Wo liegen die Ursachen von Stress und wie kann die Kunsttherapie zur Genesung beitragen?


Hausarbeit, 2013

25 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Die Leistungsgesellschaft als Problematik der heutigen Zeit
1.1 Leistungsgesellschaft – Stress und Druck als alltäglicher Begleiter
1.1.1 Erster Warnhinweis: Niedrige Lebenszufriedenheit bei Kinder
1.1.2 Das Leistungsprinzip – Was ist das?
1.2 Diagnose: Burnout!
1.2.1 Was ist Burnout?
1.2.2 Wo liegen die Ursachen?

2 Kunsttherapie als Heilungsansatz
2.1 Kreativität als Dreh- und Angelpunkt der Kunsttherapie
2.1.1 Was ist Kreativität? Ein kleiner Überblick
2.1.2 Kreativität und Kunst – Ein Bild sagt mehr als tausend Worte
2.1.3 Wie die Gesellschaft Kreativität schon bei Kindern zerstört
2.2 Hilfe durch Kunsttherapie – Doch was ist das?
2.2.1 Entstehung der Kunsttherapie
2.2.2 Ziele und Aufgaben der Kunsttherapie

3 Kunsttherapie bei Stresspatienten
3.1 Die kunsttherapeutische Arbeit an mehreren Beispielen aus der Praxis
3.2 Kreativförderung als Prävention
3.3 Alternativen zur Leistungsgesellschaft

Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Einleitung

Montagmorgen, 6:30 Uhr, der Wecker klingelt und Stefan Stressmann will nicht aufstehen. Demotiviert schleppt er sich zum Badezimmer und macht sich für die Arbeit fertig. Da der Abwasch vom Wochenende liegen geblieben ist und er diesen noch schnell vor der Arbeit erledigen musste, ist er wieder einmal im Stress. Auf dem Weg zum Auto wirft er noch sein Jackett über und ehe er sich versieht befindet er sich schon im alltäglichen Stau durch die Stadt. Seine Woche ist geprägt von Überstunden, nervigen Kunden, Terminen und den Workouts im Fitnessstudio. Viel von der Woche bleibt ihm nicht, aber dafür hat er Geld. Davon kauft er sich alle zwei Jahre einen noch besseren Fernseher und noch viele andere technische Geräte schmücken seine Wohnung, aber richtig glücklich scheint ihm das nicht zu machen. Müde und gestresst fällt er Sonntagabend ins Bett und in ein paar Stunden fängt alles wieder von vorne an. Wenn ich mich umhöre, geht es vielen Menschen so wie Stefan Stressman. Es wirkt so, als würden in unserer Gesellschaft die meisten Menschen nur funktionieren. Sie arbeiten immer länger, weil sie Angst um ihren Arbeitsplatz haben, sie sind gestresst, genervt und versuchen verzweifelt im Fitnessstudio einen Ausgleich zu finden. Sie hetzen von einem Termin zum nächsten und haben keine Zeit sich zu fragen, was sie überhaupt wirklich wollen und wer sie überhaupt sind. Die Arbeit macht ihnen keinen Spaß. Zufriedenheit sieht anders aus und aus diesem Grund häufen sie materielle Besitztümer an, um zumindest ein kurzweiliges Glücksgefühl zu empfinden. In dieser Hausarbeit soll gezeigt werden wie die Kunsttherapie Stresspatienten helfen kann, einen Ausgleich in ihrem Leben zu finden und aus diesem Grund werden die Ursachen von Stress erst einmal in der Gesellschaft gesucht und eine mögliche Folge aufgezeigt. Danach wird die Kunsttherapie vorgestellt und auf die schöpferische Seite eingegangen. Wie genau diese Seite Stresspatienten helfen kann, wird dann an kunsttherapeutischen Methoden gezeigt. Zum Schluss beschäftigt sich diese Hausarbeit noch kurz mit Ansätzen zur Verbesserung.

1 Die Leistungsgesellschaft als Problematik der heutigen Zeit

Im ersten Kapitel wird auf die heutige Leistungsgesellschaft eingegangen. Dabei wird zuerst anhand einer Studie (1.1.1) gezeigt, dass die Lebenszufriedenheit, trotz scheinbaren Wohlstands, schon bei Kindern sehr gering ist. Als naheliegende Ursache wird das Leistungsprinzip (1.1.2) näher beleuchtet. Und am Ende dieses Kapitels wird Burnout als eine Folge dieses Prinzips aufgeführt. Dazu wird vorgestellt, was Burnout überhaupt ist (1.2.1) und wo die Ursachen liegen (1.2.2).

1.1 Leistungsgesellschaft – Stress und Druck als alltäglicher Begleiter

„Die Menschen, die nach Ruhe suchen, die finden Ruhe nimmermehr, weil sie die Ruhe, die sie suchen, in Eile jagen vor sich her.“ (aicovo gmbh, o. J.).

1.1.1 Erster Warnhinweis: Niedrige Lebenszufriedenheit bei Kinder

Nach Böhme sollten die Deutschen eigentlich zufrieden sein mit ihrem Leben, denn von einer Demokratie bis zu einem funktionierenden Gesundheitssystem ist hier alles vorhanden. Doch sie sind es eben nicht. Die Menschen haben scheinbar das permanente Gefühl unter Stress zu stehen und auf allen Gebieten Leistung liefern zu müssen. Deutschland gehört zu den wohlhabendsten Ländern der Welt, aber trotzdem fehlt den Menschen hier etwas (vgl. Böhme 2010, S. 7). Es beginnt schon bei den Kindern wie die neueste UNICEF Studie von 2013 zeigt, in der die Lage der Kinder in den Industrieländern verglichen wird. Hier liegt Deutschland auf Platz sechs der Industrienationen, wenn es um Lebensbedingungen wie Armut und Bildung geht. Aber befragt man die Jugendlichen nach ihrer Lebenszufriedenheit, rutscht das Land auf die hintersten Plätze ab wie diese Grafik zeigt:

Abbildung 1: UNICEF Studie 2013

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Professor Hans Bertram - Mitglied des Deutschen Komitees für UNICEF - erklärt sich das Ergebnis wie folgt: „Die einseitige Konzentration auf Leistung und formalen Erfolg führt dazu, dass sich viele Kinder und Jugendliche ausgeschlossen fühlen. Unsere an Ressourcen reiche Gesellschaft versagt offensichtlich dabei, allen Mädchen und Jungen Hoffnung und Perspektiven auf gerechte Teilhabe zu geben.“ (Deutsche Komitee für UNICEF e.V., 2013) Auch Böhme (2010, S. 8 f.) findet, dass alle Menschen heutzutage gestresst sind und alles Leiden auf unserer aktuellen Leistungsgesellschaft basiert und scheinbar alle Lebensbereiche betrifft.

1.1.2 Das Leistungsprinzip – Was ist das?

Für Böhme ist Leistung die Arbeit, die man in ein Produkt steckt oder in einer Sportart erbringt. Doch Leistung ist in der Physik auch: „Arbeit pro Zeit“. Der Schwerpunkt liegt hier nicht auf dem erstellten Produkt, sondern eher auf der aufgewandten Zeit. Hier sind nach oben keine Grenzen gesetzt, denn auch wenn etwas qualitativ gut ist, spielt der Zeitfaktor für viele eine entscheidende Rolle. Unterm Strich ist für ihn Arbeit nur ein Mittel zum Zweck, um höhere Gewinne zu erzielen (vgl. Böhme 2010, S. 14). Ein bedenklicher Aspekt ist für Böhme auch, dass „[v]on der Arbeit bis zur Freizeit (…) alles unter Effizienz- und Rationalitätsaspekten bewertet [wird].“ (2010, S. 15). Der entstehende Leistungsdruck in unserer Gesellschaft wird jedoch toleriert, weil er von vielen Menschen schon als „normal“ angesehen wird. Viele Firmen haben Angst vor einer Veränderung des Marktes und setzen deswegen alles daran immer mehr Wachstum zu erzeugen. Der Arbeiternehmer hat Angst, seinen Arbeitsplatz zu verlieren und gibt deswegen zu jeder Zeit 120 Prozent. Jeder hat das Gefühl, dass er zu wenig Geld hat, wenn man auf das Angebot der Konsumgüter blickt. Auch die Zeit ist in unserer heutigen Gesellschaft ein sehr knappes Gut, denn der Arbeiter muss sich von seiner Höchstleistung erholen. Dazu nimmt er zahlreiche Fitnessmaßnahmen in Anspruch. Hobbies, Reiseangebote und das gewaltige Medienangebot sind kaum noch zu bewältigen. Das Leben lässt sich in jeder Hinsicht steigern. Ein höherer Bildungsgrad, mehr Ansehen und bessere technische Geräte sind nur ein paar Beispiele, die den Menschen zusätzlich unter Druck setzen und ihm ein Gefühl der Unzufriedenheit vermitteln, denn es geht immer noch einen Tick besser (ebenda, S. 21 f.). Zusammengefasst können wir sagen, dass die Lebenszufriedenheit in Deutschland schon bei den Jugendlichen sehr gering ist und das, obwohl das Land zu den wohlhabendsten der Welt gehört. In der heutigen Gesellschaft zählt nur noch Leistung und formaler Erfolg und das wirkt sich schon auf die Kleinsten aus wie Abbildung 1 deutlich zeigt. Unsere sämtlichen Lebensbereiche werden unter rationellen Aspekten bewertet, denn nur Effizienz zählt. Der Mensch lebt mit dem Leistungsdruck. Aus Angst vor dem Arbeitsplatzverlust und dessen Folgen, gibt er immer mehr und versucht einen Ausgleich in unzähligen Angeboten in seiner Freizeit zu finden. Aber auch hier ist er dem Leistungsdruck ausgeliefert, denn es geht in jedem Lebensbereich scheinbar nur noch um eins: Wachstum. Wo dieses Prinzip den Menschen hintreibt, wird als nächstes gezeigt.

1.2 Diagnose: Burnout!

„Die Trägheit des westlichen Menschen besteht darin, dass er sein Leben derart mit fieberhafter Aktivität anfüllt, dass ihm keine Zeit mehr bleibt, sich mit den wahren Fragen auseinanderzusetzen.“ ( Schneider, o. J.).

1.2.1 Was ist Burnout?

Laut dem BDP Bericht von 2012 gibt es für Burnout keine genaue Definition. Die moderne Zivilisationskrankheit basiert auf psychischen Störungen und die Befürchtung von der Weltgesundheitsorganisation, dass sich diese Erkrankung in den nächsten Jahren immer mehr verbreitet, nimmt zu. Schon jetzt gibt es immer mehr Patienten mit dem Burnout Syndrom. Kennzeichnend für Burnout ist ein negativer Zustand, der vor allem durch Erschöpfung, Unruhe und Anspannung geprägt ist. Im Gesundheitswesen wird Burnout nicht als Krankheit anerkannt. Es wird in der Kategorie, zusammen mit Stress und mangelnden sozialen Fähigkeiten, eingeordnet. Man kann also sagen, dass Burnout bagatellisiert wird und Menschen, die betroffen sind gelten als solche, die ihr Leben nicht meistern können. Die Arbeitgeber sind aus diesem Grund fein raus, da sie nicht für das Leben ihrer Mitarbeiter verantwortlich sind und ihnen auch nicht bei der Bewältigung von Schwierigkeiten in ihrem Leben helfen können (vgl. BDP 2012, S. 31 f.). Loew ist der Meinung, dass viele Menschen heutzutage die Arbeit über alles stellen müssen. Sie achten nicht auf sich selber, sondern schauen immer zuerst auf andere. Diese Menschen sind erst gestresst und genervt und irgendwann nur noch erschöpft und ausgebrannt vor lauter Anstrengung. Hinter den Fassaden ihres Lebens finden sie nur noch Leere. Stress bedeutet, dass der Mensch unter Druck, Anstrengung und Belastung leidet. Es könnte ein zerrüttetes Verhältnis zwischen äußeren und inneren Faktoren und deren Möglichkeit zur Bewältigung vorliegen. Stress kann sich in vielen Formen deutlich machen: Schlaflosigkeit, Angstzustände, Magenschmerzen und vieles mehr. Viele Menschen nehmen diese Zeichen nicht ernst und greifen daher zu Tabletten oder Alkohol. Die Leere der Seele und Entfremdung zum Beruf stehen hier im Mittelpunkt (vgl. Loew 2012, S. 69 f.). Krankenkassen führten deswegen Untersuchungen durch, in denen bekannt wurde, dass ungefähr zehn bis 25 Prozent aller Arbeitnehmer unter chronischer Erschöpfung leiden. 20 bis 30 Prozent aller Risikoberufe – Ärzte (15 – 30 Prozent), Lehrer (35 Prozent) und Pflegekräfte auf Intensiv-, Aids-, und Krebsstationen (40 – 60 Prozent) - gelten ebenfalls gefährdet in einen Burnout abzurutschen. Umfragen ergaben auch, dass sich viele Menschen überfordert in ihrem Beruf fühlen (vgl. BDP 2012, S. 33 f.). Laut Loew (2012, S. 70) sollten andere Mitarbeiter nicht bemerken, dass man körperlich und seelisch nicht mehr fähig ist, kompetent zu wirken. Der Mensch denkt, er hätte alles unter Kontrolle, wenn er sich nur genug anstrengt. Dem ist aber oft nicht so.

1.2.2 Wo liegen die Ursachen?

Bei Burnout spielen alle Lebensbereiche mit ein. Grundsätzlich lässt sich das Phänomen laut BDP in folgenden Kategorien unterscheiden:

- Innere Faktoren, die von der Person selber ausgelöst werden. Burnout wird heraufbeschworen, indem sich der Mensch sehr hohe Ideale setzt, einen ausgeprägten Ehrgeiz besitzt und daher auch zum Perfektionismus neigt. Diese Punkte könnten zur Selbstüberforderung führen. Auch wenn sich diese Einstellungen auf den ersten Blick als positiv einordnen lassen, verbergen sich dahinter oft Ängste - Angst vor Ablehnung, Erwartung, Gesichtsverlust, Arbeitsplatzverlust und Versagen -, die den Menschen antreiben mehr zu leisten, als er eigentlich in der Lage ist.
- Äußere Faktoren, die von der Umwelt kommen. Normalerweise bringt man Burnout immer mit dem Arbeitsplatz in Verbindung. Der Arbeitnehmer ist durch die hohe Arbeitsmenge einfach überfordert und steht unter permanenten Zeitdruck. Aber das Feld ist viel komplexer. Einerseits ist es die Arbeitswelt, die den Menschen zum Burnout drängt, anderseits sind es auch die inneren Faktoren. Beide Einflüsse zusammen sind eine gefährliche Mischung, dass er zu viel Kraft investiert. Man sollte prinzipiell nicht nach Burnout Auslösern suchen, sondern nach Stressfaktoren wie z. B. Angst vor dem Arbeitsplatzverlust, lange Arbeitszeiten, Informationsflut und keine Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.
- Gesellschaftliche Ursachen, die Burnout begünstigen sind unter anderem die Finanzkrise. Viele Menschen sind dadurch verunsichert und haben Angst vor der Zukunft und ihren Arbeitsplatz. Die Globalisierung erhöht auch den Konkurrenz- und Wettbewerbsdruck. Dies führt dazu, dass mehr Personal abgebaut wird und die vorhandenen Mitarbeiter noch mehr gefordert werden. Psychische Probleme werden in unserer Gesellschaft als Tabuthema behandelt und aus diesem Grund fehlen in den Unternehmen qualifizierte Leute, die diesem Feld entgegenwirken könnten (vgl. BDP 2012, S. 34 ff.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Wo liegen die Ursachen von Stress und wie kann die Kunsttherapie zur Genesung beitragen?
Hochschule
Hochschule für angewandte Wissenschaften Landshut, ehem. Fachhochschule Landshut  (Soziale Arbeit)
Veranstaltung
Probädeutikum
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
25
Katalognummer
V278924
ISBN (eBook)
9783656725374
ISBN (Buch)
9783656725343
Dateigröße
611 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ursachen, stress, kunsttherapie, genesung
Arbeit zitieren
Jasmin Henneberger (Autor), 2013, Wo liegen die Ursachen von Stress und wie kann die Kunsttherapie zur Genesung beitragen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278924

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