Führung, Macht und Missbrauch

Risiken als Gegenpol zu bestehenden Chancen


Fachbuch, 2014

144 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Themenkreis 1: Führung und deren Gefährdungspotential

Führung, Freiheit und Versuchung
Hinführung, Abgrenzung, Zielbestimmung
Führung und Freiheit
Freiheit und Versuchung
Gefahrenbegrenzung
Zusammenfassung, Reflexion, Ausblick
Literatur, Anfragen, Antwortversuche

Versuchung als Gefährdungspotential
Hinführung, Abgrenzung, Zielbestimmung
Mensch und Versuchung
Versuchung und Gefährdung
Gefährdung und deren Bedrohung
Zusammenfassung, Reflexion, Ausblick
Literatur, Anfragen, Antwortversuche

Grundorientierung als entscheidender Tatbestand
Hinführung, Abgrenzung, Zielbestimmung
Wesen der individuellen Grundorientierung
Deren Bedeutung für das Handeln
Sich ergebende Auswirkungen
Zusammenfassung, Reflexion, Ausblick
Literatur, Anfragen, Antwortversuche

Ideologisch, dogmatisch, machtpolitisch bzw. bürokratisch basierte Gefährdung
Hinführung, Abgrenzung, Zielbestimmung
Ideologisch basierte Gefährdung
Dogmatisch basierte Gefährdung
Machtpolitisch basierte Gefährdung
Bürokratisch basierte Gefährdung
Wechselwirkungen
Zusammenfassung, Reflexion, Ausblick
Literatur, Anfragen, Antwortversuche

Fehlorientierung und Fehlverhalten
Hinführung, Abgrenzung, Zielbestimmung
Fehlorientierung als tragische Verirrung
Fehlverhalten als Resultat der Fehlorientierung
Schlussfolgerungen für die Führungskraft und das Sozialgefüge
Zusammenfassung, Reflexion, Ausblick
Literatur, Anfragen, Antwortversuche

Gefährdung als reale Gefahr
Hinführung, Abgrenzung, Zielbestimmung
Gefährdung
Reale Gefahr
Gefährdung als Gefahr
Zusammenfassung, Reflexion, Ausblick
Literatur, Anfragen, Antwortversuche

Themenkreis 2: Macht, Missbrauch und Gegenstrategien
Führung, Macht und Missbrauch
Hinführung, Abgrenzung, Zielbestimmung
Macht und Machtgebrauch
Machtmissbrauch
Führung, Macht und Ethik
Zusammenfassung, Reflexion, Ausblick
Literatur, Anfragen, Antwortversuche

Historische Beispiele als Warnung
Hinführung, Abgrenzung, Zielbestimmung
Ideologien und Dogmatismus
Exzessive Machtpolitik
Ausufernde Bürokratie
Zusammenfassung, Reflexion, Ausblick
Literatur, Anfragen, Antwortversuche

Kompetenz- und erfahrungsunabhängige Karrieren als erhöhtes Risiko
Hinführung, Abgrenzung, Zielbestimmung
Kompetenz- und erfahrungsunabhängige Karrieren
Risiko und erhöhtes Risiko
Resultierende Konsequenzen fehlerhafter Besetzung für Akteure, Betroffene, Leistung und Institution
Literatur, Anfragen, Antwortversuche

Machtmissbrauch und Sozialethik
Hinführung, Abgrenzung, Zielbestimmung
Sozialethik und Führungsverhalten
Positiver und negativer Machtgebrauch
Missbrauch aus ethisch-moralischer Sicht
Zusammenfassung, Reflexion, Ausblick
Literatur, Anfragen, Antwortversuche

Unternehmenskultur als mögliche Barriere gegen Fehlentwicklungen
Hinführung, Abgrenzung, Zielbestimmung
Unternehmenskultur
Unternehmenskultur und Fehlentwicklungen
Förderliche Unternehmenskultur als Barriere
Zusammenfassung, Reflexion, Ausblick
Literatur, Anfragen, Antwortversuche

Führung im Beziehungsgefüge von Wissen und Glaube
Hinführung, Abgrenzung, Zielbestimmung
Führung und Glaube
Glaube und Führung
Wissen und Glaube getragen von der Weisheit
Zusammenfassung, Reflexion, Ausblick
Literatur, Anfragen, Antwortversuche

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Angaben über den Autor:

Vorwort

Von Führung geht ein Gefährdungspotential aus und zwar sowohl für den Erfolg, als auch für das Beziehungsverhältnis der Bezugspersonen sowie das soziale Klima im Interaktionszusammenhang. Dies wird deutlich, wenn wir die mit der Führungsfunktion verbundene Freiheit betrachten und realisieren, dass eingeräumte Freiheit auf vielfältige Art und Weise missbraucht werden kann.

Die der Führungsfunktion immanente Versuchung ist insoweit eine reale Gefährdung. Da kommt es wohl entscheidend auf die jeweilige Grundorientierung der Führungskraft an. Sie ist insoweit ein entscheidender und damit zu berücksichtigender Faktor. Nicht zuletzt muss hier auf die ideologisch und machtpolitisch basierte Gefährdung welcher die Führung ausgesetzt ist oder die von ihr ausgehen kann, aber auch auf Dogmatismus und Bürokratie hingewiesen werden.

So zeigen sich im Zuge von Führung die bestehenden vorgenannten Gefährdungen durchaus als eine real gegebene Gefahr. Sich gegenüber der Gefahr zu wappnen und gegebenenfalls gegen sie vorzugehen erscheint insoweit für verantwortungsbewusste Führungskräfte zwingend geboten. Eine Missachtung dieser Herausforderung würde mittel- und längerfristig in der Regel negative Konsequenzen zur Folge haben.

Fehlorientierung der Führung und Führungsfehlverhalten hängen recht eng zusammen. Aus Führungsfehlverhalten – gerade solchem in Form eines Machtmissbrauchs – ergeben sich zumeist gravierende unerwünschte Konsequenzen. Diese beziehen sich nicht zuletzt auf den angestrebten Erfolg, aber auch auf das Beziehungsverhältnis der Interagierenden, das jeweilige soziale Klima im Unternehmen, sowie in Staat und Gesellschaft, aber auch auf die konkrete Ausprägung und Weiterentwicklung der Kultur.

Damit tritt Sozialethik ins Blickfeld. In ihr wird die Vertretbarkeit des Verhaltens thematisiert. Dies erscheint nicht nur sinnvoll, sondern überaus notwendig, da sich ohne Berücksichtigung ethischer Mindeststandards die Ellbogenmentalität und der gnadenlose Durchsetzungskampf ungehindert zeigen würden und damit Mitmenschlichkeit und Lebensqualität verloren gingen, sich eine unmenschliche Gesellschaft ergäbe.

So bedarf es einer institutionalisierten Kompensation von Fehlverhalten als Korrektiv. Wie diese letztlich ausgestaltete sein sollte, darüber lässt sich in der Tat trefflich streiten. Auch wenn es bis zum Konsens noch vielfältiger Bemühungen bedarf, sollten wir die Arbeit an dieser Aufgabenstellung nicht zurückstellen und vernachlässigen. Wir alle würden ansonsten im Endeffekt mehr oder weniger die Leidtragenden sein. Dass diese Kompensation im Beziehungsverhältnis von Wissen und Glaube geschieht, setzt für die hier vorliegende Arbeit den Schlusspunkt.

All Jenen, die mich bei der Erstellung dieses neunten Bandes der Schriftenreihe durch Rat und Tat unterstützt haben, danke ich an dieser Stelle herzlich.

Fürth, im August 2014

Prof. Dr. Alfons Maria Schmidt

Themenkreis 1: Führung und deren Gefährdungspotential

Führung, Freiheit und Versuchung

Versuchung als Gefährdungspotential

Grundorientierung als entscheidender Tatbestand

Ideologisch, dogmatisch, machtpolitisch bzw. bürokratisch

basierte Gefährdung

Fehlorientierung und Fehlverhalten

Gefährdung als reale Gefahr

Führung, Freiheit und Versuchung

Hinführung, Abgrenzung, Zielbestimmung

Hinführung

Die Führungsfunktion ist zwangsläufig mit einem erhöhten Maß an Freiheit verbunden. Sie ist erforderlich, um bedarfsgerecht gestaltend, koordinierend und unterstützend wirken zu können. Freiheit stellt für Führungskräfte aber auch eine Versuchung dar, den jeweils eingeräumten Freiraum nicht immer in legitimer Art und Weise und zu Lasten der vom Führungshandeln Betroffenen zu nutzen.

So erscheint das Hinterfragen der Nutzung von Freiheit und der mit ihr verbundenen Versuchung geboten, unangemessenes und vertretbares Verhalten – gerade bei Führungskräften – zu sichern, Schaden von der jeweiligen Institution und den interagierenden Menschen abzuwenden und den Bedürfnissen der Kunden in höchstmöglichem Maße gerecht zu werden.

Reflexion im Vorfeld des Führungshandelns und als ein den Führungsprozess begleitendes Unterfangen ist insoweit ein Luxus, sondern eine Notwendigkeit, damit wirtschaftlicher Erfolg sich einstellt und Zufriedenheit bei Mitarbeitern und Kunden sich breitmacht, damit Zukunftsfähigkeit gesichert und ein langfristiges Überleben erreicht wird.

Abgrenzung

Bei unserer Betrachtung bewegen wir uns im Grundsätzlichen und auf der Ebene der Abstraktion. Den Brückenschlag zur konkreten, vielschichtig ausgeformten Praxis hin wird der Einzelne selbst leisten müssen. Insoweit kann der vorliegende Beitrag als Denkanstoß und Aufforderung apostrophiert werden.

Dass wir uns kontextgebunden mit der aufgeworfenen Thematik auseinandersetzen, stellt sich als zwangsläufiger Tatbestand dar. Denn wir alle sind von Ort und Zeit, in die wir gestellt sind, geprägt und treffen unsere Aussagen vor dem Hintergrund bestehender Rahmenbedingungen, gemachter Erfahrungen und zukunftsgerichteter Einschätzungen.

So liegt es schließlich in der Verantwortung des Aufnehmenden, nachfolgende Informationen abzuwägen und mit bisherigen eigenen Überlegungen zu verbinden, sodass sich im Endergebnis eine angemessene Fortentwicklung der eingenommenen Position ergibt und daraus Folgewirkungen im personalen Handeln.

Zielbestimmung

Ziel dieses Beitrages ist es, auf die Zukunft bezogen ein verantwortungsbewusstes Verhalten zu stärken. Dabei betrachten wir zunächst Führung und die mit ihr verbundene Freiheit, gehen auf Freiheit und die ihr innewohnende Versuchung ein und suchen nach Hilfen, die bestehende Gefahr zu minimieren.

Unser Vorgehen gestaltet sich pragmatisch und ergebnisoffen. Es kann nur zu Zwischenergebnissen führen. Und doch sind gerade diese wichtig, um zu vertretbaren Überzeugungen zu kommen, sich angemessen zu positionieren und sich im gezeigten Sozialverhalten gegenüber den Bezugspersonen überzeugend zu präsentieren.

Führung soll schließlich zum gemeinsamen Erfolg der Akteure beitragen und diesen nicht gefährden. Sie soll unter Berücksichtigung der bestehenden Gegebenheiten gewährleisten, dass im Zusammenwirken Probleme gelöst, Herausforderungen gemeistert, Aufgaben erfüllt und Ziele erreicht werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1:

Individuum in vorgegebenem Rahmen

Quelle: selbst erstellt

Führung und Freiheit

Grundsätzliches

Die Führungsfunktion ist zwangsläufig mit Freiheit verknüpft. Denn in der zielgerichteten verantwortlichen Nutzung von Freiheit liegt der Wesenskern der wahrzunehmenden dienenden Funktion. Gerade das Aufzeigen von Perspektiven, die Begleitung und Unterstützung, aber auch die Zielausrichtung und Koordination der Aktivitäten bedürfen kreativer Einflussnahmen.

Ohne einen angemessenen Gestaltungspielraum ist dies erfolgversprechend nicht zu bewerkstelligen. Der gesetzte Rahmen muss gewissermaßen hinreichend Luft zum Atmen geben, damit individuelle Kompetenzen und Erfahrungen der Führungskraft für die jeweilige Institution eine nutzbringende Wirkung entfalten können.

Freiheit ist insoweit kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Ihr Gegenpol wäre eine von Misstrauen geprägte Gängelung, die sowohl von der Motivation der Betroffenen, als auch von den Ergebnissen her, zu aller Lasten suboptimale Gegebenheiten erwarten lassen.

Freiheit und deren Grenzen

Freiheit ist für Führungskräfte aus gutem Grunde nicht unbegrenzt. Denn es gilt zu gewährleisten, dass einerseits die eingeräumten Freiheitsgrade mit deren Notwendigkeit im Rahmen der Ausübung übertragener Funktionen korrespondiert und andererseits ein Missbrauch der Freiheit im Interesse der Institution und der Betroffenen soweit möglich vermieden wird.

Die Festlegung von Grenzen richtet sich nicht zuletzt auch nach den betrieblichen Gepflogenheiten und der bestehenden Ausprägung des dem Funktionsinhaber entgegengebrachten Vertrauens. Insoweit tut sich ein Spektrum auf, das von grundlegendem Misstrauen und Kontrollwahn bis zur fast unbegrenzten Vertrauensseeligkeit und damit verbundenem übergroßem Risiko reicht.

Hier das rechte Maß zu finden und zu bewahren, erscheint als eine stetige Herausforderung und als permanente Gratwanderung. Man wird hier gewiss auf Grundsätze und Erfahrungen setzen, muss jedoch – auch bei weitestgehend rationalem Vorgehen – stets auf Unerwartetes gefasst sein, das ein Überdenken und eventuelles Verändern der bislang eingenommenen Position nahelegt.

Spannungsfeld und Nutzenoptimierung

Das sich ergebende Spannungsfeld zwischen Vertrauen und Misstrauen, sowie zwischen Gestaltungsfreiraum und Sicherheitsbemühen wird sich nicht ohne weiteres problemlos auflösen lassen. So wird nach dem größtmöglich zu erzielendem Nutzen zu fragen sein. Dies sollte – unter Berücksichtigung der nicht zu vernachlässigenden ethischer Standards – den einzuschlagenden Weg vorgeben.

Dass sich hier je nach Funktionen, Kompetenzen, Erfahrungen, Zuständigkeitsbereichen, Bezugspersonen und vielen anderen Faktoren unterschiedliche Positionierungen ergeben dürften, erscheint dem aufmerksamen Betrachter nur natürlich. Die aufscheinende Differenziertheit stellt hier eine Antwort auf die jeweiligen situativen Gegebenheiten und konkreten Erfordernisse dar.

Spannungsfeld und anzustrebende Nutzenoptimierung setzt allerdings voraus, dass der den Freiheitsgrad festlegende Entscheidungsträger zur angemessenen Entscheidung hinreichend fähig und auch bereit sein sollte. Widrigenfalls wäre ein mehr oder weniger starkes Abweichen von der anzustrebenden Ideallinie, der konkreten Ausprägung der eingeräumten Freiheit in Übereinstimmung mit dem Nutzenoptimum – vorgezeichnet.

Freiheit und Versuchung

Versuchung

Wenn wir uns mit Freiheit auseinandersetzen, vor allem der Freiheit der Führungskraft, dann liegt es nahe, die der Freiheit innewohnende Gefahr der Versuchung zu beleuchten. Unter Versuchung verstehen wir in diesem Zusammenhang die Verlockung oder den starken Wunsch, etwas zu tun, das man nicht tun sollte (vgl. http://de.thefreedictionary.com/Versuchung).

Versuchung ist insoweit eine Anfechtung, von dem für richtig erachteten Weg abzuweichen, um zumeist nur kurzfristig wirksame Vorteile – häufig auf Kosten langfristiger Entwicklungen – zu erlangen. Hier kommen die individuellen Präferenzen und die subjektive Gewichtung der einzelnen Optionen ins Spiel.

Entscheidend für die Ausprägung der Gefahr des Nachgebens dürfte hier das Verhältnis zwischen den rationalen und emotionalen Bestimmungsfaktoren für das Handeln beim jeweilig Einzelnen sein. Insoweit treffen wir auch hier auf eine aus der Individualität der Bezugspersonen erwachsende Differenziertheit.

Auswirkungen des Nachgebens auf die Freiheit

Wer der Versuchung nachgibt um kurzfristig persönliche Vorteile zu erlangen, der erkauft sich diese nicht selten mit mittel- und langfristigen Nachteilen. Diese können sich in unterschiedlicher Art und Weise zeigen. Vordergründig ist dabei zu denken an

höhere Kosten, Vertrauensverlust und Belastung der konstruktiven zielgerichteten Zusammenarbeit, negative Auswirkungen auf das Betriebsklima und die Unternehmenskultur, sowie Einschränken bei oder Verlust der bisher vorhandenen Freiheit.

Letzteres wäre die gravierendste Konsequenz aus einem Führungsfehlverhalten. Wir können hier Parallelen ziehen zu den Folgewirkungen einer massenhaften Nutzung von Schlupflöchern bei den gesetzlichen Vorschriften zu Lasten anderer.

Bei rationaler Betrachtung der Konsequenzen lassen sich die langfristigen Nachteile eines „Schwachwerdens“ gegenüber den erzielten kurzfristigen Vorteilen kaum rechtfertigen. Doch Menschen handeln eben nicht immer rational, auch wenn sie dies im Nachhinein zuweilen bedauern und ungeschehen machen möchten.

Möglichkeit der vorgelagerten Prüfung der Wertigkeit von Optionen

So besteht die Möglichkeit zur vorgelagerten Prüfung der Wertigkeit von Optionen und resultierenden Konsequenzen, zum Treffen von reflektierten Entscheidungen, sowie zu deren jeweilig hinreichenden Begründung. Damit wird Rationalität gestärkt und sich ergebende Folgewirkungen in die Überlegungen einbezogen.

Bei hinreichender Sensibilität des Handelnden sollte ihm dies helfen, ein grundlegendes Fehlverhalten zu vermeiden und anderen gegenüber Seriosität zu zeigen. Führungskräfte würde es auszeichnen, gegenüber Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit einem guten und überzeugenden Beispiel voran zu gehen.

Die dabei investierte Zeit und Kraft dürfte in nicht unerheblichem Maße Zinsen bringen. Bei erfolgsbezogener langfristiger Betrachtung lohnt sich also der hinreichend betriebene Aufwand des Prüfens und Wägens von sich bietenden Handlungsalternativen.

Gefahrenbegrenzung

Gefahrenbegrenzung

So steht also die Herausforderung der Gefahrenbegrenzung im Raum. Sie bezieht sich sowohl auf die Beeinträchtigung der Zielerreichung und den wirtschaftlichen Erfolg, als auch auf die Gefährdung der sozialen Interaktionsbeziehungen intern und extern. Sie beziehen sich ebenso auf die Verhinderung einer Rufbeeinträchtigung.

Begrenzung ist idealtypisch eine vollständige Verhinderung des Auftretens von Gefahren. Realistischerweise können wir nicht davon ausgehen, dass uns dies gelingt. Mithin sehen wir in der Gefahrenbegrenzung hilfreiche Maßnahmen zur Minimierung potentiell auftretender Gefahren innerhalb eines permanent voranschreitenden Prozess.

Im Zuge des Bemühens wird man aus betriebswirtschaftlicher Sicht allerdings die Frage nach dem betriebenen Aufwand und dem resultierenden Ertrag stellen müssen. Sie sollten in einem angemessenen Verhältnis zueinander stehen, sodass für die jeweilige Einrichtung nicht wertvolle Ressourcen verschwendet werden.

Maßnahmen

Damit kommen wir zu den in diesem Zusammenhang bestehenden und einzusetzenden Maßnahmen. Sie in ihrer Gänze zu nutzen, erscheint nicht nur sinnvoll, sondern auch notwendig, um gewünschte Effekte zu erzielen. Im Einzelnen können wir Vorbeugen, begleitend Gegensteuern und Nachbereiten.

Vorbeugen steht hier für die Managementschulung. Kern ist in diesem Zusammenhang die Sensibilisierung, die Stärkung der Führungsfähigkeit und die Reflexion potentiell negativer Folgewirkungen aus einem Führungsfehlverhalten.

Begleitendes Gegensteuern wäre die Begleitung der in Führungsfunktion Stehenden, aber auch der Erfahrungsaustausch unter diesen, sowie ein unterstützendes Coaching. Dazu bedarf es allerdings der Aufgeschlossenheit der Betroffenen.

Nachbereiten soll der Wiederholung von Fehlverhalten vorbeugen. Es soll dafür Sorge tragen, dass das Zurückliegende aufgearbeitet und Einsicht erzeugt wird, sodass über eine Neuausrichtung der Bogen zum Vorbeugen geschlagen wird.

Diese Maßnahmen greifen letztlich ineinander und sollen sich wechselseitig ergänzen und verstärken. Sie sollen dafür Sorge tragen, dass Führungskräfte in hinreichendem Maße ethisch-moralische Kategorien verinnerlichen und in ihrem Verhaltensset verankern. Der durch vertretbares Verhalten begünstigte wirtschaftliche Erfolg ist insoweit nur eine Teilbegründung für vorstehend genannte Maßnahmen zur Gefahrenbegrenzung.

Perspektiven

Wenn wir in die Zukunft blicken und Perspektiven aufzeigen wollen, so sind wir gehalten, die Individualität der jeweiligen Führungskraft und deren Entwicklungsfähigkeit, sowie die konkret gegebene Unternehmenskultur in unsere Überlegungen einzubeziehen.

Die Ausprägung der Individualität der jeweiligen Führungskraft kann die Angemessenheit des Verhaltens in erheblichem Maße unterstützen.

Die Entwicklungsfähigkeit lässt es zu, beim Einzelnen vorhandene Defizite zu eliminieren und Stärken zu entfalten.

Und die konkret gegebene Unternehmenskultur kann sich als ein unterstützender Rahmen erweisen.

In diesem Zusammenhang sind sowohl die übergeordnete Führungsebene, als auch die konkret betroffenen Führungskräfte in der Pflicht. Gegebenenfalls können auch Untergebene einen Beitrag zur positiven Entwicklung leisten, einen förderlichen Einfluss ausüben und Führungskräften insoweit auf die Sprünge helfen.

Entwicklung ist dabei von Dynamik gekennzeichnet. Sie präferiert das Erreichen einer höheren Entwicklungsstufe und die Nutzung des sich ergebenden Erkenntnisfortschritts, der am besten für Alle Vorteile bieten sollte. Darauf differenziert näher einzugehen verbietet sich an dieser Stelle aus Platzgründen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2:

Versuchung, Konsequenzen, Begrenzung

Quelle: selbst erstellt

Zusammenfassung, Reflexion, Ausblick

Zusammenfassung

So kommen wir nun zur Zusammenfassung, zur Reflexion und zum Ausblick. Wir können festhalten, dass sich Führung im Spannungsfeld von Freiheit und Unfreiheit vollzieht, wobei der Führungskraft aus der Notwendigkeit heraus erhöhte Freiheitsgrade und vermehrter Spielraum eingeräumt werden, der Grad der Freiheit nicht nur von den Erfordernissen, sondern auch vom Grad der Ausprägung des entgegengebrachten Vertrauens und des vorhandenen Misstrauens abhängt, Freiheit der sinnvollen Beschränkung und der Verknüpfung mit wahrgenommener Verantwortung, sowie der Berücksichtigung des angestrebten Nutzens bedarf.

Mit der Freiheit ist die Gefahr der Versuchung zum Missbrauch verbunden. Diese führt zu kurzfristigen Vorteilen auf Kosten mittel- und langfristiger Entwicklung. Häufig ist dies verbunden mit einer ungerechtfertigten Belastung der Bezugspersonen, deren Reaktion tendenziell negativ ausfallen dürfte.

So bietet sich an, unter Wahrung erforderlicher Freiheit auf Gefahrenbegrenzung zu setzen. Dies kann durch ein Zusammenspiel von vorbeugenden Maßnahmen, eines führungsprozessbegleitenden Gegensteuerns, sowie der Nachbereitung von aufgetretenen Fehlleistungen geschehen. Kernelemente sind hier wohl die Sensibilisierung, die hinreichende, dem Handeln vorgelagerte Reflexion, sowie der institutionalisierte kontinuierliche Lernprozess.

Reflexion

Wir erkennen, dass der Mensch unfertig und in Entwicklung begriffen ist. Auch eine etablierte Führungskraft wird sich ihre eigenen Unzulänglichkeiten eingestehen müssen. Gut erscheint, wenn man hier nicht nur im eigenen Saft kocht, sondern durch andere Hilfestellungen zur individuellen Fortentwicklung erfährt.

Die Gefährdung zu negieren, ist keine Lösung, ihre Möglichkeit zuzugestehen und gezielt dagegen vorzugehen schon. Insoweit ist die Akzeptanz der Realität ein erster Schritt hin zu einem angemessenen und vertretbaren Verhalten, das letztlich allen Beteiligten und Betroffenen, sowie der Institution und deren Bezugspersonen zu Gute kommt.

Das Zugeben von Schwächen und das Gegensteuern ist insoweit eine Stärke, deren Negierung ein zusätzliches Versagen. Nicht das mythisch verklärte Bild von der universal kompetenten Persönlichkeit hilft. Es ist durchschaubar. So zählt letztlich „das reale Sein“ und nicht „der erweckte Schein“, die Kunst des Showmanship (der Selbstdarstellung).

Ausblick

Jeder, vor allem Führungskräfte werden fortlaufend an sich arbeiten müssen und dies ist gut so. Denn Stillstand bedeutet Rückschritt und Selbstgenügsamkeit führt zu suboptimalen Leistungen. Wenn dies noch durch ein Erliegen der Versuchung verstärkt wird, so stellt sich die Frage nach der Eignung als Führungskraft.

An sich zu arbeiten und bewusst seriöse Entscheidungen zu treffen, zeigt sich langfristig betrachtet als der bessere, Vertrauen erweckende Weg, der zu Akzeptanz führt und eine vertrauensvolle zielgerichtete Zusammenarbeit begünstigt. Der Versuchung zu widerstehen fällt zwar nicht immer leicht, doch das Widerstehen schafft Erfolgserleben und Befriedigung.

Letztlich wird man Sensibilität an den Tag legen und im Zeitablauf immer wieder neue Anläufe unternehmen müssen. Fortlaufend ernsthaftes Bemühen um Angemessenheit ist ein überzeugender Schlüssel zum intendierten Erfolg. Dann wird Freiheit in Verantwortung am ehesten gelingen.

Literatur, Anfragen, Antwortversuche

Literatur

Frey D./Schmalzried L. (2013): Philosophie der Führung : Gute Führung lernen von Kant, Aristoteles, Popper & Co, Springer Verlag

Kügler H. (2001): Versuchungen widerstehen?, Echter Verlag

Mill J. S. (1974): Über die Freiheit, Reclam

Nölke M. (2011): Psychologie für Führungskräfte, Beck C. H., EPUB

Seekatz K. (2005): Sartre – Freiheit und Verantwortung, GRIN Verlag

Steiner R. (2013): Die Philosophie der Freiheit, e-artnow, EPUB

http://de.thefreedictionary.com/Versuchung

Anfragen

Frage 1:

Führung ist zwangsläufig mit Freiheit verbunden. Warum ist diese eingeräumte Freiheit für die Ausübung einer Führungsfunktion ein zwingendes Erfordernis?

Frage 2:

Wer erweiterte Freiheit besitzt, der ist auch in höherem Maße Versuchungen ausgesetzt. Sind diese bestehenden Versuchungen grundsätzlich und nur von Übel?

Frage 3:

Versuchungen und Umgang mit Versuchungen führt uns zum Themenkreis Verantwortung. Wie gehen wir sinnvoll mit dem Phänomen der Verantwortung um?

Frage 4:

Einer Versuchung nachzugeben gilt häufig als Schwäche. Ist diese Wertung – unter Würdigung aller jeweiligen spezifischen Umstände – in jedem Falle gerechtfertigt?

Frage 5:

Wer an die Konsequenzen denkt, stellt sich die Frage nach der Schadensbegrenzung. Wie werden wir den bestehenden und absehbaren Erfordernissen gerecht?

Frage 6:

Liegt im grundlegenden Misstrauen, in der Beschränkung der Freiheit und in einer resultierend stärkeren Überwachung ein Gewinn für den Einzelnen und das Gemeinwesen?

Antwortversuche

Antwortversuch zu Frage 1:

Freiheit ist für die Ausübung der Führungsfunktion zwingend erforderlich, da die Aufgabe der Führung gestaltenden Charakter besitzt. Führungskräfte sollen z.B. inspirieren, eine gemeinsame Ausrichtung schaffen, bei der Überwindung von Problemen helfen, Mitarbeiter unterstützen und koordinieren. Dies geht nur, wenn sie in der Lage sind, Freiräume sinnvoll auszufüllen und bestehende Notwendigkeiten im Rahmen eines seriösen und ethisch vertretbaren Vorgehens zu berücksichtigen.

Zu starre Vorgaben wären insoweit eine kontraproduktive Einschränkung potentiell erforderlicher Möglichkeiten zur Erzielung der bestmöglichen Ergebnisse. Man würde von übergeordneter Ebene gewissermaßen den Ast absägen, auf dem man sitzt. Freiheit bei Führungskräften bedeutet allerdings nicht unbegrenzte Freiheit. Sie unterliegen sowohl der Aufsicht der übergeordneten Führungsebene, die ggf. korrigierend eingreifen kann, den bestehenden Rahmenbedingungen, der übertragenen Aufgabenstellung, sowie den nicht zu vernachlässigenden ethischen Standards.

Antwortversuch zu Frage 2:

Versuchungen ausgesetzt zu sein ist Bestandteil der Lebenswirklichkeit – gerade wenn ein erhöhtes Maß an Freiheit zugebilligt wurde. Hier zeigt sich beim Einzelnen, ob er in der Lage ist, mit Versuchungen angemessen umzugehen. In diesem Zusammenhang ist nicht zuletzt nach dem Ausmaß der Betroffenheit und der Stärke der Auswirkungen eines Erliegens und nach den langfristig resultierenden Konsequenzen – auch auf das Beziehungsverhältnis zu anderen zu fragen.

Positiv an Versuchungen ist in jedem Falle die Notwendigkeit, individuell Stellung zu beziehen. Zu widerstehen stärkt und ein Erliegen kann Grundlage für eine Neuausrichtung aufgrund negativer Konsequenzen sein. Auch wenn der Einzelne nicht immer die Folgewirkungen in vollem Umfange überblicken kann, so besitzt er doch ein feines Gespür dafür, was angemessen und vertretbar ist. Auch an unseren Fehlern können wir schließlich wachsen.

Antwortversuch zu Frage 3:

Handeln und Unterlassen ist immer mit Verantwortung für das eigene Tun verbunden. So bietet es sich an, im Vorfeld die Konsequenzen von Verhaltensweisen zu prüfen und abzuwägen. Der Einsatz des rationalen Denkens und die kritische Reflexion der Gegebenheiten helfen uns dabei, Fehler zu vermeiden und potentiellen Schaden zu begrenzen.

Allerdings ist der Mensch nicht rein rational bestimmt. Er ist ein komplexes Gebilde aus Ratio und Emotio. Letztere im Zaum zu halten wird hier zu einer nicht immer leichten Aufgabe. Und doch ist bereits das Bemühen um ein vernunftbestimmtes Vorgehen unter ganzheitlicher Berücksichtigung des menschlichen Seins ein entscheidender Schritt in die richtige Richtung.

Antwortversuch zu Frage 4:

Im Versagen kann die Triebfeder für einen neuen Anlauf liegen. Mancher Misserfolg hat so zu letztendlichem Erfolg geführt. Doch ist der Umweg über das Versagen nicht der direkte Weg zum Ziel. Und nicht immer lassen sich die aus dem Nachgeben resultierenden Konsequenzen auf einfache Art und Weise ausgleichen.

Manches ist verzeihlich, manches eben nicht oder nur schwer. Beispielsweise kann die Versuchung zu einer Präferenz privater Interessen gegenüber den Notwendigkeiten (z.B. in der Schule) durch spätere kompensierende Aktivitäten ausgeglichen werden. Diese sind allerdings in aller Regel aufwendiger als der gerade Weg. Der Umweg kann zu zusätzlichen nützlichen und für die Zukunft hilfreichen Erfahrungen führen.

Antwortversuch zu Frage 5:

Schadensbegrenzung gebietet die Vernunft. Angesichts der Ungewissheit der Zukunft ist diese allerdings nicht so ohne weiteres zu erreichen. Wir können nur bemüht sein, künftige Realität aufgrund bisheriger Erfahrungen, sich abzeichnender Perspektiven und Einsatz unseres abwägenden Denkens zu erahnen und einem potentiell eintretenden Schaden so gut es möglich ist vorzubeugen.

So erscheint gut, Alternativstrategien vorzuhalten, um bei erwartungswidersprechenden Entwicklungen quantitativ und qualitativ angemessen gegensteuern zu können. Den künftigen Erfordernissen jeweils in vollem Umfange gerecht zu werden, würde von uns die Fähigkeit zur umfassenden Voraussicht erfordern. Dies kann letztlich auch von der Führungskraft nicht ernsthaft erwartet und geleistet werden.

Antwortversuch zu Frage 6:

Beschränkung von Freiheit geht einher mit Misstrauen und mit einer Beschränkung der Entwicklungsmöglichkeit. Dies wirft im Konkurrenzkampf den Eingeschränkten zurück und vermindert seine Konkurrenzfähigkeit gegenüber anderen. Mit der verminderten Konkurrenzfähigkeit ist gleichzeitig eine Einschränkung der Zukunftsfähigkeit gegeben.

Ein Blick in die Geschäftswelt macht uns deutlich, dass dies nicht der angemessene Weg in die Zukunft sein kann. Im Ergebnis würden wir bei einem absoluten Kontrollbestreben neben der Bewahrung des Lebensstandards letztlich auch die vermeintliche bewahrte Sicherheit verlieren. Zum Leben gehört schließlich auch ein gewisses Maß an Risikobereitschaft.

Wir wissen, dass dadurch nur Widerstand provoziert würde. Im Spannungsfeld von Selbstentfaltung und Selbstverwirklichung einerseits, sowie der Rückbindung zu sozialen Gebilden gilt es daher eine Ausgewogenheit herbei zu führen. Diese kann auf Dauer nicht durch eine ideologisch, dogmatisch oder machtpolitisch begründete Entmündigung ersetzt werden. Ganz abgesehen davon wäre eine fehlende konstruktive Beteiligung der Befehlsempfänger, sowie deren Verweigerung und Rückzug zu erwarten.

Versuchung als Gefährdungspotential

Hinführung, Abgrenzung, Zielbestimmung

Hinführung

Führung ist mit Freiheit, aber auch mit Versuchungen verbunden. Letztere bergen ein Gefährdungspotential in sich, zu dem Stellung zu beziehen ist. Sich mit Versuchung und Gefährdungspotential auseinanderzusetzen, macht insoweit Sinn, ergeben sich doch bei eintretender Gefährdung zum Teil erhebliche Folgewirkungen, die es zu bedenken gilt.

Im Nachgeben der Versuchung geht man kurzfristig den einfacheren und angenehmeren Weg, ohne die langfristigen Konsequenzen angemessen zu berücksichtigen. Der schnelle Vorteil reizt, doch die zum Teil bitteren Folgewirkungen werden übersehen oder verdrängt. Langfristige Ausrichtung achtet hingegen auf das mit der Versuchung verbundene Gefährdungspotential, das von existenzieller Bedeutung sein kann.

So wenden wir uns im Zuge unserer Betrachtung dieser Problematik zu und suchen die bestehenden Zusammenhänge zu ergründen. Wir suchen nach Erkenntnis zur Absicherung eines künftig angemessenen Verhaltens – zum Wohl unserer jeweiligen Einrichtung, der Betroffenen und Bezugspersonen und des sozialen Klimas.

Abgrenzung

Wenn wir Versuchung als Gefährdungspotential in den Blick nehmen, so muss uns bewusst sein, dass dies ein kleiner Ausschnitt in einer größeren Betrachtung ist. Erst in der Zusammenschau der relevanten Teilaspekte finden wir jene Orientierung, die uns weiter führt und als Handlungsempfehlung gelten kann.

Unsere Betrachtung ist vom Erfahrungshintergrund geprägt. Sie kann insoweit keine Allgemeingültigkeit für sich in Anspruch nehmen. Aus ihr dogmatische Aussagen ableiten zu wollen, wäre insoweit verfehlt. Immerhin lassen sich Denkanstöße identifizieren, die zum Weiterdenken anregen und auch anregen sollen.

Den Brückenschlag von der theoretischen Betrachtung zum praktizierten Verhalten, wird dann der Einzelne leisten müssen. Ihm kann dies letztlich nicht abgenommen werden – und dies ist auch gut so, da jeweils die konkreten individuellen und situativen Gegebenheiten, sowie die daraus resultierenden Folgewirkungen einzubeziehen sind.

Zielbestimmung

Mit dem vorliegenden begrenzten Beitrag wollen wir also erreichen, dass wir mit unserem Bemühen den Menschen in der Situation der Versuchung besser zu verstehen, die Gefährdung aus der Versuchung zu erkennen und lernen, mit der Bedrohung der Gefährdung besser umzugehen.

Das Verstehen und das Erkennen erscheinen als Voraussetzungen, individuelle Strategien zu entwickeln, sodass Versuchungen und damit verbundene Gefährdungen uns nicht schutzlos und unvorbereitet antreffen. Wir könnten ansonsten leicht der Gefahr erliegen, Spielball der Reize und Wünsche zu werden und unseren Verstand auszublenden.

Das Ergebnis unserer Auseinandersetzung stellt – bezogen auf die aufgegriffene Thematik – keinen Endpunkt dar. Sie ist ein Anfang, ein Einstieg und nicht mehr. Doch der Einstieg erschließt den Zugang und bereitet den Weg für weitergehende Auseinandersetzungen. Daran muss uns bei Wahrnehmung bestehender Verantwortung letztlich gelegen sein.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3:

Mensch, Versuchung, Gefährdung, Bedrohung

Quelle: selbst erstellt

Mensch und Versuchung

Mensch als vernunftbegabtes Wesen

„Der Begriff Vernunft bezeichnet in seiner modernen Verwendung die Fähigkeit des menschlichen Denkens, aus den im Verstand durch Beobachtung und Erfahrung erfassten Sachverhalten universelle Zusammenhänge in der Welt durch Schlussfolgerung herzustellen, deren Bedeutung zu erkennen, Regeln und Prinzipien aufzustellen und danach zu handeln. Soweit sich die Vernunft auf Prinzipien des Erkennens und der Wissenschaften richtet, spricht man von theoretischer Vernunft. Ist die Vernunft auf das Handeln oder die Lebenshaltung ausgerichtet, folgt sie den Prinzipien praktischer Vernunft, die sich in moralischen Fragen an Werten oder zur Erreichung von Effizienz am ökonomischen Prinzip orientieren kann.“ (http://de.wikipedia. org/wiki/Vernunft)

Der Mensch als vernunftbegabtes Wesen ist gehalten, sich seiner Vernunftbegabung zu bedienen. Vernunftbegabung ist nach allgemeiner Ansicht unsere größte Stärke, gleichzeitig aber auch unsere schlimmste Eitelkeit. So sind wir gehalten, verantwortungsvoll mit den uns gegebenen Möglichkeiten umzugehen und dabei die legitimen Interessen und Bedürfnisse von Bezugspersonen und Betroffenen mit zu berücksichtigen.

Vernunftbegabtes Sein fordert mithin den Einzelnen dazu auf, der ihm eigenen Sonderstellung innerhalb der Schöpfung gerecht zu werden, sich nicht schicksalshaft als Spielball der jeweiligen Gegebenheiten zu begreifen und sich fremdbestimmt treiben zu lassen.

Mensch, hineingestellt in Raum und Zeit

Der Mensch ist dabei hineingestellt in Raum und Zeit. Diese geben ihm limitierende Rahmenbedingungen und zu nutzende Möglichkeiten vor. Insoweit sind die jeweiligen Einschränkungen von Raum und Zeit anzunehmen. Sie stellen sich als Ausdruck der erreichten Entwicklungsstufe der Lebensumwelt dar.

Ferner gilt es, die ungeachtet dessen bestehenden Möglichkeiten des Einzelnen innerhalb des von Raum und Zeit vorgegebenen Rahmens zu nutzen.

Als Raum können wir uns hier nicht nur auf den jeweiligen Kulturraum beziehen. Auch soziale Schichtung, ausgedrückt in unterschiedlichen Milieus, wird hier wirksam und entfaltet einen verhaltensbegünstigenden oder aber verhaltensbelastenden Einfluss.

Als Zeit ist hier auf die Lebenszeit des Individuums zu verweisen. In der Tat macht es einen Unterschied, ob diese Lebenszeit sich in totalitären Zeiten (Gemeinschaftsideologie ohne individuelle Freiheit und Entfaltungsmöglichkeit), in Zeiten der Aufklärung (Bestreben, durch den Erwerb neuen Wissens Unklarheiten zu beseitigen) oder eines grenzenlosen Relativismus (Betonung der subjektiven Sicht Auffassung des Erkennenden) vollzieht.

Versuchung als Herausforderung

Versuchung stellt sich uns ungeachtet des Vorgenannten als eine Herausforderung mit dem Auftrag zur Bewährung dar. Herausforderung bezeichnet hier eine schwierige oder außergewöhnliche reizvolle Aufgabe und Bewährung den erbrachten Nachweis, dass man für die Bewältigung der Herausforderung geeignet ist.

Versuchung als Herausforderung stellt uns insoweit vor die Aufgabe, nach hinreichender Reflexion eine vertretbare Entscheidung unter Abwägung der jeweiligen Vor- und Nachteile der bestehenden einzelnen Optionen zu treffen, zu begründen und gegen Einwände zu verteidigen.

In der jeweiligen Entscheidung kommen sowohl die individuelle Persönlichkeit des Einzelnen, als auch dessen personale Stärken und Schwächen, sowie die bei ihm bestehenden bewussten und unbewusst wirksamen Präferenzen zum Ausdruck.

Versuchung und Gefährdung

Gefährdung

Im Zuge einer Betrachtung von Versuchung empfiehlt es sich, die von ihr ausgehende Gefährdung zu betrachten. Unter Gefährdung verstehen wir hier die aus dem Nachgeben erwachsende Beeinträchtigung von wesentlichen Erfordernissen. Diese kann in der Selbstblockade durch einen eingeschlagenen falschen Weg liegen, aber auch im resultierenden Verhalten anderer.

Eine Gefährdung des Handelnden ist aber nicht nur im Zuge der Fehlorientierung und in der Belastung sozialer Beziehungsverhältnisse möglich, sondern auch bezogen auf die individuelle Existenz und Gesundheit. Denken wir in diesem Zusammenhang nur an Drogenmissbrauch oder einen rücksichtslosen Einsatz von Macht.

Gefährdung ist insoweit immer von den wünschenswerten Zielen her zu betrachten. Langfristig erhoffter Erfolg und langfristig subjektives Wohlbefinden werden hier zu Gunsten einer kurzfristigen Befriedigung verhindert. Gewissermaßen stellt man sich bildlich gesprochen damit selbst ein Bein. Unter dem Strich wird das Ergebnis negativ.

Gefährdung durch Versuchung

Gefährdung durch Versuchung stellt sich vor allem dann für uns und andere ein, wenn eine Unangemessenheit des Handelns besteht und als solche eingeschätzt wird, durch das Nachgeben ein verhängnisvoller Weg eingeschlagen und eine Fehlausrichtung realisiert wird, bestehende oder potentiell mögliche Beziehungsverhältnisse beeinträchtigt werden, bzw. die individuelle Existenz oder Gesundheit eine reale Beeinträchtigung erfährt.

Die Gefährdung wird aber erst dann real, wenn wir der bestehenden Versuchung nachgeben, wenn wir uns gewissermaßen von den Wünschen und von Gefühlen treiben lassen und dabei den Verstand ausschalten. Wir kapitulieren dabei gegenüber den Anfechtungen, die je nach individueller Persönlichkeit differieren können.

So tritt für uns die Fähigkeit ins Blickfeld, den jeweiligen Versuchungen und Anfechtungen widerstehen zu können. Hierzu lassen sich – je nach individueller Neigung – unterschiedliche Strategien entwickeln und realisieren. In jedem Falle bedarf es aber einer von der Ratio her bestimmten Reflexion zu den Auswirkungen des individuellen Verhaltens.

Individuelle Entscheidung

Es hängt an der jeweilig individuellen Entscheidung, ob sich aus der Versuchung eine Gefährdung, oder sogar eine Bedrohung ergibt. Hier kann die Freiheit des Einzelnen faktisch zu einer realen Gefahr werden. Es können sich negative Konsequenzen einstellen, die vor allem den unbedacht Handelnden möglicherweise überfordern.

Letztlich sind menschliche Entscheidungen nicht immer rational begründet, nicht immer ist jedes gezeigte Verhalten in sich schlüssig. Dies weist uns auf die Erkenntnis der menschlichen Unvollkommenheit hin, der allerdings im Zuge eines erforderlichen individuellen Entwicklungsprozesses gegengesteuert werden kann.

Individuelle Entscheidungen sind – ungeachtet des Zeitgeistes und bestehender externer Einflüsse – individuell zu verantworten. Damit sind wir zurückgeworfen auf das Wissen um die Notwendigkeit der Wahrnehmung von Freiheit in Verantwortung. Denn ohne verantwortungsvolle Wahrnehmung von Freiheit ist die Freiheit gefährdet.

Gefährdung und deren Bedrohung

Bedrohung

Aus der Gefährdung kann eine subjektiv empfundene Bedrohung erwachsen. „Eine Bedrohung ist (nach allgemeiner Definition) eine ernste Gefährdung mit der bloßen Möglichkeit, dass ein Schaden am Objekt (Mensch, Unternehmen, Gegenstand) oder ein Eintritt der Gefährdung des angegriffenen Rechtsgutes entstehen kann.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Bedrohung)

Doch jenseits der objektiven Gegebenheit entfaltet auch eine subjektiv wahrgenommene Bedrohung – unabhängig von deren realer Substanz – eine nicht unerhebliche verhaltensbeeinflussende Wirkung. Insoweit können wir uns im Zuge unserer Betrachtung nicht einfach auf die rechtlich maßgebliche und allgemein akzeptierte Definition zurückziehen. Sie greift zu kurz, sofern wir vom Betroffenen und seiner Befindlichkeit ausgehend.

Bedrohung ist für uns insoweit mehr, als das Justiziable. Sie ist ein, die personale Freiheit beeinträchtigender Wirkungsauslöser, aus Angst vor möglichen Folgen und negativen Sanktionen aufgrund eines gezeigten, offenkundig unerwünschten Verhaltens. Je nach sozialer Gruppierung kann dabei höchst unterschiedliches als eine Bedrohung wahrgenommen werden.

Bedrohung aus Gefährdung

Die Wahrnehmung von Bedrohung aus einer Gefährdung variiert angesichts der Differenziertheit der Menschen. Sie reicht von sensiblem Erfassen bis hin zur nahezu vollständigen Unberührtheit. In diesem Zusammenhang spielt letztlich das Ausmaß der Außenlenkung des Betroffenen eine nicht zu vernachlässigende Rolle.

Bei starker Bestimmtheit des Verhaltens durch deren Wirkung auf andere und ausgeprägter Berührtheit durch Ansichten der Bezugspersonen wird naturgemäß die Bedrohung aus der Gefährdung eine entsprechend größere Wirkung entfalten, als bei überwiegend gegebener Innenlenkung des Handelnden.

Ungeachtet dessen erscheint jeweils die individuelle Entscheidung für das gezeigte Verhalten maßgeblich, soweit der Einzelne dazu bereit ist, Entscheidungen zu treffen und die daraus resultierenden Konsequenzen auf sich zu nehmen.

Umgang mit wahrgenommener Bedrohung

Mit der wahrgenommenen Bedrohung angemessen umzugehen erscheint als echte Herausforderung. Angemessen erscheint,

Drohungen ernst zu nehmen,

Verhaltensalternativen und deren Auswirkungen zu prüfen und jene Handlung zu vollführen, die vertretbar und verantwortbar ist, sowie negative Konsequenzen begrenzt.

Dies wäre eine aktive Auseinandersetzung. Dem steht das Erdulden und das sich entziehen gegenüber. An dieser Stelle kann keine allgemeingültige Antwort über die Richtigkeit eines bestimmten Verhaltens gegeben werden, da im Zuge einer konkreten Entscheidung jeweils alle relevanten Tatbestände mit einzubeziehen sind.

So wird der Betroffene sich situativ festlegen müssen. Er wird ferner darauf vertrauen müssen, dass sein aus der gefestigten Erfahrung und rationaler Reflexion bestimmtes Verhalten in der Zukunft zu einem positiven Ergebnis führen wird, die grundgelegten Annahmen bestätigt und damit eine hinreichende Rechtfertigung erfährt. Widrigenfalls wäre früher oder später ein verhaltenskompensierendes Gegensteuern erforderlich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4:

Versuchung und nachfolgendes Verhalten

Quelle: selbst erstellt

Zusammenfassung, Reflexion, Ausblick

Zusammenfassung

Zusammenfassend können wir festhalten, dass der Mensch Versuchungen ausgesetzt ist und nicht immer rational handelt. Er ist in seinem Sein hineingestellt in Raum und Zeit, die ihn in seinem Verhalten beeinflussen. Versuchungen können wir als gegebene Herausforderungen charakterisieren, in denen sich der Einzelne zu bewähren hat.

Aus der Versuchung können sich bei einem Erliegen Gefährdungen ergeben, die in der Regel vor allem mittel- und langfristig eine unheilvolle Wirkung entfalten. Mithin kommt den individuellen Entscheidungen über den Umgang mit auftretenden Versuchungen eine wesentliche Rolle zu. Wichtiger Nebenaspekt der Entscheidungen ist die mit diesen verbundene, jeweilige und nicht delegierbare Verantwortung.

Die Gefährdung kann sich im Zeitablauf zu einer existenziellen Bedrohung auswachsen. Da liegt für den Handelnden nahe, den Umgang mit auftretenden und wahrgenommenen Bedrohungen ernst zu nehmen und Strategien zu entwickeln, die angemessenes Verhalten begünstigt. Neben der aktiven Auseinandersetzung stehen als Alternativen im Wesentlichen das Leugnen, das Erdulden und die Flucht zur Verfügung.

Reflexion

Dies reflektierend kommen wir zu dem Schluss, dass die Zuweisung der Verantwortung an das Schicksal, die Rahmenbedingungen oder Vorgesetzte letztlich nicht überzeugen kann. Denn der Einzelne ist innerhalb bestehender Gegebenheiten Handelnder, wenn auch in einem eingeschränkten Handlungsspielraum.

Innerhalb dessen ist Position zu beziehen, innerhalb dessen sind Entscheidungen zu fällen, innerhalb dessen sind Konsequenzen zu ziehen und innerhalb dessen ist Verantwortung zu tragen. Sie gehört zum vernunftbegabten Menschen ebenso, wie das verhaltensmitbestimmte Ergebnis, die Möglichkeit eines erzielten Erfolges oder einer, aus dem Erliegen der Versuchung erwachsenden Belastung.

Immerhin kann durch ein kompensierendes Gegensteuern der Schaden ggf. begrenzt werden. Dies setzt allerdings eine Kurskorrektur und das Überzeugen der Interaktionspartner vom Umdenken voraus. Ziel muss hier letztlich die Wiedererlangung der Glaub- und Vertrauenswürdigkeit sein.

Ausblick

Letztlich führt uns das vorstehend Genannte zu der Überzeugung, dass vor allem die individuelle Grundorientierung des Einzelnen für das gezeigte Verhalten maßgebliche Bedeutung besitzt. Ihr nachzuspüren wird uns im nachfolgenden Beitrag beschäftigen.

Dabei werden wir feststellen, dass wir nicht umhin kommen, fortlaufend an uns zu arbeiten und unser Sein zu entwickeln und zu entfalten. Diese Entwicklung und Entfaltung hat jedoch unter Rücksichtnahme auf die sozialen Gebilde zu erfolgen, in denen wir stehen, die uns sowohl Orientierung als auch Sicherheit und Rückhalt geben.

Versuchungen werden uns dabei weiterhin begleiten. Sie sind und bleiben Bestandteil menschlicher Existenz, wie immer wir auch dazu stehen – ob wir dies akzeptieren wollen, oder nicht.

Literatur, Anfragen, Antwortversuche

Literatur

Kügler H. (2001): Versuchungen widerstehen?, Echter Verlag

Luksch A. (2012): Gefährdungsbeurteilung richtig machen : Schnelleinstieg in eine zentrale Aufgabe des Arbeitsschutzes, Hüthig Jehle Rehm

Sachse P./Ulrich E. (Hg.) (o.J.): Psychologie menschlichen Handelns : Wissen & Denken, Wollen & Tun, Pabst Science Publishers

http://de.wikipedia.org/wiki/Bedrohung

http://de.wikipedia.org/wiki/Vernunft

Anfragen

Frage 1:

Der Mensch ist fortlaufend Versuchungen ausgesetzt. Wie lassen sich diese rational verstehen?

Frage 2:

Versuchungen bergen ein Gefährdungspotential in sich. Wie können wir diesem angemessen begegnen?

Frage 3:

Gefährdungen können sich zu Bedrohungen auswachsen. Wie schaffen wir es, diese und den mit ihnen verbundenen Gefahren zu verhindern?

Frage 4:

In einem kompensierenden Gegensteuern kann Bewältigung liegen. Was erfordert dies vom Handelnden?

Frage 5:

Wachsen an der Herausforderung ist eine Zielvorstellung. Wie können wir dies in höherem Maße erreichen?

Antwortversuche

Antwortversuch zu Frage 1:

Versuchungen sind Anfechtungen, die uns zu Entscheidungen nötigen. In der Situation der Versuchung ringen in uns unterschiedliche Strebungen. Jede der alternativen Optionen hat Vor- und Nachteile. Es liegt jeweils am Entscheidungsträger, sich für den einen oder einen anderen Weg zu entscheiden. Nicht selten stehen kurzfristig realisierbare Vorteile langfristigen Vorzügen gegenüber oder es kämpfen rational und emotional geprägte Alternativen um die Vorherrschaft. Aus rationaler Sicht steht eine Güterabwägung an. Diese sucht – bei begrenztem Wissensstand – den jeweils größten Vorteil zu realisieren.

Antwortversuch zu Frage 2:

Dem Gefährdungspotential angemessen zu begegnen setzt dessen Erkennen voraus. Dieses Erkennen erfordert Offenheit und Sensibilität, sie erfordert in gleicher Weise die Bereitschaft zu einer kritischen Reflexion der bestehenden Gegebenheiten und absehbaren Perspektiven. Ungeachtet dessen kann sich die Zukunft anders entwickeln, als erwartet. So gewinnen entsprechende Alternativplanungen und fortlaufende Flexibilität an Bedeutung.

Ein Gefährdungspotential muss nicht zur Gefährdung führen, aber es kann. Vorsorge zu treffen ist allemal besser, als eintretende Gefährdungen zu beseitigen und Schäden zu überwinden. Wachsamkeit und das Achten selbst auf schwache Signale hilft dabei, potentielle negative Konsequenzen zu minimieren.

Antwortversuch zu Frage 3:

In der Tat können Gefährdungen zu Bedrohungen von existenzieller Bedeutung werden. Je stärker die potentiell möglichen negativen Folgewirkungen, desto notwendiger das Bemühen um Verhinderung des Eintretens der mit der Bedrohung verbundenen Gefahren. Für uns zählt,

das Erfassen möglicher Folgewirkungen, das Abschätzen deren Wahrscheinlichkeit, das Entwickeln von Maßnahmen zur Begrenzung möglicher Schäden, die Auswahl der Gefahren vermeidenden Alternative.

Wenn sich dies einfach anhört, so ist die Umsetzung doch zuweilen schwierig, zumal bei der Einschätzung der Realität und der potentiellen Gefahren angesichts unterschiedlicher Wissensstände und Interessen häufig nicht so leicht Konsens erzielt wird. Dieser wird nur im Rahmen eines offenen und fairen Austausches von Informationen und Argumenten errungen werden können.

Antwortversuch zu Frage 4:

Wurde Versuchungen nachgegeben, so bietet sich immer noch das kompensierende Gegensteuern als Ausweg aus der Sackgasse an. Dies setzt allerdings die Bereitschaft des Handelnden voraus, seine Fehlorientierung einzugestehen und einen vernünftigen Weg aus der bestehenden Verstrickung zu suchen. In aller Regel wird das ehrliche Eingeständnis einer aus Schwäche getroffenen falschen Entscheidung eher als Stärke angesehen, als ein Ausspielen von Macht und Einfluss, ein Leugnen und Vernebeln, sowie ein Verschieben der Schuld auf andere. Kooperationspartner werden solche Ausweichstrategien nicht täuschen können.

Antwortversuch zu Frage 5:

Die Fähigkeit zum Wachsen an Herausforderungen zeichnet den Menschen aus. Wir können diese Fähigkeit entwickeln, indem wir uns immer wieder selbst auf den Prüfstand stellen und unser Verhalten kritisch betrachten. Wir werden dabei Licht- und Schattenseiten entdecken und zu überwindende Defizite feststellen. Entscheidend erscheint es, im individuellen Wachsen und sich entwickeln nicht nachzulassen. Insoweit ist das Dazulernen durch Nichts zu ersetzen.

Grundorientierung als entscheidender Tatbestand

Hinführung, Abgrenzung, Zielbestimmung

Hinführung

Wer im Zusammenhang mit der Freiheit der Führungskraft die Folgewirkungen von Versuchungen abschätzen will, der kommt nicht an der jeweiligen individuellen Grundorientierung der Führungspersönlichkeit vorbei. Sie ist ausschlaggebend dafür, inwieweit es dem Betroffenen gelingt, den Anfechtungen zu trotzen und damit potentielle Gefährdungen zu vermeiden.

Individuelles Sein ist natürlich eingebunden in vielfältige soziale Gebilde – von der Familie bis hin zur gesamten Gesellschaft. Und doch ist jeder Einzelne einzigartig und eine eigene Welt für sich. Hier dessen Bestimmtheit zu hinterfragen erscheint reizvoll und für das Verständnis menschlichen Handelns überaus bedeutsam.

So setzen wir uns nachfolgend mit der Grundorientierung des Menschen als entscheidendem Tatbestand auseinander, um uns selbst und andere besser zu verstehen. Dabei werden wir zwar nicht bis auf den Grund blicken können, doch auch ein kleiner Erkenntnisfortschritt darf als Fortschritt gelten. Es bleibt schließlich unbenommen, sich um weitere Erkenntnis zu bemühen.

Abgrenzung

Menschliche Grundorientierung ist höchst individuell und Resultat von Anlagen und Umwelteinflüssen. Insoweit besteht für uns nur die Möglichkeit, vom Grundsätzlichen her die Frage der individuellen Bestimmtheit und deren Bedeutung aufzugreifen. Bei aller Differenziertheit lassen sich hier Aussagen treffen, die bei uns bezüglich unseres personalen Sein ein Mehr an Einsicht erschließen können.

Wiederum bewegen wir uns mit unseren Überlegungen in unserer Zeit und unserem Raum. Beide prägen die Gedankenverläufe und sich insoweit eine Einschränkung des potentiell Denkbaren. Doch wir haben uns nun einmal kontextgebunden einzurichten und hier und jetzt Spuren zu hinterlassen, die hilfreich für andere sind.

So wissen wir um die Beschränktheit unseres Ansatzes, um die Defizite hinsichtlich einer umfassenden Aufarbeitung der aufgeworfenen Thematik und um die Notwendigkeit einer weitergehenden Auseinandersetzung mit der individuellen menschlichen Grundorientierung und deren resultierenden Folgewirkungen.

Zielbestimmung

So sind wir bemüht, im Rahmen unserer Betrachtung durch Reflexion bestehender Zusammenhänge dem Wesen individueller Grundorientierung nachzuspüren, deren Bedeutung für das Handeln zu thematisieren und letztlich die sich ergebenden Auswirkungen zu beleuchten.

So befassen sich die nachfolgenden Ausführungen aufeinander aufbauend mit dem vorgenannten Erkenntnisinteresse. Dies stellt im Rahmen unseres größeren Themenkreises, der Auseinandersetzung mit Führung, Macht und Missbrauch, einen Baustein dar, der nach Ansicht des Autors – im Interesse des Ganzen – nicht fehlen darf.

Wesen, Bedeutung und Auswirkungen der Grundorientierung bereiten den Weg für eine nachfolgende Auseinandersetzung mit der ideologisch, dogmatisch bzw. machtpolitisch geprägten Gefährdung des Einzelnen sowie der sozialen Gebilde.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5:

Grundorientierung – Wesen, Bedeutung, Auswirkungen

Quelle: selbst erstellt

Wesen der individuellen Grundorientierung

Grundorientierung

Individuelle Grundorientierung stellt die Basis des Selbst- und Weltverständnisses des Einzelnen dar. Sie umfasst eine Deutung der bestehenden Gegebenheiten, Regelungen und Beziehungsverhältnissen und zeigt erstrebenswert erscheinende Perspektiven auf.

Sie gründet auf einer ganzheitlichen rationalen und emotionalen Identifikation mit Überzeugungen, die zum Teil übernommen (tradiert) sind, zum Teil emotionalen Charakters sind und sich zum Teil in Auseinandersetzung mit der personalen Lebensumwelt gefestigt haben.

Grundorientierung ist insoweit wichtiger Ausgangs- und Bezugspunkt, sowie Maßstab für unser Handeln in Raum und Zeit. Ohne gefestigte Grundorientierung wären wir richtungslos Treibende, wären wir fremd- oder zufallsbestimmte Existenzen.

Wesen der Grundorientierung

Das Wesen der Grundorientierung lässt sich insoweit charakterisieren als individueller Orientierungspunkt, als personal bewusst oder unbewusst angenommenes Maß und Ziel. Damit skizziert sie – bei allem partiellen Abweichen von den verfolgten Idealen – die im Verhalten angestrebte Ausrichtung des Handelns.

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Ende der Leseprobe aus 144 Seiten

Details

Titel
Führung, Macht und Missbrauch
Untertitel
Risiken als Gegenpol zu bestehenden Chancen
Autor
Jahr
2014
Seiten
144
Katalognummer
V279799
ISBN (eBook)
9783656745662
ISBN (Buch)
9783656745655
Dateigröße
1199 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
führung, macht, missbrauch, risiken, gegenpol, chancen
Arbeit zitieren
Prof. Dr. Alfons Maria Schmidt (Autor), 2014, Führung, Macht und Missbrauch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279799

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