übertreibenden Stilprinzips
- Weniger Extrem-, empfindsam/enthusastisch und gebildet/geistreicher Wortschatz
- Tendenz zur sachlich - konkrete Beschreibung
- Hochpoetisch ungewöhnliche Komposita werden verworfen
- Ziele des Gründers (Ernst Keils)
- Organ für Volksaufklärung auf naturwissenschaftlichen Gebiet
- Soll Familienleben und Vaterlandsliebe fördern
- Novellen aus dem Themenkreis der vaterländischen Geschichte und des neuen Volkslebens und „Schilderungen, besonders interessante Sitten, Gebräuche und Zustände deutscher und fremder Völker“
- GARTENLAUBE war, wie auch die Autoren, eine sehr liberale Zeitschrift
- Glaubte an die Vernunft und an den Sieg des Guten
- Erstes Erscheinen Januar 1853, gegen Ende 1853 schon eine Auflage von 6000 Stück
- 1876 über 400.000 Abos, konnte Sie sich leisten zunehmend politischer (liberaler) zu werden
- 1863 wurde sie wegen eines ungeschickten Artikels in Preußen verboten, 1866 in Sachsen
- GARTENLAUBE spiegelte den ungebrochenen Enthusiasmus des Fortschrittsgedanken dieser Zeit wieder, und veröffentlichte auch Artikel über aktuelle Forschung (z.b. Darwins Vererbungslehre)
- Um dies zu transportieren, wurden mehr und mehr Bilder und Metaphern eingesetzt
- Die meisten Artikel sollten den Leser beruhigen
- Während des Krieges ein Artikel über verbessertes Sanitätswesen
- Böses und tragisches wurde verharmlost
- Dieses Konzept änderte sich nicht mehr, die Welt um die Gartenlaube aber schon
- Politischen Ziele (Reichsgründung) war erreicht
- Wirtschaftliche Ziele überwogen die ideellen
- Durch die Flut der verschiedenen Zeitschriften schlossen sich diese zusammen unter der „Union Deutsche Verlagsgesellschaft“
- Ende der GARTENLAUBE 1944
- Weltgeschehen änderte sich schnell, die Artikel aber nicht

Erfolg

- Zeitschrift enthielt auch sehr viele Bilder --> technische Entwicklungen und Erfindungen innerhalb der Drucktechnik
- Kunst und Kultur waren in Form von illustrierten Büchern, Zeitschriften, Almanachen, photographischen Alben und Mappenwerken vertreten
- Kunst der Gründerzeit reagiert auf den Zeithaushalt des Publikums --> keine große Abendländische Malerie, die sich dem schnell Vorübereilenden nicht erschließt, sondern schnelle und leichtansichtige Genre-, Blumen- und Figurenstücke
- Gartenlaube liefert unkomplizierte, leicht begreifbare Kunst
- Themen eignen sich zum Ausgleich eines zunehmend durch den Einfluss der technisierten Welt ins Wanken geratene instabile Lebensgefühl --> Darstellungen von unberührtem Landleben und der Familie als Ort der Sicherheit und Stabilität
- auch Erfahrungen des Reisens, des Abenteuers und der Exotik konnten vom sicheren Platz zu Hause betrachtet werden
- fremde Gegenwelt wurde auch gezeigt, aber entschärft und zensiert --> kleiner Schauer war gewünscht, aber ernsthafte, kritische Beunruhigung nicht

Der Leipziger Verleger Ernst Keil und seine „Gartenlaube“

- Novellen sollten positiv auf die Gemüter der Leser wirken aber auch zu Selbstzucht du Tatkraft ermuntern
- Inhalte der Novellen (Inhalte wurde von Ernst Keil definiert)
- klare Anschauungen über soziale Verhältnisse und politische Bedürfnisse in Stadt und Land, Höhen und Tiefen des Lebens
- Familienleben mit Schwerpunkt volkstümliche Moral gegen Unsitten und Vorurteile, die das Eheglück und gesundes Familienleben gefährden
- Keil konnte aufgrund von Staatsüberwachung keine politisierenden Artikel veröffentlichen --> versuchte seine Botschaften durch Empfindungen des Lesers zu transportieren
- politisch setzte sich Keil für ein vereinigtes Deutschland ein
- Immer wieder waren Novellen der Gartenlaube Sprachrohr, um politisch zu kritisieren

Die Ursprünge der modernen Medienindustrie

Entwicklungsbedingungen des Zeitschriftenmarktes

Sozial – ökonomische Voraussetzungen

- Gewerbefreiheit von 1869 führte zu einem explosiven Wachstum der Zeitschriften

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Details

Titel
Die Novelle als Paradegattung und im medialen Kontext des Realismus
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Autor
Jahr
2013
Seiten
39
Katalognummer
V278547
ISBN (eBook)
9783656711056
ISBN (Buch)
9783656712558
Dateigröße
673 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
novelle, paradegattung, kontext, realismus
Arbeit zitieren
Bachelor Ramona Schilling (Autor), 2013, Die Novelle als Paradegattung und im medialen Kontext des Realismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278547

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