Die folgende Abfassung bezieht sich ausschließlich auf Arnold Gehlens Abhandlung „Die Seele im technischen Zeitalter“, worin er vor allem die Beziehung zwischen dem Menschen und der Technik behandelt und seine These vom Menschen als Mängelwesen entfaltet. Dabei soll Gehlens Theorie, dass der Mensch ein Mängelwesen sei, genauer in Betracht gezogen werden. Zudem soll der Technikgebrauch der Menschen analysiert werden. Interessante und sicherlich kontrovers zu diskutierende Aspekte liefern die leitenden Fragen dieser Abhandlung, die herausarbeiten sollen, inwiefern Gehlen seine These vom Menschen als Mängelwesen begründet und welche Konsequenzen dieser Status für den Technikgebrauch der Menschen hat. Hierbei liegt das Augenmerk allerdings ausdrücklich auf Gehlens Ansicht der Dinge, andere im Werk aufgeführte Thesen werden in dieser Abhandlung nicht in Betracht gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DIE MÄNGEL DER MENSCHEN
3. DIE ENTWICKLUNG DER TECHNIK UND IHRE AUSWIRKUNG AUF DIE LEBENSWEISE DER MENSCHEN
4. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Arnold Gehlens anthropologische Theorie des "Mängelwesens" im Kontext des technischen Zeitalters. Ziel ist es zu analysieren, inwiefern der Mensch durch seine biologische Unzulänglichkeit zur technischen Kompensation gezwungen ist und welche Auswirkungen dieser Prozess auf die menschliche Lebensweise und die Beziehung zur Natur hat.
- Die anthropologische Definition des Menschen als Mängelwesen nach Arnold Gehlen.
- Das Verhältnis zwischen menschlicher Instinktarmut und dem Zwang zur technischen Erfindung.
- Technologische Prinzipien wie Organersatz, Verstärkung und Entlastung.
- Die Triebkomponente der Technik und ihre Rolle als unbewusster Naturvorgang.
- Die dialektische Beziehung zwischen menschlicher Anpassung und technologischer Beherrschung der Umwelt.
Auszug aus dem Buch
2. Die Mängel der Menschen
In Anlehnung an Max Scheler legte die moderne Anthropologie fest, dass der Mensch nicht hinreichend auf die natürliche Umwelt angepasst sei. Durch den Mangel an spezialisierten Organen und Instinkten ist der Mensch darauf angewiesen, beliebige vorgefundene Naturumstände intelligent zu verändern (Gehlen 1957, 8). Somit besteht eine absolute Notwendigkeit der Technik für den Menschen, die sich in erster Linie aus den Organmängeln herleitet (Gehlen 1957, 8). Die Argumentation Gehlens stützt sich auf die Gewährleistung des Menschen gegenüber seiner Umwelt. Der Einsatz von Waffen oder die Feuerverwendung gehören zu den ältesten Erzeugnissen der Menschen und dienten zum Schutz ihrer Selbst (Gehlen 1957, 8). Eingesetzt wurden sie aufgrund der Tatsache, dass dem Menschen bestimmte Organe fehlen. Gehlen benennt dieses Faktum als Prinzip des Organersatzes, wodurch der Mensch durch den Einsatz von Ergänzungstechniken, wie beispielsweise Werkzeug oder andere Gegenstände, organisch versagte Leistungen ersetzt (Gehlen 1957, 8).
Neben den Ergänzungstechniken nennt Gehlen weiterhin die Verstärkertechniken und die Entlastungstechniken. Bei den Verstärkertechniken handelt es sich um eine Organverstärkung, bei der bestimmte Dinge menschliche natürliche Fähigkeiten potenzieren. Der Mensch macht sich bestimmte Dinge zum Nutzen, Gehlen verwendet hierbei den Hammer, das Mikroskop und das Telefon als beispielhafte Symbole, um die menschliche Organleistung zu überbieten (Gehlen 1957, 8). Schließlich gibt es das Prinzip der Entlastungstechniken, die auf Organentlastung, Organausschaltung und letzten Endes auf Arbeitsersparnis ausgelegt sind. So macht der Wagen mit Rädern das physische Schleppen von Lasten überflüssig (Gehlen 1957, 8).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Dieses Kapitel führt in Arnold Gehlens philosophische Anthropologie ein und definiert den Fokus auf dessen Werk "Die Seele im technischen Zeitalter" sowie die zentrale Fragestellung zur Rolle des Menschen als Mängelwesen.
2. DIE MÄNGEL DER MENSCHEN: Hier werden die biologischen Grundlagen des Mängelwesens erörtert und die verschiedenen technischen Prinzipien wie Organersatz und Entlastung zur Kompensation menschlicher Defizite vorgestellt.
3. DIE ENTWICKLUNG DER TECHNIK UND IHRE AUSWIRKUNG AUF DIE LEBENSWEISE DER MENSCHEN: Dieses Kapitel analysiert den Übergang von einfachem Organersatz zur umfassenden technischen Durchdringung und die resultierende Unabhängigkeit des Menschen von der Natur.
4. FAZIT: Das Fazit reflektiert die Paradoxie, dass der Mensch trotz seiner biologischen Mängel durch die Technik einen gesteigerten Lebensstandard erreicht hat, was die Gehlensche These kritisch hinterfragt.
Schlüsselwörter
Arnold Gehlen, Mängelwesen, Philosophie der Technik, Anthropologie, Organersatz, Entlastungstechnik, Triebkomponente, Lebensstandard, Naturbeherrschung, Sozialregulation, Instinktarmut, Technikphilosophie, Industriegesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt Arnold Gehlens philosophisch-anthropologische Bestimmung des Menschen als Mängelwesen und untersucht dessen notwendige Beziehung zur Technik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der anthropologischen Defizit-Theorie, den technischen Kompensationsmechanismen und der Transformation des menschlichen Lebens durch die industrielle Entwicklung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu ergründen, inwiefern der Mensch seine biologische Mangelhaftigkeit durch Technik ausgleicht und welche Konsequenzen dieser Status für die moderne Lebensweise hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche Analyse, die auf der Literaturrecherche und Interpretation der Werke von Arnold Gehlen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung des Mängelwesens und die Analyse der technischen Prinzipien (Organersatz, Entlastung) sowie deren Auswirkungen auf die Beziehung des Menschen zur Natur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Mängelwesen, Organersatz, Technik, Anthropologie, Kompensation und Lebensstandard.
Welche Rolle spielt die Triebkomponente der Technik?
Gehlen charakterisiert die Technik nicht nur als rationales Handeln, sondern als einen "dumpfen Naturvorgang" und unbewussten Trieb, der dem Überlebenswillen der Gattung entspringt.
Warum wird der Mensch als „nature artificielle“ bezeichnet?
Gehlen nutzt diesen Begriff, um auszudrücken, dass der Mensch aufgrund seiner Mängel nicht in der Natur verharrt, sondern sich durch Technik eine künstliche Umwelt schafft, die zu seinem eigentlichen Wesen wird.
Inwiefern hat die Technik den Lebensstandard verändert?
Durch die Entwicklung von Verstärker- und Entlastungstechniken konnte der Mensch Lasten reduzieren und seinen Lebensstandard durch die Beherrschung der Naturkräfte massiv erhöhen.
- Arbeit zitieren
- Soheil Natawan (Autor:in), 2014, "Die Seele im technischen Zeitalter" von Arnold Gehlen. Die These vom Mensch als Mängelwesen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280036