Auswirkungen von Stressempfinden und Stressbewältigung auf die Körperzusammensetzung von Diabetikern und Nicht-Diabetikern


Masterarbeit, 2012
78 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Diabetes mellitus
2.1 Etymologie von Diabetes mellitus
2.2 Pathophysiologie von Diabetes
2.3 Erscheinungsformen von Diabetes mellitus
2.3.1 Typ-l-Diabetes
2.3.2 Typ-2-Diabetes
2.4 Psychologische Faktoren bei Diabetes
2.5 Diabetes und Ernährung
2.6 Diabetes und Sport
2.7 Diabetes mellitus als Zivilisationskrankheit

3 Stress
3.1 Entstehungsformen von Stress
3.2 Mögliche Ursachen und Stressoren
3.3 Stresssignale und -folgen
3.4 Stresstheoretische Modelle
3.4.1 Reaktionsorientierte Stressmodelle
3.4.2 Reizorientiertes Stressmodell.
3.4.3 Die klassische kognitiv-transaktionale Stresstheorie

4 Auswirkungen von Stress auf die Zivilisationskrankheit Diabetes

5 Stressprävention und Coping
5.1 Stressprävention
5.2 Bewältigungsstrategien und Copingmodelle
5.2.1 Problemorientierte Stressbewältigung
5.2.2 Emotionsorientierte Stressbewältigung
5.3 Stressbewältigung durch Sport
5.4 Progressive Muskelentspannung
5.5 Ressourcenmanagement

6 Hypothesen zur Auswirkung von Stressempfinden und Stress­bewältigung auf die Körperzusammensetzung von Diabetikern und Nicht-Diabetikern
6.1 Die Körperzusammensetzung des Menschen
6.2 Hypothesenformulierung
6.2.1 Sportverhalten bezüglich der Gesundheit im Allgemeinen
6.2.2 Sportverhalten bezüglich des Stressempfindens und der Stressbewältigung
6.2.3 Hypothesen bezüglich der Auswirkungen von Stressempfinden und Stressbewältigung auf die Körperzusammensetzung

7 Messinstrumente zur Erfassung der Körperzusammensetzung und des Stressempfindens
7.1 Bioelektrische Impedanzmessung
7.2 Fragebogen

8 Auswertung der Ergebnisse der bioelektrischen Impedanzmessungen und der Fragebögen im Hinblick auf die formulierten Hypothesen.
8.1 Auswertung der Hypothesen zum Sportverhalten bezüglich der Gesundheit im Allgemeinen
8.2 Auswertung der Hypothesen zum Sportverhalten bezüglich des Stress empfindens und der Stressbewältigung
8.3 Auswertung der Hypothesen bezüglich der Auswirkungen von Stressempfinden und Stressbewältigung auf die Körperzusammensetzung..

9 Fazit,

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Anzahl der untersuchten Diabetiker und Nicht-Diabetiker im Vergleich (eigene Erhebung, 2012)

Abb. 2: Dauer des Sporttreibens diabetischer und nicht-diabetischer Probanden im absoluten und relativen Vergleich (eigene Erhebung, 2012)

Abb. 3: Sportliche Aktivitäten von Nicht-Diabetikern und Diabetikern im relativen Vergleich (eigene Erhebung, 2012)

Abb. 4: Einschätzung des Gesundheitszustandes gemessen an der Häufigkeit des wöchentlichen Sporttreibens von Diabetikern und der Gesamtprobandengruppe (eigene Erhebung, 2012)

Abb. 5: Wohlbefinden der Probanden in Abhängigkeit von der Häufigkeit des wöchentlichen Sporttreibens (eigene Erhebung, 2012)

Abb. 6: Häufigkeit des Stressleidens diabetischer und nicht-diabetischer Probanden im Vergleich (eigene Erhebung, 2012)

Abb. 7: Stärke des Stressleidens diabetischer und nicht-diabetischer Probanden im Vergleich (eigene Erhebung, 2012)

Abb. 8: Verhältnis der Häufigkeit wöchentlicher sportlicher Aktivität zu der Häufigkeit der Stressbewältigung durch Sport (eigene Erhebung, 2012)

Abb. 9: Häufigkeit des Stressleidens in Abhängigkeit von der Häufigkeit der Stressbewältigung (eigene Erhebung, 2012)

Abb. 10: Häufigkeit und Stärke des Stressleidens in Abhängigkeit zu der Häufigkeit des wöchentlichen Sporttreibens (eigene Erhebung, 2012)

Abb. 11: Vergleich zwischen diabetischen und nicht-diabetischen Probanden bezüglich der Häufigkeit von Stressleiden in Abhängigkeit zu der Häufigkeit des wöchentlichen Sporttreibens (eigene Erhebung, 2012)

Abb. 12: Häufigkeit des wöchentlichen Sporttreibens von Nicht-Diabetikern und Typ-2- Diabetikern im Vergleich (eigene Erhebung, 2012)

Abb. 13: Stressbewältigung von Nicht-Diabetikern und Typ-2-Diabetikern im relativen Vergleich (eigene Erhebung, 2012)

Tab. 1: Durchschnittswerte verschiedener Faktoren des Fragebogens (eigene Erhebung, 2012)

Tab. 2: Angaben weiblicher und männlicher Probanden bezüglich des Alters und der Körpergröße im Vergleich (eigene Erhebung, 2012)

Tab. 3: Durchschnittsdaten der WHO-5-Werte von Nicht-Diabetikern und Diabetikern im direkten Vergleich (eigene Erhebung, 2012)

Tab. 4: Relative Häufigkeit des Stressleidens diabetischer und nicht-diabetischer Probanden im Vergleich (eigene Erhebung, 2012)

Tab. 5: Durchschnittswerte verschiedener Faktoren der bioelektrischen Impedanzanalyse (eigene Erhebung, 2012)

Tab. 6: Körperzusammensetzung weiblicher Nicht-Diabetiker in Abhängigkeit zu der Häufigkeit des Stressleidens (eigene Erhebung, 2012)

Tab. 7: Körperzusammensetzung männlicher Nicht-Diabetiker in Abhängigkeit zu der Häufigkeit des Stressleidens (eigene Erhebung, 2012)

Tab. 8: Körperzusammensetzung weiblicher Diabetiker in Abhängigkeit zu der Häufigkeit des Stressleidens (eigene Erhebung, 2012)

Tab. 9: Körperzusammensetzung männlicher Diabetiker in Abhängigkeit zu der Häufigkeit des Stressleidens (eigene Erhebung, 2012)

Tab. 10: Körperzusammensetzung weiblicher Nicht-Diabetiker in Abhängigkeit zu der Stressbewältigung durch Sport (eigene Erhebung, 2012)

Tab. 11: Körperzusammensetzung männlicher Nicht-Diabetiker in Abhängigkeit zu der Stressbewältigung durch Sport (eigene Erhebung, 2012)

Tab. 12: Körperzusammensetzung weiblicher Diabetiker in Abhängigkeit zu der Stressbewältigung durch Sport (eigene Erhebung, 2012)

Tab. 13: Körperzusammensetzung männlicher Diabetiker in Abhängigkeit zu der Stressbewältigung durch Sport (eigene Erhebung, 2012)

1 Einleitung

„No one can live without experiencing some degree of stress all the time“ (Selye, 1976, S. xv). Dieses Zitat des österreichisch-kanadischen Stressforschers Hans Selye beschreibt die Allgegenwärtigkeit von Stress und löst sich zugleich von einer ausschließlich negativen Konnotation des Stressbegriffs, dem sogenannten Distress. Selye umschreibt Stress als „the spice of life“ (Selye, 1976, S. xv) und damit als notwendigen Bestandteil unseres Lebens. Hierbei werden positive Aspekte von Stresssituationen deutlich, die als Eustress bezeichnet werden. Darunter sind kurzzeitige Stresszustände zu verstehen, während denen der Körper etwa bei der Bewältigung sportlicher Leistungen - die im Körper Lustgefühle erzeugen - vermehrt Energie bereitstellen muss (vgl. Troch, S. 26). Stress stellt somit eine schützende Funktion für den Organismus dar und ist von großer Bedeutung innerhalb unseres Alltags. Im Folgenden soll jedoch die Auseinandersetzung mit negativem Stressempfinden im Vor­dergrund stehen.

Durch die gestiegenen gesellschaftlichen Ansprüche - sei es die Verkürzung der gymnasialen Ausbildung oder die Verlängerung der Arbeitszeit durch ein späteres Renten­eintrittsalter - haben sich auch die Erwartungshaltungen geändert. Heranwachsende sind diesem Leistungsdruck schon früh ausgesetzt. „Während der Adoleszenz sind häufig schulische, familiäre und freundschaftsbezogene Belastungen an der Stressentstehung beteiligt“ (Gerber, 2008, S. 13). Gute Leistungen in der Schule mit dem Ziel eines entsprechenden Bildungsabschlusses stellen die Ausgangssituation für den späteren Werde­gang dar. Zudem bestehen eine Vielzahl weiterer Entwicklungsaufgaben, die es zu be­wältigen gilt. Ständige Leistungsvergleiche und die Möglichkeit des Scheiterns können dabei zur Entstehung eines Stressleidens beitragen (vgl. Gerber, 2008, S. 13). Nach Abschluss der Berufsqualifikation nimmt die Anzahl möglicher Stresssituationen keines­falls ab. „Der wirtschaftliche Wandel, die strukturellen Veränderungen im Beschäftigungs­system und die erhöhten Arbeitsanforderungen“ (Stauder, 2009, S. 9) erhöhen den Druck vieler Arbeitnehmer und sind für die Entstehung psychischer Probleme mitverantwortlich. Demzufolge nehmen Stresssituationen und deren Bewältigung in der heutigen Zeit einen enormen Stellenwert ein und bedürfen einer genaueren Untersuchung.

Eine mögliche Folge negativer Stressempfindungen stellt die Erkrankung Diabetes mellitus dar, wonach psychische Faktoren zu der Entwicklung eines Diabetesleidens beitragen können (vgl. Fehm-Wolfsdorf, 2009, S. 24ff.). Ebenso kann sich Stress unterschiedlich auf den Stoffwechsel von Diabetespatienten auswirken. Während bei manchen ein Anstieg der Blutzuckerwerte ersichtlich ist, sind bei anderen Patienten kaum Auswirkungen erkennbar. Weiterhin besteht die Möglichkeit einer Senkung des Blutzuckerspiegels in Stress­zuständen (vgl. Fehm-Wolfsdorf, 2009, S. 45). Daher ist insbesondere für Diabetes­patienten die Aufrechterhaltung der Handlungskompetenz in Stresssituationen bedeutsam.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Stressempfinden und Stressbewältigung auf die Körperzusammensetzung von Diabetikern und Nicht­Diabetikern. Hierzu bedarf es in einem ersten Kapitel einer Erläuterung der Diabetes­erkrankung, sowie ihrer Erscheinungsformen und verschiedener Faktoren, die bei der Untersuchung bezüglich der Körperbauwerte von Bedeutung sind. Das zweite Kapitel setzt sich mit dem Phänomen Stress auseinander und erläutert anhand verschiedener Modelle wesentliche wissenschaftliche Grundlagen innerhalb der Stressforschung. Anschließend werden diese beiden Faktoren in ein Abhängigkeitsverhältnis übertragen und ein thematischer Zusammenhang hergestellt. Das darauf folgende Kapitel zeigt Formen der Stressbewältigung auf und verdeutlicht anhand unterschiedlicher Copingmodelle Möglich­keiten der Bewältigung negativer Stresssituationen. Gegenstand des nächsten Abschnittes wird die Erläuterung eines Körperzusammensetzungsmodells mit anschließender Hypo­thesenformulierung der zu erarbeitenden Studie. Im siebten Kapitel werden Mess­instrumente vorgestellt, die zur Auswertung der Hypothesen im Folgekapitel verwendet werden. Dementsprechend erfolgt im achten Kapitel die Darlegung und Interpretation der ermittelten Untersuchungswerte, wobei abschließend die Ergebnisse zu den Auswirkungen von Stressempfinden und Stressbewältigung auf die Körperzusammensetzung von Diabetikern und Nicht-Diabetikern dargestellt werden. Dabei ist die Zusammenstellung der Haupthypothesen mit dem Bau einer Brücke zu vergleichen. Zunächst erfolgt die Errichtung der verschiedenen Pfeiler, die das Gesamtkonstrukt stützen soll. Durch die subjektiven Angaben der Probanden werden zunächst verschiedene Faktoren miteinander verknüpft, um diese abschließend mit objektiv ermittelten Ergebnissen zu verknüpfen und bewerten zu können.

2 Diabetes mellitus

Um die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus in den folgenden Unterkapiteln näher be­stimmen zu können, bedarf es zunächst der Darstellung von Etymologie und Patho­physiologie der Erkrankung. Nach einer anschließenden Einteilung der verschiedenen Formen des Diabetes mellitus folgen die Erläuterung psychologischer Faktoren der Erkrankung sowie der Umgang mit Ernährung und sportlicher Betätigung. Auf eine Behandlung mit blutzuckersenkenden Medikamenten soll im Folgenden nicht näher ein­gegangen werden. In einem abschließenden Unterkapitel erfolgt eine Kategorisierung und Einordnung des Krankheitsbildes in den Bereich der Zivilisationskrankheiten. Hierbei soll geklärt werden, ob und warum es sich bei Diabetes um eine derartige handelt und was eine Erkrankung im Allgemeinen zu einer Zivilisationskrankheit macht.

2.1 Etymologie von Diabetes mellitus

Das Krankheitsbild Diabetes kam schon sehr früh zu seinem Namen. Etwa im Jahre 200 vor Christus taufte ein griechischer Arzt erstmals das - schon zuvor in Erscheinung getretene - Symptom der Ausscheidung von großen Urinmengen auf den Namen Diabetes, was übersetzt 'Durchfluss' bedeutet. Der Beinamen mellitus kam durch die Erkenntnis von Paracelsus zustande, wonach es sich bei einem Diabetesleiden nicht um eine Erkrankung der Nieren oder des Magens handle, sondern um ein systemisches Leiden. Das bedeutet, dass sich die Krankheit auf ein gesamtes Organsystem auswirkt, dessen Erkenntnis zur Entwicklung biochemischer Ansätze führte. Schließlich gelang es Forschern, bei der Verdunstung diabetischen Urins Rückstände von Traubenzucker zu entdecken. Somit wurde das Krankheitsbild Diabetes durch den Zusatz mellitus ergänzt, was im Gesamten mit 'honigsüßer Durchfluss' übersetzt werden kann (vgl. Fehm-Wolfsdorf, 2009, S. 3f.). Im Folgenden wird jedoch aus Gründen der besseren Lesbarkeit häufig auf diesen Beinamen verzichtet.

Bei einer Diabeteserkrankung handelt es sich um eine Stoffwechselkrankheit, die durch einen Mangel an Insulin oder dessen verminderte Wirkung verursacht wird. Dies hat zur Folge, dass bei Menschen mit einem derartigen Krankheitsbild der Blutzuckerspiegel nach der Nahrungsaufnahme erhöht ist. Wenn die sogenannte Nierenschwelle erreicht ist, lässt sich Zucker im Urin nachweisen (vgl. Kretschmar, Kirst, Opitz-Gersch, Rademacher & Hummel, 2010,S. 105).

2.2 Pathophysiologie von Diabetes

Bei der Nahrungsaufnahme haben Verdauungsenzyme die Aufgabe, die Nahrung zu zerlegen um die Nährstoffe verwerten zu können. Diese Biokatalysatoren bewirken, dass Eiweiße in Aminosäuren, Fette in Fettsäuren und Glyzerin, sowie Kohlenhydrate in Glu­kose, Fruktose und Galaktose gespaltet werden (vgl. Kretschmar et al., 2010, S. 104).

Die Versorgung unseres Organismus mit Glukose ist lebensnotwendig, da es sich bei Zucker um einen der essentiellen Energielieferanten unseres Körpers handelt. Insbesondere die Nervenzellen und die Arbeit des Gehirns sind wesentlich von der Versorgung mit Glukose und Sauerstoff abhängig, wobei ein Mangel derselben zu einer Gefährdung des Organismus führen kann. Die Aufnahme von Kohlehydraten erfolgt über die Nahrung, wird im Laufe der Verdauung in der Bauchspeicheldrüse zu Glukose abgebaut und durch die Darmwand in unser Blut aufgenommen (vgl. Fehm-Wolfsdorf, 2009, S. 3). Hierbei kommt dem menschlichen Körper die Aufgabe zu, den Glukosespiegel zu regulieren. Steigen die Blutzuckerwerte, wird die Bauchspeicheldrüse angeregt. Die sogenannten B- Zellen der Langerhans'schen Inseln, welche sich in der Bauchspeicheldrüse befinden, sorgen für die Insulinsekretion. Dies bedeutet, dass Insulin ausgeschüttet wird (vgl. Schlieper, 2007, S. 404). Insulin hat die Funktion, dass Glukose an den Rezeptoren der Zellwand gebunden und schließlich in die Muskel- und Fettzellen geschleust wird (vgl. Hürter & Lange, 2005, S. 39ff.). Die ausgeschüttete Insulinmenge ist von der Kohlen­hydratart und der zugeführten Menge abhängig. Bei zuckerreichen Lebensmitteln wird besonders viel Insulin benötigt (vgl. Schlieper, 2007, S 404). Das Hormon verursacht also den wichtigen Transport des Energielieferanten Glukose von der Blutlaufbahn in die Körperzellen. In der Zelle finden dann Reaktionen statt, die eine Energiegewinnung ermöglichen (vgl. Kretschmar et al., 2010, S. 104).

Die Energie wird in Form von Glykogen und Fett bereitgestellt. Für die Speicherung von Glykogen in der Leber und bür den Transport von Glukose in das Fettgewebe ist ebenfalls das Hormon Insulin zuständig. Bei beschriebenem Prozess sinkt der Blutzuckerspiegel zurück zu seinem ursprünglichen Zustand (vgl. Schlieper, 2007, S. 404). Demgegenüber hat das Hormon Glukagon die Funktion, den Blutzuckerspiegel im Falle einer Unterversorgung oder einem erhöhtem Bedarf von Glukose zu regulieren. Glukagon wird in den A-Zellen der Langerhans'schen Inseln produziert und hat eine dem Insulin ent­gegengesetzte Wirkung. „Adrenalin, das Stresshormon, das im Nebennierenmark gebildet wird, steigert im Notfall den Blutglucosespiegel, hierdurch wird verstärkte Muskelarbeit und Herztätigkeit ermöglicht“ (Schlieper, 2007, S. 404). Glukagon ist demnach für die Erhöhung des Glukosespiegels verantwortlich und sorgt für die Aufrechterhaltung einer normalen Blutzuckerkonzentration (vgl. Behrmann & Weineck, 2001, S. 32).

Bei einer an Diabetes erkrankten Person wird zu wenig oder gar kein Insulin produziert. Im Falle eines Insulinmangels kann die Glukose nicht in den Muskeln und im Fettgewebe aufgenommen werden, was zu einem Anstieg der Glukosekonzentration im Blut führt. Das Prinzip der Osmose bedingt eine Flüssigkeitsverschiebung in den extrazellulären Raum, wodurch ein verstärktes Durstgefühl evoziert wird. Da Glukose aufgrund des Insulin­mangels nicht in die Muskel- und Fettzellen gelangt, wird dem Körper zu wenig Energie bereitgestellt, was eine Änderung des Fettstoffwechsels bedingt. Fettreserven werden abgebaut und für die Energiegewinnung genutzt, wodurch eine Reduzierung des Fett­gewebes bedingt wird. Dabei werden Glycerin und freie Fettsäuren an das Blut abgegeben. Folglich steigen die Blutfettwerte und Glycerin gelangt zur Leber, wo es zu einer Neuschaffung von Glukose - der sogenannten Glukoneogenese - kommt (vgl. Schlieper, 2007, S. 405). Ein Teil der Fettsäure wird allerdings in der Leber zu Ketonsäure umgebaut, welche zur Säuerung des Blutes führt - auch Ketoazidose genannt. Die Ausscheidung von Azeton erfolgt über den Urin und ist somit Hinweis für einen Insulin- oder Glukosemangel (vgl., Hürter et al., 2005, S. 45). Die aus dem Körpereiweiß freigesetzten Aminosäuren werden ebenfalls zur Glukoneogenese genutzt. Demzufolge verursacht eine Unterver­sorgung an Insulin einen Glukosemangel in den Zellen und somit eine Störung des gesamten Stoffwechselgeschehens (vgl. Schlieper, 2007, S. 405).

2.3 Erscheinungsformen von Diabetes mellitus

Aufgrund unterschiedlicher Entstehungsursachen lassen sich zwei verschiedene Arten des Diabetes mellitus voneinander unterscheiden. In der Vergangenheit wurden dem Krank­heitsbild noch weitere Begrifflichkeiten zugeordnet, welche jedoch als veraltet und un­angemessen gelten und daher nicht mehr verwendet werden sollten (vgl. Fehm-Wolfsdorf, 2009, S. 6).

2.3.1 Typ-l-Diabetes

Kinder und Jugendliche sind in der Regel vom Typ-l-Diabetes betroffen. Sie „leiden darunter, dass ihre eigene Bauchspeicheldrüse nicht imstande ist, das notwendige Insulin in der notwendigen Menge (oder überhaupt) zu produzieren.“ (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung [BZgA], 2006, S. 60). Die Körperzellen, die für die Insulinproduktion verantwortlich sind, werden durch eine chronische Entzündung zerstört (vgl. Fehm-Wolfsdorf, 2009, S. 18). Hierdurch entsteht eine Unterversorgung von Zucker in allen Zellen des Körpers, ein Mangel an Glykogen, eine Überzuckerung im Blut und die Ausscheidung von Zucker über den Urin (vgl. BZgA, 2006, S. 60). Dies kann in der Regel schnell und zuverlässig diagnostiziert werden, wenn rechtzeitig auf daraus resultierende „stark ausgeprägte Symptome wie starker Durst, vermehrtes Trinken und Urinlassen [...], Gewichtsabnahme, Abgeschlagenheit, Zustände von Heißhunger, Konzentrations­schwäche“ reagiert wird, „bevor es durch massiven Gewichts- und Flüssigkeitsverlust zu einer schweren Stoffwechselentgleisung kommen kann.“ (Fehm-Wolfsdorf, 2009, S. 11). Fünf bis zehn Prozent der Diabetespatienten sind aktuell vom Typ-l-Diabetes betroffen (vgl. Hauner, 2012, S. 8).

2.3.2 Typ-2-Diabetes

Die weitaus höhere Zahl der Betroffenen leidet an der zweiten Erscheinungsform, dem Typ-2-Diabetes. Diesem Typ sind etwa 90 Prozent der Diabetespatienten zuzuordnen (vgl. Hauner, 2012, S. 8). Hierbei erfolgt eine geringere Verarbeitung der im Blut enthaltenen Glukose, da die Körperzellen immun gegen Insulin geworden sind. Diese Insulinresistenz als metabolische Folge resultiert aus einer genetischen Disposition und wird durch Be­wegungsmangel, zu fetthaltiger Ernährung und Übergewicht verstärkt. „90% der Typ-2- Diabetiker sind übergewichtig“ (Schlieper, 2007, S. 406). Hierbei spielt auch die Verteilung des Körperfetts eine wichtige Rolle. Insbesondere eine große Masse an vis­zeralem Fett - also jenes, welches in der Bauchhöhle eingelagert ist und die inneren Organe umgibt - erhöht das Risiko einer Diabeteserkrankung. „Im Gegensatz zum mäßigen Übergewicht hat Fettleibigkeit eine stets krankheitserzeugende und lebens­verkürzende Wirkung“ (Weineck, 1996, S. 54). Von Fettleibigkeit - auch Adipositas genannt - spricht man, sobald das Normalgewicht eine Grenze von zwanzig Prozent Übergewicht überschritten hat. Adipositas stellt den höchsten Einzelfaktor für die Ent­stehung einer Diabeteskrankheit dar (vgl. Weineck, 1996, S. 53f.). Durch einen erhöhten Insulinblutspiegel weisen adipöse Menschen aufgrund der Vergrößerung der Fettzellen und der höheren Konzentration freier Fettsäuren im Blut immer eine periphere Insulinresistenz auf. Dabei wird eine therapeutische Insulinwirkung stark gemindert oder bleibt sogar aus (vgl. Behrmann et al., 2001, S. 26).

Neben Insulinresistenz und viszeraler Adipositas führen Bluthochdruck und eine Erhöhung der Blutfettwerte zur Entwicklung des metabolischen Syndroms. Damit wird das ge­meinsame Auftreten stoffwechselbedingter Krankheiten beschrieben, durch die sich auch das Risiko für die Entstehung kardiovaskulärer Folgekrankheiten erhöht (vgl. Wirth, 2008, S. 162ff.). Hierbei wird das persönliche Risiko, durch besagte Faktoren an Typ-2-Diabetes zu erkranken, häufig unterschätzt. Jedoch kann sich die Insulinempfindlichkeit der Zellen etwa beim Abbau von Übergewicht oder einer erhöhten Muskelbeanspruchung auch wieder verbessern (vgl. Fehm-Wolfsdorf, 2009, S. 18ff.).

2.4 Psychologische Faktoren bei Diabetes

Typ-1-Diabetes zählt zu den Autoimmunerkrankungen, wobei eine chronische Entzündung verantwortlich für dessen Entstehung ist. Dennoch kommt auch einer solchen Erkrankung eine psychologische Komponente zu. Betroffene und Angehörige des ersten Typs leiden häufig unter ungerechtfertigten Schuldgefühlen, indem sie die Ursache der Erkrankung einem persönlichen Fehlverhalten zuschreiben. Damit gehen oftmals ein Mangel an Selbstbewusstsein und Verbergen der Krankheit einher, da der Begriff der Erkrankung negativ konnotiert ist und sich daher ein Minderwertigkeitsgefühl bei den Betroffenen einstellen kann. Trotz dieser psychologischen Auswirkungen bleibt zu betonen, dass nach derzeitigem Erkenntnisstand die eigentliche Erkrankung an Typ-l-Diabetes unabhängig von psychosozialen Faktoren auftritt und eine Verhaltensmodifikation nicht zu einer Reduktion des Erkrankungsrisikos führt (vgl. Fehm-Wolfsdorf, 2009, S. 23f.). Demgegenüber ist das Verhalten betroffener Personen für die Entwicklung von Typ-2- Diabetes von großer Bedeutung. Zwar spielen genetische Faktoren eine unbestreitbare Rolle für die Entstehung der Krankheit, dennoch tragen das Ernährungs- und Bewegungs­verhalten von Menschen mit einem hohen genetischen Erkrankungsrisiko entscheidend zum Entstehungszeitpunkt des Typ-2-Diabetes bei (vgl. Fehm-Wolfsdorf, 2009, S. 24f.). So kann „durch Verhaltensänderungen der Beginn der Erkrankung zumindest verzögert werden“ (Fehm-Wolfsdorf, 2009, S. 25).

Die Erkrankung an Diabetes mellitus kann jedoch auch bei Typ-2-Diabetes der Auslöser psychischer Probleme sein und eröffnet somit eine weitere psychologische Dimension der Krankheit. Vielen Betroffenen fällt es schwer, die Diagnose der Krankheit und dessen tägliche Behandlung zu akzeptieren und mit ihr umzugehen. Insbesondere die notwendige Anpassung des Lebensstils etwa verbunden mit dem Ziel einer Gewichtsabnahme kann viele Betroffenen überfordern. Ebenso die Tatsache, dass die Behandlung größtenteils in Eigenregie abläuft, stellt die Patienten häufig vor eine große Herausforderung. Zudem kann die Sorge einer möglichen Unterzuckerung oder bezüglich diabetischer Folge­erkrankungen - wie etwa das diabetische Fußsyndrom oder die Angst vor dem Verlust des Augenlichts - zu einer Beeinflussung des Alltags führen. Des Weiteren befürchten viele Betroffene negative Auswirkungen ihres Diabetes auf Beruf, Familie und Freundeskreis (vgl. Maier, 2012, S. 47F).

Daran lässt sich eine höhere Gefahr der Anfälligkeit von Diabetespatienten für psychische Störungen ableiten, als dies bei anderen Menschen der Fall ist. Insbesondere die Gefahr, an einer Depression zu erkranken, ist bei Diabetikern gegenüber der Gesamtbevölkerung deutlich höher. „Aktuelle Untersuchungen kommen zu dem Schluss, dass etwa 12 Prozent aller Menschen mit Diabetes an einer klinischen Depression leiden, weitere 18 Prozent beschreiben depressive Stimmungen wie Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Resig­nation und Zukunftsangst“ (Maier, 2012, S. 48). Als Ursache für dieses über­durchschnittlich hohe Auftreten von Depressionen bei Diabetespatienten werden unter anderem eine unzureichende Sorge um die eigene Gesundheit und eine mangelhafte Umsetzung der Therapie verantwortlich gemacht. Dies erfolgt insbesondere durch ungünstige Ernährung und Bewegungsmangel oder aufgrund einer lückenhaften Einnahme von blutzuckersenkenden Medikamenten. Somit hängt der Verlauf der Diabeteserkrankung im hohen Maße davon ab, „inwieweit es Patienten gelingt, die geforderten Behandlungs­maßnahmen (z. B. die Veränderung des Ess- und Bewegungsverhaltens, das regelmäßige Messen des Blutzuckers, Insulininjektionen, die Einnahme von Medikamenten) in den Alltag zu integrieren und dauerhaft durchzuführen“ (Maier, 2012, S. 53). Dabei sollte sich von der klassischen Patientensteuerung durch den Arzt gelöst werden, um eine effektivere Vermittlung und Anleitung zur Selbststeuerung der Person im Umgang mit ihrer Umwelt erreichen zu können (vgl. Miethling, 1989, S. 17). Es muss also sowohl zu einer Stärkung der Eigenverantwortlichkeit und des Selbstmanagements, als auch zu einem umfassenden Krankheitsverständnis des Patienten kommen, um psychischen Folgeerscheinungen mög­lichst effektiv entgegenzuwirken (vgl. Maier, 2012, S. 48ff.).

2.5 Diabetes und Ernährung

Die Grundlage aller Behandlungsformen der Zuckerkrankheit ist eine Diät, wobei der Begriff die Anpassung der Ernährungsweise auf die Bedürfnisse des Patienten bezeichnet und in Absprache und Zusammenarbeit mit dem Arzt individuell auf den Patienten abzu­stimmen ist (vgl. Behrmann et al., 2001, S. 43f.). Nach Göke, Parhofer und Otto (2002) würde vielen Typ-2-Diabetikern eine individuelle Ernährungstherapie ausreichen, um eine Stoffwechselverbesserung zu bewirken und somit „die Reduzierung der Häufigkeit akuter Komplikationen bzw. der Entwicklung von Folgeschäden“ (Göke et al., 2002, S. 43) zu unterstützen. Prinzipiell weisen die Ernährungsempfehlungen zur Gesunderhaltung von Diabetikern und Nicht-Diabetikern keinen Unterschied auf. Da bei den meisten Typ-2- Diabetikern eine Gewichtsreduktion zur Regulierung des Diabetes angestrebt wird, sollte den betroffenen Patienten zu einer hypokalorischen, also unterkalorischen Ernährung geraten werden (vgl. Göke et al., 2002, S. 43). Daneben sollten Untergewichtige eine hyperkalorische Diät durchführen und Normalgewichtige auf die Aufrechterhaltung des derzeitigen Körpergewichts bedacht sein. Neben diesem ersten Grundsatz der kalorien­gerechten Ernährung bei einer Diabetesdiät ist auf die Verteilung der täglichen Mahlzeiten, sowie die Vermeidung von Lebensmitteln mit größeren Mengen an Rohr-, Trauben- und Malzzucker zu achten. Dadurch können sowohl Blutzuckerspitzen, als auch das Auftreten von Glukose im Harn vermieden und der Stoffwechsel des Diabetikers weitgehend nor­malisiert werden. (vgl. Behrmann et al., 2001, S. 43f.).

Hauptbestandteile einer kalorienbewussten Ernährung sind die Verringerung von Nahrung mit hohem Fettgehalt und die verstärkte Aufnahme von Lebensmitteln mit geringerer Energiedichte wie beispielsweise frisches Gemüse, Obst oder fettreduzierte Milchprodukte. Daneben sind Vollkornprodukte, sowie Reis, Nudeln, Hülsenfrüchte oder Kartoffeln empfehlenswert (vgl. Göke et al., 2002, S. 43f.). Die Zufuhr einer solchen kohlehydrat­reichen Ernährung bedarfjedoch der Kontrolle und sollte auf mehrere Mahlzeiten am Tag verteilt, sowie auf jeweilige Blutzucker senkende Medikamente und körperliche Arbeit ab­gestimmt werden. Richtwerte zur Zusammensetzung der Gesamtenergiezufuhr besagen eine anteilmäßige Nährstoff-Relation von 50% Kohlenhydraten zu 35% Fett zu 15% Ei­weiß. Auf den zusätzlichen Konsum von Saccharose und niedermolekularem Zucker, sowie größeren Mengen an Kochsalz und Alkohol sollte weitestgehend verzichtet werden, um Bluthochdruck oder einer Hypoglykämie - einem zu niedrigen Blutzuckerspiegel - vorzu­beugen (vgl. Behrmann et al., 2001, S. 43ff.).

2.6 Diabetes und Sport

Typ-1-Diabetikern kommt der sportlichen Aktivität nach Behrmann und Weineck (2001) seit der Einführung der Insulintherapie weder ursächlich noch präventiv noch als fester Therapiebestandteil keine wesentliche Bedeutung mehr zu. Da Muskelarbeit eine akut blutzuckersenkende Wirkung besitzt, können zwar Blutzuckererhöhungen „durch den kurzzeitigen, gezielten und genau dosierten Einsatz körperlicher Aktivität bis zu einem gewissen Grade ausgeglichen werden“ (Behrmann et al., 2001, S. 108). Jedoch bedürfte es einer regelmäßigen Ausführung vergleichbarer körperlicher Tätigkeiten immer genau zu dem Zeitpunkt, wenn im Blutzuckertagesprofil des Patienten Blutzuckerspitzen in Er­scheinung treten. Eine solche zusätzliche Reglementierung des ohnehin schon durch Mahlzeiten und Insulininjektionen festgelegten Tagesablaufs würde die Lebensqualität des Diabetikers weiter einschränken. Dies soll selbstverständlich nicht gegen eine Integration sportlicher Ertüchtigung in den Alltag von Typ-1-Diabetikern sprechen. Regelmäßiges Sporttreiben wirkt sich auf Typ-1-Diabetiker ebenso positiv aus wie auf stoffwechsel­gesunde Menschen. Hierbei muss jedoch beachtet werden, dass zu starke Überanstrengung oder Insulinmangel auch einen Blutglukoseanstieg zur Folge haben können. Daher muss bei der diabetischen Person während der Dauer der sportlichen Betätigung eine aus­reichende Insulinkonzentration vorhanden sein, um eine positive Veränderung der Stoff­wechsellage erzielen zu können. Doch neben der Verbesserung von Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft kann sich körperliche Aktivität auch auf andere Bereiche der Diabetespatienten auswirken. Da sie sich aufgrund ihrer Erkrankung häufig sozial isolieren und Minderwertigkeitsgefühle gegenüber gesunder Mitmenschen ausprägen, kann ins­besondere der Sport in der Gruppe die psychosoziale Gesamtsituation und die emotionale Stabilität von Diabetikern verbessern. Somit trägt regelmäßige und Freude bereitende Sportausübung neben der Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit zu einer Auf­wertung der Lebensqualität von Typ-1-Diabetikern bei (vgl. Deickert, 1991, S. 1ff.; Behrmann et al., 2001, S. 107ff.).

Der Muskelarbeit als Therapiebestandteil von Typ-2-Diabetikern wird allerdings ein wesentlich höherer Stellenwert beigemessen. Wie bereits beschrieben, hat neben der Ernährung das Bewegungsverhalten Einfluss auf die Entwicklung einer Typ-2-Diabetes- erkrankung. So begünstigen eine unausgewogene Zufuhr von Nahrung und Bewegungs­mangel das Auftreten dieses Diabetestyps in Form einer „peripheren Insulinresistenz durch Störung der Insulin-Rezeptor-Interaktion“ (Behrmann et al., 2001, S. 112). In vielen Fällen stellt dies eine höhere Wahrscheinlichkeit dar, kardiovaskuläre Erkrankungen wie Blut­hochdruck oder erhöhte Neutralfett- und Cholesterinwerte zu erleiden. Im Sinne einer Primärprävention können regelmäßige sportliche Betätigung und eine Ernährungsum­stellung in der prädiabetischen Phase zu einer Reduzierung der Insulinresistenz führen und somit diabetesverhindemd wirken. Regelmäßige sportliche Betätigung ist jedoch auch bei der Behandlung von Typ-2-Diabetes förderlich und sollte daher in dessen Therapie integriert werden. Neben der Verbesserung der Stoffwechselsituation können „durch körperliches Training präventiv günstige Anpassungsmechanismen bei den kardiovas­kulären Parametern“ (Behrmann et al., 2001, S. 112f.) in Erscheinung treten, was zu einer Krankheitsfrüherkennung beitragen kann. Insbesondere Risikopatienten von Gefäß­erkrankungen, welche die Veränderung der Arterien des Körpers betreffen, können diese durch regelmäßiges Sporttreiben positiv beeinflussen. Wie bei Typ-1-Diabetikern wirkt sich sportliche Aktivität auch positiv auf die psychosoziale Gesamtsituation von Typ-2- Patienten aus und verbessert zudem ihre Leistungsfähigkeit. Somit sollte regelmäßige körperliche Bewegung einen essentiellen Bestandteil der Therapie des Typ-2-Diabetes dar­stellen (vgl. Behrmann et al., 2001, S. 112ff.).

Dabei lassen sich geeignete von ungeeigneten Sportarten für Diabetiker unterscheiden. Zu Beginn einer Sporttherapie sollten vor allem dosierbare Sportarten gewählt werden, die eine Reproduktion der Belastungsintensität ermöglichen und zu einem konstanten Zeitpunkt in den Alltag zu integrieren sind. Da das Blutzuckerverhalten durch körperliche Aktivität beeinflusst wird, können bei regelmäßiger Trainingsdurchführung Diät und Medi­kamente entsprechend angepasst werden. Besonders geeignet sind für Diabetespatienten Ausdauersportarten wie Dauerlauf, Walking, Bergwandern, Skilanglauf, Schwimmen, Rad­fahren und Rudern, die das Herz-Kreislauf-System beanspruchen. Zudem können dabei entsprechende Erkrankungen wie erhöhte Blutfettwerte oder Bluthochdruck wirksam bekämpft werden (vgl. Weineck, 1996, S. 73). Diese Sportarten trainieren die allgemeine aerobe Ausdauer, da hierbei mehr als ein Siebtel bis ein Sechstel der Skelettmuskulatur ein­gesetzt wird. Der Verbesserung der Ausdauerleistungsfähigkeit von Diabetikern dienen bei täglicher Belastungsdauer von mindestens zehn Minuten besonders submaximale Be­lastungen, die etwa fünfzig bis sechzig Prozent der maximalen Leistungsfähigkeit aus­machen. Dabei erfolgt die Energiebereitstellung aerob, das heißt unter der Zuhilfenahme von Sauerstoff (vgl. Behrmann et al., 2001, S. 121; Kuhn, Nüsser, Platen & Vafa, 2004, S. 9f.). Auch weitere Individualsportarten wie Gymnastik oder Tanz, sowie Mann­schaftssportarten wie Fußball können Bestandteil einer Sporttherapie sein. Demgegenüber gelten Risikosportarten, sowie Schnelligkeits- und Kraftsportarten als weniger geeignet für Diabetespatienten, da diese nicht durchblutungsfördemd wirken und es hierbei schnell zu einer Überschreitung der Leistungsgrenze kommen kann (vgl. Weineck, 1996, S. 73; Behrmann et al., 2001, S. 120ff.).

2.7 Diabetes mellitus als Zivilisationskrankheit

Bei dem Begriff Zivilisationskrankheit handelt es sich um eine Sammelbezeichnung für Krankheiten, die zusammen mit der Zivilisation - insbesondere ab etwa der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts - in Erscheinung traten und in einem Zusammenhang mit dergleichen stehen. Auffallend ist hingegen die Seltenheit des Auftretens solcher Krankheiten bei Naturvölkern (vgl. van Aaken, 1980, S. 11). Nach der Veröffentlichung des Berichts von Hans Hauner im aktuellen Gesundheitsbericht Diabetes (2012, S. 8) wurden im Jahr 2007 mehr als sieben Millionen Bürger der Bundesrepublik Deutschland wegen eines Diabetes mellitus behandelt. Daran lässt sich ablesen, welche enorme Bedeutung der Thema- tisierung des Krankheitsbildes zukommt und wie wichtig die Aufklärungsnotwendigkeit innerhalb der Gesellschaft ist.

Tatsächlich ist nach einer Studie des Robert Koch-Instituts in Berlin zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS) die Zahl der Diabeteserkrankungen in Industrie­staaten sehr viel höher als in Entwicklungsländern. Während in den meisten Ländern Mittel- und Westafrikas die Prävalenz bei unter fünf Prozent der Bevölkerung liegt, so er­geben sich in den Vereinigten Staaten Krankheitshäufigkeiten von über zwölf Prozent. Weiterhin weisen diese Zahlen eine steigende Tendenz auf. Die besagte DEGS-Studie verzeichnete hierzu in Deutschland eine Zunahme um 38% innerhalb der Jahre 1997 bis 2010 (Heidemann, Du & Scheidt-Nave, 2012). Angesichts der angeführten Werte kann man das Krankheitsbild Diabetes mellitus anhand der zu Beginn dargestellten Definition den Zivilisationskrankheiten zuordnen.

3 Stress

Da emotionale Belastungen und damit die Entstehung von Stress Einfluss auf den Blutzuckerspiegel ausüben können (vgl. Cannon, 1975, S. 37ff.), erscheint es an dieser Stelle sinnvoll, den Stressbegriff einer genaueren Untersuchung zu unterziehen. Daher soll in diesem Kapitel zunächst die Entstehung und der Verlauf von Stressprozessen näher dar­gestellt werden, um anschließend auf Stresssignale und ihre Folgen eingehen zu können. Zuletzt werden verschiedene Modelle und Konzepte der Stressforschung genauer beschrie­ben und gegenübergestellt, wodurch ein breiteres Verständnis des Stressbegriffs geschaffen werden soll.

3.1 Entstehungsformen von Stress

„Leben bedeutet, in einem permanenten dynamischen Akt die Balance zwischen Anforder­ungen und deren Bewältigung zu finden“ (Bernhard & Wermuth, 2011, S. 12). Dieses Zitat verdeutlicht den alltäglichen Anspruch, den wir uns gegenüber erheben und betont zusätz­lich eine subjektive Komponente. Jeder besitzt ein persönliches Repertoire an Ressourcen, weshalb die Beanspruchung dergleichen subjektiv als Belastung empfunden werden kann - abhängig von der Übereinstimmung von Anforderung und Ressource. Durch das ent­sprechende Verhältnis beider Komponenten zueinander kommt es „entweder zu einer sinn­vollen Herausforderung oder zu einer Überlastung“ (Bernhard et al., 2011, S. 12).

Selye (1988) bezeichnet Stress als „die unspezifische Reaktion des Körpers auf jede Anforderung, die an ihn gestellt wird“ (Selye, 1988, S. 58) und meint damit „seine schablonenhaft gleichmäßig ausfallende Reaktion, ganz gleich, welche Art von An­passungsprozeß verlangt wird“ (Selye, 1988, S. 93). Demgegenüber sind spezifische Reaktionen des Körpers etwa die Transpiration bei Hitze oder das Zittern bei Kälte. Aber auch die Verarbeitung von erhöhter Zuckeraufnahme über die Ernährung und die damit verbundene Regulation des Blutglukoseanstiegs stellen eine spezifische Anpassung des Organismus dar (vgl. Selye, 1988, S. 58). Allerdings erzeugt jede auf uns einwirkende verursachende Kraft „zusätzlich zu seinem spezifischen Effekt auch eine unspezifische

Steigerung des Bedarfs, anpassende Funktionen zu erfüllen und dadurch wieder normale Zustände herzustellen, was immer auch der spezifische Vorgang sein mag, der zu den er­höhten Anforderungen geführt hat“ (Selye, 1988, S. 59). So können sowohl ein Fluglotse, der genau weiß, dass er durch Unkonzentriertheit und Ablenkung viele Menschen gefährden kann, ein Sportler, der Erfolgserwartungen erfüllen muss, als auch jemand, der sich um das Wohlergehen eines Angehörigen sorgt, unter Stress leiden, obwohl es sich um völlig verschiedene Probleme handelt. Stress erzeugende Faktoren werden als Stressoren bezeichnet. Diese lösen im Wesentlichen - trotz ihrer Divergenzen - die gleichen bio­logischen Stressreaktionen innerhalb des menschlichen Körpers aus. Sie sind abhängig von dem Ausmaß der Forderung nach einer Anpassung oder Umstellung und unabhängig davon, ob uns eine Situation als angenehm oder unangenehm erscheint (vgl. Selye, 1988, S. 56ff).

Befinden wir uns in einer Stresssituation, so wird vom Nebennierenmark das Hormon Adrenalin gebildet und ins Blut ausgeschüttet. Dieser Vorgang hat neben einer Steigerung des Blutdrucks und einer Erhöhung der Pulsfrequenz auch eine Erweiterung der Bronchien zur Folge. Ebenso führt Adrenalin zu einem gesteigerten Fettabbau, der so genannten Lipolyse, und einer Neubildung von Glukose. Die Steuerung der Adrenalinfreisetzung er­folgt durch nervale Reize und Hormone (vgl. Gerber, 2008, S. 490).

3.2 Mögliche Ursachen und Stressoren

Wie bereits beschrieben, stellt der Stressbegriff den Verlust der Balance zwischen Bean­spruchung und Ressource dar. Dabei sind jedoch zwei verschiedene Arten von Stress zu unterscheiden: Eustress und Distress. Ersteres entspricht Lustgefühlen und wird auch als positiver Stress bezeichnet. Jede Aktivität - sei es Schwimmen, Laufen, Klettern oder Holzhacken - erzeugt Stress, da sie zur Bewältigung der sportlichen Leistung einer verstärkten Bereitstellung von Energie bedarf (vgl. Troch, 1979, S. 26). Auf der anderen Seite erzeugt negativer Stress Unlustgefühle und kann für die Entstehung diverser Krank­heiten verantwortlich sein (vgl. Selye, 1988, S. 18). Maßstäbe für eine solche negative Ausprägung sind individuell verschieden und schwierig zu definieren. Dennoch lassen sich mehrere Gründe möglicher Überlastungen darstellen. Krankheiten verursachender Stress kann aus einer überschreitenden Belastung oder unangemessenen Nutzung der ersetz­baren Ressourcen entstehen. Ebenso ist es von Bedeutung, gezielte Erholungs- und Regenerationsprozesse einzuhalten, damit das bestehende Ungleichgewicht keinen Dauer­zustand einnimmt und krankmachendem Stress vorgebeugt werden kann (vgl. Bernhard et al., 2011, S. 13f.).

Jede Stressgeschichte kann aufgrund ihrer Subjektivität aus einer Vielzahl von verhaltens­und wertorientierten oder verhältniszentrierten Ursachen hervortreten. Diese inneren und äußeren Auslöser können sich sowohl gegenseitig beeinflussen, als auch parallel zuein­ander in Erscheinung treten. Insbesondere psychosoziale Aspekte stellen mögliche Ur­sachen für ein Stressleiden dar. So können ein schwach ausgebildetes Selbstwertgefühl oder Ängste, die den Arbeitsplatz oder die persönliche Anerkennung betreffen, das Auftreten eines Stressleidens begünstigen. Aber auch ungelöste Konflikte, Konkurrenz­druck, Diskriminierung oder Isolation, sowie Mobbing und belastende Lebensereignisse - wie familiäre Trennungen oder der Verlust von Bezugspersonen - können ausschlaggebend für ein negatives Stressempfinden sein. Zudem stellen Leistungsdruck durch quantitative oder qualitative Überforderung und eine geringe systematische Problemlösefähigkeit eine erhöhte Belastung dar. Weiterhin gibt es auch strukturell einige Stress begünstigende Faktoren. So erhöhen eine unangemessene Organisation, zu hohe Arbeitsteilung oder Fehl­regelungen ebenso die Wahrscheinlichkeit eines Stressleidens, wie Kommunikation- und Informationsdefizite, widersprüchliche Arbeitsanweisungen oder unklare Zuständigkeiten. Von daher können insbesondere im Arbeitsalltag klare Verantwortungsbereiche und ein angenehmes Arbeitsklima zur Reduktion von Stressaufkommen beitragen. Neben den Arbeitsbedingungen können eine zu hohe Geräuschkulisse, schlecht geregelte Licht- und Temperaturverhältnisse, sowie Sicherheitsprobleme oder permanente Störungen umwelt­bedingte Stressursachen darstellen (vgl. Bernhard et al., 2011, S. 16f.).

3.3 Stresssignale und -folgen

Stress tritt häufig durch diverse unproduktive körperliche, psychische und geistige Signale in Erscheinung, die unter dauerhafter Belastung krankhafte Entwicklungen annehmen. Phänomene, die auf physiologisch-somatischer Ebene stattfinden, haben eine Erhöhung der kardiovaskulären Aktivität zur Folge. Es kommt zu steigendem Blutdruck und einer Zu­nahme der Herzfrequenz. Herz-Kreislauf-Erkrankungen können demnach auch als Stress­krankheiten bezeichnet werden (vgl. Bamberg, Busch & Ducki, 2003, S. 57). Weitere körperliche Auswirkungen können Schlafstörungen, Kopfschmerzen, sowie unbegründetes Schwitzen und gastrointestinale Probleme sein. Auch frühe Ermüdungserscheinungen, Atemprobleme und Schmerzen im Nacken-, Schulter- oder Rückenbereich lassen auf ein akutes Stressleiden schließen. Weiterhin kann man psychische Anzeichen aufzählen, welche ebenfalls die Existenz von Stress andeuten können. Dazu gehören Aggressivität und Nervosität, aber auch Niedergeschlagenheit, Depression oder Selbstzweifel. Besonders deutlich sind Symptome wie Üherempfindlichkeit oder das Unvermögen, sich vom Arbeitsalltag lösen und entspannen zu können. Mangel an Konzentration, Vergesslichkeit oder Einschränkung der Wahrnehmung sind Aspekte geistiger Indikatoren. Betroffenen fällt es häufig schwer, Entscheidungen zu treffen oder sich auf Neues einzulassen. All diese Anzeichen können sowohl Signale als Folge von Stress bezeichnen, als auch anderen Ursachen zuzuschreiben sein. Vor diesem Hintergrund stellt es für Betroffene und Außen­stehende gleichermaßen eine Herausforderung dar, diese Hinweise mit einem Stressleiden in Verbindung zu bringen und als behandlungswürdig einzuschätzen (vgl. Bernhard et al., 2011, S. 20f.).

3.4 Stresstheoretische Modelle

Im Folgenden soll anhand einer Auswahl verschiedener Stressmodelle gezeigt werden, was aus wissenschaftlicher Sicht unter dem Stressbegriff zu verstehen ist. Hierzu sollen zunächst einzelne reaktionsorientierte Stressmodelle erläutert werden denen anschließend ein Modell gegenübergestellt wird, nach welchem ein Stressleiden aus äußeren Reizen resultiert. In einer abschließenden kognitiv-transaktionalen Theorie werden beide Aspekte miteinander verknüpft und Stress als ganzheitliches Phänomen betrachtet. Jedes dieser Modelle hat seine Existenzberechtigung und keines kann als richtig oder falsch bezeichnet werden (vgl. Schwarzer, 2000, S. 14).

3.4.1 Reaktionsorientierte Stressmodelle

Den Ursprung der heutigen Stressforschung bilden reaktionsorientierte Stressmodelle, nach denen Stress einer abhängigen Variablen entspricht und sich daher als „physiologische, psychische und/oder verhaltensbezogene Anpassungsreaktion auf eine gegebene Reiz­konstellation“ äußert (Gerber, 2008, S. 105). Hierzu sind insbesondere das Kampf-Flucht­Modell von Walter Cannon und das Allgemeine Adaptationssyndrom von Hans Selye anzuführen (vgl. Gerber, 2008, S. 105ff.).

Kann eine Abweichung vom inneren Gleichgewicht, der so genannten Homöostase, nicht mehr mit normalen Reaktionen ausgeglichen werden, so befindet man sich in einem psychophysischen Zustand, der nach dem Physiologe Walter Cannon als Stress bezeichnet werden kann. Da der Mensch nach diesem inneren Gleichgewicht strebt, entspricht Stress „einer Anpassungsreaktion des Organismus auf einen Reiz, mit dem Ziel der Wieder­herstellung eines homöostatischen Zustands“ (Gerber, 2008, S. 106). Es steht also der Aspekt der Selbstregulation im Fokus, wobei der Körper im Falle einer Stresssituation und der damit verbundenen Abweichung von Soll- und Istwert versucht, das entstandene Un­gleichgewicht durch chemische und physikalische Prozesse zu beheben. Hierbei kann sowohl eine Anpassung des pH-Wertes, als auch eine Angleichung des Blutdruckes oder der Körpertemperatur stattfinden (vgl. Gerber, 2008, S. 106). Die erste Antwort auf einen bedrohlichen Reiz stelltjedoch entweder eine Kampf- oder eine Fluchtreaktion dar. Wenn man einen Zustand als so bedrohlich wahrnimmt, dass er als Gefahrensituation empfunden und nicht gemeistert werden kann, dann tritt über die Aktivierung des Stresssystems der bereits erwähnte Kampf-Flucht-Mechanismus in Kraft, der die typische Stresssituation des Körpers auslöst (vgl. Bernhard et al., 2011, S. 12).

Hans Selye (1956, 1976) beschreibt in dem von ihm entwickelten Allgemeinen Adaptationssyndrom die Anpassung von Lebewesen auf starke äußere Reize - wie etwa Hitze, Infektionen oder Anstrengung - welche krankhafte Folgeerscheinungen hervor­bringen können und bildet somit den eigentlichen Ausgangspunkt der gegenwärtigen Stressforschung (vgl. Selye, 1976, S. 38; Gerber, 2008, S. 107). Es handelt sich hierbei um eine hauptsächlich durch die Nebennierenrindenaktivität bestimmte Stressreaktion, die in drei Stadien zu unterteilen ist. Anhand von Tierversuchen entdeckte man in einer ersten Phase Alarmreaktionen des Körpers, wodurch sich in lang andauernden Stresssituationen verschiedene Organtätigkeiten ergeben. Die Aktivität der Nebennierenrinde wird erhöht, was zu einer vermehrten Abgabe von Stresshormonen, den so genannten Glucocorticoiden führt. Zudem kann es unter der Einwirkung von Stress zu einer Verkleinerung von Tyhmusdrüse und Lymphknoten, sowie zum Auftreten von Magen-Darm-Geschwüren kommen. Im darauf folgenden Widerstandsstadium findet eine zunehmende Absonderung von Somatotropin und Mineralkortikoiden statt, wodurch die entzündliche Reaktion ansteigt. Falls keine Heilung eintritt, kommt es im anschließenden Erschöpfungsstadium zu einer regressiven Transformation der Nebennierenrinde (vgl. Selye, 1988, S. 69ff; Mutschler, Schaible & Vaupel, 2007, S. 564ff.; Pschyrembel, 2010, S. 104, 772, 1320, 1975).

3.4.2 Reizorientiertes Stressmodell

Im Gegensatz zum reaktionsorientierten Konzept entspricht Stress beim reizorientierten Modell einer unabhängigen Variablen. Hierbei bezeichnet Stressempfinden die Konse­quenz eines schädigenden Umweltreizes. Es handelt sich also um die Annahme, dass äußere Anforderungen in Form von kritischen Ereignissen für das Auftreten von Stress ver­antwortlich sind. Diese können sowohl körperlicher Art sein, als auch selbstwertrelevante oder zwischenmenschliche Belastungen betreffen (vgl. Gerber, 2008, S. 116). Somit stellen körperliche Angriffe oder Infektionen gleichermaßen bedeutende Variablen für das Eintreten einer Stresssituation dar, wie das Versagen in einer Prüfung oder das Scheitern einer Partnerschaft. Ebenso können Faktoren wie ein Verkehrsstau, eine Hitzewelle oder Arbeitslosigkeit mögliche Stressoren angeben (vgl. Schwarzer, 2000, S. 14). Aber auch der Besuch von Live-Veranstaltungen wird von Menschen häufig als Belastung wahr­genommen, da von den betroffenen Personen eine Neuanpassung abverlangt wird, die eine Modifizierung der aktuellen Lebenssituation erfordert. Dies führt zu einer Stress­empfindung, die unabhängig davon auftritt, ob das Ereignis positiv oder negativ bewertet wird (vgl. Gerber, 2008, S. 116).

[...]

Ende der Leseprobe aus 78 Seiten

Details

Titel
Auswirkungen von Stressempfinden und Stressbewältigung auf die Körperzusammensetzung von Diabetikern und Nicht-Diabetikern
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Institut für Sportwissenschaft)
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
78
Katalognummer
V279730
ISBN (eBook)
9783656730590
ISBN (Buch)
9783656730583
Dateigröße
836 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stress, Diabetes, Stressempfinden, Stressbewältigung, Sportmedizin, Körperzusammensetzung, Diabetiker, Nicht-Diabetiker, Sport, Sportwissenschaft
Arbeit zitieren
Patrick Dietz (Autor), 2012, Auswirkungen von Stressempfinden und Stressbewältigung auf die Körperzusammensetzung von Diabetikern und Nicht-Diabetikern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279730

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Auswirkungen von Stressempfinden und Stressbewältigung auf die Körperzusammensetzung von Diabetikern und Nicht-Diabetikern


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden