In dem Modul wird ein Überblick über den Themenbereich Governance gegeben. Ziel ist es, die Studierenden mit den Problemstellungen, die Governance impliziert, sowie mit den unterschiedlichen sozialwissenschaftlichen Definitionen vertraut zu machen. Ferner sollen erste Einblicke in Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Governance-Diskussion in unterschiedlichen Disziplinen und Praxisfeldern dargestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
Begriffsdefinition „Governance“
Drei Entwicklungen führen zur Bildung von Governance
1. Denationalisierung
2. Mehrebenenverflechtung
3. Aufhebung der Trennung von Staat und Gesellschaft
Governance-Begriffe
Good Governance
Global Governance
Goverment-Perspektive
Governance-Prozesse
Governance-Konzept
Governance in Organisationen
Corporate Governance
Governance im modernen Staat
Entwicklung in 60er/70er Jahren
Governance-Formen
Staatliche Bürokratie
Kooperationen privater und öffentlicher Akteure
Selbstregulierung
Fundamentaler gesellschaftlicher Strukturwandel
Governance in Politikfeldern
Ebenen
Sektorale Governance
Regional Governance
Raumbezogene Governance
Funktionsbezogene Governance
Entstehung und Entwicklung
Vorteile für
Entstehung von Governance-Prozessen
Begünstigende politische strukturelle Veränderungen
Phasen
Initialphasen
Planungsphase
Umsetzungsphase
Unterschied von Regional Governance zur EU-Ebene
Governance in der EU
Lissaboner Vertrag
Normativer Stellenwert und funktional notwendig
Institutionelle Akteure
Governance beschreibt
Weißbuch der Europäischen Kommission zu „European Governance“ („Europäisches Regieren“)
Institutionelle Reformen
Gemeinschaftsmethode
Formen der EU-Governance
Komitologie
Gegenseitige Anerkennung
Standardisierungsgremien
Regulierungsagenturen
Die offene Methode der Koordinierung (OMK)
Reformprozess durch Weißbuch zum europäischen Regieren
Einschätzung
Effektivität
Demokratische Legitimität
Demokratische Partizipation
Global Governance
Nationalstaat
Internationales System
Regime
Global Governance und Globalisierung
Wandel von Staatlichkeit
Koordinationsformen von Global Governance
Governance without Governments
Governance with Governments
Governance by Governments
Fazit
Verrechtlichung
Vergesellschaftung
Multilevel Governance – Governance im Mehrebenensystem
Merkmale
Föderalismusforschung
Entwicklung in Deutschland
Intergovernmental relations (Ebenenverflechtungen)
Implementationsforschung (1970er Jahre)
Multilevel Governance in der Europaforschung
Internationale Politik
Rolle von privaten Akteuren
Grundlegende Fragestellungen
Grundproblem der Mehrebenenpolitik
Bewertung von Politikergebnissen (Analyse von Governance im Mehrebenensystem)
Akteure
Intragouvernementale Regeln
Intergouvernementale Regeln
Zusammenwirken von Governance-Formen
Politikverflechtung im deutschen Bundesstaat (Beispiel Gesetzgebung im Bund)
Regionale Strukturpolitik der EU (Musterbeispiel Multilevel Governance)
Multilevel Governance durch Leistungswettbewerb
Ausblick
Governance in der politischen Ökonomie – Makro- und Mesoperspektive
Bausteine institutioneller Steuerung der Wirtschaft
Märkte
Firmenorganisation
Netzwerke
Verbände
Korporatistische Verbände
Staat
Makroperspektiven
Mesoperspektive
Vorläufer/Entwicklung
Aktuelle Debatte
Konvergenzthese
Divergenzthese
Inkohärenzthese
Governance in der politischen Ökonomie – Corporate Governance
Aktiengesellschaft (AG)
Nationale Corporate Governance-Systeme
Interne Corporate Governance
Externe Corporate Governance
Marktorientierte Outsider-Systeme
Netzwerkorientierte „Insider“-Systeme
Prinzipal-Agent-Beziehung
Ursachen nationaler Unterschiede
Unterschiedliche Koalitionen zwischen Eigentümern, Managern und Arbeitnehmern
Varieties of Capitalism
Finanzmarkt-Kapitalismus
Vermarktlichung und Transnationalisierung der Corporate Governance-Regulierung
Wachsende Bedeutung privater (Selbst-) Regulierung
Rolle der EU
Reformprozesse auf nationaler Ebene
Charakteristika des traditionellen deutschen Corporate Governance-Regimes
Regulative Reformen
Hybridisierung des deutschen Corporate Governance-Regimes
Forschungsperspektiven
Öffnung für neue Themen und Akteure
Stärkere Berücksichtigung von Entwicklungs- und Schwellenländern
Governance und Verwaltungspolitik
Wandel verwaltungspolitischer Leitbilder
Demokratischer Rechtsstaat
Aktiver Staat
Schlanker Staat
Aktivierender Staat
Governance als Reformkonzept
Management und Governance als Reformkonzepte
Von Management zu Governance
Eckpunkte von Governance als Reformkonzept der Verwaltungspolitik
Netzwerke statt Markt und Hierarchie (Enthierarchisierung der Verwaltungsstrukturen)
Kombination von Steuerungsformen (mix of modes)
Verwaltungspolitik unter Governance
Theorien
Governance-Ansatz
Kritik an Governance-Konzept
Gewinn
Korrekturfunktion von Governance
Good Governance als Leitkonzept für Regierungshandeln
Praktische Herausforderung
Theoretischer Rahmen
Kriterien guten Regierens
Good Governance – Übersicht über internationale Indexkonstruktionen
OECD-Prinzipien guter Regierungspraxis
Deutsche Kriterien „guter Regierungsführung“
Kritikpunkte
Praxistaugliches Konzept?
Fragwürdige Übertragung westlicher Vorbilder
Zusammenhang von politischen und gesellschaftlichen Faktoren
Grund für Fehleinschätzungen der Governance-Qualität eines Landes
Demokratisches Regieren und Zivilgesellschaft
Bedeutung der Beziehungen zwischen Staat und Gesellschaft
Fazit
Governance und Demokratie
Merkmale des Konzepts zwischen Governance und repräsentativen Regierungssystemen
Kooperative Interaktionen in öffentlichen Politiknetzwerken
Politik außerhalb demokratischer Institutionen
Erklärung für die Entstehung von Governance
Herausforderung an staatliche Steuerung
Horizontale Beziehungen sind nicht gleichbedeutend mit Demokratie
Grundsätze demokratischer Legitimation
Problem der Selektivität
Repräsentation als trust
Interessenausgleich durch Deliberation
Problem der Kontrolle
Schwächung der Parlamente
Mehr Gemeinwohl durch Governance aber weniger Demokratie?
Kriterien „guter“ Politik
Realitätsnähe und Nachhaltigkeit
Solidarität
Vergleich zu Mehrheitsentscheidungen
Ambivalenz durch Governance
Governance und Demokratie jenseits des Nationalstaats
Transnationale Governance
NGOs
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert das Konzept der "Governance" in seiner theoretischen Fundierung sowie in seiner Anwendung in unterschiedlichen politischen und ökonomischen Kontexten. Ziel ist es, die veränderten Steuerungs- und Koordinationsmechanismen in modernen Gesellschaften zu untersuchen, in denen der Staat nicht mehr als alleiniger Akteur fungiert, sondern in komplexe Netzwerke mit privaten und zivilgesellschaftlichen Akteuren eingebunden ist.
- Theoretische Herleitung und Definition verschiedener Governance-Formen (Nationalstaat, EU, Global Governance).
- Analyse des Wandels staatlicher Steuerung hin zu kooperativen Netzwerken und Mehrebenensystemen.
- Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen Governance-Modellen und demokratischer Legitimation.
- Beleuchtung der Corporate Governance im Kontext von Finanzmärkten und Unternehmensverantwortung.
Auszug aus dem Buch
Governance-Formen
Staatliche Bürokratie
Umfasst mehrere Ebenen, in bestimmten Bereiche hoheitlichen Handelns tätig auch hier sind Kooperationen vorhanden z.B. zwischen Ministerien (nicht perfekt hierarchisch organisiert)
Kooperationen privater und öffentlicher Akteure
Vielzahl von netzwerkartigen Strukturen und Verhandlungssystemen (staatliche und nicht-staatliche Akteure)
Beispiel Deutschland: Verhandlungen zwischen Staat und Dachverbänden über Fragen der Wirtschaftspolitik
Enge Verzahnung von Ministerien und Wirtschaft besonders in Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiepolitik (Politiknetzwerke)
Zusammenfassung der Kapitel
Begriffsdefinition „Governance“: Definiert Governance als komplexe Form politischer Koordination in institutionellen Strukturen und grenzt den Begriff von rein staatlichen Steuerungsstrukturen (Government) ab.
Drei Entwicklungen führen zur Bildung von Governance: Analysiert Denationalisierung, Mehrebenenverflechtung sowie die Aufhebung der Trennung von Staat und Gesellschaft als treibende Kräfte für neue Regierungsformen.
Governance in der EU: Beleuchtet die Verschiebung von klassischen Gemeinschaftsmethoden hin zu neuen Formen wie der offenen Methode der Koordinierung und die Einbindung von "Stakeholdern".
Global Governance: Untersucht Koordinationsleistungen jenseits des Nationalstaats, etwa durch Regime oder privat-öffentliche Partnerschaften wie den "Global Compact".
Multilevel Governance – Governance im Mehrebenensystem: Beschreibt die vertikale und horizontale Verflechtung politischer Ebenen und die daraus resultierenden Herausforderungen an die Steuerung.
Governance in der politischen Ökonomie – Makro- und Mesoperspektive: Diskutiert institutionelle Steuerungsformen der Wirtschaft, von Märkten über Netzwerke bis hin zu staatlichen Interventionen.
Governance und Verwaltungspolitik: Analysiert den Wandel von verwaltungspolitischen Leitbildern und den Übergang von bürokratischer Hierarchie zu aktivierenden, netzwerkbasierten Steuerungsmodellen.
Good Governance als Leitkonzept für Regierungshandeln: Erläutert das normativ-praxeologische Konzept der Weltbank und die Diskussion über Kriterien für "gutes Regieren".
Governance und Demokratie: Kritische Reflexion über das Spannungsfeld zwischen der Effektivität von Governance-Netzwerken und den Anforderungen demokratischer Legitimation und Kontrolle.
Schlüsselwörter
Governance, Staatlichkeit, Netzwerke, Mehrebenensystem, Politikverflechtung, Globalisierung, Corporate Governance, Demokratische Legitimation, Institutionenökonomie, Aktivierender Staat, Good Governance, Deliberation, Kooperation, Transnationalisierung, Politikformulierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Konzept der "Governance" als veränderte Steuerungsform politischer und ökonomischer Systeme, in denen staatliche und nicht-staatliche Akteure kooperieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die theoretische Einordnung von Governance, regionale und europäische Strukturpolitik, Corporate Governance, Global Governance sowie die Modernisierung öffentlicher Verwaltungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Mechanismen und Auswirkungen des Wandels von klassischen hierarchischen Regierungsformen hin zu netzwerkbasierten und kooperativen Steuerungsprozessen zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer politikwissenschaftlichen Analyse von institutionellen Strukturen und Prozessen unter Verwendung politikwissenschaftlicher Theorien wie dem Neoinstitutionalismus und der Föderalismusforschung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zu unterschiedlichen Ebenen (EU, Regionen, Internationales System), die ökonomische Perspektive auf Governance sowie die Debatte um gute Regierungsführung und deren Demokratieverträglichkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Governance, Netzwerksteuerung, Mehrebenensystem, Legitimität, Effektivität und institutioneller Wandel.
Wie unterscheidet sich "Management" von "Governance" im Kontext von Reformen?
Während Management primär auf Effizienz und interne Organisation abzielt, fokussiert Governance auf die horizontale Integration verschiedener Akteure und die Wirksamkeit politischer Resultate (Outcome).
Was sind die wesentlichen Demokratiedefizite bei Governance-Arenen?
Governance findet oft in geschlossenen Netzwerken statt, die von der parlamentarischen Arena abgekoppelt sind, wodurch Transparenz, Kontrolle und die Zurechenbarkeit von Entscheidungen erschwert werden.
- Quote paper
- Michaela Sankowsky (Author), 2011, Governance. Eine Einführung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279181