Die Native Policy in Südafrika und Australien - ein Vergleich


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
35 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung

A Einleitung
I. Forschungsanstoss und Erkenntnisinteresse
II. Forschungsstand
III. Methode

B Vergleich der Anfänge der Apartheid in Südafrika und der Segregationspolitik in Australien
I. Territoriale Trennung: Unterdrückung der Nichtweissen durch Beschränkung ihres Lebensraumes
1. Südafrika
2. Australien
3. Vergleich
II. Gesellschaft: Einschränkungen im Alltag für Nichtweisse
1. Südafrika
a. Ehe und Sexualität
b. Öffentliches Leben
c. Medizinische Versorgung
d. Bildung
2. Australien
a. Ehe und Sexualität
b. Öffentliches Leben
c. Medizinische Versorgung
d. Bildung
3. Vergleich
III. Arbeit und Ureinwohner
1. Südafrika
2. Australien
3. Vergleich

C Konklusion

A Einleitung

I. Forschungsanstoss und Erkenntnisinteresse

Nach dem Besuch der Präsenzveranstaltung zum Thema Australien und einer Hausarbeit im Grundstudium zum Thema Apartheid in Südafrika interessierte mich die Frage, wie sich die Ideologie der Rassentrennung und die Vorherrschaft der Weissen in beiden Ländern durchsetzen liess. Die Geschichte Südafrikas ist die Geschichte eines Kampfes um Land und politische Macht. In Australien hat eine imperialistische Großmacht entschieden, dass ihr Wertesystem, ihre Kultur, kurz ihr „way of life“ einer fremden Welt und ihren Einwohnern aufgezwungen werden musste. In der Klassifizierung von Kolonien finden sich Südafrika und Australien in der Gruppe der Siedlungskolonien wieder. Australien bildet den „neuenglischen Typ“, der die Verdrängung bzw. die Vernichtung der ökonomisch entbehrlichen Urbevölkerung zum Ziel hatte, Südafrika hingegen ist der „afrikanische“ Typ, bei dem die Siedler von der billigen einheimischen Arbeitskraft abhängig waren. Periodisch getrennt fällt die Kolonisierung Australiens in die Anfänge europäischer Territorialherrschaft in Asien (und Australien), die Kolonisierung Südafrikas in die neuen Koloniebildungen in der alten Welt.[1]

Vorliegende Hausarbeit stellt einen Vergleich an zwischen den Anfängen der Rassentrennung in den beiden Ländern, jeweils zu verschiedenen Epochen. In Südafrika begann die erste Phase der Segregation schon viel früher, wobei v.a. die Zeit seit Unionsgründung 1910 bis Ende der Fünfziger Jahre in die Untersuchung einbezogen wird. Mit der Unionsgründung verloren die Schwarzen das Wahlrecht (zunächst in Oranje- Freistaat und Transvaal) und somit jeglichen Einfluss auf Mitbestimmung ihres eigenen Schicksals. Im Falle Australiens fiel die Entscheidung auf die Phase von ca. 1800 bis ca. 1915, da zu jener Zeit die meisten Parallelen zur Entwicklung in Südafrika festzustellen sind. Neben vielen Parallelen gibt es einige Unterschiede in der Entwicklung beider Staaten, die es herauszuarbeiten gilt. Es wird nach einer Begründung für die ähnliche Genese einer rassistisch orientierten Politik gesucht.

II. Forschungsstand

Der Forschungsstand zum Thema Apartheid bietet eine Bandbreite an Literatur, die sich in unterschiedlicher Weise mit dem Problem auseinandersetzt. Einerseits befassen sich viele Autoren ausgiebig mit der Entstehung der Apartheid in der Zeit vor 1948 (s. Literaturliste). Herausragend sind dabei die Arbeiten von Saul Dubow und Anton D. Lowenberg. Die anderen Autoren öffnen jeweils den Blick für eine andere Perspektive und ergänzen wichtige Details im Entstehungsprozess der Politik der separaten Entwicklung. Die historischen Zeitschriften, die in der Bibliothek der University of Cape Town verfügbar waren, setzen sich mit spezifischen Themenbereichen der Apartheid auseinander, deren Bibliographien greifen meist auf die Werke zurück, die für diese Arbeit ebenfalls verwendet wurden. Der Forschungsstand zum Thema Australien gestaltet sich etwas schwieriger, da die meisten Bücher sich grundsätzlich nur mit einem Teil Australiens beschäftigen. Der Umgang mit den Aborigines ist ein wichtiges Thema in der Geschichte Australiens, so werden in der Literatur Themen behandelt wie die „stolen generations“, die Frage des Genozids oder die Quellen der Siedler und deren Erfahrungen bei den ersten Begegnungen mit den Aborigines. Das Buch „For Their Own Good“ von Anna Haebich gibt als einziges einen umfassenden Einblick in die sozialen Beziehungen zwischen Aborigines und den Siedlern, ihre Erkenntnisse beziehen sich auf Western Australia. Südafrika wurde vielfach mit Amerika verglichen, auch der Vergleich mit dem Konflikt in Palästina sowie mit dem Nationalsozialismus in Deutschland waren als Einstiegsliteratur in die vergleichende Methode hilfreich. (The Highest Stage of White Supremacy, South African Naziism, White Supremacy). Ein direkter Vergleich zwischen Südafrika und Australien ist in der Literatur bisher nicht auffindbar. Ausgehend von territorialer Trennung, den gesellschaftlichen Faktoren und der Rolle der indigenen Bevölkerung in der Wirtschaft werden die beiden Länder beschrieben und in jedem Kapitel direkt miteinander verglichen.

Die Arbeit soll inhaltlich an die Hausarbeit aus dem Grundstudium („Die Anfänge der Apartheid in Südafrika“) anknüpfen, deren Ergebnisse für den Vergleich von Wichtigkeit sind, ohne diese wiederholt zum Einsatz zu bringen. Die Lektüre der Hausarbeit erleichtert das Verständnis für diese Arbeit.

III. Methode

Der Vergleich zwischen zwei historischen Ereignissen wird nicht das genaue Abbild der damaligen Realität leisten. Wenngleich die Entwicklungen in Australien und Südafrika in ähnlicher Weise zeitversetzt von statten gingen, so gab es doch erhebliche Unterschiede.

Die Problematik des Vergleichs besteht darin, dass die beiden Länder zu unterschiedlichen Zeitpunkten Maßnahmen zur Trennung der Bevölkerungsgruppen ergriffen. Die Entscheidung, sich auf den jeweiligen Beginn der Hochphase der Rassentrennung zu konzentrieren, fiel während der Auseinandersetzung mit dem Thema. Die jeweilige Sozialisationsstufe, der technische Fortschritt, das gesellschaftliche, kulturelle, politische und religiöse Leben in Südafrika und Australien differierten extrem. Die vergleichende Methode ist vor diesem Hintergrund ergo mit Vorsicht anzuwenden, auch wenn andere Autoren sich des Vergleichs in ähnlicher Weise bedienten und zu wichtigen Ergebnissen für die historische Wissenschaft gelangt sind (G. Fredrickson, J. Well, L. Thompson, s. Literaturliste).

Die Hausarbeit beschreibt die Anfänge der Segregationspolitik in Australien und Südafrika. Die Begriffe „Apartheid“ und „White Australia Policy“ entstanden erst später. Neben der repressiven Politik gegenüber Aborigines gehörte insbesondere die Ablehnung und Beschränkung der Einreise nach Australien für bestimmte Bevölkerungsgruppen und die Ablehnung und Beschränkung der Staatsbürgerschaft oder anderer Bürgerprivilegien sowie die Einschränkungen an der Teilhabe am „Australian Life“ zur offiziellen, späteren „White Australia Policy“.

B. Vergleich der Anfänge der Apartheid in Südafrika und der Segregationspolitik in Australien

I. Territoriale Trennung: Unterdrückung der Nichtweissen durch Beschränkung ihres Lebensraumes

1. Südafrika

1840 wurden die ersten „Kronreservate für Schwarze“ in einer Gegend namens „British Kaffraria“ im Osten der Kapkolonie errichtet. Ende des 19. Jahrhunderts kamen weitere Reservate für die Zulu in Natal und für die Xhosa in der Transkei hinzu.[2]

Mit der „South African Native Affairs Commission“ (SANAC 1903-05) begann ein öffentlicher Diskurs über den Umgang mit der schwarzen Bevölkerung. Unter dem Vorsitz von Sir Geoffrey Lagden suchte man einen Kompromiss aus den verschiedenen Praktiken der vier südafrikanischen Kolonien, eine Aufgabe, die als Voraussetzung zur Gründung der Union schien. Im Kern der Diskussion stand die Notwendigkeit der Aufteilung des Landes. Der SANAC empfahl territoriale Trennung.[3] Hier tauchte erstmals das Wort „Segregation“ in einem öffentlichen Report auf. Es wird zum Schlüsselbegriff der Politik in Südafrika in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Howard Pim konstruierte ein Modell einer Politik der Rassentrennung, das auf einem Reservatssystem basierte. Das tribale System sollte die Schwarzen innerhalb der Reservate kontrollieren, ohne dass Kosten für die Weissen entstünden. Pim legte Wert auf die Vereinbarkeit der fortschreitenden Industrialisierung mit seiner Reservatspolitik.[4] Dies geschah mit dem Erlass des Natives Land Act von 1913. 8,9 Mio. Hektar Land, ca. 7 % der gesamten Fläche Südafrikas, wurde den Schwarzen als Siedlungsland im Osten und Norden Südafrikas zugeteilt, das meiste davon in ariden Gebieten (s. Abb. 1). Das Gesetz wurde auch von Weissen unterstützt, die in den Farmen von Schwarzen eine Bedrohung für ihre eigenen Marktchancen sahen.[5] Es wurden sog. „homelands“ aufgebaut, die später je nach Stammeszugehörigkeit besiedelt wurden. Bereits bestehende „homelands“ sollten von nun an überwacht werden, in ein Ortsverzeichnis eingetragen und gegen weitere Übergriffe von Weissen geschützt werden.[6] In den Städten bildeten sich bereits vorher Stadtteile mit Einwohnern verschiedener Hautfarbe. Aus Angst vor Krankheiten („sanitation syndrome“) und auf Grund wirtschaftlichen Konkurrenzdenkens suchte die weisse Regierung in der Phase der Urbanisierung nach dem ersten Weltkrieg nach einer neuen gesetzlichen Regelung für die Verwaltung der Schwarzen in den Städten.[7] Die Urbanisierung war Folge der Erstbesiedelung in einigen Städten, verursacht durch Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt und der Lohnstrukturen.[8] Mit dem Urban Areas Act von 1923 regulierte man die Ausgrenzung der Schwarzen innerhalb der Städte. Man errichtete sog. „townships“ ausserhalb der Stadtgrenzen, wo die Schwarzen untergebracht wurden. Nur Angestellte von Weissen oder Arbeitssuchende durften sich in der Stadt aufhalten.[9] Zwischen 1924 und 1937 entstanden 234 Townships, die von den Schwarzen als Verbesserung ihres eigenen Wohnniveaus positiv angenommen wurden.[10]

In der Landwirtschaft war man auf die schwarzen Landarbeiter angewiesen. Der Erlass der Native Bills 1926 von Premierminister Hertzog führte zu langatmigen Diskussionen unter den weissen Farmervereinigungen über die Auswirkungen von Rassentrennung. Die Farmer interessierte diese Ideologie noch nicht.

Erst der Land Amendment Bill von 1923 als Erweiterung des Native Land Act von 1913 betraf die weissen Farmer in direkter Weise. Er sah vor, dass Land, das ausserhalb der verteilten Gebiete lag, für die Schwarzen und Weissen als Ackerland („released areas“) käuflich zu erwerben war. Premierminister Hertzog war in erster Linie damit befasst, das Land den Schwarzen unzugänglich zu machen - es wurde zu teuer - um somit Arbeitskräfte für die Farmen von Weissen frei zu setzen. Wenig später wurde den Schwarzen der Kauf, Verkauf oder Pacht von Land verboten.

In Natal wurde von der Native Affairs Commission beschlossen, dass kein weiteres Land mehr für die landwirtschaftliche Nutzung für Schwarze zur Verfügung stehen dürfe. Die Weissen in Natal begründeten dies damit, dass dort für Schwarze vergleichsweise am meisten Land reserviert wäre und es deren Pflicht wäre, grösseren Nutzen aus dem bereits vorhandenen Land zu ziehen. Die weissen Farmer hatten zu dieser Zeit politischen Einfluss und ihre Wählerstimmen waren wichtig. Der Begriff „Segregation“ war noch kein politischer Slogan, für oder gegen den die Farmer stimmten, es war eher eine unpräzise Bezeichnung für ein ideologisches und gesetzliches Gerüst, in welchem die konkurrierenden Interessen gewinnorientierter Wirtschaft nach Verbesserungen suchten.[11] 1936 wurden zwei Gesetze erlassen, die für die Retribalisierung der Schwarzen und den Erfolg des Segregation entscheidend war: Der Representation of Natives Act und der Native Trust and Land Act. Damit wurde ihnen zwar mehr Land (insgesamt ca. 13 % der Fläche Südafrikas) in Form von Reservaten gegeben, im Gegenzug mussten sie dafür auf das Wahlrecht auch in der Kapregion und in Natal verzichten. Mit der Grenzziehung und dem neuen Wahlrecht legte man den Grundstein für eine segregationistische Politik der weissen Afrikaner.[12] Der Group Areas Act von 1950 regelte die räumliche Trennung von Schwarzen und Weissen und er gab dem Minister of Native Affairs das Recht, Schwarze aus bestimmten Regionen ohne besondere Begründung auszuweisen. Der Native Urban Areas Amendment Act von 1955 erweiterte dieses Recht um die Anordnung zur Zerstörung schwarzer Siedlungen nach Rücksprache mit der Regierung.[13]

Die Passgesetze schränkten die Freiheit der Schwarzen erheblich ein. Eine Aufenthaltserlaubnis in den weissen Gebieten und Städten bekamen nur diejenigen, die Arbeit hatten. Schwarze auf der Suche nach Arbeit durften nicht länger als 72 Stunden in weissen Gebieten bleiben. Die Pässe mußten auf Verlangen gezeigt werden. Generell verlangten die wachsenden Konflikte und die steigenden Bedürfnisse aus der Wirtschaft nach klareren Gesetzen, nach mehr Regulierung und letztendlich einen autoritäreren Staat. Die National Party bestand auf ihrem Argument, dass die Politik der Apartheid auch den Schwarzen zu Gute käme, da eine getrennte Entwicklung in eigenen Reservaten und in den Townships die eigenen Probleme der Schwarzen bei der Lösung vieler Probleme helfen könnte. Die tribale Identität der einzelnen Stämme, ihre Kultur und ihre Sprache waren im Sinne der NP zu erhalten und zu pflegen. Klare Grenzen zwischen den Stämmen untereinander sah die Partei als förderlich für die gesamte Bevölkerung an.[14]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1 : Homelands in Südafrika um 1951[15]

2. Australien

Eine einfache Generalisierung deckt fast alle Bereiche der Beziehungen zwischen Europäern und Ureinwohnern im 18. und 19. Jahrhundert ab: die Europäer haben die Ureinwohner nach besten Kräften und ihren Bedürfnissen enteignet. Sie nahmen keine Rücksicht auf die Rechte der Ureinwohner. Gewalt galt als normal, es war nicht die Ausnahme. Diese Zeit war davon geprägt, dass das Christentum die einzige und wahre Religion ist und dass die europäische Gesellschaft der Höhepunkt des menschlichen Fortschritts sei. Bereits 1806 war es zur gemeinhin herrschenden Gewohnheit geworden, Gruppen von Aborigines, wo sie aufsässig wurden, von der Armee vertreiben zu lassen, zum Wohle der Schafzüchter, da sie gegen jährliche Pacht im Kronland umherzogen, welches die sicherste und profitabelste Art war, ohne grosse Investitionen zu Geld zu kommen.[16]

1840 wurden die Aborigines erstmals rechtlich erfasst und in den Folgejahren mit einer wachsenden Anzahl diskriminierender Gesetze belegt. Die Briten behandelten Australien als ein Land, dem eine Regierung und die souveräne Staatsmacht fehlte. Sie ignorierten die besondere Beziehung der Aborigines zu ihrem Land. Die Siedler hatten Probleme, zu verstehen, wie die Aborigines ihr Land in europäischem Sprachgebrauch als „Eigentümer“ sahen. Höhere Offiziere verstanden das früher besser. 1807 erkannte Gouverneur King sie als die eigentlichen Besitzer des Grundes. 1825 wurde ein Gesetz zum Schutz des Besitzes der Aborigines von der englischen Staatsregierung erlassen, das jedoch nicht ihr ursprüngliches Eigentumsrecht auf Land berücksichtigte. Lediglich sie in ihrer Person und im freien Umgang mit ihrem Hab und Gut sollten geschützt bleiben. 1838 wurden für die Jäger- und Sammler- Gesellschaften eigene Verwalter eingerichtet. Von ihnen wurde erwartet, dass sie ein Gebiet von 227600 km² mit 38334 Einwohnern (1846) verwalten.[17]

Alan Frost hat damals in einem einflussreichen Artikel geäussert, dass Australien eine „terra nullius“, ein unbesetztes Land sei, der britische Anspruch darauf sei nach aktuellem internationalen Recht begründbar und die Aborigines haben kein Anrecht auf dieses Land.[18] Der Australian Waste Land Act von 1846 gab den Ureinwohnern das Recht auf uneingeschränkte Jagd in den ihnen zugewiesenen Gebieten. Die Reformen zum Schutz der Ureinwohner wurden von England aus von humanitären Interessengruppen durchgesetzt, „down under“ wurden sie kaum eingehalten. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrunderts, als neue Siedlungen entstanden, wurde diese Rechtsprechung weitgehend missachtet, es wurden wenige Reservate im Norden Australiens, im Westen und in der Region um Queensland errichtet.[19] Immer mehr Konflikte entstanden durch die Landnahme der Kolonisten, da sie die Aborigines ihrer Nahrungsquelle beraubten, nämlich der Natur und des Buschs.[20] Bei den weissen Siedlern wurde es sehr schnell zur geläufigen Praxis, Aborigines dasjenige Land, welches sie für sich beanspruchten, ihrerseits bei der britischen Regierung für sich zu reklamieren. 1849 erklärte dann schliesslich das Colonial Office in London den gesamten Kontinent kurzerhand für unbewohnt, damit wenigstens ein Schein von Legalität gewahrt blieb. Da die Realität der juristischen Fiktion nicht genügte, musste man sie eben entsprechend neu definieren und gewaltsam korrigieren.[21] Mit der Vorherrschaft der Europäer begann eine Politik der ethnischen „Segregation“. Die Regierung von Victoria setzte das „Central Board for Aborigines“ ein, das die Aufgabe hatte, sämtliche Ausgaben für Aborigines zu kontrollieren, Reservate zu gründen und „local managers“ zu bestimmen, die die Verwaltung und Überwachung der Aborigine- Reservate übernahmen. Die Regierung begab sich damit in ein Dilemma, da ursprünglich sechs Reservate geplant waren, deren Land einerseits eine spirituelle Bedeutung für die Aborigines hatte und gleichzeitig wertvolles Ackerland im Besitz europäischer Farmer und Rancher war.[22] In Queensland wurde 1897 der Aboriginals Protection and Restriction of the Sale of Opium Bill erlassen. Es markierte einen signifikanten Kurswechsel in der offiziellen Politik in Aborigine- Fragen. Das Strafmaß und die Einschränkungen für die Aborigines waren umfassender und härter als alle bisherigen Gesetze. Queensland hatte nun ein vom Staat betriebenes System der Rassentrennung, der Überwachung und Kontrolle. Aborigines konnten in Reservate und Missionen deportiert werden, gewaltsam und langfristig inhaftiert werden und sie wurden ihrer Freiheitsrechte beraubt. Ein Ministerium wurde eingerichtet, an dessen Spitze ein Chief- Protector stand und über vier Verwaltungsbezirke wachte. 1886 wurde mit per definitionem festgelegt, wer ein Aborigine war: Aborigines und Half Castes, die:

[...]


[1] Osterhammel, Jürgen: Kolonialismus, S. 17

[2] Lester, Alan: South Africa- Past, Present and Future, S. 223

[3] Cell, John: The Highest Stage of White Supremacy, S. 192

[4] Dubow, Saul: Racial Segregation and the Origins of Apartheid in South Africa, S. 23 ff

[5] Feinberg, Harvey: The 1913 Natives Land Act in South Africa, in: International Journal of African Historical Studies, 1993, Vol. 26/1 S. 65

[6] Lester, Alan: South Africa- Past, Present and Future, S. 197

[7] Lester, Alan: South Africa- Past, Present and Future, S. 217

[8] Bonner, Phillip: Urbanisation on the Rand in: Journal of South African Studies, Vol. 21/ 1, S. 115

[9] Omer-Cooper, J.D.: History of South Africa; S.163-169

[10] Lester, Alan: Past, Present and the Future, S. 158 ff

[11] Dubow, Saul: Racial Segregation and the Origins of Apartheid: S.60 ff

[12] Lester, Alan: Past, Present and the Future, S. 152 ff

[13] Mzimela, Sipo: South African Naziism, S. 54

[14] Lester, Alan: Past, Present and the Future, S. 172

[15] http://www.dadalos-d.org/deutsch/Menschenrechte/Grundkurs_MR5/Apartheid/apartheid/bestandteile/homelands.htm

[16] Markus, Andrew: Australian Race Relations; S. 18

[17] Markus, Andrew: Australian Race Relations; S. 21

[18] Haebich, Anna: For Their Own Good; S. 47

[19] Markus, Andrew: Australian Race Relations; S. 24

[20] Woolmington, Jean: Aborigines in Colonial Society, S. 34

[21] Supp, Eckhard: Das Ende der Traumzeit, S. 218

[22] Broome, Richard: Aboriginal Australians, S. 188

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Die Native Policy in Südafrika und Australien - ein Vergleich
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Neuere und Neueste europ. und außereurop. Geschichte)
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
35
Katalognummer
V27899
ISBN (eBook)
9783638298216
ISBN (Buch)
9783638649674
Dateigröße
644 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Hausarbeit setzt sich mit den Aspekten der Gesellschaftspolitik in Südafrika und in Australien auseinander und vergleicht die Problematik der Apartheid mit dem Umgang der Australier mit den Aborigines.
Schlagworte
Native, Policy, Südafrika, Australien, Vergleich
Arbeit zitieren
Hubertus Lerchenfeld (Autor), 2004, Die Native Policy in Südafrika und Australien - ein Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27899

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