Einleitung
Das Thema der vorliegenden Arbeit „Fernsehen als Säule der Zivilreligion in einer globalen Mediengesellschaft?“ enthält mehrere Schlagwörter – und am Ende ein Fragezeichen. Ist das Fernsehen Säule der Zivilreligion in einer globalen Mediengesellschaft, eignet es sich als Säule der Zivilreligion in einer globalen Mediengesellschaft, diese Verben können den Satz vervollständigen. Um die Fragen zu beantworten, sind zunächst die Begriffe einer genaueren Definition zu unterziehen. Dabei können Probleme und Kritik der Globalisierung nicht untersucht werden. Außerdem beschränkt sich die Abhandlung auf den westlich und christlich geprägten Kulturkreis. Diese Einschränkung ist gegeben durch die Perspektive der bearbeiteten Literatur.
Das Medium mit dem bislang größten Publikum ist mutmaßlich die Bibel. Allerdings wurde dieses Publikum nicht zeitgleich erreicht, sondern im Laufe der Geschichte. Das Buch und seine Botschaft haben konkrete Auswirkungen auf das Leben der Menschen. Früher in stärkerem Maße als heute. Immer weniger Menschen bekennen sich zum christlichen Glauben, immer weniger besuchen die Gottesdienste. Bis heute sind aber in der Öffentlichkeit Zeichen des christlichen Glaubens präsent. Nur gelegentlich, wie das sogenannte Kruzifix- Urteil des Bundesverfassungsgericht zeigt, wird an ihnen Anstoß genommen. Die christliche Basis der abendländischen Kultur trägt noch, auch die, die ihr indifferent gegenüberstehen. Die Debatte um eine muslimische Lehrerin, die im Referendariat in einer öffentlichen Schule mit Kopftuch unterrichten wollte, macht hingegen deutlich, daß es nicht um Religion allgemein, sondern um das Christentum geht. Das Medium, das das größte Publikum zur gleichen Zeit erreicht, ist das Fernsehen. Eine Botschaft soll im Prinzip nicht vermittelt werden, es geht um Information, Bildung und Unterhaltung. Mit der Zeit hat das Medium einen immer größeren Platz im Leben der Menschen erobert. Es ist wirkungsmächtig geworden. Ergibt sich daraus eine Symbiose?
Inhaltsverzeichnis
2. EINLEITUNG
3. DIE GLOBALE MEDIENGESELLSCHAFT
3.1 Begriffsklärung
3.2 ZDF
3.3 CNN
3.4 Europäische Rundfunkunion
4. CIVIL RELIGION
4.1 Jean-Jacques Rousseau
4.2 USA
4.3 Deutschland
5. „MEDIA EVENTS“ – DIE POSITION VON KATZ/DAYAN
5.1 Definition
5.2 Wirkung
5.3 Präsentation
5.4 „News Events“
5.5 „Grammatik“ und „Semantik“
5.6 Skripte
6. KRITISCHE WÜRDIGUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die These, ob das Fernsehen als moderne Säule der Zivilreligion in einer globalen Mediengesellschaft fungieren kann. Dabei wird analysiert, inwieweit mediale Inszenierungen von Großereignissen („Media Events“) gesellschaftlich integrierende, zivilreligiöse Funktionen übernehmen und ob diese eine transnationale oder primär nationalstaatliche Reichweite haben.
- Die Rolle des Fernsehens als Leitmedium in einer globalisierten Welt.
- Theoretische Grundlagen und Entwicklung der Zivilreligion (von Rousseau bis zur Moderne).
- Die medienwissenschaftliche Analyse von „Media Events“ nach Katz/Dayan.
- Der Zusammenhang zwischen medialer Berichterstattung und systemstabilisierenden Ritualen.
- Der Vergleich zivilreligiöser Ausprägungen in Deutschland, den USA und Frankreich.
Auszug aus dem Buch
„Media Events“ – die Position von Katz/Dayan
Katz/Dayan setzen sich in ihrem Buch Media Events: The Live Broadcasting of History mit Geschichte, die live im Fernsehen übertragen wird, auseinander; im Sinne unserer Definition also mit bedeutungsschweren Ereignissen, die der Zuschauer en direct verfolgen kann. Die Autoren prägen dafür den Ausdruck „media events“. Im Englischen ist „media“ ein Plural. Es stellt sich die terminologische Frage nach der adäquaten Übersetzung dieses Begriffes. Wörtlich übersetzt hieße der Begriff Medien-Ereignisse. Im Deutschen schwänge hierbei jedoch mit, daß es sich um Ereignisse der Medien oder in den Medien handelt. Daher soll hier der gemischtsprachliche Ausdruck Medien-Events gewählt werden. Im deutschen Sprachraum hat sich der Begriff „Event“ für Veranstaltungen verschiedener Art durchgesetzt.
Eine Veranstaltung wird durch ihre schiere Größe zum Event und durch die Tatsache, daß es in einem ungewöhnlichen Rahmen oder nur selten stattfindet. Der Ausdruck Medien-Event wird gewählt, da er geeignet ist deutlich zu machen, daß es sich bei den ihm zugrunde liegenden Ereignissen keineswegs um ein per se (in politischer, historischer oder anderer Hinsicht) bedeutsames handeln muß. Der Ausdruck soll die Komponente des „von den Medien zu etwas Gemachtem“ oder Hochstilisierten beinhalten.
Zusammenfassung der Kapitel
2. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Arbeit, die Definition zentraler Begriffe sowie die Eingrenzung auf den westlich-christlich geprägten Kulturraum.
3. DIE GLOBALE MEDIENGESELLSCHAFT: Analyse der technischen und inhaltlichen Vernetzung durch globale Medienanbieter wie CNN, ZDF und die Europäische Rundfunkunion.
4. CIVIL RELIGION: Historische Herleitung des Zivilreligion-Begriffs bei Rousseau sowie die Diskussion des Konzepts in den USA und Deutschland.
5. „MEDIA EVENTS“ – DIE POSITION VON KATZ/DAYAN: Detaillierte Untersuchung der medienwissenschaftlichen Definition, Wirkung und Grammatik von „Media Events“ sowie deren narrative Struktur.
6. KRITISCHE WÜRDIGUNG: Zusammenfassende Reflexion über die Kompatibilität von globalem Fernsehen und nationaler Zivilreligion sowie die Gefahren einer Instrumentalisierung.
Schlüsselwörter
Fernsehen, Zivilreligion, Globale Mediengesellschaft, Media Events, Katz/Dayan, Globalisierung, Journalismus, Politische Kultur, Systemstabilisierung, Rituale, Information, Unterhaltung, Massenmedien, Nation, Zeremonie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkung zwischen dem Fernsehen und dem Konzept der Zivilreligion in einer globalisierten Welt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Globalisierung, das Konzept der Zivilreligion sowie die medienwissenschaftliche Analyse von medialen Großereignissen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist zu klären, ob Fernsehen heute die Funktion einer Säule der Zivilreligion erfüllt und ob dies in einer globalen Mediengesellschaft überhaupt möglich ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse sowie die medienwissenschaftliche Perspektive von Katz/Dayan, um mediale Prozesse auf zivilreligiöse Funktionen hin zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen der Zivilreligion, die mediale Praxis globaler Sender und die spezifischen „Media Events“ als systemstabilisierende Inszenierungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen unter anderem Zivilreligion, Media Events, globale Mediengesellschaft und die Deutungsmacht des Fernsehens.
Inwiefern unterscheidet sich die deutsche Debatte von der in den USA?
Deutschland ist durch seine Geschichte vorsichtiger und skeptischer gegenüber dem Konzept der Zivilreligion, während diese in den USA stärker als Kittmasse der Gesellschaft akzeptiert ist.
Warum grenzen Katz/Dayan „News Events“ von „Media Events“ ab?
Während „Media Events“ geplante, zeremonielle und systemstabilisierende Ereignisse sind, sind „News Events“ oft durch Unvorhersehbarkeit und chaotische Elemente wie Katastrophen geprägt.
- Arbeit zitieren
- Ralf Strauss (Autor:in), 2002, Fernsehen als Säule der Zivilreligion in einer globalen Mediengesellschaft?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27921