Die Expansion des Moskauer Reiches Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts unter Ivan III.


Hausarbeit, 2013
11 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Biographie

2.Machtverhältnisse bei Amtsantritt Ivans III

3. Sammlung des russischen Landes durch Ivan III. und Festigung der Macht
3.1 Militärische Aktionen
3.2 Politische Interventionen und Verträge
3.3 Thronfolge

4. Moskau und Konstantinopel - Ivans III

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Geschichte Russlands nach Zeiten der Kiewer Rus ist geprägt von der Tartarenherrschaft und dem Versuch, diesem Joch der Unterdrückung zu entfliehen. Die Machtausweitung Moskaus ist hier als ein zentraler Punkt im Kampf gegen ebendiese Tartaren zu sehen. Neben Dimítrij Donskoij, der, wie man später sehen wird, durch den Sieg gegen die Tartaren 1380 bei der Schlacht auf dem Kulikóvo póle am oberen Don1 den Beginn des Zusammenfalls der Goldenen Horde einläutete und damit für die nötige Stabilität Moskaus sorgen sollte, ist vor allem Ivan III. eine der herausragenden Persönlichkeiten, die eine tragende Rolle inne hatte. Und dies lag neben der Stärkung der Moskauer Macht gegenüber Polen-Litauen, auch vor allem an seiner expanisiven Außenpolitik zur Wiederherstellung der alten Lande der Rus. Er galt als der „Sammler des russischen Landes.“2 Doch was zeichnete ihn als Herrscher aus und mit welchen politischen, militärischen und vielleicht auch wirtschaftlichen Instrumenten konnte es ihm überhaupt gelingen, das damalige Moskauer Reich zu stärken und sogar noch zu erweitern? Diese Fragen sollen im Folgenden als Leitfaden dienen: Zunächst einmal wird in einer kurzen Biographie Ivans III. seine Person selbst nochmals kurz in den Mittelpunkt gestellt, um anschließend zur hirtorischen Einordnung die vorherrschenden Machtverhältnisse innerhalb und außerhalb Moskaus seinem Amtsantritt im Jahre 1462 einzugehen. Im zweiten Teil wird dann die „Sammlung des russischen Landes durch Moskau“3 beschrieben. Hier liegt der Schwerpunkt der Beschreibung und Analyse auf der Vorgehensweise Ivans III. insbesondere auf der Außenpolitik. Ebenfalls wird die Verbindung Ivans III. nach Byzanz und sein Anspruch auf den Zarentitel erläutert. Abschließend werden einige Punkte der Arbeit nochmals aufgegriffen, um die Relevanz dieses Themas für das Oberthema „Zwei Rome sind gefallen, aber das Dritte steht - Die Schlacht von Poltawa 1709“ zu beschreiben.

1. Biographie

Schon früh wurde Ivan in die Thronfolgepolitik seines Vaters mit einbezogen, denn schon Ende der vierziger Jahre des 15. Jahrhunderts wurde er zum Großfürsten proklamiert.4 Er stand somit als Junge schon neben seinem Vater in der Moskauer Politik, jedoch ist aufgrund des Alters nicht davon auszugehen, dass er bereits in diese Politik eingriff. Allerdings scheint ihn diese Zeit sehr geprägt zu haben. Im März 1462 gelangt er nach dem Tod seines Vaters Vasilij II. An die Macht. Er galt in seiner aktiven Zeit, in der er es zum „Herrscher von ganz Russland“ schaffte, als sehr intelligent und auch wußte er seine Macht geschickt einzusetzen. Dies lässt sich vor allem daran erkennen, dass „ ihm in hohem Maße die Fähigkeit“ zu eigen war, „abzuwarten und im günstigsten Augenblick zu handeln.“5 Allerdings lässt sich diese Fähigkeit auch anders auslegen, denn in der Literatur ist oft davon die Rede, dass sich Ivan vorm offenen Kampf scheute6 und diese Fähigkeit des Abwartens auch als Angst gedeutet werden könnte. „Den persönlichen Einsatz im Kriege vermied er so offensichtlich, daß er mitunter den Tadel seiner auf das großfürstliche Ansehen bedachten Berater hervorrief.“7 So ist es nicht verwunderlich, dass er nicht als Kriegsheld in die Analen einging. Trotzdem war er sehr erfolgreich und konnte Fürstentümer wie Tver, Novgorod oder auch Rjazan wieder eingliedern, Litauen zu Zugeständnissen zwingen, und die Tarten in die Schranken weisen.

Ivan hatte aus seiner ersten Ehe mit Maria Borisovna von Tver, die 1467 starb, seinen Sohn Ivan Ivanovic hervorgebracht8. Im Jahre 1472 heiratete er dann seine zweite Frau Sofja Zoe Paläolog, eine Nichte des letzten Byzantinischen Kaisers. Sie gebar ihm mehrere Töchter und ihren ersten Sohn Vasilij Ivanovic. Danach folgten noch einige weitere Kinder.9 Im Oktober des Jahres 1505 starb Ivan III. und sein Sohn Vasilij Ivanovic III. übernahm die Macht.10

2.Machtverhältnisse bei Amtsantritt Ivans III.

Wie im Großteil der Quellen zu lesen ist, konnte Ivan III. nach dem Tod seines Vaters 1462 ein relativ gesichertes Erbe antreten.11 Dies hat verschiedene Gründe.

Innerpolitisch war Ivan nämlich ohne Konkurrenz, sodass ihm sein Vater auch bereits früh in die Staatsgeschäfte einweihte und ihm die Wichtigkeit und Vision eines geeinten russischen Reiches als Selbstverständnis beigebracht zu haben schien. Desweiteren war der Bujaren-Uradel, der immer wieder versuchte, ihre alte Macht wiederzuerlangen und das Moskauer Gefüge auseinanderzubringen, unterworfen worden und nach Litauen geflohen.12

Zum anderen hatte dies auch politische Gründe, denn Litauen im Westen hatte sich durch einen Erbfolgekrieg im inneren selbst geschwächt und, obwohl sie noch auf russischem Boden standen, konnten sie sich der Unterstüzung des Unions-Partners Polen nicht mehr sicher sein, zumal König Kasimirs Interessen nach Westen gerichtet waren.13 Damit schien die Macht Litauens ohne seinen Partner zu schwinden, denn sie wollten, im Gegensatz zu Polen, gegen das Moskauer Ausweitungsbestrebungen angehen, taten es im Endeffekt aber nicht.

Im Osten machte sich der Zerfall der Goldenen Horde immer mehr bemerkbar. Durch die Aufsplittung des Riesenreiches in mehrere Chanate wie Kram, Kazan oder Astrachan waren die Tartaren mehr mit sich selbst beschäfigt. Sie waren sogar bereit, sich gegen andere Chanate mit nichttartarischen Völkern zu verbünden, um sich in eine bessere Poition zu bringen.14

All diese inneren Konflikte der Nachbarstaaten könnten also für eine gewisse Ruhe innerhalb des Moskauer Reichs und nach Jahren der inneren Unruhen zu einer schnellen Konsoldierung gesorgt haben. Es ist also festzuhalten, dass trotz der üblichen Konflikte und Machtansprüche verschiedenster Parteien, Ivan eine, im Gegensatz zu vorhergegangenen Herrschern, sichere Position bei seinem Amtsantritt inne hatte.

3. Sammlung des russischen Landes durch Ivan III. und Festigung der Macht

3.1 Militärische Aktionen

Wie es in der Frühen Neuzeit, aber auch schon im Mittelalter üblich war, versuchten die Herrscher durch Kriege ihre Machtbereiche zu vergrößern und zu festigen. Auch Ivan III. verfolgte mit seiner Streitmacht eine expansive Außenpolitik. Er galt nicht zu Unrecht als „der Sammler des russischen Landes.“15 Die Ziele, die er neben der Sammlung der ehemaligen Länder der Kiewer Rus anstrebte, waren vor allem der Zugang zur Ostsee und die Verdrängung der Gegner in Ost und West.16 Dass der Zugang zur Ostsee einen wichtigen strategischen und logistischen Wert hatte, liegt auf der Hand: Moskau war ohne jeglichen Zugang zum Meer, weder im Süden, Norden oder Osten. Somit konnte z.B. auch kein Handel mit anderen Westeuropäischen Händlern getrieben werden, und dies bedeutete ein großer wirtschaftlicher Nachteil gegenüber seinen Nachbarn. Um diesen Rückstand aufzuholen, waren die Expansionsbestrebungen gen Westen gerichtet, da man im Osten von der abschwächenden Macht der Tartaren keine Große Gefahr auszumachen schien.

[...]


1 Neander, Irene, Grundzüge der russischen Geschichte, S.54

2 Neander, Irene, Grundzüge der russischen Geschichte, S.56

3 Stökl, Günther, Russische Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart, S. 193

4 Hellmann, Manfred [Hrsg.] , Handbuch der Geschichte Russlands

5 Stökl, Günther, Russische Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart, S. 194

6 Vgl Stökl, Günther, Russische Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart, S. 194

7 Stökl, Günther, Russische Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart, S. 194

8 Vgl. Hellmann, Manfred [Hrsg.] , Handbuch der Geschichte Russlands, S. 661

9 Vgl. Hellmann, Manfred [Hrsg.] , Handbuch der Geschichte Russlands, S. 663

10 Vgl.Hellmann, Manfred [Hrsg.] , Handbuch der Geschichte Russlands, S. 670

11 Vgl. Ruehl, Lothar, Russlands Weg zur Weltmacht S.36

12 Vgl. Ruehl, Lothar, Russlands Weg zur Weltmacht S.36

13 Vgl. Ruehl, Lothar, Russlands Weg zur Weltmacht, S.36

14 Vgl. Hellmann, Manfred [Hrsg.] , Handbuch der Geschichte Russlands, S 628

15 Ruehl, Lothar, Russlands Weg zur Weltmacht, S. 37

16 Vgl. Neander, Irene, Grundzüge der russischen Geschichte S.56

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die Expansion des Moskauer Reiches Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts unter Ivan III.
Hochschule
Universität Paderborn
Note
2,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
11
Katalognummer
V278726
ISBN (eBook)
9783656715191
ISBN (Buch)
9783656722014
Dateigröße
950 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
expansion, moskauer, reiches, ende, anfang, jahrhunderts, ivan
Arbeit zitieren
Maik Schulze (Autor), 2013, Die Expansion des Moskauer Reiches Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts unter Ivan III., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278726

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