Literarische Texte im DaF-Unterricht. Vorteile für Leseprozess und Deutungsfähigkeiten, didaktische Konsequenzen


Hausarbeit, 2013

10 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung: Definition literarischer Texte

2. Der literarische Text im Fremdsprachen-Unterricht
2.1. Vorteile
2.2. Der fremdsprachliche Leseprozess
2.3. Heuristische Deutungsfähigkeiten

3. Didaktische Konsequenzen
3.1. Textauswahl und Lesetraining

4. Schlussbemerkungen

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung: Definition literarischer Texte

Um die didaktischen Konsequenzen literarischer Texte für den Fremdsprachen-Unterricht zu untersuchen, bedarf es zunächst einer Definition von Literatur. Was beschreibt der Begriff Literatur ? Literatur stammt ursprünglich vom lateinischen littera ab, was so viel bedeutet wie der Buchstabe (BROCKHAUS Bd. 13 1998, 473). Literalität beschreibt im Gegensatz zu Oralität zunächst die Form des Erzählten in lesbarer Form, der Sinnzusammenhang entsteht dementsprechend erst durch das gebrauchte (und gelesene) Zeichensystem. Hierunter fallen also alle textlich produzierten Dokumente.

Die schriftliche Kunstform als Literatur im engeren Sinne zeichnet sich vor allem durch gezielt eingesetzte sprachliche Mittel aus, erst durch sie erhalten die dann literarischen Texte ihren ästhetischen Wert. Solche Strukturmerkmale sind beispielsweise Symbolik, Metaphorik sowie rhetorische und stilistische Mittel. Weiterhin kann als Kriterium der ästhetischen Literatur die Fiktionalität genannt werden. So unterteilt man Literatur in fiktionale und nichtfiktionale Texte. Unter nichtfiktionale Texte fallen Sach- sowie Fachliteratur, sie beschreiben faktische, informative Zusammenhänge, sind also nicht erdacht. Fiktionale Texte hingegen beschreiben erfundene Geschehnisse mit einer oftmals individuell wirkenden tiefgründigen Bedeutung.

Literatur im engeren Sinne lässt sich in vornehmlich drei Gattungen unterteilen, das Drama, die Epik und die Lyrik. Das Drama zeichnet sich vor allem durch seine Dialogform aus, hierunter fallen auch die Komödie und Tragödie. Lyrische Texte zeichnen sich durch spezifische Stilelemente aus wie der Metrik, dem Vers, der Strophe und dem Rhythmus. Unter Lyrik fallen Balladen, Gedichte, Oden und Hymnen. Unter Epik fällt ein Text dann, wenn er eine erzählende Struktur aufweist. Epische Texte stellen Geschehnisse der äußeren und inneren Welt vom Standpunkt eines spezifischen Erzählers dar, oftmals in einer abgeschlossenen prosaischen Form. Unter die Epik fallen unter anderem das Epos, der Roman, Erzählungen, Märchen, Fabeln und Novellen (BEST 1982, 134).

Literatur weist meist einen Spannungsbogen auf, der sich auch über längeres Lesen hinfort zieht. Dabei arbeiten literarische Texte mit Leerstellen, die den persönlichen Einbezug der Lesenden fordern und so das Lesen immer zu einer individuellen Erfahrung machen. So ist man als Leser in den Text emotional involviert.

2. Der literarische Text im Fremdsprachen-Unterricht

Dass der literarische Text im Fremdsprachen-Unterricht überhaupt behandelt und gebraucht wird, ist noch ein relatives Novum. Standen doch zu Zeiten der audiolingualen und audiovisuellen Methoden der 60er und 70er Jahre vor allem die Fertigkeiten des Hörens und Sprechens im Mittelpunkt des Unterrichts. Erst Ende der 70er Jahre gelangte man zu der Überzeugung, ein ganzheitlicher Fremdsprachen-Unterricht fördere alle Bedürfnisse und Fähigkeiten der Lernenden und führe zu einer allumfassenden Fremdsprachen-Kompetenz. So nahm sich der kommunikative Deutschunterricht unter das Fernziel „ Umfassende Orientierungsfähigkeit im deutschsprachigen Alltag das Lernziel Verstehen von schriftlichen (Alltags-) Texten gleichberechtigt neben das Lernziel Verstehen von Hörtexten “ (WESTHOFF 1997, 5). Die Fertigkeit des Lesens wird somit zu einem Mittelpunkt des Fremdsprachen- Unterrichts, neben den Fertigkeiten Hören, Sprechen und Schreiben. Westhoff sieht dabei im fremdsprachlichen Leseunterricht keinen Selbstzweck. Vielmehr sei er dadurch schon legitimiert, dass das Ergebnis des literarischen Unterrichts in der Praxis, der realen Situation benutzt werden könne:

„Der so verstandene fremdsprachliche Leseunterricht soll die Lernenden vor allem befähigen, ihre Bedürfnisse nach Informationen, die in einem fremdsprachlichen Text enthalten sind, (weitgehend) selbstständig befriedigen“ (WESTHOFF 1997, 7).

Mit einer solchen Definition sind natürlich nicht nur literarische Texte mit inbegriffen. Vielmehr handelt es sich in einer solchen Definition vor allem um nicht-literarische Texte. In der realen Situation, dem alltäglichen Leben werden die Lernenden mit einer Vielzahl verschiedener Texte konfrontiert, die nicht wirklich literarisch sind. So müssen sie Fahrpläne und andere informative Tafeln lesen können, private sowie offizielle Briefe und Dokumente, Informationszettel oder Zeitungsartikel. Weshalb also soll gerade der literarische Text im Deutschunterricht behandelt werden? Welche Vorteile bringt er mit sich und weshalb lohnt es sich, literarische Texte mit Deutsch-Lernenden zu behandeln? Diese Fragen sollen im nächsten Kapitel geklärt werden.

2.1. Vorteile

Das Behandeln von Literatur im Fremdsprachen-Unterricht bringt einige Vorteile mit sich. Da es sich bei epischen und prosaischen Texten um Fließtexte mit spezifischen Konnektoren und strukturgebenden Mitteln handelt, eignen sich solche Texte besonders gut, um spezifisch deutsche sprachliche Strukturen kennen zu lernen. So können vor allem Wort- und Buchstabenkombinationen und der Satzverlauf geübt werden (vgl. WESTHOFF 1997, 84). Im Gegensatz zur Grammatik-Übersetzungs-Methode steht im kommunikativen Ansatz vor allem das Verständnis des literarischen Zusammenhangs im Vordergrund. Die Lernenden lernen die sprachlichen Strukturen durch das Erschließen von Sinnzusammenhängen kennen und trainieren sie durch das weitere Lesen, das bestenfalls durch emotionale Involviertheit und Gespanntheit motiviert wird.

Eine solche Involviertheit wird am besten mit Texten erreicht, die die Lernenden persönlich und emotional ansprechen. Dadurch verkommt eine Lerneinheit nicht zum bloßen „LernenMüssen“, vielmehr werden die Lernenden durch den behandelten Inhalt des literarischen Textes motiviert ihre Lesefertigkeiten zu verbessern und der Unterrichtsinhalt bleibt nicht trocken. (vgl. WESTHOFF 1997, 5).

Neben diesen Punkten erzielt man mit der Behandlung von Literatur im Unterricht auch die Vermittlung von fremdsprachlicher Ästhetik und Kultur, landeskundlicher Information sowie die Vermittlung fremdkultureller Kompetenz (vgl. DODERER 1991, 41ff.). Durch fiktive Texte kann die Landeskunde spielerisch und ästhetisch vermittelt werden. Literarische Texte bestechen in diesem Zusammenhang auch durch ihre sprachliche Einfachheit. Zeitungsartikel haben beispielsweise eine ihnen eigene Sprache, die wiederum eigene Stilmittel verwendet und für das Verständnis mitunter hinderlich sein können. So werden Zeitungsartikel in entsprechenden Untersuchungen von Lernenden als relativ schwierig eingeschätzt (WESTHOFF 1997, 85). Im Gegensatz zu den im Unterricht gerne genommenen Zeitungsartikeln behandeln literarische Texte häufig menschlich allgemeine Themen, die eine individuelle Lesart zulassen und ohne viel Vorwissen über aktuelle Geschehnisse Landeskunde vermitteln können. Nicht zuletzt werden neben den genannten sprachlichen Kompetenzen auch kommunikative Kompetenzen (indem sich die Lernenden über das Gelesene unterhalten) und Lesefertigkeiten vermittelt. Die Möglichkeit mit literarischen Texten grammatische und lexikalische Phänomene zu vermitteln, soll in dieser Arbeit vernachlässigt werden, der Schwerpunkt liegt vielmehr auf globalen Lesekompetenzen.

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Details

Titel
Literarische Texte im DaF-Unterricht. Vorteile für Leseprozess und Deutungsfähigkeiten, didaktische Konsequenzen
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
10
Katalognummer
V280568
ISBN (eBook)
9783656743569
ISBN (Buch)
9783656837862
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
literarische, texte, daf-unterricht, vorteile, leseprozess, deutungsfähigkeiten, konsequenzen
Arbeit zitieren
Clara Kiele (Autor), 2013, Literarische Texte im DaF-Unterricht. Vorteile für Leseprozess und Deutungsfähigkeiten, didaktische Konsequenzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280568

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