Der Tod König Albrechts I. Privatsache oder Tyrannenmord?


Magisterarbeit, 2007
30 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Personen

Die Legitimität Albrechts als König

Widerstand der Kurfürsten

Zwischenergebnis

Albrechts letzte Jahre

Der Tatablauf

Die Mordmotive

Aegidius Tschudis Chronicon Helveticum

Die Nutznießer

Ergebnis

Quellen

Literatur

Nachweise

Einleitung

Am 01. Mai 1308 fiel König Albrecht I. im Alter von 52 Jahren einem Mordanschlag seines Neffen Herzog Johann, der sich um sein Erbe geprellt fühlte, zum Opfer.1 Der Mord wurde in den Chroniken und der späteren Literatur meist auf das Rachemotiv Johanns reduziert und damit als reine Privatsache eines Einzelnen dargestellt. Fraglich ist jedoch, ob weitere Interessen im Spiel gewesen sein könnten. Albrecht hatte sich zahlreiche Feinde gemacht, zu denen selbst die Kurfürsten, die ihn 1298 zum König gewählt hatten, gehörten, so dass mit der Nachricht von Albrechts Tod nicht wenige zumindest aufatmeten, wenn nicht sogar davon profitierten.2 Durch den Tod Albrechts wurde jedenfalls die weitere Entfaltung der habsburger Hausmacht zu einem starken Königtum jäh unterbrochen.3

Mit dieser Arbeit soll im Kontext der verschiedenen Interessen untersucht werden, ob es sich bei dem Mord tatsächlich, wie in der Literatur dargestellt, um eine reine Privatsache gehandelt hat, oder ob nicht doch die Möglichkeit eines Tyrannenmordes in Betracht gezogen werden muss.

Hierbei werden vor allem die rund 98.000 Verszeilen umfassende Österreichische Reimchronik Ottokars,4 die allein 75.000 Verszeilen Albrecht und seinen Taten widmet, das Werk Johanns von Viktring5, ebenfalls aus dem österreichischen Raum und die Chronik des Mathias von Neuenburg6 die Quellengrundlage bilden. Darüber hinaus wird die um 1534-38 entstandene Chronicon Helveticum – Grundlage für Friedrich Schillers Wilhelm Tell, in dem Herzog Johann eine Nebenrolle spielt – verfasst von Tschudi,7 einem scharfen Gegner des Hauses Habsburg, in die Betrachtung mit einfließen.

Personen

Albrecht I. wurde wahrscheinlich 1255 geboren und am 01. Mai 1308 bei Windisch an der Reuß (heute Schweiz) getötet. Er war Sohn König Rudolfs I. und der Tochter des Grafen Burkhard III. von Hohenberg, Gertrud.8 Während Albrecht durch die Rheinfelder Hausordnung 1283 vertraglich zum Alleinerben der wichtigsten Lehen eingesetzt wurde, erhielt sein Bruder Rudolf lediglich Versprechen auf Lehen oder Entschädigung in Geld9, die nie eingelöst wurden. Albrecht wurde 1298 von den Kurfürsten zum König gewählt, nachdem diese den 1292 gewählten König Adolf, abgesetzt hatten, was insofern ein einzigartiger Vorgang war, als dass dies allein durch die Kurfürsten des Reiches und ohne Bannspruch des Papstes umgesetzt wurde. Nach der diesbezüglichen päpstlichen Auffassung, die sich erstmals in der Absetzung Friedrichs II. durch Innozenz IV. manifestierte, war nur der Papst zu Absetzung eines Königs befugt.

Herzog Johann von Österreich und Steier, posthum auch Johann Parricida (Verwandtenmörder) genannt, lebte von 1290 bis 1313, war Sohn des zu Gunsten Albrechts benachteiligten Rudolf und Albrechts Neffe. Nach dem Tod seines Vaters versuchte Johann die von jenem geerbten Ansprüche einzufordern, indem er seinen Onkel zur Erfüllung der in der Rheinfelder Hausordnung von 1283 festgeschriebenen Vereinbarung drängte – erfolglos. Von Albrecht stets hingehalten und als landloser Herzog verspottet, ermordete er seinen Onkel und floh mit seinen Komplizen.10 Erst 16 Monate später wurde die Reichsacht11 über die Täter verhängt.12 Anfang des Jahres 1312 ersuchte Johann möglicherweise bei König Heinrich in Pisa um Gnade.13

Die Mitverschworenen Johanns waren die Ritter und Edelleute Rudolf von Wart, Rudolf von Balm, Walter von Eschenbach und – in den Chroniken nicht erwähnt – evt. Konrad von Tegerfeld. Für eine Beteiligung des Letzteren spricht, dass dieser im Urteil Heinrichs VII. als Täter genannt wird.14

Nun wird vor allem die Frage nach den Mordmotiven dieser Mitverschworenen zu untersuchen sein, da diese von der Sache zwischen Johann und Albrecht bestenfalls indirekt betroffen waren und dennoch mit der Beteiligung an der Ermordung eines Königs ein äußerst großes Risiko eingingen.

Die Legitimität Albrechts als König

Als König Rudolf I. im Sommer 1291 in Speyer starb, war es ihm nicht mehr gelungen, die Kurfürsten auf die Nachfolge seines Sohnes Albrecht einzuschwören.15 Diesen war der Habsburger zu mächtig, denn für die Durchsetzung der eigenen Interessen wäre ein zu starker König hinderlich gewesen. So wählten sie am 05. Mai 1292 Adolf von Nassau zum neuen König16, was für Albrecht ein harter Rückschlag war, mit dem er aber diplomatisch umzugehen wusste.

Schon bald stellte sich aber heraus, dass Adolf gegen die Interessen der Kurfürsten seine schmale Machtbasis durch mehrere brutale Kriege17 erheblich ausbaute und die zahlreichen, vor seiner Wahl den Kurfürsten gegebenen Versprechen nicht einhielt. Durch die konfliktreiche Expansionspolitik blieb es nicht aus, dass Adolf sich auch mit Albrecht, der sich diesem gegenüber zunächst neutral verhielt, verfeindete. Neuenburg führt den Ausgangspunkt dieser Feindschaft darauf zurück, dass Albrecht der Vermählung seiner Tochter mit Adolfs Sohn faktisch eine Absage erteilte.18 Die wachsende Unzufriedenheit der Kurfürsten gipfelte in einer Versammlung im Mainzer Dom am 23. Juni 1298, in der wegen zahlreicher Vergehen die Absetzung des nicht anwesenden Königs Adolf beschlossen und erklärt wurde.19 Gleichzeitig wurde Herzog Albrecht zum neuen König gewählt. Da nach päpstlicher Auffassung nur der Papst, nicht aber die Kurfürsten zur Absetzung eines Königs befugt war, erkannte Papst Bonifaz VIII. Albrecht nicht als König an und bezeichnete das Vorgehen der Kurfürsten gegen Adolf als Hochverrat und die Wahl Albrechts als nichtig. Aus päpstlicher Sicht stand der gesalbte König unter dem besonderen Schutze Gottes und der Kirche. Seine Feinde waren damit auch die Feinde der Kirche.20 Papst Bonifaz VIII. war Neuenburg zufolge auch wegen der gemeinsamen Feindschaft gegen den König von Frankreich ein großer Befürworter Adolfs: "Deshalb und dem Franken zum Trotz, liebte der Papst den König Adolf."21 Adolf war des Weiteren als gesalbter König auch in den Augen seiner Untertanen mehr als nur ein hoher Funktionär. Die Salbung war alles entscheidend, da man glaubte, dass die Weihe mit heiligem Öl im geistigen Wesen der Könige eine tiefe Wandlung durchführte und ein König als Gesalbter des Herrn unantastbar sei.22 Albrecht hätte mit seinem starken Heer gegen den – bei seiner Königswahl noch schwachen – Adolf auch sofort kriegerisch vorgehen können, tat dies aber nicht. Aus militärischer Sicht wäre das sicher sinnvoll gewesen, aber Adolf hatte ihm eines voraus: er war gesalbt und dadurch in den Augen des Volkes zu einer höheren, um nicht zu sagen heiligen Persönlichkeit geworden.23

Die Absetzung Adolfs und die gleichzeitige Wahl Albrechts wurden damit als äußerst zwielichtig angesehen und ihr haftete auch durch die fehlende Anerkennung durch den Papst ein gravierender Mangel an Legitimität an. Damit stand Albrechts Königtum zunächst auf schwachen Füßen.

Da Adolf sich dem Beschluss der Kurfürsten nicht fügte, suchten Albrecht und Adolf die Entscheidung des Thronstreites auf dem Schlachtfeld. In der Entscheidungsschlacht am 02. Juli 1298 bei dem Dorf Göllheim in der Rheinpfalz wurde nach Ansicht nicht weniger Chronisten Adolf von Albrecht selbst getötet.24 Dieser gewaltsame Tod eines gesalbten Königs durch einen Thronrivalen, der anschließend das Königtum fortsetzte, verstärkte die ihm bereits aus vorgenannten Gründen anhaftende Illegitimität noch erheblich. Und selbst der eher habsburgfreundliche Chronist Neuenburg bezeichnet Adolf auch nach seiner Absetzung durch die Kurfürsten und sogar noch nach dessen Tod als König, Albrecht dagegen als Herzog. Die Schlacht bei Göllheim ist für ihn eine Schlacht des Königs gegen den Herzog von Österreich, bei der der König getötet wurde. 25 Damit erkennt auch Neuenburg die Absetzung durch die Kurfürsten eindeutig nicht an.

Auch wenn ein Teil der Quellen die Tötung Adolfs nicht Albrecht persönlich zuschreibt, bleibt in fast allen Quellen der Vorwurf, dass Albrecht ein als existent betrachtetes Herr-Knecht-Verhältnis missachtet habe, dass im Zuge dieses Vorgehens, der gesalbte König getötete wurde und dass Albrecht dafür verantwortlich war.26 Der Gesalbte fand damit durch einen seiner Knechte den Tod und dieser Knecht wollte dann selbst König sein. Aber gerade durch sein Vorgehen in dieser Sache hatte er sich disqualifiziert. Heinrich von Rebdorf geht mit der Umschreibung "rex fuit Adolfus pro regni sede necatus" noch weiter, indem er das Unrecht zum Verbrechen steigert. Die Tötung Adolfs ist demnach Mord, damit ist Albrecht ein gemeiner, schändlicher Verbrecher, der als König undenkbar ist.27

Die Schlacht bei Göllheim hat für einen Teil der Gesellschaft einen schwerwiegenden Makel an Albrecht hinterlassen. An diesem Makel änderte auch die förmliche, diesmal einstimmige Neuwahl nach dem Tod Adolfs (27. Juli 1298) und die anschließende feierliche Krönung in Aachen im November 1298, nur wenig. Im Gegenteil haftet dieser zweiten Wahl ja der Verdacht an, dass die Kurfürsten und Albrecht offenbar die erste Wahl selbst nicht für voll genommen haben, warum sonst sollte eine zweite Wahl überhaupt nötig sein?

Das offizielle Einvernehmen, das zu dieser Zeit noch zwischen Albrecht und den Kurfürsten herrschte, kann kaum darüber hinwegtäuschen, dass diese den neuen König nach wie vor nicht als ihren Wunschkandidaten, sondern als das vermutete kleinere Übel, also eine Notlösung, betrachteten. Die Vorbehalte gegen die Macht des Habsburgers durften seit dem Sieg von Göllheim eher noch zugenommen haben. Da Albrecht in der Folge die von den Kurfürsten missbilligte Politik seines Vorgängers auch noch konsequent fortsetzte, war es nur eine Frage der Zeit, bis die nächste große Auseinandersetzung zwischen König und Kurfürsten fällig wurde.28

Widerstand der Kurfürsten

Nach seiner Wahl führte Albrecht Verhandlungen mit dem französischen König Phillip IV., die bei den rheinischen Kurfürsten auf zunehmendes Misstrauen und schließlich auf unverholene Ablehnung stießen.29 Grund hierfür war vermutlich der sich aus einer Vertragsklausel eines Ehevertrages zwischen Albrechts Sohn Rudolf und Philipps Schwester Blanca ergebende Verdacht, dass Albrecht die Umwandlung des Reiches in eine Erbmonarchie plane30, was einer Entmachtung der Kurfürsten gleichgekommen wäre. Der Vertrag kam aber, gegen den Widerstand der rheinischen Kurfürsten, 1299 zustande. Weiterer kurfürstlicher Widerstand wurde 1300 durch eine päpstliche Personalentscheidung ausgelöst, nach welcher der Bruder des gefallenen König Adolfs neuer Erzbischof von Trier und Kurfürst wurde31, der dem neuen König gegenüber alles andere als wohlgesonnen war. Diese personalpolitische Entscheidung war natürlich kein Zufall, sondern vielmehr als bewusster Affront gedacht, welcher der grundsätzlich feindseligen Haltung Bonifaz VIII. gegenüber der Thronerhebung Albrechts entsprach.32 Die oppositionelle Haltung der rheinischen Kurfürsten wurde durch weitere politische Entscheidungen des Königs bezüglich des strategisch und wirtschaftlich wichtigen Mündungsgebietes des Rheins bestärkt. Der Kölner Erzbischof, der auf keinen Fall ein Festsetzen des Habsburgers in diesem Gebiet dulden wollte, versuchte, die durch den Druck der Kurie und den Personalwechsel in Trier für Albrecht prekär gewordene Situation zu dessen Sturz zu nutzen.33 Zunächst schloss er am 05. Dezember 1299 ein Bündnis mit Erzbischof Gerhard von Mainz gegen Albrecht.34 Auf sein Betreiben schlossen dann die drei rheinischen Erzbischöfe und der inzwischen von ihnen gewonnene Pfalzgraf am 14. Oktober 1300 ein Bündnis gegen "Albrecht, Herzog von Österreich, der sich jetzt deutscher König nennt".35 Man war nun entschlossen, dem Habsburger das gleiche Schicksal, wie seinem Vorgänger zu bereiten und setzte ihn mit der Begründung ab, Albrecht habe sich gegen seinen Herrn und König Adolf von Nassau – den die selben Kurfürsten ja kurz zuvor entmachtet hatten – erhoben und diesen sogar getötet.36 Doch Albrecht wehrte sich mit einem politisch wohl vorbereiteten37, schonungslosen Militärschlag gegen seine Entmachtung. Nacheinander mussten die Kurfürsten kapitulieren und einem Friedensabkommen zustimmen, dass sie neben verschiedener harter Zugeständnisse u.a. verpflichtete, den König bei militärischen Operationen gegen die noch nicht unterworfenen Kurfürsten zu unterstützen.38 Ende 1302 war die Opposition zerschlagen. Auch der Makel der fehlenden päpstlichen Anerkennung wurde im Frühjahr 1303 aufgehoben, allerdings nicht, weil Bonifaz etwa einen Irrtum einsah, sondern aus strategischen Gründen, weil der Papst auf Albrecht als Vermittler in einem heftigen Konflikt zwischen Kirche und dem französischen König Phillip IV. angewiesen war.39 Dennoch gelang es Bonifaz, für die nachträgliche Anerkennung der Wahl Albrechts, diesem im Rahmen eines nahezu zweiten Canossas große Zugeständnisse abzuverlangen.40

Zwischenergebnis

Diese bewusst knapp gehaltene Skizze macht deutlich, dass Albrecht, der aufgrund einer formell keineswegs rechtmäßigen Wahl einen gesalbten König erschlagen hatten und dadurch in den Augen zumindest eines nicht unerheblichen Teils der Zeitgenossen aufs schwerste belastet war, zunächst weder durch den Papst als legitimer König anerkannt wurde, noch die Kurfürsten auf seiner Seite hatte. Der Versuch der Kurfürsten, Albrecht wieder loszuwerden, endete in einer demütigenden Entmachtung und Unterwerfung, die deren weitere Teilhabe am Reichsregiment ausschloss.41 Sie müssen daher größten Argwohn gegen den König gehegt haben.

Albrechts letzte Jahre

Nach dem Sieg über die Kurfürsten und der Aussöhnung mit Papst Bonifaz hielt Albrecht den Zeitpunkt für gekommen, einen Machtkampf mit den Przemysliden, namentlich König Wenzel II. von Böhmen zu beginnen, der noch kurz zuvor, im Kampf gegen die Kurfürsten, Albrechts Verbündeter gewesen war. 1306 gelang Albrecht die Machtübernahme Böhmens und er setzte seinen Sohn Rudolf als König ein. Im mitteldeutschen Territorienkomplex fehlte nun nur noch die Landgrafschaft Thüringen, die Albrecht 1307 durch einen Feldzug erobern wollte, jedoch aufgrund der Unterschätzung des Gegners eine empfindliche Niederlage hinnehmen musste. Durch den Tod seines gerade erst zum König von Böhmen gekrönten Sohns Rudolf am 03. Juli 1307 stand nun auch die Herrschaft in Böhmen wieder auf dem Spiel.42

Während der letzten Jahre Albrechts vollzogen sich aber auch personelle Änderungen bezüglich der geistlichen Kurfürsten, die Albrecht schadeten und seinen Machtverlust im Bereich der höchsten Kirchenämter deutlich machen. Dies galt sowohl für Heinrich von Vierneburg, der 1306 Erzbischof von Köln wurde, als auch besonders für Peter von Aspelt, der zeitgleich Erzbischof von Mainz wurde und ein erbitterter Gegner der habsburger Politik war und für Balduin von Luxemburg, dem 1308 das Erzbistum Trier zufiel.43 Die Liste der Gegner Albrechts war lang geworden und nachdem es ihm mit einem schnell zusammengerafften Heer weder gelungen war Thüringen zu unterwerfen, noch die Herrschaft über Böhmen zurückzuerlangen, kehrte er im Frühjahr 1308 in die oberen habsburgischen Stammlande zurück um neue Truppen anzuwerben. In dieser politisch und militärisch völlig offenen Situation wurde er ermordet.44

Der Tatablauf

In den Tagen vor seinem Tod hielt König Albrecht sich in Baden an der Limmat auf45, wo er Johann, der wiederholt seine Ansprüche geltend zu machen versuchte, wiederum zurückwies.46 Johann konfrontierte Albrecht auch erneut mit dem Vorwurf, ihn bei der böhmischen Thronfolge zu Gunsten seines Sohnes Rudolf nicht berücksichtigt zu haben, als die Przemysliden 1306 mit Wenzel III. ausstarben.47 Während dieser Gespräche traf die Nachricht ein, Albrechts Frau Elisabeth nähere sich Basel und Albrecht versammelte einige seiner Vertrauten48 um sich, um seiner Frau entgegenzureiten, unter anderem gefolgt von Johann.49 Der Weg führte in Richtung Brugg, so dass bei Windisch der Fluss Reuß überquert werden musste. Johann und seine Gefährten sorgten dafür, dass Sie zeitgleich mit Albrecht das andere Ufer erreichten, aber früher, als Albrechts übrige Begleiter. In dieser Situation griffen Sie Albrecht an und verwundeten ihn mit Dolchen und Schwertern tödlich. Der exakte Ablauf unterscheidet sich in den verschiedenen Quellen. Daraus lässt sich folgern, dass die Chronisten voneinander unabhängig gearbeitet haben. Dies wiederum steigert die Glaubwürdigkeit all jener Darstellungen, die in allen Quellen im Wesentlichen übereinstimmen.

In der Österreichischen Reimchronik heißt es, Walther von Eschenbach sei dem König in die Zügel gefallen,50 Rudolf von Wart habe ihm mit dem Schwert quer über das Gesicht geschlagen51 und Herzog Johann habe ihn mit dem Schwert durchstoßen.52 Übereinstimmend mit Neuenburg und Viktring berichtet die Reimchronik, dass von Balm Kopf und Gesicht des Königs gespalten habe.53 Wahrscheinlich starb Albrecht ohne geistlichen Beistand54 möglicherweise in den Armen eines Knechtes.55

Nauenburg weicht aber in einigen Punkten von den anderen Quellen ab: zunächst betont er, dass es Albrechts Ehefrau war, die den König dahingehend beeinflusste, Johanns Erbe zugunsten der eigenen Söhne zurückzuhalten.

[...]


1 Dienst, Johann "Parricida".

2 Hessel, S. 227.

3 Stelzer, S. 34.

4 Österreichische Reimchronik, insbesondere VV 94363-94383, S. 1225-1231.

5 Johann von Viktring, insbesondere III Kap. 10 und IV Kap. 2.

6 Die Chronik des Mathias von Neuenburg, insbesondere Kapitel 28-36.

7 Aegidius Tschudi: Chronicon Helveticum.

8 Dienst, S. 30.

9 Krieger, Rudolf von Habsburg, S. 160.

10 KRONES, Franz von: Johann Parricida. Herzog von Österreich; Herzog von Schwaben; 1290 oder 1291 bis 1312 oder 1313, in: ALLGEMEINE DEUTSCHE BIOGRAPHIE. hrsg. von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der Bayerischen Staatsbibliothek, Berlin: Duncker & Humblot, 2005, Band 14, S. 415-417.

11 Den Verurteilten wurden rechtlos und für vogelfrei erklärt (den Freunden verboten, den Feinden erlaubt), ihre Lehen entzogen, ihre Ehefrauen zu Witwen und die Kinder zu Waisen ohne Rechte erklärt. Ferner wurde ihnen ausdrücklich weder Verkauf noch Verpfändung noch sonst irgendeine Änderung ihres Gutes erlaubt, welches enteignet wurde und dem Reich zufiel. Dieselbe Strafe drohte denjenigen, welche die Täter "in Kenntnis der Tat hausten und hoften".

12 Heinrich VII.: 1309 September 18 Speyer, 428, in: Urkundenregesten 1292 - 1313, S. 282-283.

13 Neuenburg, S. 58.

14 Heinrich VII.: 1309 September 18 Speyer, 428, in: Urkundenregesten 1292 - 1313, S. 282-283.

15 Krieger, S. 77.

16 Krieger, S. 80.

17 Krieger, S. 83.

18 Neuenburg, Kap. 29, S. 32.

19 Erzb. Gerhard von Mainz: 1298 Juni 23 Mainz, 144, in: Urkundenregesten 1292 - 1313, S. 105-108.

20 Danuser, S. 80.

21 Mathias von Neuenburg, Kap. 30, S 33.

22 Danuser, S. 10.

23 Danuser, S. 24.

24 Nach den meisten Berichten jedoch waren der Raugraf von Stolzenberg und der Wildgraf Kuchimeister die Täter, vgl. hierzu Krieger S. 86.

25 Neuenburg, Kap. 33, S. 36f.

26 Danuser, S. 61.

27 Danuser, S. 62.

28 Krieger, S. 87.

29 Krieger, S. 89.

30 H. Thomas zitiert bei Krieger, S. 89.

31 Danuser, S. 81.

32 Krieger, S. 90.

33 Krieger, S. 91.

34 Ebf. Wikbold von Köln: 1299 Dezember 5 Toul, 223, in: Urkundenregesten 1292 - 1313, S. 161f.

35 Ebf. Dieter von Trier: 1300 Oktober 14 Niederheimbach, 272, in: Urkundenregesten 1292 - 1313, S. 190.

36 Andics, S. 37.

37 Er deklarierte von den Kurfürsten erlassene Zölle als illegitim und erklärte diese für nichtig, sodann ging er gegen die "Erheber" dieser nun verbotenen Zölle militärisch vor. Siehe hierzu: Kg. Albrecht: 1301 Mai 7 Speyer, 286 und 1301 Mai 9 Speyer, 287, in: Urkundenregesten 1292 - 1313, S. 198f.

38 Kg. Albrecht: 293, 294, 301, 308-314, in: Urkundenregesten 1292 - 1313, S. 202f, 208ff.

39 Vgl. Krieger, S. 93-97.

40 Vgl. Danuser, S. 88.

41 Hessel, S. 223.

42 Vgl. Heimann, S. 29.

43 Krieger, S. 109.

44 Vgl. Krieger, S.99-109.

45 Hessel, S. 222.

46 Österreichische Reimchronik VV.94115-219; Mathias von Neuenburg Kap. 36; Johann von Viktring III, 2.

47 Meyer, S. 41.

48 Johann I. von Dürbheim, Bischof von Straßburg (Reimchronik), Herzog Ludwig IV. von Bayern (Regesten der Erzbischöfe von Mainz, Nr. 1163, zitiert bei Meyer, S. 43); Vgl. auch Hessel, S. 222.

49 Österreichische Reimchronik VV.94363ff; Mathias von Neuenburg Kap. 36.

50 Österreichische Reimchronik VV.94515-518.

51 Österreichische Reimchronik VV.94540-545.

52 Österreichische Reimchronik VV.94555-557.

53 Österreichische Reimchronik VV.94534-538; Mathias von Neuenburg Kap. 36; Johann von Viktring III, Kap. 10, Bd. 36.1, S. 384.

54 Annales Matseenses, ed. WATTENBACH 1851 (ND 1993), S. 824, zitiert in Meyer, S. 42

55 Continuatio Zwetlensis Tertia, S. 663: "... in sinu vilis servuli unius de suis expiravit." zitiert in Meyer, S. 42.

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Der Tod König Albrechts I. Privatsache oder Tyrannenmord?
Hochschule
Universität Hamburg  (Geschichtswissenschaften)
Note
1
Autor
Jahr
2007
Seiten
30
Katalognummer
V278880
ISBN (eBook)
9783656718222
ISBN (Buch)
9783656718215
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
könig, albrechts, privatsache, tyrannenmord
Arbeit zitieren
Wolfram Oehms (Autor), 2007, Der Tod König Albrechts I. Privatsache oder Tyrannenmord?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278880

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